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IndyCar: Vorschau 110th Indianapolis 500

The Greatest Spectacle in Racing

von Rainer
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Wer von den 80.000 Zuschauern, die am 30. Mai 1911 den Sieg von Ray Harroun gesehen haben, hätte erwartet, dass dies der Beginn der größten Tradition im Motorsport sein würde? 109 Ausgaben später pilgern am Sonntag über 300.000 Zuschauer zum Indianapolis Motor Speedway, um mit den 33 Fahrern und Teams mitzufiebern. Die Tribünen sind komplett ausverkauft. Im Gegensatz zum Vorjahr sind seit über einer Woche auch keine Restkarten mehr verfügbar. Das ist seit der 100. Austragung das erste Mal der Fall. Natürlich ist auch das Starterfeld von 33 Wagen voll. In diesem Jahr war es jedoch etwas mühsam, es zu füllen. Mit Prema sind zwei Vollzeit-Starter, darunter Robert Shwartzman, der Pole-Sitter des Vorjahres, nicht mehr am Start. Andretti Global setzt auch keinen zusätzlichen Wagen ein. Zum einen hat Marco Andretti seine Karriere beendet, zum anderen hat Colton Herta keine Zeit. Er muss am Wochenende in der Formel 2 in Montreal an den Start gehen.

Aufgrund der neuen NASCAR-Regeln, nach denen ein Fahrer keine Punkte erhält, wenn er nicht zum Start im Wagen sitzt, ist auch ein Doppelstart von Kyle Larson nicht möglich. Das Risiko, den Start zum Coca-Cola 600 und damit Punkte in der Meisterschaft zu verpassen, ist einfach zu groß. Den zusätzlich McLaren pilotiert in diesem Jahr so Ryan Hunter-Reay, Sieger 2014. Für Katherine Legge spielen die NASCAR-Meisterschaftspunkte keine Rolle und so versucht sie sich am Doppelstart. Das bringt den Sponsoren auf jeden Fall eine Extraportion Aufmerksamkeit. Jacob Abel, der sich im Vorjahr mit Dale Coyne Racing nicht qualifizieren konnte, tritt für Abel Motorsports an. Abel und Legge können froh sein, dass es nur 33 Meldungen gibt. Wahrscheinlich hätten sie gegen RLL Racing, die in den Trainings wieder keinen Eindruck hinterließen, die letzten Startplätze ausfahren müssen.

Mick Schumacher hat Glück, dass er automatisch qualifiziert ist. So hart muss man es leider ausdrücken. Ihm fehlt offensichtlich Ovalerfahrung. Wenn dann auch noch das Team Probleme hat, macht das die ganze Sache doppelt schwierig. Das beste Beispiel ist Fernando Alonso, der 2019 an der Qualifikation gescheitert ist, obwohl er zwei Jahre zuvor einen sehr guten Eindruck im IMS hinterlassen hatte. Die Probleme von RLL-Racing sind auch nicht neu. Wir erinnern uns an das Jahr 2023, als Graham Rahal die Qualifikation verpasste.

Strecke

Bereits 1909, als der erste Indianapolis Motor Speedway eröffnet wurde, handelte es sich um ein 2,5-Meilen-Oval. Auch einige Umbauten, wie die Verlegung von Ziegelsteinen, die dem Oval den Namen Brickyard einbrachte, haben an der Grundkonfiguration nichts geändert. Die vier 90°-Kurven mit einer Länge von jeweils 0,25 Meilen und einer Überhöhung von 9°12‘ werden durch zwei lange (0,625 Meilen) und zwei kurze (0,125 Meilen) Geraden verbunden. Das geringe Banking ist untypisch für ein amerikanisches Oval und erschwert die Abstimmung, da die IndyCars bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 220 mph (354 km/h) leicht nach außen rutschen. Mehr Abtrieb würde dies verhindern, aber die Höchstgeschwindigkeit reduzieren. Gerade im Qualifying ist es ein schwieriges Spiel, die richtige Abstimmung zu finden.

