Wie erwartet legte die F1 in der Türkei keinen Klassiker hin, aber schlecht war das Rennen nicht. Die Kollegen bei Spiegel und Stern sprachen von einem “Langweiler”, aber das würde ich in keinem Fall unterschreiben. Dazu war das Rennen wegen der unterschiedlichen Strategien vorne, aber auch im Mittelfeld einfach zu dich zusammen. Wann hat man in letzter Zeit einen Führungswechsel aufgrund eines Überholmanövers gesehen? Das muss sehr lange her sein.

Lewis Hamilton Die Idee von Mercedes, mal was ganz verrücktes zu machen und eine Drei-Stoppstrategie zu fahren, war zwar etwas vor allem für den Rennstall etwas überraschend, aber ein wenig naheliegend war es schon. Es gibt neben der Türkei nur noch Magny Cours und vielleicht noch Kanada, wo sich eine solche Strategie lohnt, weil man hier sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausfahrt in die Box nur sehr wenig Zeit auf die anderen Wagen auf der Strecke verliert. Man kann es also versuchen und die Sache wäre aufgegangen, wenn Hamilton nicht in der Quali Mist gebaut hätte. Er war auf die Pole angesetzt um als erster aus der Startrunde zu kommen, damit die Idee auch umgesetzt werden konnte. Nur wenn er eine Führung rausfahren hätte… usw. Auf der anderen Seite war McLaren aber dichter an Ferrari dran, als ich es vor dem GP Wochenende erwartet hätte. Barcelona war man noch drei Zehntel von den Italienern weg, in der Türkei war man auf Augenhöhe. Mag an der Strecke gelegen haben, oder an den niedrigen Temperaturen. Kann aber auch einfach sein, dass McLaren was gefunden hat. Offenbar bereitet man ein größeres Aero-Update an, das verriet zumindest Ron Dennis. Meist tauchen aber ein paar Sachen schon vorher am Wagen auf. Wenn McLaren den Schritt gemacht hat, den man sich erhofft, dann wird die WM noch richtig spannend.

BMW hängt dagegen weiter die drei Zehntel dahinter, die man schon seit Bahrain mit sich rumschleppt. Es scheint so, dass die Deutsch/Schweizer die Schlagzahl in Sachen Weiterentwicklung halten können, aber erhöhen können sie sie auch nicht. 2008 Turkish Grand Prix Allerdings braucht man bei drei Zehntel nur mal eine wichtige Entdeckung machen und schon ist man dran. Am Wochenende habe ich mir auch mal die Frage gestellt, ob BMW noch die richtigen Fahrer hat. Heidfeld hat Probleme in der Quali und rutscht immer nur gerade so rein, Kubica kommt im Rennen nicht von der Stelle, wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass der Pole mit seinen vierten Plätzen schon alles rausholt. Interessanterweise liegt Heidfeld, der immer zwei oder noch mehr Plätze hinter Kubica startet, dann im Rennen hinter seinem Kollegen. Alles gut und schön – aber richtig aufregend ist das nun auch nicht. Würde mich interessieren, was Alonso aus dem BMW rausholen würde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass BMW einen neuen Fahrer benötigt, um den letzten Schritt nach vorne zu machen.

Hinter den Top-Drei rückt das Feld immer weiter zusammen. Red Bull, Renault, Williams, Honda und Toyota sind alle auf einem fast identischen Leistungsstand. Honda braucht vielleicht noch etwas, aber je nach Strecke werden sie auch wieder weiter vorne sein. Wie eng man zusammen ist, zeigt ein Vergleich der besten Rundenzeiten (ich hab die jeweils schnellsten Fahrer genommen)

Alonso: 1:27,280
Webber: 1:27,630
Rosberg: 1:27,795
Trulli: 1:27,926
Button: 1:27,998

Die Zeit von Alonso sticht etwas raus, wenn man Piquets Zeit nimmt (1:27,867) sieht die Sache schon wieder anders aus. Ab Monoca hat Torro Rosso auch den neuen Wagen, die werden ebenfalls in dem Verein mitmischen. Das sind schon erstaunliche Zahlen und das Paket Webber, Rosberg, Coulthard, Trulli trennten nach 300 km Renndistanz gerade mal 12 Sekunden.

