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VASC: Analyse Bathurst 1000 2018

von ThomasB
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Craig Lowndes und Steven Richards gewannen am vorvergangenen Wochenende das Bathurst 1000. Allerdings profitierten sie dabei auch vom Pech David Reynolds‘, dessen Körper in der Schlussphase den Dienst quittierte, was schließlich den Weg für den Sieg von Lowndes/Richards ebnete.

Dabei hätte das Wochenende für Reynolds und sein Erebus-Team nicht besser beginnen können. In der Qualifikation schafften es sowohl Reynolds als auch Anton de Pasquale ins Shootout, in dem de Pasquale einen sensationellen dritten Startplatz herausfuhr und Reynolds wenig später mit der Pole-Zeit nachlegte. Die Meisterschaftsanwärter Jamie Whincup, Shane van Gisbergen und Scott McLaughlin konnten sich für die Startplätze zwei, vier und fünf qualifizieren. Cameron Waters und Nick Percat überraschten mit den Plätzen sechs und sieben, während James Courtney, Craig Lowndes und Garth Tander die Top 10 komplettierten. Lowndes hatte das gesamte Wochenende über mit einer defekten Servolenkung zu kämpfen, die erst zum Shootout repariert werden konnte. Seine Runde war daher mehr eine Installation Lap als ein ernsthafter Versuch einer schnellen Rundenzeit.

Das Rennen selbst verlief größtenteils ruhig und war mit einer Gesamtzeit von 6:01 Stunden auch eine der schnellsten Ausgaben des Bathurst 1000. Durch die drei Gelbphasen lässt sich das Rennen für die Nachbereitung auch gut aufteilen.

Bathurst 1000 – Teil 1 (Runde 1 bis 33)

In der Startphase konnte sich Reynolds an der Spitze behaupten, dahinter setzte sich van Gisbergen früh an die zweite Position. Es folgten de Pasquale, Whincup und Tander. Hinter ihnen konnte sich Lowndes auf Position sieben verbessern. Reynolds fuhr anschließend mehrere Sekunden Vorsprung heraus und überließ seinen Konkurrenten den Kampf um die übrigen Plätze.

Den ersten Aufreger gab es erst nach den ersten Stops und Fahrerwechseln, als sich bei Will Brown, der inzwischen für de Pasquale übernommen hatte, die Beifahrertür öffnete. Er wurde mit einer Mechanical Black Flag an die Box beordert und fiel daher zunächst ans Ende des Feldes zurück. An der Spitze hatte sich Reynolds einen Vorsprung von sieben Sekunden erarbeitet, ehe er das Steuer an Luke Youlden übergab. Erst danach konnten die dahinter liegenden Red-Bull-Piloten Earl Bamber und Paul Dumbrell wieder aufholen.

Ein Motorschaden bei Jack Perkins, der seinen Walkinshaw-Boliden daraufhin auf der Mountain Straight abstellen musste, löste rechtzeitig zur zweiten Runde der Pitstops die erste Caution des Rennens aus.

Teil 2 (Runde 34 bis 76)

Bei den Stops verlor Dumbrell durch Double Stacking seinen „Wingman“ Bamber, sodass er sich anschließend allein auf die Jagd nach Youlden machen musste. Doch diese sollte nur zwei Runden nach dem Restart wieder beendet sein, da Dumbrells und Whincups Bathurst-Fluch wieder zuschlug. Bei der Anfahrt auf Turn 1 löste sich das rechte Vorderrad und Dumbrell musste nun auf drei Rädern den Weg zurück in die Box bestreiten. Insgesamt verloren er und Whincup dadurch zwei Runden, und waren somit vorzeitig aus der Entscheidung um den Sieg gefallen.

