Die IndyCar Series war zuletzt mit den News zu den 500 Meilen von Indianapolis Thema im weltweiten Motorportjournalismus. An diesem Wochenende steht aber erst einmal das Rennen im Barber Motorsport Park auf dem Programm.

Trotzdem möchte ich kurz auf das Indy 500 eingehen. Die Teilnahme von Fernando Alonso ist schon eine große Sensation. Er wird mit Zak Brown (Geschäftsführer McLaren) in Birmingham sein, um sich einen ersten persönlichen Eindruck der IndyCar Series zu machen. Zusammen mit Juan Pablo Montoya, Takuma Sato, Sebastien Bourdais und Alexander Rossi werden somit fünf (ehemalige) Formel 1-Fahrer am 28. Mai an den Start gehen. Insgesamt nimmt das Feld so langsam Formen an. Andretti Autosport wird sechs Wagen betreuen. Neben der Zusammenarbeit mit McLaren für Alonso wird auch ein Wagen für Jack Harvey mit Michael Shank Racing zusammen eingesetzt werden. Pippa Mann (Dale Coyne), Gabby Chaves (Harding + Dreyer & Reinbold Racing) und Jay Howard (Schmidt Peterson Motorsport) werden wir auch wiedersehen. A.J. Foyt Enterprises wird Rookie Zach Veach eine Chance geben. Juncos Racing wird mindestens einen Wagen an den Start bringen, hat aber noch keinen Fahrer bestätigt. Insgesamt sind bisher 31 Wagen gemeldet.

Vor dem 28. Mai müssen die Fahrer aber noch die Rennen in Indianapolis, Phoenix und natürlich in Birmingham, Alabama absolvieren. Für die IndyCar Series war es ein Risiko, 2010 einen Grand Prix im Herzen des NASCAR-Hoheitsgebiets im Süden der USA auszutragen. Entsprechend dauerte es auch drei Jahre zwischen den ersten Testfahrten im Barber Motorsports Park und dem ersten Rennen. Aber besonders Honda, das ein Werk im nahen Lincoln betreibt, drängte auf ein Rennen in Birmingham. Dieses Risiko hat sich im Laufe der Jahre aber ausgezahlt. Im letzten Jahr pilgerten über 83.000 Zuschauer am Wochenende an die Rennstrecke. Damit gehörte der Grand Prix of Alabama zu den zuschauerstärksten und profitabelsten Rennwochenenden der IndyCar Series. Die wunderschönen Naturtribünen rund um die Strecke tragen natürlich zum Erfolg bei.

Strecke

Auf einer Länge von 3,84 km verteilen sich insgesamt 17 Kurven. Am Ende der Start- und Ziel-Geraden geht es durch eine kleine Senke 64 Grad links hinauf und in einer langgezogenen doppelten Rechtskurve wieder bergab. Eine blind anzufahrende Rechtskurve führt auf eine kurze Gerade und zur langsamsten Stelle der Strecke. Die enge Haarnadel lädt zu Überholmanövern ein, die aber auch gerne in Carbonschrott enden. Es folgt ein Vollgasteil durch eine leichte Linkskurve zu einer langsamen Rechts-Links-Schikane, die in eine immer weiter werdende Rechtskurve mündet. Nach kurzer Beschleunigung führt eine schnelle S-Kurve auf die längste Gerade der Strecke, die von einer Links-Rechts-Passage beendet wird. Der folgende Rechtsknick muss wieder blind angefahren werden und führt bergauf zum Horseshoe, einer langen doppelten Rechtskurve. Eine 90 Grad Linkskurve bringt die Fahrer wieder zurück auf die Start- und Ziel-Gerade. Insgesamt ist es eine sehr schön flüssige, schnelle und fahrerisch anspruchsvolle Strecke. Leider ist das Überholen fast unmöglich.

