Ein halbes Jahr nach dem Finale der letzten Saison kehrt die IndyCar-Series am nächsten Wochenende auf die Straßen von Long Beach zurück. Der Grand Prix findet damit wieder am angestammten Termin Anfang April statt.
Es ist der Event mit der zweitgrößten Tradition im IndyCar-Kalender. Seit 1984 findet das Rennen am Pazifik statt. Da es aber 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie ausgefallen ist, hat es den Titel der zweitlängsten Serie an jährlichen Austragungen an den Texas Motorspeedway verloren. Trotzdem ist und bleibt der Grand Prix of Long Beach einer der Höhepunkte des IndyCar-Jahres. Es ist das größte Event außerhalb von Indianapolis und bleibt uns hoffentlich noch lange, auch über die aktuelle Vertragslaufzeit bis 2018, erhalten.
Die letzten drei Austragungen konnten Fahrer von Andretti Autosport für sich entscheiden. Alexander Rossi gewann die 2018 und 19, sowie Colton Herta im letzten Herbst. Für Rossi war es der vorletzte Sieg in der IndyCar. Seit Juni 2019 ist er nun schon sieglos. So langsam muss man ihn selbst von der erweiterten Favoritenliste streichen. Platz 6 war im Vorjahr eine seiner besseren Platzierungen. Ganz anders lautet die Einschätzung zu seinem Teamkollegen Colton Herta. Gerade auf Stadtkursen ist er sehr stark. Vier der letzten sechs Rennen in der Stadt beendete er in den Top-4 und in Nashville sprang, nach einem Fahrfehler, nur Platz 19 heraus, nachdem er die meisten Runden das Rennen angeführt hatte. Auch auf Romain Grosjean muss man ein Auge haben. Im Vorjahr hatte er sich noch nicht richtig an die typischen US-Stadtkurse gewöhnt. Platz 5 beim Saisonauftakt in St. Petersburg zeigt seinen Kontrahenten aber, dass sie nicht allzu lange auf diese Schwäche noch hoffen dürfen.
Die stärkste Konkurrenz sollte aus Richtung von Chip Ganassi Racing und Team Penske kommen, auch wenn beide Teams seit sechs beziehungsweise sieben Jahren in Long Beach sieglos sind. Scott Dixon, Josef Newgarden und Will Power sind Routiniers und haben schon auf jeder Art Strecke dominiert. Alex Palou ist aktueller Meister und muss schon allein deshalb immer zu den Favoriten gezählt werden. Mit den Siegen in den Straßen von Nashville und St. Petersburg haben auch Marcus Ericsson und Scott McLaughlin bewiesen, dass sie auf Stadtkursen gewinnen können.
Mit je drei Wagen von Chip Ganassi Racing und Team Penske, sowie den beiden von Andretti Autosport, wird es langsam eng in den Top-10. Ein Kandidat für eine Top-Platzierung ist sicherlich auch Pato O’Ward. Das letzte Rennen in Long Beach wird er aber schnell vergessen haben. Er wurde direkt nach dem Start von Ed Jones gedreht und musste in Runde 18 seinen Wagen mit gebrochener Antriebswelle abstellen. Der Traum von der Meisterschaft war damit früh zu Ende. Dieses Rennen beendete Simon Pagenaud auf Platz 5. Es war seine drittbeste Platzierung im Vorjahr. Mit neuer Motivation bei Meyer Shank Racing sollte man auch ihn auf dem Zettel für eine vordere Platzierung haben. Sein Teamkollege Helio Castroneves hat mit 194 Führungsrunden in Long Beach übrigens mehr als jeder andere aktive Fahrer im Feld.
Für die Rookies Tatiana Calderon, Devlin DeFrancesco, Kyle Kirkwood, Christian Lundgaard und David Malukas wird es das erste IndyCar-Wochenende an der Pazifikküste sein. Da Long Beach sich auch nicht im Kalender der IndyLights befindet, ist die Strecke für alle komplett neu. Callum Ilott hingegen konnte im Vorjahr die letzten drei Saisonrennen bestreiten und erreichte dabei Platz 26 in Long Beach.
Strecke
Der Stadtkurs erstreckt sich über 3,167 km um das Kongresszentrum in Long Beach. Die Start- und Ziel- Passage, inklusive einer langgezogenen Rechtskurve, mündet in eine enge 90 Grad Linkskurve. An der schnellsten Stelle der Strecke müssen die Fahrer aus fast 180 mph anbremsen. Es ist die beste Überholstelle, auch wenn es durch die nahen Betonwände häufiger Unfälle gibt. Gerade nach dem stehen Start wird es dort sehr kritisch. Es folgt ein enger und winkliger Streckenabschnitt. In Kurve 4, eine 90 Grad Rechtskurve, haben die Fahrer häufiger Probleme, da es durch einen anderen Belag besonders rutschig am Kurvenausgang ist. Es folgt eine Reihe von 90 Grad Kurven und kurzen Geraden. Kurve 8 ist besonders wichtig, da sie auf die zweitlängste Vollgaspassage der Strecke führt. Einige Bodenwellen in der Anbremszone erschweren aber das exakte Durchfahren. Kurve 9 bietet dann eine zweite kritische Überholmöglichkeit. Die folgende Linkskurve kann zum Konter genutzt werden. Trotzdem ist es auch hier sehr eng und der Austausch von Carbonteilen wahrscheinlich. Eine Haarnadel führt zurück zur Start- und Ziel-Passage.
Zeitplan (eastern time, MEZ)
Freitag, 8. April
6:15 – 7:15 p.m. (0:15 – 1:15) – NTT IndyCar Series practice #1
Samstag, 9. April
11:45 a.m. – 12:45 a.m. (17:45 – 18:45) – NTT IndyCar Series practice #2
03:05 p.m. (21:05) – Qualifying for the NTT P1 Award (three rounds of knockout qualifications
Sonntag, 10. April
12:00 – 12:30 p.m. (18:00 – 18:30) – NTT IndyCar Series warmup
03:00 p.m. (21:00) – NBC on air
03:38 p.m. (21:38) – „Drivers, start your engines“ command
03:45 p.m. (21:42) – Acura Grand Prix of Long Beach (85 laps/167.28 miles), NBC, SKY (live)
(c) Photos: IndyCar Media; James Black, Chris Jones, Chris Owens, Stephen King, Joe Skibinski
