Home Formel EinsF1Formel Eins: 2022 – Ein Neustart ohne Spannung

Formel Eins: 2022 – Ein Neustart ohne Spannung

von DonDahlmann
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Die F1 Saison 2022 ist Geschichte. Es war nicht die beste Saison der Formel Eins, auch weil Red Bull zu überlegen war.

Für einen kurzen Moment sah es gar nicht so schlecht aus. Mercedes in einer Krise, Red Bull mit technischen Problemen, Ferrari überraschend stark und Haas weit vorn. Der Start in die Saison 2022 war vielversprechend und es schien sich zu bewahrheiten, was viele vorhergesagt hatten: Eine massive Regeländerung sorgt für eine neue Rangfolge in der Formel Eins. Der Spaß dauerte aber nur drei Rennen, dann war Schluss. Red Bull hatte seine Probleme im Griff, Ferrari stand sich erst selbst im Weg, um dann bei der Weiterentwicklung zu versagen und Mercedes war ohnehin nur mit sich selbst und einem interessanten, aber unbrauchbaren Chassis Konzept beschäftigt.

In Folge gewann Red Bull sieben Rennen in Folge und legte damit den Grundstein für die WM, die im Grunde schon vor der Sommerpause entschieden war. Ferrari war nicht chancenlos. 12 Pole Position zeigen das Potenzial des Autos, allerdings gab es nur noch vier in der zweiten Saisonhälfte. Ferrari scheiterte an sich selbst und haarsträubenden Strategien, zerbröckelnder Technik und einem nicht erkennbaren Kurs bei Weiterentwicklung des Autos. Entschuldigen kann man das vielleicht mit der Bemerkung, dass das Team aus einem tiefen Loch kommt und im Aufbau steckt. Dass sie überhaupt so weit vorn waren und Red Bull ärgern konnten, kann auch als Erfolg werten. Immerhin haben sie Mercedes geschlagen, was jetzt auch nicht schlecht ist.

Der Pokal für die Enttäuschung des Jahres geht aber weder an Ferrari oder Mercedes. Oder an Max Verstappen, weil er sich als schlecht erzogener Narzisst mit einem Charakterdefekt herausgestellt hat, sondern in gleichen Teilen an Alpine, Aston Martin und McLaren. Deren Leistungen waren, angesichts des Neustarts in der Weltmeisterschaft, komplett unterirdisch. Das gilt vor allem für Aston Martin, die in diesem Jahr komplett untergingen. Das erste Auto war eine Katastrophe, die zweite Variante war nicht viel besser. Gleich zweimal komplett daneben zu liegen ist dann auch schon eine Kunst. Kein Wunder, dass Vettel die Lust verloren hat.

Frage: Wie schlecht kann man als Werksteam sein? Alpine: Ja. Als Werksteam am Ende der Saison 586 Punkte Rückstand auf Red Bull zu haben ist dann auch etwas peinlich. Selbst auf die völlig außer Form fahrenden Mercedes, die einen Springbock statt ein Auto zur WM mitgebracht hatten, waren es am Ende immer noch 342 Punkte. Immerhin konnte vor allem Alonso ein paar Highlights setzen und es wäre am Ende des Jahres gegen McLaren auch nicht so eng geworden, wenn der Spanier seit Spa nicht viermal ausgefallen wäre. Der Motor ist nicht zuverlässig (es will ihn auch kein anderes Team), das Chassis trotz aller Möglichkeiten eines Werksteams schwach. Da kann man P4 natürlich schon mal feiern, als sei man Haas oder Williams.

Bei McLaren war jetzt auch nicht alles in Ordnung und das von James Key entworfene Album entpuppte sich als Wundertüte. Aber man muss auch sagen, dass McLaren in der WM besser abgeschnitten hätte, wenn Ricciardo nicht so ein Totalausfall gewesen wäre. Seine 37 WM Punkte stehen 122 von Norris gegenüber. Was soll man da noch sagen. McLaren hätte P4 locker schaffen können, was ein Erfolg gewesen wäre.

Im Endeffekt war also nichts mit der Idee „Ein Mittelfeld Team kann die Großen ärgern“ Idee. Die Abstände waren eher größer und die einzige echte Überraschung war die Pole von Magnussen in São Paulo. Aber auch nur, weil der Regen rechtzeitig einsetzte. Die Reaktion auf die Pole von Publikum und Medien zeigte dann auch, wie dringend die Formel Eins solche Überraschungen benötigt.

Neben der Strecke gab es wenig, dafür aber durchaus zumindest teilweise amüsantes zu berichten. Der Preis für den besten Move muss an Alonso gehen, der im Sommer erst Alpine sagte, dass er gerne bleiben würde, um dann innerhalb von drei Tagen bei Aston zu unterschreiben. Klassischer Alonso-Move, könnte man sagen. Er ersetzt da Vettel, der keine Lust mehr hatte, was Alonso vielleicht eine Warnung hätte sein sollen. Auch das Vettel und Stroll zusammen 2022 weniger Punkte gesammelt haben, als er allein (55 vs 81) hätte, ganz eventuell, ein Hinweis sein können. Aber Alpine wollte den Zeitpunkt des F1-Abschieds von Alonso bestimmen und darauf hat der Spanier keine Lust.

Mangels Konkurrenz von anderen Fahrern gab es dieses Jahr keinen Streit abseits der Strecke zwischen den Fahrern. Kaum jemand konnte sich unsympathisch machen, also hat Verstappen das allein in die Hand genommen. Irgendjemand muss ja in einer mehr oder weniger vor sich hinplätschernden Saison dafür sorgen, dass man was zu berichten hat. Das haben er und Red Bull in den vergangenen Monaten gut hinbekommen.

Red Bull wurde dabei erwischt bei der Budget-Erklärung zu kreativ gewesen zu sein (Aber das Essen in der Kantine war so teuer!!!!) und Verstappen bewies mehrfach erneut, dass er zwar gut im Austeilen, aber schlecht im Einstecken ist. Immerhin hat Lewis Hamilton, jetzt auch nicht gerade Sympathieträger in allen Lebenslagen, das erkannt und lässt jetzt keine Gelegenheit mehr aus, dem Niederländer auf der Strecke zu zeigen, dass er das auch kann.

Es gibt ja nicht wenige, die sagen „Ja, aber Senna und Schumacher waren auch so.“ Das stimmt, macht die Sache aber nicht besser. Charakterloses und narzisstisches Verhalten waren noch nie etwas, was ich bei einem Sportler leiden konnte, weswegen ich immer Probleme mit Senna, Schumacher oder Verstappen hatte. Dass alle drei ausnahmslos hervorragende Piloten sind, ist eine Sache, ihr Verhalten auf und oft neben der Strecke überschattet die Leistung. Und Senna hatte immerhin noch Humor.

Hoffen wir also auf 2023. Wenn Ferrari sich gesammelt hat, Mercedes wieder vorn dabei ist, bei Alpine innerhalb von drei Rennen das fragile Freundschaftsgebilde von Gasly und Ocon zusammenbricht und Alonso bei Aston bessere Leistungen fordert. Ach ja, und mal schauen, wer wessen „Balls“ bei Haas „lickt“.

Bilder: Aston Martin, Alpine, Ferrari

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