Da ich a) in der DVB-T Diaspora meiner Freundin hänge und ich b) ein Familienfest am Wochenende hatte, hab ich dementsprechend wenig gesehen. Keine F3, keine ALMS, NASCAR nur den Anfang und keine IRL.

DTM – Zandvoort
Ich hab am Wochenende einen anonymen Hinweis bekommen, dass der Einstieg von Citroen in die DTM ab dem Jahr 2009 beschlossen sein soll. Angeblich bauen die Franzosen einen Protoypen, dessen Modell auch schon im Windkanal stehen soll. Ich kann den Hinweis logischerweise nicht verifizieren, die Mail klang aber recht ernsthaft. Auf der anderen Seite lohnt sich vermutlich kein Einstieg im nächsten Jahr, da es ab 2010 ja ein neues Regelement in Sachen Chassis geben soll. Würde mich sehr überraschen, wenn die Franzosen sang- und klanglos die Rally-WM schon 2009 verlassen.

Zum Sport. Ein eher eintöniges Rennen – jedenfalls vorne. Das sich die Audi nicht in die Kiste fahren würden, war eh klar und nach dem zweiten Boxenstopp passierte dann auch gar nichts mehr. Aber zu sagen, dass das Rennen besonders schlecht gewesen ist, wäre jetzt auch unfair. Dafür gab es dann doch sehr viele enge Zweikämpfe im hinteren Teil des Feldes. Dass wenig überholt wurde – nunja, die Strecke gibt halt nicht so viel her und dazu kommt die Aerodynamik der modernen DTM Fahrzeuge. Man konnte es hier und da immer mal wieder sehen, wie leicht die Vorderachse wurde, wenn man zu dicht auffuhr. Da mag man am Anfang der Kurve nah dran sein, am Ende ist man wieder ein paar Meter weg. Wie soll man da in einer Serie überholen, deren Fahrzeuge ja durchaus nah beieinander liegen in Sachen Performance?

In den Kommentaren bekam die DTM auch mal wieder ihr Fett weg. Langweilig. Eintönig. Zu wenig Konkurrenz. Keine richtigen Rennen. Ich kritisiere die DTM auch gerne, bin aber weiter Meinung, dass die Basis der Fahrzeuge eigentlich nicht schlecht ist. Sie sehen gut aus, die V8 sind die richtigen Motoren und das Fahrerfeld ist ja nun auch nicht schlecht. Das Problem der DTM ist halt, dass sie nicht von einem Sportverband gegründet wurde, sondern von den Herstellern selber. Ich plädiere seit Jahren dafür, dass man die DTM auch für “freie” Teams aufmacht und eine Semi-Werksunterstützung zulässst. Das allein würde schon mehr Pfeffer in die Sache bringen. Klar ist aber auch, dass die aerodynamische Entwicklung der Wagen dringend zurück geschraubt werden muss. Nicht nur, weil die Rundenzeiten so schnell geworden sind, sondern auch, weil man nicht mehr überholen kann. Man wird die Aerodynamik nicht komplett abstellen können, aber in der WTCC und in der BTCC sieht man, dass es möglich ist, sich auch in langgezogenen Kurven ansaugen zu können. Genau da muss die DTM auch wieder hin.

Jens Schröder, Medienanalyst beim neuen Portal meedia.com war so freundlich mir mal die Einschaltquoten der DTM vom Wochenende zu geben. Die Zahlen fand ich etwas ernüchternd. Insgesamt haben 1.15 Millionen Zuschauer (9.7% Marktanteil) das Rennen gesehen. In der Zielgruppe der 14-49jährigen waren nur 430.000 Zuschauer (7.8%). Nun ist das Rennen eine Stunde vor der normalen Uhrzeit gestartet, und die Marktanteile der anderen Rennen waren deutlich besser:

1. Rennen: 13,4% / 11,7%
2. Rennen: 13,5% / 10,6%
3. Rennen: 13,2% / 13,2%
4. Rennen: 11,0% / 9,0%
5. Rennen: 10,9% / 10,2%
6. Rennen: 9,7% / 7,8%

(Quelle: Jens Schröder)

Der Sommerknick ist klar zu sehen. Aber 430.000 Zuschauer – das ist eine Zahl, die ich der NASCAR in Deutschland durchaus auch zutraue. Leider hat Premiere ja nie Zahlen rausgerückt, aber dass, was ich gehört habe, lag auch im sechstelligen Bereich. Für eine Serie aus den USA, die hier kaum einer kennt und die im Pay-TV lief. Kann sich jeder selbst seinen Reim draus machen.

