Eigentlich wollte ich zum Rennen in Valencia ja nur schreiben: Massa hat gewonnen. Mehr muss man zumindest zum Rennverlauf nicht sagen. Aber während ich mich vor dem Fernseher langweilte sind mir doch ein paar Dinge aufgefallen. Denn wenn im Rennen nichts passiert, dann hat man schon mal Zeit, sich um das zu kümmern, was einem sonst so auffällt. Und das war dann nicht wenig. Als erster war da die Strecke. Gut, es ist nichts passiert, den schmalen F1 Wagen blieb genug Platz auf der Strecke und haarige Situationen gab es keine einzige. Was mich aber gewundert hat: warum hat sich das Feld so weit auseinander gezogen? Und was bedeutet das eigentlich, wenn alle Kommentatoren von einer “tollen Anlage” sprechen, die einem Parkplatz in einem Industriegebiet auch deswegen nicht ganz unähnlich ist, weil es ein Parkplatz in einem Industriegebiet ist?

In den letzten Wochen hat es, dank der olympischen Spiele in Peking, jede Menge Diskussionen über die oftmals mangelnde Distanz von Sportjournalisten zu den Geschehnissen um sie herum gegeben. Ich hatte das Thema vor ein paar Wochen auch mal im Blog. Das sich ausser Keke Rosberg bei Premiere keiner traut einem Norbert Haug mal eine kritische Frage zu stellen, ist ja bekannt. Aber mich hat dann doch gewundert, dass Schulz und Surer gestern immer wieder von einer “wunderschön gelegenen” Anlage gesprochen haben. Nun war ich ja nicht vor Ort, kann also nicht sagen, wie es im Paddock ausgesehen hat, aber die Hubschrauber-Bilder haben doch eigentlich was anderes gezeigt. Brachflächen, viele Baustellen, Staub, Müllhalden. Sicher – die Gegend wird noch weiter ausgebaut und wenn sie mal fertig ist, dann könnte sie auch mal gut aussehen. Aber ich habe nicht einmal den Satz gehört: “Die müssen noch viel arbeiten hier.” Keine Ahnung, ob man sowas nicht sagen darf, weil man sonst mit Ecclestone Ärger bekommt, oder ob das denen wirklich nicht aufgefallen ist. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass der F1 Tross sowas gar nicht richtig mitbekommt. Man hat ein nettes Hotel und hängt ansonsten im Paddock rum, den man offenbar schön untergebracht hatte. Bezeichnend dafür könnte die Aussage von Jonathan Noble sein der bei autosport.com sich erst über die schöne Unterbringung freute und dann in einem Nebensatz schreibt:

There were a few little niggles here and there – poor signage, a lack of real atmosphere in the harbour behind the pits and a feeling the track was in the middle of old wasteland rather than a central hub like Monaco.

Und genau das Gefühl hatten die TV-Zuschauer, liebe Kommentatoren. Vielleicht mal wieder etwas Abstand nehmen?

Immerhin hat man sich nicht bemüht, dass Rennen schön zu reden, aber ich hab auch hier die Frage vermisst, warum sich ein Feld so schnell auseinander zieht. Schon nach drei Runden war eigentlich jeder Fahrer für sich alleine unterwegs, mal abgesehen von Coulthard. Normalerweise wäre ich auch davon ausgegangen, dass die Strecke eigentlich ein enges Feld produzieren sollte, aber dem war ja nun erschreckenderweise nicht so. Ich habe keine Ahnung, warum man in Montreal einigermaßen eng zusammenbleibt und in Valencia nicht. Tatsache ist aber: so Rennen sind nicht gut für die Formel Eins. Sicher, auch im Rennen der IRL gestern Nacht gab es so gut wie keine Überholmanöver, aber die Wagen waren wenigstens im Abstand von einem Meter unterwegs und so blieb dann immerhin die Spannung. Dieses Einzelzeitfahren, was die Formel Eins da gestern veranstaltet hat, war nur einschläfernd und langweilig. Das sich das Feld so weit auseinanderzog lag wohl am letzten Teil der Strecke, dem Vollgas-Geschlängel vor Start/Ziel. Hier hat die Aerodynamik mal wieder reingehauen.

Ansonsten muss man wohl Massa loben. Nach seiner brillianten Fahrt in Ungarn blieb er auch in Spanien ohne Fehler. Hamilton war chancenlos und fuhr ein ruhiges Rennen, ebenso wie Kubica, von dem man sich gewünscht hätte, dass er in der ersten Kurve nach dem Start etwas energischer gewesen wäre. Lobenswert auch Timo Glock und Sebastian Vettel. Weniger imposant war die Performance von Kovalainen und Raikkönen, die mit dem Kurs nicht zurecht kamen. Katastrophal: Red Bull und Renault. Was wohl mal wieder am Motor von Renault lag und wenn ich an Spa in 14 Tagen denke, wird man wohl da wohl auch nicht gerade gut aussehen. Dem Mechaniker, den Raikkönen über den Haufen fuhr, geht im Übrigen gut.

