Das zweite Rennen der Saison dürfte ein wenig Klarheit in die Formel Eins bringen. Denn zum ersten Mal ist auch der Abtrieb gefragt.

Nach dem Saisonauftakt in Australien starren alle auf Ferrari und die Frage steht im Raum: „Wie gut sind die Italiener wirklich?“ Das Rennen in Australien gewann man zwar unter anderem, weil Mercedes ein entscheidender Fehler bei der Strategie unterlief, aber man hatte sich auch in die Position gebracht, einen kleinen Fehler der Dauersieger ausnutzen zu können. In China sind aber andere Qualitäten von einem Rennwagen gefordert. Vor allem kann man hier die aerodynamische Effizienz der Fahrzeuge besser einschätzen. Denn der Kurs bietet zumindest ein paar mittelschnelle bis schnelle Kurven, vor allem im zweiten Sektor. Ein weiterer Faktor dürfte der Reifenverschleiß sein, denn der ist in China höher.

In Sachen Motorleistung, auch nicht unwichtig in China, scheinen Ferrari und Mercedes mittlerweile auf Augenhöhe zu sein. Da tut sich nicht viel. Renault hängt noch etwas zurück, vor allem weil man mit dem MGU-H aus dem letzten Jahr unterwegs sein muss. Die Neuentwicklung stellte sich bisher nicht als zuverlässig genug heraus. Honda erlebt in China einen echten Stresstest für den Motor. Viel sollte man von den Japanern nicht erwarten.

Schon jetzt ist klar, dass Honda den Motor neu aufbauen muss. Wie schon beschrieben wird man wohl die Zündreihenfolge verändern müssen, was zu großen Umbauarbeiten am Motor führt. Bis der neue Motor da ist, wird es wohl Ende Mai oder Anfang Juni werden. Dass Alonso ein Husarenstück wie in Australien gelingen wird, ist auch unwahrscheinlich. In China wartet eine 1,1 Kilometer lange Gerade mit einer langen DRS-Zone. Überholen ist also deutlich einfacher und da wird der McLaren vermutlich leiden.

Aber zurück zur Spitze. Wenn Ferrari in China den Mercedes Paroli bieten kann, dann haben wir zumindest bis Ende Mai erst mal ein enges Rennen zwischen den beiden Marken. Erst danach könnten die Updates das Kräfteverhältnis wieder stark verändern. Die entscheidende Frage wird sein, ob Mercedes in der Quali besser ist oder nicht. Gelingt es den Deutschen, die erste Reihe mit beiden Autos zu besetzen, dürfte das Leben für Mercedes im Rennen leichter sein. Mit Bottas als Puffer kann man sich ein paar strategische Reserven schaffen und der Rennsieg sollte in Reichweite sein.

Gelingt Ferrari eine Überraschung, dann sieht die Sache wieder anders aus. Interessant wird auch sein, wie schnell der Ferrari auf der Geraden ist. Denn selbst wenn ein Mercedes an der Spitze ist, kann sich das ändern, wenn das DRS aktiviert wird. Dass Mercedes in der Quali noch einen kleinen Vorteil hat, scheint aber klar zu sein.

Die Rennpace sieht aber anders aus. Der Reifenverschleiß bei Mercedes ist, je nach Wetter, wohl höher als bei Ferrari. Hier bieten sich dann wieder Chancen sowohl für den Under- als den Overcut bei Ferrari. Wenn denn nicht wieder Red Bull stärker wird, womit in China zu rechnen ist. Denn dem Team fehlte im Rennen in Australien gar nicht so viel auf die Spitze (0,5 Sek.) und der Abstand könnte sich in China etwas reduzieren., wenn dem Renault nicht zu viel Leistung fehlt.

Williams sollte in China das Mittelfeld beherrschen, aber in Australien machte HaasF1 den Eindruck, als sei man nicht so weit weg. Allerdings haben die Amerikaner noch Probleme mit der Zuverlässigkeit des Wagen. Ein notorisches Problem bei Haas. Auch bastelt man weiter mit den Bremsproblemen herum.

Im weiteren Mittelfeld bleibt es eng. Toro Rosso hat leichte Vorteile, Force India sieht sich selber im Moment dahinter, hat für China aber den Mercedes-Motor als Joker. Dahinter wird sich Renault einreihen, aber die Team sind so eng zusammen, dass man wenig sagen kann.

Schaut man ans Ende des Feldes, dann stellt sich da nur die Frage, ob Sauber oder McLaren am Ende stehen werden. Die Sauber waren im Rennen nicht schlecht unterwegs, da könnte es tatsächlich passieren, dass sie im Rennen auch vor den McLaren landen. Sofern die überhaupt durchhalten.

Schlechte Nachrichten gibt es weiterhin von Pascal Wehrlein, der auch in China nicht fahren kann. Seine Nackenverletzung aus dem Januar ist immer noch nicht ausgeheilt, er hat angedeutet, dass er eventuell auch Bahrain auslassen muss.

Strategie:
Supersoft, Soft und Medium sind vor Ort. Die letztere Mischung dürfte ein ganzes Rennen durchhalten, also wird man sich auf die Supersoft und Soft stürzen. Im letzten Jahr musste man zweimal an die Box, das wird dieses Jahr anders sein. Durch die lange Boxeneinfahrt verliert man viel Zeit, da macht ein zweiter Stopp kaum Sinn. Die Soft sollten bei den angesagten milden Temperaturen locker das Rennen durchhalten. Der Stopp für alle sollte so um Runde 20 liegen, wer mit den Soft startet, fährt bis Runde 30 bis 35.

Aber ein paar Unsicherheiten gibt es dann doch. Da der Asphalt in China etwas rauer ist, weiß man vor den Tests am Freitag noch nicht, wie sich die Soft auf den Long Runs verhalten. Bisher konnte man sehen, dass die Soft ein großes Arbeitsfenster haben und man sie auch lange pushen kann. Die Zeiten in Australien auf den Soft waren sehr konstant und niemand beklagte sich über abbauende Reifen am Ende des Rennens. Ob das in China auch der Fall sein wird, muss man abwarten.

Weitere Unsicherheiten bringt das Wetter. Es ist leichter Regen für den Sonntag angesagt, aber da wird man wie immer die stündliche Vorhersage am Renntag abwarten müssen.