Die Anlage, die man in Abu Dhabi aus den Sand gekloppt hat, ist wirklich sehr beeindruckend gewesen. Was sich nicht auf das Rennen abfärbte.
Es war schon eine der Formel Eins angemessene Umgebung, in der der letzte Grand Prix des Jahres statt find. Große Hotels, noch größere Boote, viel Glitzer, Glamour und noch mehr Geld. Die Formel hat ihre Garagenjahre schon lange hinter sich gelassen und schlürft aus Kristallkelchen Champagner. Der Fan bekam allerdings am Fernsehen nur das in Arabien für Schampus verwendete Rosenwasser zu spüren. Das Rennen war fad und die Probleme von Lewis Hamilton vermiesten den Kampf um die Spitze zusätzlich. Allerdings war es schon beeindruckend, wie Vettel den Rest des Feldes davon zog.
“Die Frage ist ja auch eigentlich gar nicht mehr, ob Vettel Weltmeister wird.” Das ist der Grundtenor der deutschen Presse am heutigen Tag. Also der meisten, die den dpa/sid Bericht ein wenig umgeschrieben haben. Natürlich wissen wir hier alles besser und rufen zurück “Wenn er denn wieder so einen Wagen bekommt und McLaren nebst Ferrari wieder so schlecht unterwegs sind.” Der Hype um Vettel ist schon ziemlich unglaublich. Gestern sah ich ihn für rund 20 Sekunden zeitgleich auf RTL, bei sky und bei der BBC. Ob da nicht zu viel Druck aufgebaut wird?
Aber ich habe eher den Eindruck, dass Vettel der Druck durch den Presserummel gar nicht so interessiert. Das er wenig ist, im Vergleich zu dem Druck, unter den er sich selbst setzt. Sein schlacksige, lässige Art ist ja die eine Sache. So Momente, in denen er nach einem Sieg ausrastet, oder wo er, wie in Sao Paulo, das Lenkrad aus dem Wagen wirft, sind dann die anderen Ebenen seiner Persönlichkeit.
Als zweiten Fahrer, der mich gestern beeindruckt hat, muss man Kamui Kobayashi nennen. Der fährt gerade mal sein zweites Rennen in einem ihm fast komplett unbekannten Wagen, und prügelt den auf Platz sechs. Nun kann man sagen, dass sowohl Brasilien wie auch Abu Dhabi nicht gerade die anspruchvollsten Kurse sind, aber ein Grosjean oder Fisichella ist das nicht gelungen. Toyota wird den Nachwuchsmann wohl eine Chance geben.
Jenson Button ist mir gestern auch wieder positiv augefallen. Ohne Druck schient er wieder Lust am Autofahren zu haben. Jedenfalls habe ich ihn gestern öfter quer stehen sehen, als in jedem anderen Renne, wo er doch sonst so kontrolliert unterwegs ist. Er ist an Webber zwar nicht vorbei gekommen, aber er hat zumindest in den letzten Runden noch für Spektakel gesorgt.
Damit kann man GP abhaken, denn der Rest des Rennens war nicht der Rede wert. So schön es auch klitzern mochte, es war kein Ersatz für ein gutes Rennen. Wobei mir die Strecke durchaus gefallen hat, denn ganz ohne ist sie für den Fahrer nicht. Tielke ist selber Pilot. Er brettert in einem GT40 über die Nordschleife, weiß also, was Spaß macht. Warum seine Strecken aber immer dazu neigen ein Rennen zu zerstören, weiß ich auch nicht. Spielt man sie auf der Konsole oder am Rechner, merkt man, dass die Strecken ganz schön tricky sind, mit ihren hängenden Kurven. Das ist wie mit Magny-Cours. Mag man auch erst, wenn man sie auf der Konsole gefahren ist. Vielleicht baut Tielke ja zu viele unterschiedliche Schwierigkeiten ein? Aber warum bekommt man in Spa, Monza oder selbst in Ungarn mittlerweile vernünftige Rennen hin, während es auf den Tielke-Strecken Regen braucht? Schade ist es allemal, denn das Umfeld der Strecke sieht wirklich grandios aus.
Ein paar News, für alle, die heute unterwegs waren
- Bridgestone zieht sich Ende 2010 aus der F1 zurück. Die Ankündigung kam ziemlich überraschend und hinterlässt auch ein paar Fragezeichen, dass man als Lieferant für die GP2 bleiben wird. Was das nun wieder für einen Sinn macht? Die Herstellung der Reifen ist teuer, Bridgestone verdient nichts daran, ausser der Werbung, die man umsonst hat. Die Japaner haben ziemlich gute Arbeit geleistet in den letzten Jahren, denn mir ist nicht bekannt, dass es Rennen gab, in denen reihenweise Reifen geplatzt sind. Auf der anderen Seite scheint auch Bridgestone die Krise zu spüren, was logisch erscheint. Wenn weniger neue Autos gebaut werden, braucht man auch weniger Reifen.