Zusammengefasst: vorne wird es enger, im Mittelfeld ist die Hölle los und in der WM haben noch fünf Fahrer zumindest gute Aussichten auf dem WM-Titel – keine Ahnung, warum das nicht spannend sein soll.

NASCAR – Darlington
Kyle Busch Die offenen Kyle Busch Meisterschaften gehen weiter. Mehr kann man zu dem durchaus sehenswerten Rennen des Sprint Cups vom Wochenende eigentlich nicht sagen, denn Kyle Busch hat im Moment einen richtigen Lauf, auch wenn der Ausfall von Greg Biffle seinen Sieg begünstigt hat. Das liegt nicht mal nur am bärenstarken Toyota Motor, denn wie man sehen konnte hat Teamkollege Hamlin mit dem Wagen durchaus schon mal so seine Probleme. Offenbar ist es so, dass die Busch das CoT einfach besser liegt. Das er im letzten Jahr das Rennen mit dem CoT in Bristol gewinnen konnte, war kein Zufall. Man kann das CoT, wohl deutlich brutaler rannehmen, als das alte Chassis. Durch den Heckflügel verzeiht der Wagen mehr, also kann man auch mehr Übersteuern in den Wagen bringen. Und damit kommt Busch einfach grandios zurecht. An den Kurvenausgängen sieht man kaum einen Fahrer so sehr im Slide wie Kyle. Obwohl man normalerweise sagt, dass so etwas Zeit kostet – bei Busch offenbar nicht. Auch interessant: während Buschs Wagen nach dem Rennen aussah, als hätte er einen mittelschweren Unfall gehabt, war zum Beispiel der Wagen von Gordon fast unberührt. So oft und heftig wie Busch in der Mauer war hätte der Wagen eigentlich komplett verzogen sein müssen. “He’s Houdini man,” sagte Jeff Gordon später, “I can’t tell you how many times he tried to put his car through the wall.”. Selbst wenn sein Spotter und seine Crew ihn anflehen langsamer zu machen – es interessiert ihn nicht.

Sein Auftritt in Darlington war dementsprechend. In der Vorberichterstattung (ich glaub es war Jimmy Spencer, bin mir aber nicht sicher), meinte jemand, das Busch vor lauter Arroganz bald platzen würde. Jeff Gordon meinte in einem Interview, dass er eine andere Seite von Busch kennen würde, die nichts mit der provokanten Art und Weise zu tun habe, die Kyle im Moment an den Tag legen würde. Er sei auch etwas überrascht. Wie sicher er sich fühlt, zeigte er auf der Fahrerpräsentationsrunde. Als er (natürlich) ausgebuht wurde, nahm er die Sonnenbrille ab und wischte sich ein paar imaginäre Tränen ab. Nach dem Motto: “Heult doch das ich euren Junior rausgekickt hab’.”

“Overconfident” – so nennt man das in Englischen und es gibt kein deutsches Wort, mit dem es übersetzen könnte, denn “overconfident” bedeutet auch, dass jemand dabei ist, es zu übertreiben. Die anderen Fahrer sehen Kyle Busch durchaus als das Talent, dass er ist, aber mit 23 ist er auch dementsprechend jung und was wohl einigen Fahrerkollegen so langsam auf die Nerven geht, ist seine sehr überhebliche Art. Letzte Woche geriet er nicht nur mit Junior aneinander, sondern auch mit Steven Wallace, dem er nach dem Rennen ein paar deutliche Worte sagte. Dieses Wochenende war es ausgerechnet Brad Kesolowski aus Juniors Team, mit dem er in einen unglücklichen Crash geriet. Nach dem Rennen meinte er “Next time I’m a lap down and I’ve got damage I’m going to race him like an SOB and wreck him, too.” Wenn einer austeilt, aber nicht einstecken kann, kommt das bei den Kollegen nicht gut an. Jeff Gordon, als mehrfacher Meister der Leithammel der NASCAR Herde, meinte dann auch schon: “He just gets himself into situations, you know, that just follow him. He just needs to accept it.” Keine Drohnung, aber eine Ansage, dass sich was ändern muss. Denn wenn einer zu arrogant durch die Gegend läuft und sich zu viel Feinde auf der Strecke macht, dann bekommt er das meist schnell zu spüren. Im letzten Jahr lief Montoya wie ein aufgeblasener Gockel rum – was zur Folge hatte, dass er auf der Strecke entweder keine Hilfe bei den bump drafts bekam oder einfach in die Mauer geschickt wurde. Ich vermute mal, dass im Fahrerlager die Zahl derjenigen, die darauf warten, Kyle Busch “aus Versehen” mal hinten hinten links oder rechts auf den Kotflügel zu fahren, in den letzten zwei Wochen dramatisch angestiegen ist.