Favoriten

Überraschend hat sich Sebastien Bourdais nach den ersten beiden Saisonrennen in die Favoritenposition geschoben. Der Franzose hatte eine sehr erfolgreiche Zeit bei Newman Hass Racing in der Champ Car, ging dann aber in der Formel 1 bei Toro Rosso komplett unter. Auch nach der Rückkehr in die IndyCar Series ließ er nur selten sein Können wirklich aufblitzen. Viele Rennen zerstörte er sich selbst mit dummen Fehlern und häufig war er auch einfach zu langsam. Natürlich war er auch nie in einem der Topteams. Denn dazu zählte Dale Coyne (bisher) sicherlich nicht. Aber schon bei den ersten Testfahrten überzeugten beide Fahrer und das setzte sich auch bei den Rennen fort. Ed Jones hatte mit den Plätzen 10 und 6 den besten Saisonstart eines Rookies seit einem gewissen Nigel Mansell 1993.

In den ersten Jahren dominierte Team Penske den Grand Prix of Alabama nach Belieben. In den Jahren 2013 und 2014 übernahm dann Andretti Autosport mit Ryan Hunter-Reay das Kommando. Team Penske ist auch in diesem Jahr wieder stark, die beiden Poles für Castroneves und Pagenaud belegen dies, aber im Rennen läuft es nicht besonders gut. Die Chevrolets sind im Bereich Benzinverbrauch und im Reifenverschleiß den Hondas leicht unterlegen. Sehr wahrscheinlich wird wieder ein Penske auf der Pole Position stehen und wenn dann im Rennen auch die Strategie passt, sollte auch einer ganz vorne das Rennen beenden. Will Power, Josef Newgarden, Helio Castroneves und Simon Pagenaud haben übrigens alle schon in Birmingham gewonnen.

In Long Beach waren die Fahrer von Andretti Autosport sehr gut unterwegs. Leider trat bei allen vier Wagen ein technischer Defekt auf und sie schieden aus. Ohne Defekt ist besonders Ryan Hunter-Reay ein Kandidat für eine Topplatzierung. Immerhin hat er schon zwei Siege im Barber Motorsports Park errungen. Er ist somit der einzige Fahrer außerhalb von Team Penske, der dort schon siegreich gewesen ist.

Ein besonderes Phänomen in Birmingham sind die Leistungen von Scott Dixon. Er war immer einer der schnellsten Fahrer im Feld und hat jedes Rennen in den Top-6, sechs von sieben Rennen sogar auf dem Podium, beendet. Der Sieg fehlt aber noch. Mit der Stärke der kompletten Honda-Flotte ist aber auch in diesem Jahr wieder einer der absoluten Topfavoriten. Sein Problem ist die mangelnde Unterstützung seiner Teamkollegen. Dixon erreichte in St. Petersburg und Long Beach die Plätze 3 und 4. Tony Kanaan kam auf Platz 12 im ersten Rennen ins Ziel. Alle anderen Platzierungen von Kanaan, Max Chilton und Charlie Kimball waren schlechter.

J.R. Hildebrand hat sich einen Knochenbruch in der linken Hand beim Unfall mit Mikhail Aleshin in der letzten Runde des Grand Prix of Long Beach zugezogen. Der Bruch wurde operiert, aber ein Einsatz in Birmingham kommt zu früh. Als Ersatz wird Zach Veach einspringen. Für ihn ist es ein wenig Training im Hinblick auf das Indy 500. Abgesehen von Veach stehen auf der Entry-List (PDF) dieselben Namen wie in St. Petersburg und Long Beach.

Zeitplan (local time, MEZ)

Freitag, 21. April

11:45 a.m. – 12:30 p.m. (17:45 – 18:30) – Verizon IndyCar Series practice #1
3:25 – 4:10 p.m. (21:25 – 22:10) – Verizon IndyCar Series practice #2

Samstag 22. April

11:00 – 11:45 a.m. (18:00 – 18:45) – Verizon IndyCar Series practice #3
3:00 p.m. (22:15) – Qualifying for the Verizon P1 Award (three rounds of Verizon IndyCar Series knockout qualifications), NBCSN (live)

Sonntag, 23. April

10:30 – 11:00 a.m. (16:45 – 18:00) – Verizon IndyCar Series warm-up
3:00 p.m. (21:00) – NBCSN on air

3:30 p.m. (21:30) – Honda Indy Grand Prix of Alabama (90 laps/207 miles), NBCSN (Live)

Die Trainings, Ausnahme ist P1, das live bei NBCSN gezeigt wird, werden auf dem YouTube Channel der IndyCar Series gestreamt.

(c) Photos: IndyCar Media; Shawn Gritzmacher