Kyle Kirkwood gewann am Sonntag das Rennen auf dem World Wide Technology Raceway. Es war sein erster Sieg auf einem Oval in seiner Karriere.
Vor dem Rennen gehörte er nicht zum engsten Favoritenkreis. Dazu gehörten die Fahrer von Team Penske, die in Training und Qualifikation das Tempo vorgaben. Will Power sorgte für die 700. Pole Position von Team Penske über alle Rennserien hinweg. Neben ihm ging sein Teamkollege Scott McLaughlin ins Rennen. Die zweite Startreihe bildeten Pato O’Ward und David Malukas. Auf Startplatz fünf folgte mit Josef Newgarden der dritte Penske-Chevrolet vor den beiden Meyer-Shank-Piloten Marcus Armstrong und Felix Rosenqvist. Die nächsten vier Startplätze teilten sich Andretti Global und Chip Ganassi Racing mit Colton Herta, Alex Palou, Kyle Kirkwood und Scott Dixon. Damit gingen alle Favoriten aus den ersten fünf Startreihen ins Rennen.
David Malukas hatte die beste erste Runde und schob sich in Kurve 4 an Will Power zur Führung vorbei. Die Strecke hatte viel Grip, den die Fahrer für verschiedene Linien nutzten. Besonders Conor Daly überholte seine Kontrahenten sowohl außen als auch innen. Für Devlin DeFrancesco war der Grip jedoch noch zu gering, sodass er in Kurve 1 die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Die Folge war eine frühe Caution von Runde 4 bis 9. David Malukas setzte sich danach langsam von Will Power an der Spitze ab. Dahinter fuhr sich Josef Newgarden beim Restart von Platz 8 auf Platz 4 hinter Scott McLaughlin nach vorne. Den größten Sprung vom Start machte jedoch Conor Daly auf Platz 5. Er hielt Pato O’Ward und Kyle Kirkwood hinter sich.
Die erste längere Grünphase endete in der 47. Runde mit einem Unfall von Will Power in Kurve 4. Aufgrund eines Reifenschadens vorne rechts war er chancenlos, den Wagen auf der Strecke zu halten. Während der Caution wurde es in der Boxengasse voll. Nun lag es in den Händen der Mechaniker, Plätze gutzumachen. Die beste Arbeit leisteten die Mechaniker von Scott McLaughlin, sodass er die Spitze von David Malukas übernahm. Josef Newgarden verbesserte sich auf Platz drei vor Pato O’Ward, Conor Daly und dem Andretti-Duo Colton Herta und Kyle Kirkwood. Beim Restart fuhr Christian Lundgaard direkt hinter Scott McLaughlin. Der McLaren-Pilot hatte beim Stopp seine Box verpasst und durch die Rangierarbeiten eine Runde verloren. Bei Ed Carpenter Racing gab es nach Rossi beim Indy 500 den nächsten Feuerunfall. Beim Abziehen des Tankschlauchs trat wieder eine größere Menge Benzin aus, die sich am heißen Motor entzündete. Diesmal war Christian Rasmussen das Opfer.
Die Strecke zeigte sich auch im zweiten Stint von ihrer guten Seite. Es konnte weiterhin auf verschiedenen Linien überholt werden. So ging Josef Newgarden in der 74. Runde an David Malukas für Platz 2 vorbei. Anschließend machte er Jagd auf seinen Teamkollegen und war im Überrundungsverkehr der schnellere Pilot. Der Wechsel an der Spitze erfolgte jedoch erst bei den nächsten Boxenstopps. Newgarden und Malukas kamen in der 100. Runde an die Box. McLaughlin folgte zwei Runden später. Dabei hing er zusätzlich hinter Kyffin Simpson fest. Das reichte, damit Newgarden und Malukas vorbeigehen konnten. Hinter den Top 3 hielten sich weiterhin Pato O’Ward, Conor Daly und Kyle Kirkwood. Dazwischen hatte sich Christian Rasmussen geschoben, der nach seinem Tankunfall jedoch eine andere Strategie verfolgte. Von Chip Ganassi Racing war vorne nichts zu sehen. Scott Dixon fuhr nach den ganzen Stopps in Runde 110 auf Platz 13, Alex Palou hatte auf Platz 15 sogar schon eine Runde Rückstand.
In der 130. Runde wurde Josef Newgarden sehr unsanft aus seiner beruhigenden Führung gerissen. Louis Foster hatte in Kurve 4 die Kontrolle über seinen Wagen verloren, war in die Mauer eingeschlagen und rutschte am Beginn der Start- und Zielgeraden die Strecke hinunter. Newgarden konnte nicht ausweichen und stieg über das Heck von Fosters Wagen auf. Er schlug hart mit Überrollbügel und Aero-Screen auf dem Boden auf. Das war ein heftiger Crash für beide Fahrer. Die Sicherheitseinrichtungen haben jedoch ihren Dienst verrichtet, sodass beide mehr oder weniger unverletzt blieben. Die Aufräum- und Reinigungsarbeiten dauerten entsprechend lange. Louis Foster machte Santino Ferrucci für den Unfall verantwortlich, da dieser ihn nach außen auf die dreckige Linie gedrückt habe.
