Nach zuletzt einer Reihe an zweiten Plätzen konnte Alexander Rossi in Elkhart Lake endlich wieder die oberste Stufe des Podiums besteigen. Nach etwa 800 Meter im Renntempo hatte er das Rennen schon für sich entschieden.
Den ersten Startplatz hatte sich Colton Herta, der nun auch jüngster Pole-Mann der IndyCar-Geschichte ist, noch vor Alexander Rossi geholt. Dieser blieb in Kurve 1 neben Herta und in Anfahrt zu Kurve 2 zog Rossi am Rookie vorbei. Das war schon das Überholmanöver, dass den Rennsieg garantieren sollte. Er baute in Folge seinen Vorsprung kontinuierlich aus und als Colton Herta ab Runde 10 Probleme mit seinen verbrauchten Options-Tires bekam, betrug er über 10 Sekunden. Auch Will Power, der in Runde 13 Herta überholt hatte, konnte das Tempo des Andretti-Piloten nur teilweise mitgehen beziehungsweise sogar schlagen. So lag Will Power, durch exzellente In- und Out-Lap beim ersten Stopp, in Runde 15 nur noch 7 Sekunden hinter Alexander Rossi. Näher sollte ihm ein Kontrahent aber nicht mehr kommen. Am Ende gewann Alexander Rossi das Rennen mit 28 Sekunden Vorsprung auf Will Power. An diesem Sonntag war die Kombination Rossi-Andretti-Honda einfach unschlagbar.
Da das Rennen des Siegers eher langweilig, zumindest für uns Fans war, will ich das Rennen eines anderen Piloten näher beleuchten: Scott Dixon. Nach einer durchwachsenen Qualifikation ging der amtierende Meister nur von Startplatz 12 ins Rennen. Um aus dieser Position noch das Maximale herauszuholen setzte das Team ihn zum Start auf die haltbareren Prime-Tires. Es war einhellige Meinung, dass die Option-Tires, selbst wenn man sie schonte, kaum die nötige Stintlänge von 13 bis 14 Runden (55 Rennrunden unterteilt in vier Stints) für gute Rundenzeiten halten würden. Kurz nach dem Start verschlimmerte sich Scott Dixon Position aber nochmal erheblich. Er selbst war schon etwas zu schnell in Kurve 5, aber Ryan Hunter-Reay direkt hinter ihm noch ein wenig mehr. So schob der Andretti-Pilot Dixon in einen Dreher. Die erste Runde beendete Scott Dixon mit über 20 Sekunden Rückstand auf die Spitze als Letzter.
Für einen Champion des Formats Scott Dixons ist so ein Rennstart aber ein Ansporn noch mehr aus sich und dem Auto herauszuholen. In Runde 8 hatte er schon sieben Kontrahenten überholt und lag nun direkt hinter Ryan Hunter-Reay, der auch auf den Prime-Tires gestartet war. Die härteren Reifen machten sich dann bezahlt und als Duo schnitten sie durch das Feld. In Runde 12, kurz vor den ersten Stopps lagen sie schon auf den Plätze 10 und 11. Scott Dixon hatte also in diesen 12 Runden das halbe Feld überholt. Über die Sequenz der Boxenstopps gewann er zwei weitere Plätze von Ryan Hunter-Reay und Takuma Sato.
In seinem zweiten Stint, jetzt auf den Reds, profitierte Scott Dixon in Runde 21 von einer Kollision zwischen Colton Herta und Simon Pagenaud. Herta hatte durch Probleme mit der Tankanlage beim ersten Stopp einige Zeit verloren und war so auch hinter Simon Pagenaud auf Platz 7 zurückgefallen. In Kurve 5 wollte er einen Platz wieder gut machen, aber der Franzose hielt hart dagegen. Beide Wagen touchierten sich und rutschten nach außen. Scott Dixon bedankte sich und übernahm Platz 7. Diesen musste er aber mit abbauenden Reds in Runde 25 wieder an Herta abgegeben. Beim zweiten Stopp ließ Chip Ganassi Racing natürlich wieder die Prime-Tires aufziehen und damit ging die Aufholjagt Scott Dixons weiter. Beim Stopp hatte er schon seinen Teamkollegen Felix Rosenqvist für Platz 7 überholt, aber es wurde nun deutlich schwieriger.