NASCAR – Bristol
Das Highlight des Wochenendes war das Rennen des Sprint Cups in Bristol. Und wie hier auch schon mal vor ein paar Wochen angedeutet, spitzt sich die Sache zwischen Carl Edwards und Kyle Busch so langsam zu. Ich hatte Ford in Bristol nicht so stark eingeschätzt und damit auch nicht so unrecht, denn Edwards war der einzige Ford Pilot, der dauerhaft vorne war. Dass er aber so stark war, hat mich schon etwas überrascht, aber auch gezeigt, dass Ford in diesem Jahr mit Edwards ein wirklich ernsthafter Titelkandidat ist. Immerhin war das schon der sechste Sieg von Edwards in diesem Jahr und somit liegt er nur knapp hinter Kyle Busch mit seinen acht Siegen. Die beiden gehen aber nicht nur als absolute Favoriten in den Chase, sondern auch nicht gerade als Freunde.

Busch und Edwards sind in diesem Jahr schon ein paar Mal aneinander gerasselt aber seit Samstag ist die Luft wohl richtig dick. Was daran lag, dass Edwards sich 30 Runden vor Schluss in einem klassischen “bump n run” Manöver an Busch vorbei manövrierte. Der Roush-Pilot hatte es während des Rennens immer mal wieder versucht am Gibbs Toyota vorbei zu gehen, aber mehr als gleiche Höhe war nicht. Also versuchte er es mit einer leichten Berührung am hinteren linken Kotflügel, was den Wagen von Kyle etwas instabil machte. Edwards schlüpfte unten durch, Busch versuchte in den nachfolgenden Kurve mit einer ähnlichen Version zurück zu zahlen, was aber scheiterte, weil er selber zu schnell war. Danach war Edwards weg und Kyle Busch hatte keine Chance mehr.

Das Busch gerne austeilt, aber schlecht einstecken kann, sah man dann nach dem Rennen mal wieder. Da fuhr er Edwards in der Auslaufrunde in die Fahrerseite, um seinen Ärger zu demonstrieren, worauf Edwards Busch unter dem Jubel von 160.000 Zuschauern kurzerhand in einen Dreher schickte. Nach dem Rennen meinte Busch: “Wenn er so fahren fahren will, kann er da haben” und Edwards sagte: “Jetzt haben wir wohl eine Feindschaft”.

Die NASCAR wird sich Busch wegen des Remplers zwar noch mal vorknöpfen, aber insgeheim werden die sich freuen. An Busch hat sich bisher in der Saison noch jeder die Zähne ausgebissen. Junior hatte keine Lust auf eine aufgebauschte Feindschaft, zumal er wusste, dass er auch nicht den Wagen hat, um Kyle Paroli zu bieten. Hamlin und Stewart haben eigene Probleme, der Rest ist dem Youngster nicht gewachsen. Mit Edwards hat man aber jemanden, der selber um jeden Preis gewinnen will, einen Wagen hat, der diesen Wunsch erfüllt und der kein Problem damit hat, sich mit Kyle Busch anzulegen. Das könnte also ein richtig heisser Chase werden.

– Kurz gemeldet:
Felix Sabates, Teilhaber von Ganassi, hat bestätigt, dass man Sorenson an Gilette Evernham verliert, sich aber deswegen keine grauen Haare wachsen läßt. Sorenson sei “…auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit angekommen…” was jetzt angesichts der Ergebnisse auch kein Kompliment ist. Unklar ist, was das jetzt für Ganassi bedeutet. Man sucht noch dringend einen Sponsor für Montoya, auf der anderen Seite ist der “Target” Wagen jetzt leer. Schiebt man Montoya in den “Target” Wagen, und Franchitti in die #42? Oder holt man jemand ganz anderen? Der Markt ist ja jetzt nicht gerade voll mit guten Fahrern und Ganassi im Moment nicht die erste Adresse.

– Travis Kvapil und David Gilliland bleiben bei Yates

– Heute um 20.00 Uhr deutscher Zeit gibt es bei SpeedTV die langerwartete Ankündigung, dass Joey Logano 2009 den Wagen von Tony Stewart übernehmen wird.