Aufgrund immer größer werdender Bodenwellen wurde Kurve 2 im Herbst letzten Jahres neu aufgebaut. Bei den Arbeiten wurden Ziegelsteine aus dem Jahr 1909 gefunden, die die Bodenwellen verursacht hatten. Durch Feuchtigkeit waren sie gesprungen und hatten die Asphaltdecke, die erstmals 1937 aufgetragen worden war, nach oben gedrückt. Es ist schon traurig, dass die Ziegelsteine nach weniger als 120 Jahren ihren Dienst versagt haben.

Trainings

In den Trainings im Renntrimm waren vor allem die üblichen Verdächtigen ganz vorne mit dabei: Alex Palou von Chip Ganassi Racing, Pato O’Ward von McLaren, David Malukas von Team Penske und Helio Castroneves von Meyer Shank Racing. Etwas überraschend mischten sich auch Conor Daly (Dreyer & Reinbold Racing) und Graham Rahal (RLL-Racing) in die Top 10, während sein Teamkollege Mick Schumacher am Ende des Zeitentableaus zu finden war. Am Fast Friday in Vorbereitung der Qualifikation fuhr dann Felix Rosenqvist die beste Runde. Auffällig war, dass Team Penske dieses Training fast komplett ausließ. David Malukas, Scott McLaughlin und Josef Newgarden absolvierten zusammen nur 34 Runden. Rosenqvist kam zum Vergleich allein auf 29 Runden. Trotzdem setzte Scott McLaughlin die drittbeste Zeit.

Die Trainings vor der Qualifikation waren unfallfrei geblieben. Das änderte sich am Montag. Alexander Rossi verlor die Kontrolle über seinen Wagen und schlug hart in die Safer-Barrier von Kurve 2 ein. Um den Unfall zu vermeiden, bremste Pato O’Ward stark ab und verlor dabei die Kontrolle über seinen Wagen. Er kollidierte mit Rossis Wagen. Dabei schlug ein Rad gegen den Aero-Screen, der somit erneut einen Fahrer rettete. Anschließend fuhr auch Romain Grosjean in die Wand. Rossi erlitt leichte Verletzungen an der linken Hand und dem rechten Knöchel, die im Krankenhaus operativ versorgt wurden. Gestern humpelte er mit Gehhilfen durch das Pressezentrum, soll aber nach aktuellem Stand an den Start gehen. Das ist, noch positiv ausgedrückt, eine sehr fragwürdige Entscheidung aller Beteiligten. Dass Fahrer und Team auf jeden Fall starten wollen, ist klar. Es ist das Indy 500. Aber die Ärzte oder auch die Rennleitung müssten den Start eines offensichtlich in seiner Mobilität stark eingeschränkten Fahrers verhindern.

Qualifikation

Aufgrund von Regenschauern sagte die IndyCar-Serie die Qualifikation am Samstag komplett ab. Es gab kein Zeitfenster, in dem alle 33 Wagen hätten fahren können, ohne dass es regnete. Ohne den Druck eines Bump-Days ging es am Sonntag zunächst nur darum, sich für das Top-12-Qualifying zu qualifizieren.

Scott Dixon musste als Erster auf die Strecke. Über die vier Runden fuhr er einen sehr guten Durchschnitt von 231,411 mph. Das sollte für Platz 8 reichen. Rinus VeeKay (231,591 mph) und Scott McLaughlin (231,623 mph) waren die ersten Piloten, die schneller waren als Dixon. Im Vergleich zu McLaughlin waren die 230,165 mph von Josef Newgarden enttäuschend. Der Wagen lag perfekt auf der Strecke, es fehlte nur etwas der Speed. Die Kommentatoren vermuteten eine nicht perfekte Getriebeabstimmung. So reichte es nur zu Platz 24.

McLaughlins Fahrt wurde dann von Felix Rosenqvist unterboten. Mit 232,599 mph war er im Durchschnitt fast 1 mph schneller. David Malukas bestätigte mit 231,813 mph die Geschwindigkeit der Penske-Chevrolets. Überraschend schnell war Conor Daly mit 231,744 mph für Dreyer & Reinbold Racing. Er verlor über seine vier Runden dabei kaum Speed. Ebenfalls sehr schnell waren die Foyt-Chevrolets mit Caio Collet (231,419 mph) und Santino Ferrucci (231,224 mph). Als einziges Team konnte Chip Ganassi Racing alle Wagen in die Top 12 platzieren. Für Alex Palou (231,550 mph) und Kyffin Simpson (231,095 mph) war es jedoch relativ knapp. Außerdem schafften es Alexander Rossi (231,580 mph) und Pato O’Ward (231,248 mph) in die Top 12.