Gut 20 Sekunden hinter Alexander Rossi hatte sich eine Gruppe bestehend aus Will Power, Josef Newgarden, Graham Rahal James Hinchcliffe und Colton Herta gebildet. Alle waren in etwas gleich schnell und es schien, als würden sie ihre Kräfte für den Schlussspurt aufsparen. Für den finalen Stint hatte man für Colton Herta die weicheren Option-Tires gewählt. Ein sehr riskanter Move von Harding Steinbrenner Racing. Auf der anderen Seite hatten Team und Fahrer auch kaum etwas zu verlieren. Herta nutzte den besseren Grip der Option-Tires und zog in Runde 45 an James Hinchcliffe vorbei. Gegen Graham Rahal konnte er aber keinen Angriff setzten. Ab Runde 52 bauten Hertas Reds aber merklich ab und James Hinchcliffe wollte seinen Platz zurückholen. Der Major of Hinchtown übertrieb es aber und im Zweikampf mit Herta rutschte er in Kurve 5 weit raus. Scott Dixon übernahm dankend Platz 6. Colton Hertas Reifen waren am Ende und in der letzten Runde rutschte er nur noch um die Strecke. Ein spektakulärer Ausritt Hertas in Kurve 11 bescherte dann Scott Dixon noch Platz 5.
Das war ein überragendes Rennen des amtierenden Meisters. Scott Dixon fuhr von Platz 23 auf Platz 5, ohne dass eine einzige Caution das Feld wieder zusammengeführt hätte. Er profitierte dreimal von Fahrfehler seiner Kontrahenten. Alle anderen überholte er durch die Strategie bei den Stopps oder im direkten Zweikampf auf der Strecke. Ryan Hunter-Reay, mit dem er im ersten Stint noch ein Duo gebildet hatte, beendete so als Vergleich das Rennen auf Platz 11.
Zwischen den beiden kamen Felix Rosenqvist, James Hinchcliffe, Colton Herta, Simon Pagenaud und Takuma Sato ins Ziel. Für Pagenaud und Sato wäre eigentlich mehr drin gewesen. Takuma Sato war von Startplatz 6, direkt hinter seinem Teamkollegen Graham Rahal, ins Rennen gegangen. Ein harter Zweikampf mit James Hinchcliffe zwang Sato in Kurve 1 auf eine weite Linie und er verlor einige Plätze. Er lag nur noch auf Platz 12 direkt hinter Simon Pagenaud. Während der Indy-500-Sieger aber bis Runde 20 einige Plätze gut machen konnte, gelang Takuma Sato das nicht. Der Speed war einfach nicht hoch genug. Auch für Pagenaud ging es nach dem Duell mit Colton Herta nicht wieder nach vorne. Wahrscheinlich hatte eine kleine Beschädigung das Fahrverhalten seines Penske-Dallaras entscheidend verschlechtert. Im Hinblick auf die Meisterschaft war es für beide zu wenig.
Das Ganze Ergebnis kann man auf der Homepage (PDF) der IndyCar-Series nachlesen.
In der Meisterschaft konnten Sich Josef Newgarden (402 Punkte) und Alexander Rossi (395 Punkte) weiter von ihren Kontrahenten absetzten. Simon Pagenaud (341 Punkte) hat schon mehr als 50 Punkte Rückstand. Scott Dixon (308 Punkte), Will Power (294 Punkte) und Takuma Sato (292 Punkte) sind mit etwa 100 Punkten hinter Newgarden und Rossi schon fast aus dem Rennen.
Die IndyCar-Series gönnt sich eine kleine Sommerpause und so steht das nächste Rennen in Toronto erst am 14. Juli auf dem Programm.
(c) Photos: IndyCar Media; Chris Owens, James Black, Chris Jones, John Cote