Wer auf Bridgestone folgt ist komplett offen. Ich glaube nicht, dass die FIA nicht Bescheid wusste, dazu waren Ankündigung und Reaktion heute zu geschäftsmässig. Man muss dazu auch sagen, dass der bis Ende 2010 laufende Vertrag von den Japanern nun einfach nicht verlängert wird. Der für gewöhnlich gut unterrichtete Twitter Account @f1scoop meinte heute, dass Pirelli in den Startlöchern stehen würde. Die seien nicht umsonst Lieferant der GP3 geworden.
Pirelli hatte sich 2006 zusammen mit Michelin und Bridgestone um den Vertrag als Alleinausstatter beworben, dann aber doch zurück gezogen. Allerdings ist Pirelli schon lange aus dem Spitzenmotorsport raus. Die Formel 1 hat man 1991 verlassen, in anderen Monoposto-Serien ist man, meines Wissens, nicht unterwegs. Auch nicht in der Prototypen-Serie.
Eine andere Alternative wäre natürlich Michelin, aber die sind noch beleidigt, dass die FIA sie Ende 2006 aus dem Bieterverfahren gekegelt hat. Bliebe Goodyear, aber die beliefern ja ausser der NASCAR gar keine Topserie mehr. Aber es blieben als Alternativen immer noch Dunlop (DTM), Kumho und Yokohama (WTCC). Auf jeden Fall werden die neuen Reifen die Formel Eins 2011 wieder mal grandios durch einander würfeln. Wie üblich werden einige Teams nicht und andere besonders gut damit klar kommen.
Was ich nicht hoffe: das es einen zweiten Lieferanten gibt. Ein Reifenkrieg tut der F1 nicht gut, und es macht die Serie, in meinen Augen, unattraktiv. Die Reifen sind schon Unterscheidungsmerkmal genug, da jeder Wagen anders mit ihnen umgeht. Wenn jetzt auch noch ein zweiter Hersteller kommt, dann wird man nie feststellen können, welcher Pilot, welcher Ingenieur die bessere Arbeit geleistet hat. Lieber sollte man in diesem Punkt eine Waffengleichheit herstellen.
- Williams hat (Schock! Horror! Totale Überraschung!) Nico Hülkenberg und Rubens Barrichello für 2010 bestätigt. Hülkenberg hat die übliche Karriere hinter sich (Kart, Formel BMW, A1GP, F3) und dieses Jahr die GP2 gewonnen. Williams hat ihn schon länger als Testfahrer unter Vertrag und man hält große Stücke auf ihn. “Hülki” ist, nachdem was ich gesehen habe, eher ein unauffälliger Fahrer. Extrem schnell, sehr gewitzt und er hat in den Rennen, in denen ich ihn gesehen habe, selten aufgegeben und sich mit seinem Platz abgefunde. Er wirkt kontrolliert aggressiv.
Zu Barrichello muss man nichts sagen. Ich freue mich, dass er seinen 300sten GP wird fahren können. Außerdem sollte man ihn nicht unterschätzen. Wie man gesehen hat, kann er an einem guten Tag mit dem richtigen Material, sehr, sehr schnell sein. Die Kombination der beiden Fahrer gefällt mir. Ob man mit dem Cosworth-Motor allerdings so richtig liegt, ist dann wieder eine andere Sache, die man vor dem Februar nicht klären kann.
- Toyota hat Kamui Kobayashi zwar noch nicht offiziell bestätigt, aber immerhin hat man klar gemacht, dass er mehr als eine Option ist. Die endgültige Entscheidung, ob Toyota überhaupt weiter macht, fällt am 15.11. Da tagt der Vorstand von Toyota. Deswegen wartet Trulli auch bis Mitte November auf eine Entscheidung.
- Red Bull wird 2010 die Renault-Motoren behalten. Man wäre wohl gerne zu Mercedes gewechselt, allerdings kommen die nicht aus dem Deal mit McLaren raus. Offensichtlich hat McLaren trotz imposanter Vorstandsriege in Abu Dahbi erstmal “Nö” gesagt. Adrian Newey braucht für den neuen Wagen aber ungebedingt die Maße des Motors nebst Kühler usw. und konnte nicht mehr länger warten.
- Dagegen wird weiter berichtet, dass Brawn nächstes Jahr in silber fahren soll. Das glaube ich nicht. Die Silberlackierung ist ja nicht nur Werbeträger für Daimler, sondern auch für Vodafone und die anderen Sponsoren. Den gordischen Vertragsknoten wird man nicht so schnell aufdröseln können. Und so lange die Sache ungeklärt ist, so lange wird man auch auf den zweiten Fahrer bei McLaren warten müssen.