Andretti Global enttäuschte in der Qualifikation. Marcus Ericsson war mit 226,572 mph und Platz 18 der Beste der drei Andretti-Hondas. Will Power schaffte 230,279 mph (Platz 20) und Kyle Kirkwood 229,607 mph (Platz 26). Wie zu erwarten waren am Ende des Feldes die RLL-Hondas zu finden. Mick Schumacher (229,450 mph) schlug dabei Graham Rahal (229,017 mph). Das war eine starke Leistung des Rookies. Für Rahal war es hingegen eine schwere Niederlage, da er in den Trainings noch gut unterwegs gewesen war. Altmeister Takuma Sato schaffte 230,995 mph und verpasste damit die Top 12 nur knapp. Schwächer als Rahal waren nur noch Dennis Hauger (228,982 mph), Jacob Abel (228,169 mph) und Sting Ray Robb (226,572 mph).

Top 12 Qualifying

Als zweiter Starter setzte Alex Palou eine Bestzeit (231,665 mph), an der sich alle weiteren die Zähne ausbeißen sollten. Erst Felix Rosenqvist als letzter Starter war mit 232,065 mph noch einmal schneller. Neben den beiden Honda-Piloten zogen auch vier Chevrolets in die Fast Six ein: David Malukas (231,486 mph), Santino Ferrucci (231,098 mph), Pato O’Ward (231,088 mph) und Alexander Rossi (231,005 mph).

Fast Six Qualifying

Als erster Fahrer ging Alexander Rossi auf die Strecke. Mit 231,990 mph war er deutlich schneller als im vorherigen Versuch. Pato O’Ward (230,442 mph) schaffte das nicht. Auch Santino Ferrucci kam mit 230,846 mph nicht an seine Performance aus dem Top-12-Qualifying heran. David Malukas verbesserte sich auf 231,877 mph, musste sich aber trotzdem hinter Rossi einreihen. Mit nur noch zwei ausstehenden Fahrern hatte Alexander Rossi die erste Startreihe sicher, er hoffte jedoch auf die Pole-Position. Diese machte Alex Palou zunichte. Er war in der ersten Runde schneller als Rossi und zog mit 232,248 mph auf die provisorische Pole-Position. Als letzter Fahrer ging Felix Rosenqvist, der in jeder Session im Qualifikations-Trimm der schnellste Pilot gewesen war, auf die Strecke. Ab der ersten Runde hatte er jedoch nicht mehr die Geschwindigkeit der vorherigen Versuche. Mit 231,765 mph verpasste er die 232 mph deutlich, sodass Alex Palou außer Reichweite blieb. Die durchschnittliche Geschwindigkeit von 231,375 mph reichte nur für Startplatz 4.

Post-Qualifying Technical Violations and Penalties

Ich hatte wirklich gehofft, diesen Absatz in diesem Jahr nicht nutzen zu müssen. Doch die Wagen von Caio Collet (A. J. Foyt Enterprises) und Jack Harvey (Dreyer & Reinbold Racing) sind nach der Qualifikation durch die technische Abnahme gefallen. An beiden Fahrzeugen wurden nicht erlaubte Änderungen am Energy-Management-System festgestellt. Aus dem gleichen Grund wurden im letzten Jahr zwei Wagen von Andretti Global nach dem Rennen beanstandet. Sie wurden in die letzte Startreihe versetzt, und Collet verliert auch die Bonuspunkte für das Erreichen der Top 12.

Favoriten

Die Liste der Topfavoriten ist sehr kurz. Zu Alex Palou muss man nicht viel sagen. Er gewann die Austragung im Vorjahr, steht jetzt auf der Pole-Position und ist der beste Fahrer im Feld. Wie schwer es ist, ein zweites Indy 500 zu gewinnen, kann ihm sein Teamkollege Scott Dixon sicher erklären. Seit seinem Sieg im Jahr 2008 zählte Dixon immer zu den Favoriten. Er startete weitere viermal von der Pole-Position, schaffte aber keinen zweiten Sieg.