WTCC – Estoril
Zwei wirklich gute Rennen der WTCC. Irgendwie scheint zur Mitte der Saison der Knoten geplatzt zu sein in der Serie. Schon die Rennen in Brünn waren teilweise richtig gut und auch auf der nicht leichten Strecke von Estoril ging es richtig zur Sache. Man tauschte viel Lack und etliche Außenspiegel aus, es wurde angeklopft, gedrückt und insgesamt sehr hart gefahren, ohne dass es zu ruppig wurde. Auch wenn die Seat mal wieder gewonnen haben und die Meiterschaft dominieren, stört das in Estoril nicht. Die Rennen machen Spaß und es ist der FIA endlich gelungen, fast alle Hersteller auf ein Niveau zu bringen. Wirklich zwei gute Rennen und man darf sich wohl jetzt schon auf den Auftritt in Brands Hatch freuen.

NASCAR – Chicago
Wenn man denn Kyle Busch wird schlagen können, dachte ich mir so vor dem Rennen, dann wohl eher auf den 1.5 Meilen Ovalen. Denn da sah er dieses Jahr noch nicht so gut aus, sieht man mal von seinem Sieg in Atlanta ab. Aber die “Offenen Kyle Busch Meisterschaften” gehen wohl weiter. Seine Statistik ist schon beängstigend gut. Im Cup hat er sieben der 19 Rennen gewonnen und von den etwas mehr als 5000 Runden Renndistanz hat er über 1000 geführt. In der NW hat er fünf Siege, in der CTS zwei. Macht 14 Siege in drei unterschiedlichen Rennklassen. Kann man sich kaum vorstellen und übersetzt man wohl besser so: Das wäre so, als hätte Hamilton vier Rennen in der F1, drei in der GP2 und so nebenbei noch zwei in der F3 in einer Saison gewonnen. Unglaublich. Und es scheint wirklich am Fahrer zu liegen, denn weder Hamlin noch Stewart sind in der Lage zu folgen. Die Frage ist halt – wer soll ihn stoppen und wie lange hält sein Glück an?

Für die NASCAR sind solche Strecken meist eher schwierig. Wenn einer, wie im letzten Jahr mit Jimmie Johnson, einfach alles in Grund und Boden fährt, ist das nicht gut für die Einschaltquoten. Im letzten Jahr hatte man wenigstens noch Jeff Gordon, der dagegen gehalten hat, aber in diesem Jahr? Dass Kyle Busch ein grandioser Fahrer ist, das bezweifeln mittlerweile nicht mal mehr diejenigen, die ihn abgrundtief hassen. Letztlich macht er halt dass, was die Fans eigentlich gerne sehen wollen. Immer quer, immer volles Rohr und seine Aktionen, wie die gegen Jimmie Johnson beim Restart am Wochenende sind haarscharf an der Grenze der Fairness. Die NASCAR könnte sogar wunderbar mit einer noch längeren Siegesserie klar kommen, wenn es denn einen Gegner geben würde, der ihm Paroli bieten kann. Wenn man also ein Szenario hätte wie in den 80ern, als Darrell Waltrip (ebenfalls damals sehr unbeliebt) sich mit Dale Earnhardt auseinandersetzte. Aber der ist einfach nicht zu sehen. Carl Edwards, Kasey Kahne, Junior, Jeff Burton, Jimmie Johnson – sie alle scheinen in diesem Jahr keine Chance zu haben außer Kyle Busch hat mal einen schlechteren Tag.

Gut – durch ist Kyle Busch noch lange nicht. Der Chase hat ja bekanntermaßen seine eigenen Gesetze und selbst wenn er mit 100 Punkten Vorsprung rein geht, heißt das noch lange nicht, dass er am Ende auch gewinnen wird. Im Chase wird noch mal eine Ecke härter gefahren und da könnte sich schnell rächen, dass er im Verlaufe der Saison ein wenig zu viel ausgeteilt hat. Die Toyota Teams werden sich auf Kyle Busch konzentrieren, bei Chevy wird es wohl zu nächst Junior sein, aber hier kommt hinzu, dass sehr viele Chevy Teams im Chase sind, während man bei Toyota die Meisterschaft wohl eher ungern an Tony Stewart geben möchte.

Diverse News
– Paul Tracy wird in die IRL zurückkehren. Wie man hört, soll er in Edmonton für Walker Racing an den Start gehen. Angeblich arbeitet IRL Besitzer Tony George seit einigen Wochen mit Hochdruck daran, für Tracy ein Sponsorenpaket und ein Team zu finden.

– Santander, eine spanische Bank und einer der Hauptsponsoren von McLaren, soll angeblich beschlossen haben, ab 2010 zu Ferrari zu wechseln. Das ist ein weiterer Hinweis, dass Alonso zu den Italienern wechseln wird. Mein Bauchgefühl sagt mir weiterhin, dass der Spanier schon 2009 für die Roten an den Start gehen wird.

