Die WTCC betritt dieses Wochenende geografisch gesehen Neuland. Man fährt das erste Mal in Russland auf dem Moscow Raceway.
Die größte Überraschung dürfte wohl sein, dass man im Gegensatz zu anderen Tourenwagenserien nicht die Kurzanbindung fährt. Man gibt sich die vollen 4 Kilometer der immer noch relativ unbekannten Rennstrecke, die ja auch schon eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Ursprünglich sollte hier die Formel 1 unterwegs sein, doch Bernie Ecclestone entschied sich lieber für Sotschi als Austragungsort eines russischen Grand-Prixs, womit der Strecke das Event mit ganz großer Strahlkraft doch etwas abgeht, auch wenn dort schon die World Super Bikes und die FIA GT1-WM fuhren und dieses Jahr auch die DTM gastiert.
Die Strecke selbst ist nicht wirklich schnell. Nach der Start- und Zielgeraden, die recht kurz ausgefallen ist, fährt man in ein sehr langsames Kurvengeschlängel gefolgt von einer schnelleren Passage wieder hinein in ein sehr langsames Kurvengeschlängel, das auf eine lange Gerade hinausführt. Nach einem ebenfalls langsamen Linksknick ist man wieder auf Start und Ziel. Das sieht leider auch genauso unspektakulär aus, wie es sich anhört. Formel-1-Rennen auf dieser Strecke wären vermutlich sehr öde geworden.
Da die WTCC aber durchaus auch auf öden Strecken in der Lage ist, ganz gute Rennen abzuliefern, bleibt noch ein Fünkchen Hoffnung auf interessante Rennen. Bei Honda realisiert man so langsam, dass einem einfach Top-Speed fehlt. Speziell nach dem letzten Rennwochenende am Salzburgring äußerten Tarquini und Monteiro doch relativ offen ihren Unmut über die fehlende Höchstgeschwindigkeit, man schiebt das Problem jedoch auch auf die 40kg Zusatzgewicht. Das Problem der fehlenden Höchstgeschwindigkeit könnte sie gegenüber denn Chevrolet auf der 1 Kilometer langen Geraden auch dieses Wochenende wieder einholen.
Die Chevrolet sind wieder Favorit. Ein Blick auf die Gewichte offenbart, dass nur die Seat 10 Kilogramm ausladen dürfen, alle anderen Fahrzeuge bleiben bei ihren Gewichten vom Salzburgring. Vielleicht gelingt den Seat aber auch eine Überraschung oder den zuletzt besser in Schwung gekommenen BMW. Ein Blick auf die Entrylist zeigt, dass Hugo Valente nicht dabei ist und dafür Nikolay Karamyshev den Seat von Campus Racing pilotiert. Karamyshev, der sonst in der ETCC für Campus fährt, wird das Fahrzeug für den Rest der Europasaison übernehmen, während Valente für die Überseerennen wieder an Bord ist.
Seit dieser Woche ist es offiziell: Die WTCC hat es nach jahrelangen Kämpfen geschafft und wird wohl (jetzt wirklich!) ein Rennen in Argentinien austragen. Gefahren wird am 4. August auf dem frisch für die MotoGP renoviertem Termas de Río Hondo Circuit. Nächstes Jahr möchte man wohl auch das zweite Südamerikarennen in Brasilien wieder in den Kalender aufnehmen. Theoretisch fehlt immer noch ein Rennen im Kalender, dieses wird man aber wohl einfach unter den Tisch fallen lassen.
Zum Schluss noch die TV-Daten für dieses Wochenende. Eurosport erfreut uns mal wieder aufgrund diverser anderer Verpflichtungen mit einer Übertragung des Qualifyings als Aufzeichnung am Sonntagmorgen um 7:30 Uhr auf Eurosport 2, dafür kommen das Warm-up um 8:00 Uhr und beide Rennen um 11:00 und 12:00 Uhr live auf Eurosport 1.