Auf den Ovalen war in den letzten Jahren Josef Newgarden das Maß aller Dinge. Er gewann das Indy 500 in den Jahren 2024 und 2025, musste aber im Vorjahr nach dem Skandal in der Qualifikation von der letzten Startreihe ins Rennen gehen. Bis zu seinem Ausfall in Runde 133 war er auf Platz 6 nach vorne gefahren. Hätte er keine defekte Benzinpumpe gehabt, hätte er sicherlich ein großes Wort um den Sieg mitgesprochen. In diesem Jahr war er in den Trainings und der Qualifikation unauffällig unterwegs. Auffällig war hingegen die gezeigte Souveränität am Fast Friday und nach der Qualifikation. Eine erste Antwort darauf, ob die Penske-Chevrolets im Renntrimm deutlich schneller sein würden oder ob es sich um einen Bluff handelte, gab das Training am Montag. Josef Newgarden war der schnellste Fahrer im Feld. Sollten die Penske-Chevrolet tatsächlich das Tempo vorgeben können, muss man auch David Malukas weit oben auf seiner Liste haben. Immerhin fuhr er im Vorjahr den Foyt-Chevrolet auf Platz zwei.

Pato O’Ward holte damals den dritten Platz. Es war seine fünfte Top-6-Platzierung beim Indy 500 bei sechs Starts für McLaren. Er ist somit ein sicherer Kandidat für eine Top-Platzierung – ein Sieg ist eigentlich schon fällig. Christian Lundgaard hat sich beim Indy-500 fast jedes Jahr kontinuierlich verbessert. Im letzten Jahr fuhr er auf Platz 7 ins Ziel. Auch hier ist eine absolute Topplatzierung möglich bzw. sogar wahrscheinlich. Eine gewisse Wildcard sind die Fahrer von Meyer Shank Racing. Im Qualifikations-Trimm war Felix Rosenqvist fast nicht zu schlagen. Aber auch im Renntrimm waren Marcus Armstrong und Helio Castroneves unter den ersten Zehn zu finden. Castroneves weiß natürlich, wie man das Indy 500 gewinnt, und Rosenqvist fuhr auch schon zweimal in die Top 4.

Völlig offen ist die Performance der Andretti-Hondas. Bisher konnten Marcus Ericsson, Will Power und Kyle Kirkwood noch nicht überzeugen. Das Team hat aber natürlich genug Erfahrung, um am nächsten Wochenende zu überraschen. Zudem ist der reine Speed nicht immer der Schlüssel zum Sieg. Bei einem Rennen über 500 Meilen ist das Schonen der Ressourcen in Form von Reifenperformance und Benzin fast genauso wichtig. Auch braucht man das gewisse Quäntchen Glück. Ein Unfall eines Kontrahenten, dem man nicht mehr ausweichen kann, oder eine zur Unzeit fallende Caution können das Rennen sehr schnell beenden. Zuletzt muss auch das Material die 500 Meilen überstehen. Ein kleiner Defekt und man ist zum Zuschauen verdammt.

Zeitplan (local time, MEZ)

Freitag, 21. Mai
11:00 a.m. – 01:00 p.m. (17:00 – 19:00) – NTT IndyCar Series Practice (Carb-Day)

Sonntag, 24. Mai

10:00 – 11:00 a.m. (16:00 – 17:00) – Pre-Race Show
10:00 a.m. (16:00) – Übertragungsbeginn FOX
11:45 p.m. (17:45) – Driver Introductions
12:38 p.m. (18:38) – Command to Start Engines

12:45 p.m. (18:45) – 110th Running of the Indianapolis 500 (200 laps); FOX, Sky, Motorvision live

Die Wettervorhersage für das kommende Wochenende sagt eine mittelstarke Bewölkung mit Regenschauer-Möglichkeit voraus. Die Temperaturen sollen bei etwa 23 °C liegen und es soll ein leichter Wind aus unterschiedlichen Richtungen wehen.

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