Auf der anderen Seite – Endlich mal nach zwei Hendrick Jahren wieder ein Team, dass Gordon und Johnson den Schneid abkaufen. Endlich mal wieder eine Figur, an der man sich reiben kann. Busch zeigt auch, was der NASCAR in den letzten Jahren gefehlt hat: große Rivalitäten zwischen Teams und Fahrer. Die etwas glattgebügelten Spitzenkräfte wie Gordon, Johnson, Edwards, Kenseth, Harvick und Hamlin waren nicht in der Lage sich so weit aus dem Fenster zu lehnen. Junior hält sich zum Unverständnis vieler Fans auch zurück. Und eigentlich ist es schade, dass Tony Stewart im gleichen Team ist und Montoya im Moment im Dodge wenig Chancen hat. Würde ich gerne mal sehen, wenn Montoya auf Kyle Busch trifft.

LMS – Spa
Kein sonderlich schlechtes Rennen der LMS in Spa, aber weitaus weniger spannend, als ich mir das erhofft hatte. Was einfach daran lag, dass sowohl Peugeot als auch Audi schnell einen Wagen verloren, und auch der Lola-Aston Martin in Probleme geriet. Was beim Audi von Capello los war, weiß ich nicht genau (irgendwas technisches), der zweite Peugeot wurde mit Alex Wurz am Steuer bei einer Überrundung abgeschossen und ziemlich zerstört. Leider war im TV nicht zu sehen, was genau passiert ist. Dr. Ulrich berichtete im Interview, dass Capello ihm erzählt habe, dass er und Wurz an einem Spyker vorbei wollten. Der Audi kam vorbei, der Peugeot nicht. Schade für Alex Wurz, für den das ein guter Test für Le Mans gewesen wäre.

Ansonsten hat sich an der Spitze nur wenig verändert. Die 908 sind einfach deutlich schneller als der R10. MotorsTV Moderator Stefan Heinrich ließ durchblicken, dass man seitens Audi die Franzosen wohl zunächst unterschätzt hatte. Im letzten Herbst/Winter konzentrierte man sich auf den neuen A4 für die DTM und hatte nicht die Zeit für den R10, die man hätte reinstecken müssen. An der Motorleistung liegt es wohl nicht, es ist wohl die ungünstige Gewichtsverteilung, die dem R10 zu schaffen macht. Auf in Sachen Aerodynamik ist der Peugeot besser, aber da darf man auch nicht vergessen, dass der R10 eine Entwicklung aus dem Jahr 2005 ist. Mit einem aufgebohrten 05er Wagen würde man in der Formel Eins auch kein Land sehen. Seitens Audi hoffte man halt, dass die Standfestigkeit es schon richten würde, aber genau daran hapert es bei Audi im Moment auch. Kein Rennen, bei dem nicht ein R10 bisher Probleme gemacht hätte und bei den Franzosen hat man die letzten Kinderkrankheiten wohl mittlerweile im Griff. Le Mans wird noch mal eine andere Sache, aber da geht man auch mit drei Wagen an den Start. Es rächt sich jetzt ein wenig, dass man bei Audi etwas zu sehr gespart hat, aber jetzt kann Audi auch mal zeigen, wie sie mit Konkurrenz umgehen können, nachdem sie in diesem Jahrtausend ja mehr oder weniger allein auf den Strecken unterwegs waren. Kleiner Trost für Audi: in der Herstellerwertung führen sie.