Der Jahresrückblick inkl. schonungsloser Offenlegung meine Saisonvorschau folgt noch.
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Danke für die FORMEL 1 Berichterstattung dieses Jahr! :)
Amüsanter Text Don ;):
” Williams hat (Schock! Horror! Totale Überraschung!) Nico Hülkenberg und Rubens Barrichello für 2010 bestätigt. “
Kurz was zu Hülkenberg: Ich halte ihn für extrem schnell, vor allem unter schwierigen Bedingungen. In Malaysia in der A1 GP (Einheitsserie!) fuhr er mal im Regen bzw. abtrocknenden Bedingungen 2 Sekunden schneller als alle anderen – pro Runde. Das war ziemlich beeindruckend. Und als Rookie die GP2 zu gewinnen ist auch nicht ohne, wobei er auch davon profitiert hat, das Grosjean zu Renault gegangen ist. Ich freu mich schon auf ihn in der F1!
Ich verbinde die ja eher mit rot.
Kobayashi verdient auf jeden Fall eine Chance. Endlich mal ein Japaner in der F1, der wirklich Potential zu haben scheint. Um so peinlicher, das muss man leider sagen, wirkt die Vorstellung von Fisichella in den letzten fünf Rennen. Badoer sehe ich damit übrigens jetzt als weitgehend rehabilitiert an. Der Ferrari ist wohl wirklich schwer zu fahren. Aber Fisichella hätte schon mehr rausholen müssen. Ich denke, beide Ersatzfahrer sind einfach zu zögerlich unterwegs gewesen. Besser mal ein Crash beim Versuch, das Limit zu finden, als diese schwache Vorstellung Rennen für Rennen.
Alle neuen Strecken haben das Problem, das sie zu perfekt sind. Man passt die Landschaft der Strecke an, anstatt umgekehrt. Man verwendet topfebenen Asphalt. Man versucht, jede Kurve so fehlertolerant wie möglich zu gestalten. Und so weiter…
@ Thomas:
Zumindest fährt das 888-Team in den V8 Supercars auch mit Vodafone als Hauptsponsor und einem silbernen Grund. Also kann es schon sein, dass das zum Design von Vodafone auch silber gehört. Hier ein Foto: http://www.teamvodafone.com/media/images/clipsal_800x600.jpg
Ich schrieb:
Alle neuen Strecken haben das Problem, das sie zu perfekt sind. Man passt die Landschaft der Strecke an, anstatt umgekehrt. Man verwendet topfebenen Asphalt. Man versucht, jede Kurve so fehlertolerant wie möglich zu gestalten. Und so weiter…
Dem kann ich nicht folgen. Wenn man sich mal vom Tilkedrom-Prototyp Sepang ausgehend die Werke des Meisters anschaut, so hat er noch überall mindestens eine “fiese” Stelle eingebaut, die vom Fahrer Runde für Runde volle Konzentration verlangen. Persönlich finde ich Sepang und, mit Abstrichen, Shanghai auch anspruchsvoller als Valencia und Abu Dhabi, aber auch dort sehe ich zumindest das Mühen, die Strecken nicht für Fahrer auf Kindergartenniveau zu bauen.
IMHO sind nicht die Strecken zu perfekt, sondern die Fahrer, und bis zu einem gewissen Punkt auch die Autos. Früher gab es da offensichtlich mehr Streuung, heute sind 2% Rückstand pro Runde schon Grund zu Lästereien.
Ja, es ist schon brutal, wenn man 8 Zehntel langsamer ist, und deswegen in Q3 raus fliegt. Schaut nur mal in die 70er und 80er, wie weit das Feld da auseinander war.Das ist schon irre.
Bliebe aber der Meinung: irgendwas stimmt mit allen Tielke Strecken nicht. Selbst mit der Türkei, die ja wirklich etliche gemeine Ecken hat.
Ich glaube, da kommen mehrere Faktoren zusammen: die schiere Menge neuer Strecken, alle vom selben Designer, die Standorte, die modernen Sicherheitsvorkehrungen (sprich: viel Asphalt), die Ausrichtung auf eine perfekte Infrastruktur, die Einbindung in ein Großprojekt… all das knabbert jeweils ein bisschen was von dem Reiz ab, den die traditionellen Strecken haben. Rein vom Layout her sind die Strecken von Tilke meist wirklich anspruchsvoll (das basiert z.T. auf meinen Erfahrungen aus GTR2^^). Malaysia etwa, mit seinen schnellen, (teilweise) flüssigen Kurven, wird ja auch von Alonso also eine seiner Lieblingsstrecken bezeichnet.