Da sich das verlorene Rad selbstständig von der Strecke beförderte, zum Glück ohne jemanden zu gefährden, konnte das Rennen ohne Gelbphase fortgesetzt werden. Kurze Zeit später entriss Alex Prémat Erebus-Pilot Youlden die Führung, die er allerdings nur bis zum dritten Stop inne haben sollte. Der routinemäßige Wechsel der Bremsscheiben an der #17 dauerte länger als geplant, sodass McLaughlin, der wieder für Prémat übernahm, die Fahrt auf P8 fortsetzen musste.

Zwischenzeitlich regnete es immer wieder, doch der Regen bedeckte nie die ganze Strecke, und war auch nicht stark genug, um Auswirkungen auf das Renngeschehen zu haben. Als sich das Feld langsam aber sicher auf die vierte Pitstop-Phase vorbereitete, funkte abermals eine Caution dazwischen. Diesmal für Debris.

Teil 3 (Runde 77 bis 94)

Beim folgenden Restart, den nun bei fast allen Teams die Co-Driver in Angriff nahmen, lag Youlden in Front, gefolgt von Tony D’Alberto und Warren Luff. Richards lag an fünfter Position, während sich Brown nach den anfänglichen Problemen mit der Tür nun bereits wieder auf Rang acht befand. Bamber dagegen war bis auf P16 zurückgefallen, da auch bei ihm der Service an der Bremse zu lang dauerte und er beim Losfahren auch noch den Motor abwürgte. Van Gisbergen musste bei seinem Stint unmittelbar zuvor zum Teil auch noch ohne die Luftzufuhr über den Helm auskommen, da sich der Schlauch gelöst hatte.

Doch wie schon in Sandown war Bamber auch am Mount Panorama stark unterwegs und als er die #97 in Runde 95 wieder an van Gisbergen übergab, lagen sie wieder auf dem fünften Platz. Auch diese Phase der Pitstops fiel passenderweise in eine Gelbphase, da Bryce Fullwood im Sand der letzten Kurve strandete.

Teil 4 (Runde 95 bis 161)

Die Teams nahmen diese Einladung dankend an und nutzten sie für die letzten geplanten Fahrerwechsel. Reynolds lag weiterhin in Führung, vor Lowndes und Scott Pye. Auf den Plätzen vier und fünf lagen Chaz Mostert und van Gisbergen, gefolgt vom DJR-Penske-Duo Fabian Coulthard und McLaughlin. Whincup hatte sich unterdessen wieder zurück in die Führungsrunde gearbeitet und nahm den letzten Restart des Rennens von P20 auf.

Zu diesem Zeitpunkt zeigten sich bei Reynolds bereits erste Erschöpfungserscheinungen, von der die Zuschauer allerdings nichts mitbekamen. Im Gegenteil, denn die Rundenzeiten vom Erebus-Piloten bewegten sich annähernd auf Qualifying-Niveau und in den folgenden Runden vergrößerte er dementsprechend seinen Vorsprung auf Lowndes. Lowndes wiederum hatte auch noch mit einer blockierten Track Bar zu kämpfen, die sich aus dem Cockpit zwischenzeitlich nicht mehr verstellen ließ. Doch selbst nachdem er wieder zumindest einen Teil der Funktion wieder herstellen konnte, war er maximal genau so schnell wie Reynolds. Als sich das Pit Window für die sechsten Stops öffnete, betrug Reynolds‘ Vorsprung bereits wieder über drei Sekunden.

Erst nach den Stops wurde ersichtlich, dass sich Reynolds in Schwierigkeiten befinden könnte, denn Lowndes begann langsam aber sicher aufzuholen, und Reynolds unterliefen plötzlich ungewöhnliche Fehler. Bei Triple Eight ging man aber zunächst von technischen Problemen am Erebus-Wagen aus. In Runde 135 übernahm Lowndes schließlich die Führung und im Zuge dessen wurde auch Reynolds‘ Kommunikation mit seinem Team von der Regie eingespielt. Ihm machten Krämpfe in den Beinen zu schaffen, bis zu dem Punkt, dass er kaum noch den Fuß auf die Bremse heben konnte.