Diverse News
Nachtrag zum gestrigen Eintrag über das Verhältnis zwischen Journalisten und der Motorsportindustrie. Zum einen gibt es bei Allesaussersport einen weiterführenden Artikel, der sich mit anderen Bereichen des Sports auseiandersetzt, zum anderen hat hier “NoteMe” einen Hinweis auf die Webseite von Premiere Moderator Peter Lauterbach gegeben. Da kann man sehen, dass der Einspieler der “Post Speed Academy” der neuerdings immer bei den F3 Euro Rennen gezeigt wird, ausgerechnet von der Produktionsfirma von Lauterbach erstellt wird. Nun hat Lauterbach nichts mit der F3 zu tun, von daher gibt es da auch nichts zu beanstanden, außer vielleicht der Tatsache, dass die Nachwuchsfahrer ausgerechnet auch von den Premiere Moderatoren/Redakteuren geschult werden, die sie dann später mal interviewen. Das hat schon einen eher faden Beigeschmack, aber auch hier gehe ich einfach mal davon aus, dass die Grenzen einigermaßen gewahrt bleiben. Wer soll den Nachwuchsfahrern denn sonst in Interviews schulen, wenn nicht Leute vom Fach. Das bedeutet ja nicht, dass man in Zukunft keine kritischen Fragen stellt.

Etwas erstaunter war ich dann aber über die Tatsache, dass es offenbar Lauterbachs Firma ist, die für die DTM das IPTV produziert/bereitstellt. Sehr unwohl wurde mir, als ich zusätzlich in der Referenzliste sah, dass seine Firme ebenfalls für BWM Motorsport und Mercedes tätig ist. Da frage ich mich schon, wie man kritische Fragen an BMW Motorsport-Chef Mario Theissen stellen kann, wenn man gleichzeitig an anderer Stelle Auftragnehmer zumindest war oder auch noch ist. Man braucht schon “ball of steels” wenn man eine Firma mit Angestellten hat, und gleichzeitig einen Kunden kritisch befragen möchte.

Ich möchte Lauterbach gar nicht unterstellen, dass er unsauber arbeitet. Wie gestern schon mal erwähnt, wäre es auch irrsinnig anzunehmen, man würde nach einer gewissen Zeit nicht Teil der Szene, in der man arbeitet. Und natürlich gehören dazu auch geschäftliche Verbindungen dazu. Die Frage ist halt immer, wie man damit umgeht, wie weit man seinem Kunden gegenüber klar macht, dass dies der eine, und das der andere Job ist. Immerhin hat Premiere ein aus den Verbindungen resultierendes, mögliches Problem dadurch gelöst, dass man Keke Rosberg engagiert hat, der ja bekanntermaßen kein Blatt vor den Mund nimmt. Aber ein wenig erinnert mich das doch schon an die Vermischung journalistischer Berichterstattung mit eigenen geschäftlichen Interessen, die im Radsport-“Journalismus” in den letzten Jahren aufgetaucht sind.

Aber das Thema interessiert mich jetzt noch etwas mehr. Wer noch Hinweise hat, der kann sie gerne zusenden. Ich behandle das anonym.

14.07.2008

Aufz. 16:30 Uhr   F3 Euro   Zandvoort   Premiere
Aufz. 16:35 Uhr   GT3/GT4   Oschersleben   MotorsTV
Aufz. 17:30 Uhr   British GT   Thruxton   MotorsTV
Aufz. 18:30 Uhr   Porsche Cup   Zandvoort   Premiere
Aufz. 19:15 Uhr   NASCAR   Atlanta   Premiere
Aufz. 20:45 Uhr   IRL   Nashville   Premiere
Aufz. 22:45 Uhr   Porsche Cup   Zandvoort   Premiere
Aufz. 23:30 Uhr   NASCAR   Atlanta   Premiere

15.07.2008

Aufz. 10:30 Uhr   GT3/GT4   Oschersleben   MotorsTV
Aufz. 17:45 Uhr   NASCAR   Atlanta   Premiere
Aufz. 18:45 Uhr   Formel Eins   Silverstone   Premiere
Aufz. 20:05 Uhr   GT3/GT4   Oschersleben   MotorsTV
Aufz. 20:45 Uhr   GP2   Silverstone   Premiere
Aufz. 21:00 Uhr   ALMS   Lime Rock   MotorsTV
Aufz. 22:45 Uhr   British GT   Thruxton   MotorsTV
Aufz. 23:35 Uhr   British F3   Thruxton   MotorsTV