Spannend war es in der LMP2, was leider in der Übertragung etwas unterging. Die Teams von Horag und Van Merksteijn gaben es sich mit den Porsche RS Spyder aber mal so richtig und die Führung wechselte andauernd. Am Ende hatten die Holländer die Nase vor den Schweizern, die aber immer besser in Schwung kommen. Leider ist Horag nicht in Le Mans.

Das gestrige Rennen in Spa war das letzte offizielle Rennen vor den 24 H von Le Mans. Peugeot und Audi werden aber vorher sicher noch mal ausgiebige Tests unternehmen.

Andere Serien
Was war sonst so los?

– Rahmenrennen F1
Die waren eher mehr als weniger langweilig. Die Sache mit dem Hund und Bruno Senna hat mir am Sonntag sowieso das Frühstück verdorben.

– IRL
Pole Day Zwei ist abgesagt worden. Da man weder heute noch morgen fährt, werden die restlichen Pätze am kommenden Wochenende ausgefahren. Die Ex-Champcar Teams sind darüber verstimmt, weil sie sowieso kaum Abstimmungsdaten haben und hinterher fahren.

-A1 GP
Es ist eine erste digitale Version des neuen A1 Wagen seitens der Organisatoren veröffentlicht worden. Und ich muss sagen: ich bin ein wenig enttäuscht. Der alte Wagen war in seiner Wuchtigkeit vielleicht etwas altmodisch, aber er war gut als A1 zu erkennen. Der neue Wagen sieht dagegen halt aus wie ein GP2 Wagen. Man sollte aber auch erwähnen, dass man hier noch nicht das endgültige Design des Wagens sieht, sondern nur einen fast fertigen Entwurf. Vielleicht ändert sich da noch was.

Und sonst?
Wie wahrscheinlich schon bemerkt, habe ich seit heute die Fotos anders eingebunden. Das kleine Javascript, dass die Fotos im Layout groß gemacht hat, verursachte immer mehr Ärger, da es nicht mehr weiterentwickelt wird und mit der 2.5er Version von WordPress nicht so richtig klar kommt. Dafür sind die Fotos jetzt auch etwas größer. Ich kann die Bilder in einem Tab aufgehen lassen (siehe erstes Bild) oder im gleichen Fenster. Sagt mal, was Euch lieber ist. Ich persönlich finde die Variante im gleichen Fenster angenehmer, da man mit dem MouseGestures schnell wieder zurück ist, während man bei einem neuen Tab dies extra schließen muss. Getestet mit Opera 9.5 Beta 2, Firefox 2 und 3 Beta 5, IE 7. Opera und FF gehen mit den Fotos besser um als der IE, der die Bilder in die linke obere Ecke klatscht. Kann ich leider nicht ändern. Safari hab ich noch nicht probiert.

Vorschau aufs kommende Wochenende: NASCAR All-Star Rennen am Samstag, die WTCC wird vermutlich in Valencia langweilen, dafür fährt die DTM auf dem Eurospeedway, die FIA GT in Monza und die ALMS auf dem topfebenen Wüstenkurs in Salt Lake. Und dann fährt noch die BTCC in Thruxton.

12.05.2008

Aufz. 19:15 Uhr   British F3   Croft   MotorsTV
Aufz. 19:15 Uhr   NASCAR SC   Darlington   Premiere
Aufz. 20:05 Uhr   Dutch Supercar   Nürburgring   MotorsTV
Aufz. 20:15 Uhr F1 Türkei Premiere
Aufz. 23:15 Uhr GP2 Türkei Premiere

13.05.2008

Aufz. 11:55 Uhr GP2 Türkei Premiere
Aufz. 14:00 Uhr   British F3   Croft   MotorsTV
Aufz. 17:00 Uhr LMS Spa Euro 2
Aufz. 18:00 Uhr F1 Türkei Premiere
Aufz. 19:10 Uhr LMS Spa MotorsTV
Aufz. 20:00 Uhr IRL Kansas Premiere
Aufz. 20:45 Uhr F1 Türkei DSF
Aufz. 22:45 Uhr V8 Supercars Barbagallo MotorsTV