Im Mai kehrt die IndyCar jedes Jahr zu ihren Wurzeln nach Indianapolis zurück und schon traditionell beginnen die Feierlichkeiten mit dem Grand Prix auf dem Rundkurs im Indianapolis Motor Speedway.
In Vorbereitung dieser Vorschau habe ich mir auch die vom Vorjahr angesehen und die begann mit: „So gab es im Vorfeld des aktuellen Grand Prix Stimmen, auch von den Fahrern, die das aktuelle Racing in der IndyCar-Series kritisierten. Die Fahrer würden nur die Reifen schonen und Benzin sparen, ohne wirklich an das Limit zu gehen.“ Und nun kommen wir aus einem langweiligen Grand Prix of Long Beach, in dem nur Josef Newgarden über einige Runden hinweg den echten Speed der Wagen gezeigt hat. Das restliche Feld war fast ausschließlich mit Benzinsparen beschäftigt. Der Grand Prix im IMS war im Vorjahr dann aber etwas spannender, auch wenn Alex Palou ihn gewinnen konnte. Es war sein dritter Sieg in Folge bei diesem Rennen. Entsprechend brauchen wir nicht über den Topfavoriten für Samstag sprechen. Mit vier aufeinander folgenden Siegen bei demselben Rennen würde er unter anderem den Rekord von A. J. Foyt und Al Unser Jr. einstellen.
Überraschend stark war im Vorjahr Graham Rahal für RLL-Racing. In der ersten Kurve holte er sich die Führung von Alex Palou und hielt sich auch lange an der Spitze. Ihm fehlte jedoch über das gesamte Rennen hinweg die Geschwindigkeit, um auf das Podium zu fahren. Platz 6 war sein zweitbestes Saisonergebnis und zugleich das zweitbeste Ergebnis für RLL-Racing. Dieses Jahr ist er deutlich besser unterwegs. Platz 3 im Barber Motorsports Park verdeutlicht das. Es wäre keine Überraschung, wenn er sich wieder weit vorne zeigen würde. Wenn wir bei RLL Racing sind, können wir auch über Mick Schumacher sprechen. Der Saisonstart war sicherlich kein Highlight. Besonders im Mittelfeld und im hinteren Teil des Feldes ist die IndyCar-Series aber extrem eng beisammen und RLL-Racing ist kein Topteam. Dazu waren die bisherigen Strecken nicht mit dem vergleichbar, was er aus Europa und der Formel 1 kennt. Der Rundkurs im IMS kommt einem F1-Kurs jetzt aber am nächsten. Hier sollte er schon etwas konkurrenzfähiger sein.
Neben Graham Rahal gibt es noch eine Vielzahl weiterer Favoriten für die Plätze hinter Alex Palou. Zunächst ist da Pato O’Ward zu nennen, der sich im IMS traditionell sehr wohlfühlt. Zwar ist er noch sieglos, er hat aber schon viermal das Podium des Grand Prix erreicht. Zuletzt erreichte er im Vorjahr Platz 2. Sein erster Sieg im IMS ist eigentlich überfällig. Auch Christian Lundgaard ist noch sieglos. In seinen ersten sechs Starts mit RLL-Racing fuhr er immer in die Top 12, davon zweimal auf das Podium. Für McLaren reichte es im Vorjahr nur für Platz 16.
Erster Verfolger von Alex Palou in der Meisterschaft ist Kyle Kirkwood. Der Grand Prix im IMS gehört jedoch nicht zu seinen bevorzugten Events. Seine beste Platzierung war Platz 8 im Vorjahr. Vielleicht muss dann eher Will Power für Andretti Global eine Topplatzierung einfahren. Er war schon fünfmal siegreich. Sein letzter Sieg datiert jedoch aus dem Sommer 2021, bei den sechs Rennen danach fuhr er viermal auf das Podium. Der Rundkurs im IMS lag ihm auf jeden Fall, zumindest als er noch für Team Penske unterwegs war. Seinen Platz hat jedoch David Malukas übernommen. Er fährt bisher eine gute Saison und liegt auf Platz 3 der Meisterschaftswertung. Unda dmait vor seinen Teamkollegen Scott McLaughlin und Josef Newgarden. Die Entwicklung der Hierarchie im Team wird spannend zu beobachten sein.
Beim Grand Prix of Long Beach kam es erneut zu einer unerlaubten Benutzung des Push-to-Pass-Systems. Insgesamt setzten 12 Fahrer es beim Start und Restart ein. Wir erinnern uns an den Grand Prix of St. Petersburg 2014, als das gesamte Team Penske das System unerlaubt nutzte. Damals beteuerte Josef Newgarden, er habe es nur eingesetzt, weil er dachte, es wäre legal. Alex Palou stand dem Thema hingegen immer sehr offen gegenüber und meinte, er würde auch wenig legale Möglichkeiten nutzen. Entsprechend war er jetzt auch bei den zwölf Fahrern dabei. Aber auch Scott McLaughlin und David Malukas vom Team Penske, Nolan Siegel von McLaren und Felix Rosenqvist von Meyer-Shank-Racing waren dabei. Josef Newgarden hingegen hielt sich an seine Aussage und drückte den entsprechenden Knopf nicht. Ab Samstag ist der Einsatz der Push-to-Pass-Sekunden auch beim Start und Restart erlaubt, um eine Chancengleichheit zu gewährleisten.
Strecke
Der Indianapolis Motor Speedway wurde für den Formel 1 Grand Prix im Jahr 2000 gebaut. Man entschied sich für eine Streckenführung im Uhrzeigersinn und nutzte Turn 1 des Ovals als letzte Kurve der Strecke. Für die MotoGP (ab 2008) und die IndyCar-Serie wurde die Strecke massiv umgebaut. Als Start- und Zielgerade wird die lange und breite Gerade an der Haupttribüne des Ovals genutzt. Diese endet in einer engen 90-Grad-Rechtskurve. Ein hier versuchtes Überholmanöver kann in der folgenden 90-Grad-Linkskurve vereitelt werden. In den beiden folgenden Rechtskurven sollten sich die Fahrer jedoch einig sein. Besonders wichtig ist der Ausgang von Kurve 4, denn nach einer sehr schnellen Links-Rechts-Schikane folgt die zweitlängste Gerade der Strecke. Kurve 7, eine 90-Grad-Linkskurve, ist die zweite gute Überholmöglichkeit. Eine flüssige Passage inklusive Kurve 11, die mit Vollgas durchfahren werden muss, endet in einer 90-Grad-Rechtskurve. Mit der Brechstange und/oder der Verzweiflung der letzten Runde kann hier ein Überholmanöver gestartet werden. Die Kurven 13 und 14 müssen dann perfekt erwischt werden, um auf die lange Start- und Zielgerade zu gelangen.
Zeitplan (times local; MESZ)
Freitag, 08. Mai
9:05 – 10:25 a.m. (15:05 – 16:25) – NTT IndyCar Series practice #1
1:05 – 2:25 p.m. (19:05 – 21:25) – NTT IndyCar Series practice #2
5:35 p.m. (23:35) – Qualifying for the NTT P1 Award (three rounds of NTT IndyCar Series knockout qualifications)
Samstag, 09. Mai
11:40 a.m. – 12:10 p.m. (17:40 – 18:10) – NTT IndyCar Series warm-up
4:30 p.m. (21:30) – FOX on air
4:47 p.m. (21:47) – Sonsio Grand Prix (85 laps/ 207.3 miles), FOX, Sky (Live)