IRL – Infinion
Wegen einer frühen Caution artete das Rennen mal wieder in eine Taktik Orgie aus. Wer hatte wann getankt? Wieviel Runden kann wer mit was für einer Spritmenge fahren? Und wo verlor wer auf der Strecke wieviel Zeit? Das hatte alles die Zutaten für eine katastrophale Berichterstattung, und genauso kam es auch. Gary Lee und Larry Rice verloren zwischendrin völlig den Überblick und sahen mindestens fünf Fahrer vorne. Das war aber nicht allein deren Schuld, sondern es zeigte sich mal wieder, dass die Grafiken von ESPN für Ovale gut, für Rundstreckenrennen aber überhaupt nicht geeignet sind. Und dass der Regisseur auch keine Ahnung hatte. Eine simple Grafik, wer wann getankt hat, hätte schon geholfen, ebenso die Abstände zwischen dem Führenden und denen, die schon getankt hatten. So bekam man leider nicht mit, wer denn nun wirklich Chancen auf den Sieg hatte, und erst am Ende, als Castroneves tankte, löste sich alles auf und es war klar, dass es auf einen Zweikampf zwischen ihm und seinem Teamkollegen Briscoe herauslaufen würde. Dass der aber nicht mehr eingreifen würde, war alleine schon auf Grund des Meisterschaftsstandes klar.

Denn da hat Castroneves die Sache noch mal spannend gemacht. Vor dem Rennen hatte Scott Dixon über 70 Punkte Vorsprung, da er aber nur auf Platz 12 einlief (warum auch immer einen Fehler hat er nicht gemacht), hat Castroneves den Punkteunterschied auf 43 Punkte eingedampft. Da man an einem perfekten Rennwochenende (Pole, Sieg, Schnellste Runde) 53 Punkte einsacken kann, ist die Sache wieder komplett offen. Dazu kommt, dass das nächste Rennen wieder ein Stadtkurs ist und Dixon gilt nicht gerade als Freund dieser Strecken, obwohl er in der Vergangenheit durchaus schon Siege auf solchen Kursen eingefahren hat. Könnte also doch mal spannend werden in diesem Jahr, zumal nur noch zwei Rennen zu fahren sind.

Loben muss man auch mal Danica Patrick. Die fuhr gestern nicht nur auf einen erstaunlichen fünften Platz sondern drehte auch noch die fünftschnellste Runde.

ALMS – Mosport
Wenig Überraschungen gab es in Mosport. Audi fuhr alles in Grund und Boden, was angesichts der schnellen Bahn auch nicht so verwunderlich war. Mit dem Sieg hat sich Audi auch schon den Titel in der LMP1 gesichert und immerhin die Porsche mal wieder auf Distanz gehalten. Die haben aber mittlerweile einen anderen Gegner: Acura. Die Japaner haben in dieser Saison mächtig nachgelegt und sind auf Augenhöhe. Außer beim Verbrauch. Wobei man sagen muss, dass der Acura von Gil de Ferran und Simon Pagenaud mit einer sehr gewagten Strategie unterwegs war. Man hatte in einer sehr langen Caution Phase den Wagen randvoll getankt und wollte durchfahren. Gute Idee. Hätte auch geklappt, wenn der führende Audi nicht eine (!) Sekunde vor dem Ablauf der Rennzeit nicht noch mal über die Ziellinie gehuscht wäre. So gab es noch eine Runde und die wurde de Ferran zum Verhängnis. Knapp 1.5 Kilometer vor dem Ziel rollte er ohne Spirt aus. Dafür gewann… nein kein Porsche, sondern ein anderer Acura mit Brabham/Sharp. Der beste Penske landete erst auf Platz drei.

Und sonst?
Wieder volles Programm am nächsten Wochenende: ALMS schon wieder unterwegs, diesmal in Detroit, NASCAR in Fontana, IRL in Belle Isle, DTM/F3 in Brands Hatch und die BTCC in Silverstone.

25.08.2008

Aufz. 14:30 Uhr NASCAR NW Bristol NASN
Aufz. 16:00 Uhr IRL Infinion Premiere
Aufz. 18:00 Uhr Porsche Supercup Valencia Premiere
Aufz. 19:15 Uhr NASCAR SC Bristol Premiere
Aufz. 20:15 Uhr F1 Valencia Premiere
Aufz. 21:50 Uhr Dutch Supercar Assen MotorsTV
Aufz. 22:15 Uhr IRL Infinion Premiere

26.08.2008

Aufz. 12:00 Uhr IRL Infinion Premiere
Aufz. 14:00 Uhr GP2 Valencia Premiere
Aufz. 17:30 Uhr Dutch Supercar Assen MotorsTV
Aufz. 18:00 Uhr F1 Valencia Premiere
Aufz. 20:00 Uhr IRL Infinion Premiere
Aufz. 21:00 Uhr ALMS Mosport MotorsTV