Sehe ich ganz anders. Was heisst schon “volle Konzentration verlangen”? Doch nur, dass man bei einem Fehler ein paar Sekunden verliert. Das ist aber ja eigentlich eh in jeder Kurve der Fall. Es gibt praktisch keine Stelle mehr, die einen Fahrfehler wirklich klassisch bestraft – mit einem Ausfall, einem beschädigten Auto oder wenigstens ruinierten Reifen. Aber selbst wenn es EINE solche Stelle gäbe, ist das immer noch viel zu wenig. Ich könnte meinem vorigen Kommentar noch hinzufügen, dass es zu viele Schikanen und zu wenig High Speed Kurven gibt. Sind nicht Strecken wie Spa, Montreal oder Indy selbst dann immer aufregend(er) zu beobachten gewesen, wenn es mit den modernen Autos auch dort wenig Überholmanöver gab?
Ist es nicht völlig unerheblich, was passiert, wenn ein Fahrer einen groben Schnitzer macht, wenn es so selten vorkommt? Würde sich am Rennen vom letzten Sonntag etwas ändern, wenn die hässlichen Malerflächen gegen Strohballen getauscht wären? Nicht mal eine härtere Bestrafung für HAMs Ausrutscher hätte den Ausgang verändert!
Anstatt also den halben oder vielleicht ganzen Fehler pro 20 Fahrerrenndistanzen jetzt unnötig grob zu bestrafen, hat Tilke sich darauf konzentriert, mehr Fehler zu provozieren, die einem Verfolger das Aufschliessen und Überholen ermöglichen. Meiner Meinung nach macht diese Stoßrichtung Sinn.
Schikanen sind wichtig, sie bieten Möglichkeiten zum Ausbremsen. Was wäre Monza ohne seine varianti? Klar wünschte ich mir zB in Abu Dhabi weniger 90°-Ecken und mehr geschwungene Kombinationen, aber andererseits kann man sich zB in Sepang wirklich nicht über einen Mangel an schnelle Radien beschweren.
Apropos Sepang. Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird für mich, dass Tilke dort einen modernen Klassiker geschaffen hat, der für mich nur daran krankt, dass die Geraden 50% breiter ausgeführt wurden als nötig. Diese Strecke hat alles, und auch nach 10 Jahren ist sie eine riesige Herausforderung für die Fahrer.
Ich weiß nicht, warum Tilke diesen Erfolg nicht noch mal erreichen konnte, gerade die Kurse von Valencia und Abu Dhabi erscheinen dagegen wie Rückschritte. (von Türkei v0.9 a.k.a. Arragon gar nicht zu sprechen)
ich bin jetzt nicht so der Fachmann bei F1, ich hab auch schon ewig kein Rennen mehr gesehen, aber:
Vielleicht täusche ich mich ja, aber ich finde, daß die Tielke Strecken alle zu flach sind, also 2d. Ich meine, bei alten Rennstrecken wie z.B. Nürburgring, Spa, Laguna Seca oder Sears Point gibt es viele Steigungen und Gefälle, eben weil sie der Landschaft angepaßt wurden. Was wäre Laguna Seca ohne den legendären Cork Screw, oder Spa ohne Eau Rouge. Dabei fällt mir ein: Eau Rouge wird ja immer als “Mutkurve” bezeichnet, weil man sie “blind” fahren muß. Gibt es so was auf einem Tielke Kurs ? Ich glaube nicht, oder ?
Blinde Kurven gibt es schon, z.B. in Istanbul die Kurven 1 und 3 (letztere mag ich lieber als Kurve 8). Und ob flach oder hügelig hängt natürlich immer stark von dem Grundstück ab, auf dem man die Strecken planen soll, bei einigen liegst du da sicher richtig (z.B. Shanghai). In Abu Dhabi z.B. hat man ja sogar aufgeschüttet, ich glaube die so entstandene Passage Turn 2/3/4 ist auch so halbblind, weils über die Kuppe geht. Bahrain ist auch deutlich hügeliger als es im TV wirkt und hat ein paar fiese Ecken.
Also wenn das seine Intention sein sollte, dann ist die Umsetzung mehr als mässig. Die elend breiten, topfebenen Strecken mit ihren superflachen Kerbs und riesigen Auslaufzonen provozieren eben gerade NICHT mehr Fehler. Und schon gar nicht solche, die Überholmöglichkeiten bieten. Überhaupt sollte man gar nicht auf Fehler angewiesen sein, eine vernünftige Streckenführung ermöglicht auch “normale” Überholvorgänge. Beispiele: Monza, Spa, Montreal, Indy, Interlagos, der alte (!) Hockenheimring. Und dann gibt es noch eine Menge guter Strecken, auf der die F1 gar nicht fährt.