Alex Palou gewann am Sonntag den langweiligen Grand Prix of Long Beach. Solche Rennen werden gerne als Strategieklassiker bezeichnet. Das gilt jedoch nicht für das Rennen vom Sonntag.
Die Strategie der Teams und Fahrer bestand lediglich darin, bis zum Stopp in Runde 30 +/-1 Benzin zu sparen, bis zum Stopp in Runde 60 +/-1 Benzin zu sparen und bis ins Ziel Benzin zu sparen. In den Top 10 gab es keinerlei Kreativität, davon abzuweichen. Das machte das Rennen zu einer sehr öden Prozession. Mit den beiden Topfavoriten Alex Palou und Kyle Kirkwood in der zweiten Startreihe hatte man auf ein wenig Spannung gehofft. Die Pole-Position hatte sich am Samstag Felix Rosenqvist vor Pato O’Ward gesichert. David Malukas und Scott Dixon gingen von den Startplätzen 5 und 6 ins Rennen. Will Power startete vom siebten Platz in sein 20. Rennen in den Straßen von Long Beach. Dahinter folgten Scott McLaughlin und Kyffin Simpson im dritten Ganassi-Honda. Von weiter hinten mussten Christian Lundgaard (Startplatz 11) und Josef Newgarden (Startplatz 14) das Rennen aufnehmen.
Der Start war die größte Aufregung im Rennen. Will Power ließ sehr viel Platz vor sich, und hinter ihm wurde nicht einmal versucht, in Double-File-Formation zu kommen. So waren die Fast Six erst einmal unter sich. In Runde zwei bremste sich Alex Palou in Kurve eins an Pato O’Ward vorbei. Damit hatten wir auch schon alle Überholmanöver der Top 5 des Rennens gesehen. Da die Spitze bei Rundenzeiten von 1:10,5 Minuten Benzin sparte, schloss das Feld schnell auf und es bildete sich die angesprochene Prozession.
Im Mittelfeld versuchten sich zumindest ein paar Teams an einer alternativen Strategie. So kam beispielsweise Josef Newgarden in der elften Runde an die Box. Danach hatte er freie Fahrt und musste kein Benzin sparen. So konnte man sehen, wie schnell die IndyCars eigentlich hätten sein können. Direkt nach dem Stopp fuhr er eine 1:09,5-Minuten-Runde und wurde anschließend kontinuierlich schneller. Mit einer Zeit von 1:08,8 Minuten absolvierte er in Runde 18 die schnellste Rennrunde. Damit war Newgarden eine Sekunde pro Runde schneller als die Spitze, was für etwas Spannung im Rennen sorgte. Ein weiterer Vorteil war, dass er erst in der 29. Runde das Ende des Feldes erreichte und eingebremst wurde. Ab Runde 30 kamen jedoch alle Zweistopper an die Box und Newgarden hatte wieder freie Fahrt. Auch nach den Stopps war er mit gebrauchten Reifen weiterhin eine Sekunde schneller als Felix Rosenqvist. So hatte er in Runde 35 bereits die Hälfte der Zeit für den zusätzlichen Stopp herausgefahren.
Nach seinem Stopp in Runde 37 bekam Josef Newgarden jedoch echte Probleme. Er kam auf Platz 14 direkt hinter Marcus Armstrong wieder auf die Strecke. Um seine Pace zu halten, musste er also auf der Strecke überholen. Das ist in Long Beach nicht einfach. In Runde 42 bremste er sich in Kurve 1 an Armstrong vorbei. Dabei blockierte sein rechtes Vorderrad. Unter den Bremsplatten litt seine Performance zusätzlich. So holte sich Armstrong in Runde 51 den Platz zurück, und auch Louis Foster ging an Newgarden vorbei. Mit der Caution ab Runde 57 aufgrund von Trümmerteilen in Kurve 4 war Newgardens Strategie dann komplett gescheitert. Natürlich kam das gesamte Feld an die Box und absolvierte seinen letzten Stopp.
Bei diesem Stopp kam Alex Palou auch an die Spitze des Feldes. Felix Rosenqvist verlor etwas Zeit, da sein Boxenplatz zwischen denen der anderen Fahrer lag. So verzögerte sich seine Abfahrt minimal, da er Wagen passieren lassen musste, die zu ihrem Stopp fuhren. Alex Palou hingegen hatte Platz vor sich und konnte ungestört seine Box verlassen. So schob er sich an Rosenqvist vorbei und fuhr anschließend gemütlich zu seinem ersten Sieg in Long Beach. Palous Siege sind meist nicht spektakulär. Er gewinnt häufig, weil er die Ressourcen Reifen und Benzin am besten managt. Wenn es aber darauf ankommt, ist er auch der schnellste Pilot im Feld. Davon war am Sonntag allerdings nicht viel zu sehen. Abgesehen vom Überholmanöver gegen Pato O’Ward war er in keiner Kategorie besser als Felix Rosenqvist und Co. Entsprechend unbefriedigend fühlt sich das Ganze an.
Felix Rosenqvist und Scott Dixon begleiteten Palou auf das Podium. Dahinter folgten Kyle Kirkwood, Pato O’Ward und Scott McLaughlin. David Malukas verlor beim letzten Stopp drei Plätze und kam so nur auf Platz sieben ins Ziel. Will Power fiel aus den Top 10 auf Platz 19 zurück. Er hatte beim letzten Stopp einen Mechaniker leicht angefahren und musste deshalb eine Drive-Through-Strafe antreten. Graham Rahal überholte Kyffin Simpson und profitierte von Powers Strafe, sodass er Platz 8 erreichte. Alexander Rossi, Dennis Hauger und besonders Nolan Siegel auf den Plätzen 9, 11 und 12 machten über das Rennen hinweg viele Plätze gut. Josef Newgarden beendete das Rennen auf seinem ursprünglichen Startplatz 14.
Das gesamte Ergebnis ist auf der Homepage der IndyCar-Series (PDF) nachzulesen.
In der Meisterschaft liegt Alex Palou mit 205 Punkten wieder vor Kyle Kirkwood mit 188 Punkten. Hinter den beiden Honda-Fahrern folgt eine Gruppe von Chevrolet-Piloten: David Malukas (142 Punkte), Pato O’Ward (136 Punkte), Christian Lundgaard (131 Punkte), Josef Newgarden (130 Punkte) und Scott McLaughlin (127 Punkte).
Im Mai reist die IndyCar-Series natürlich nach Indianapolis. Am 9. Mai steht zunächst der Grand Prix auf dem Rundkurs im Indianapolis Motor Speedway auf dem Programm. Der Höhepunkt des IndyCar-Jahres folgt dann am 24. Mai.