Bei den Stopps wurde es wieder sehr eng in der Boxengasse. Scott McLaughlin und David Malukas wurden wegen „Improper Line Usage“ bestraft. Sie waren von ihrer Box direkt in die Fast-Lane abgebogen, um vor den folgenden Fahrern zu bleiben. Sie mussten jeweils drei Plätze abgeben. Somit führte Pato O’Ward vor Conor Daly und Kyle Kirkwood das Feld zum Restart an. Dahinter folgten David Malukas und Scott McLaughlin vor Colton Herta und Santino Ferrucci. An der Spitze entwickelte sich ein sehr schönes, rundenlanges Duell um die Führung. Das war perfektes Ovalracing in Angriff und Verteidigung. Erst in der 154. Runde setzte sich Conor Daly endgültig durch. Auch Christian Rasmussen zeigte perfektes Racing. Nach einer Strafe wegen eines Stopps bei geschlossener Boxengasse lag er beim Restart auf Platz 18 und damit am Ende der Führungsrunde. Bis zu den nächsten Stopps hatte er sich jedoch auf Platz 6 nach vorne gefahren.
Conor Daly eröffnete die nächste Runde der Boxenstopps in Runde 190. Dabei konnten sich Pato O’Ward und Kyle Kirkwood an ihm vorbeischieben. David Malukas kam mit neuen Reifen etwas zu weit nach außen, verlor im Dreck die Haftung und touchierte leicht die Mauer. Die Rennleitung löste daraufhin direkt die nächste Caution aus. Dadurch ging Scott Dixon in Führung. Er war der einzige Fahrer, der in dieser Sequenz noch nicht an der Box gewesen war. Er hatte eine Runde Vorsprung auf O’Ward und blieb so auch nach seinem Stopp unter Gelb in Führung. Bisher hatte Chip Ganassi Racing aber noch keinen besonderen Speed gezeigt und die schnellen Fahrer hingen im Heck. Bis zu seinem letzten Stopp in Runde 237 hielt er aber die Führung vor Kyle Kirkwood und Pato O’Ward. Derweil musste Scott McLaughlin in Runde 216 seinen Wagen mit einem Defekt an der Box abstellen. Damit war auch der dritte Penske-Fahrer aus dem Rennen.
Als erster Fahrer der Spitzengruppe steuerte Christian Rasmussen in Runde 225 die Box an. Die anderen folgten in den nächsten Runden: Kirkwood in Runde 234, Dixon in Runde 237 und O’Ward in Runde 238. Bei Dixon kam es zu einer kleinen Verzögerung beim Stopp, wodurch er hinter Kirkwood, O’Ward und Rasmussen zurückfiel. Noch länger blieb Santino Ferrucci draußen. Bis zu seinem Stopp in der 246. Runde sammelte er einige Führungskilometer. Nach dem Stopp sortierte er sich auf Platz 6 zwischen Rasmussen und Dixon wieder ein. Mit nur noch zwölf Runden auf der Uhr führten Callum Ilott und Felix Rosenqvist. Beide hatten in Runde 207 gestoppt und es stand im Raum, dass sie ohne weiteren Stopp durchkommen könnten. Aber Kyle Kirkwood war auf Platz drei eine Sekunde pro Runde schneller und hatte noch genug Zeit, um beide einzuholen.
Felix Rosenqvist und Callum Ilott mussten die Box aber doch noch ansteuern. So fuhr Kyle Kirkwood seinen dritten Saisonsieg ein. Pato O’Ward und Christian Rasmussen hatten am Ende keine Sekunde Rückstand auf Kirkwood. Scott Dixon wurde durch die Caution nach vorne gespült, hatte aber nicht die Geschwindigkeit, um um den Sieg zu kämpfen. Am Ende sprang aber trotzdem Platz 4 heraus. Santino Ferrucci, Conor Daly und Rinus VeeKay folgten auf den Plätzen 5 bis 7 – jeder von ihnen einzeln in den Top 10 eines Ovals zu sehen, ist keine Überraschung. Das gilt im Übrigen auch für Christian Rasmussen. Dass aber alle vier zusammen so weit vorne waren, ist schon sehr außergewöhnlich. Alex Palou kam auf Platz 8 ins Ziel. Vom dominanten Fahrer der Saison war nichts zu sehen. Marcus Armstrong und Robert Shwartzman komplettierten die Top 10, David Malukas wurde auf Platz 12 gewertet. Nach dem leichten Mauerkontakt hatte er nicht mehr die Geschwindigkeit der Spitze.
Das gesamte Ergebnis kann auf der Homepage der IndyCar Series (PDF) nachgelesen werden.
In der Meisterschaft führt weiterhin Alex Palou (335 Punkte) vor Pato O’Ward (262 Punkte) und Kyle Kirkwood (260 Punkte). Christian Lundgaard (221 Punkte) und Scott Dixon (206 Punkte) haben bereits einen größeren Rückstand.
Am nächsten Wochenende geht es für die IndyCar Series auf die wunderschöne Strecke von Road America.