Reynolds wollte trotzdem im Auto bleiben, also bereitete man ihm an der Box elektrolythaltige Getränke vor, um ihm irgendwie doch noch über die restliche Distanz zu helfen. Beim siebten und letzten geplanten Pitstop ließ er, weil das Bein auf der Kupplung stehend verkrampfte, die Hinterräder durchdrehen, was eine Pitlane Penalty zur Folge hatte.

Spätestens hier hätte man ihn aus dem Auto holen müssen, doch Reynolds machte weiter. Erst als er später nur noch verschwommen sehen konnte, kam er erneut an die Box, um sich von Youlden ablösen zu lassen. Der musste dann auch noch die fällige Durchfahrtsstrafe einlösen, sodass am Ende statt dem zweiten Bathurst-Sieg in Folge nur P13 zu Buche stand. Dass de Pasquale fast zeitgleich, auf Top-10-Kurs liegend, das Auto bei einem Ausritt in McPhillamy beschädigte, war dann das Salz in die offenen Erebus-Wunden. Sein Tag endete auf P24.

An der Spitze machte sich Lowndes indes, begleitet von „Lowndesy“-Sprechchören, auf den Weg zu seinem siebten Sieg am Mount Panorama. Für seinen Co-Driver Richards ist es der insgesamt fünfte Erfolg, genau zwanzig Jahre nach seinem ersten 1998, und vierzig Jahre nach dem ersten Sieg seines Vaters Jim Richards 1978.

Zweite wurden Scott Pye und Warren Luff, die im Verlaufe des Rennens 16 Plätze gut machten, gefolgt von McLaughlin/Prémat im bestplatzierten Ford. Chaz Mostert/James Moffat wurden Vierte, entgingen dabei aber einer Strafe, als Mostert zu Beginn des Rennens seinen Teamkollegen David Russell in Forrest’s Elbow bei einer etwas unglücklichen Aktion in die Mauer geschickt hatte.

Auf Platz fünf landeten van Gisbergen/Bamber, die ohne das oben geschilderte Missgeschick vielleicht auch um den Sieg hätten mitfahren können. Garth Tander/Chris Pither konnten sich über einen tollen sechsten Platz freuen. Nick Percat/Macauley Jones trotzten einer ausgefallenen Servolenkung mit P7, während James Golding/Richard Muscat, Coulthard/D’Alberto und Whincup/Dumbrell die Top 10 komplettierten. Letztere hatten durch die Cautions zwei Runden aufholen können und sicherten sich erst drei Runden vor Schluss P10, nachdem Whincup an Rick Kelly vorbeiziehen konnte.

Nicht ins Ziel kamen Michael Caruso/Dean Fiore (Motor) sowie James Courtney/Jack Perkins (Motor). Der Ärger über den Ausfall dürfte aber zumindest bei Caruso spätestens seit dem 13. Oktober vollkommen verflogen sein, denn am vergangenen Samstag wurde er zum dritten Mal Vater.

Ergebnis Bathurst 1000
Stewards Summary (PDF)

Die Gesamtwertung wird weiter von Shane van Gisbergen angeführt, der bei 3276 Zählern steht. Auf Platz zwei liegt Scott McLaughlin (3257) mit gerade einmal 19 Punkten Rückstand. Die Plätze drei bis fünf belegen Jamie Whincup (2872), Craig Lowndes (2787) und David Reynolds (2567). Im Enduro Cup führen Lowndes/Richards (558) vor van Gisbergen/Bamber und McLaughlin/Prémat (beide 498). Pye/Luff (480) und Whincup/Dumbrell (456) folgen auf den Rängen vier und fünf.

Am kommenden Wochenende reist der Supercars-Tross an die australische Ostküste nach Surfers Paradise. Auf dem Stadtkurs findet mit dem Gold Coast 600 das Finale des Enduro Cups statt.

Titelbild: Leigh Ellis

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