Das Leben, so ein mir bekannter Mensch, ist halt nicht immer Disco und Pommes. Das hat sich vermutlich gestern auch Felippe Massa gesagt, als ihm nach einem tadellosen Rennen der Motor drei Runden vor Schluss um die Ohren flog. Und es war einer neuer Motor, der da den Geist aufgeben hat. (Nein, war alt. Der von Raikkönen war neu. Danke für den Hinweis.)

Felippe Massa ist so ein Fahrer, bei dem man nie weiß, woran man ist. Das gestrige Startmanöver gehörte zu den Besten, die man in den letzten Jahren sehen konnte. Konsequent, mutig, eiskalt. So wie ein Alonso oder ein Schumacher in seinen guten Zeiten. Und obwohl Hamilton ja jetzt auch nicht zu den Weicheiern beim Start gehört, hat Massa ihn wundervoll stehen lassen. Ich hatte danach mit wütenden Angriffe von Hamilton gerechnet, aber tatsächlich konnte der dem Tempo des Ferrari nicht folgen. Wenn man bei McLaren entspannt gewesen wäre, weil man die bessere Strategie hatte, dann wäre Hamilton einfach zwei Sekunden hinter Massa geblieben, aber das schaffte der Brite nicht. Der Ferrari war zwar nur minimal, aber doch schneller. Da frage ich mich aber auch: Warum hat Ferrari das nicht in der Quali hinbekommen?

Die Antwort scheint wohl im Bereich der Reifen zu liegen. Während der McLaren vor allem die Vordereifen schnell auf die richtige Temperatur bringt, braucht der Ferrari länger. Das führt dann wohl dazu, dass der McLaren die Reifen zwar schneller auf die optimale Betriebstemperatur bringt, dieses Fenster aber nicht so lange halten kann. Der Ferrari braucht länger, was aber auch bedeutet, dass den Italiener im Rennen ein längeres Operationsfenster zur Verfügung steht. Sie können mit mehr Sprit länger fahren ohne dass der Reifen darunter leidet. Dooferweise bedeutet das eben in der Quali, dass schnell mal zwei Zehntel fehlen können. Deutlich wurde das auch bei Raikkönen gegen Ende, der nicht nur die schnellste Runde fuhr, sondern in der Zeit insgesamt über mehrere Runden der schnellste Mann auf der Strecke war. Dem hatte McLaren nichts entgegen zu setzten, und die Aussage von Norbert Haug, man wäre trotz der Ferrari Pace an Massa über die Boxenstrategie vorbei gekommen, möchte ich doch zumindest mal in Frage stellen.

Dass Massa Leistungen wie im gestrigen Rennen nicht dauerhaft abrufen kann, ist wohl seine Achillisferse. Wäre er doch immer so konsequent… aber diese Schwäche zieht sich durch seine gesamte Karriere. Ähnlich wie ein Fisichella, ein Barrichello oder ein Jean Alesi fehlt es einfach an der Konstanz. Einmal oder zweimal im Jahr scheint es, als seien diese Fahrer in einer eigenen Liga um dann wieder völlig von der Rolle zu sein. Die Hoffnung ist halt, dass Massa für den Rest der Saison dann mal aufgewacht ist.
Was man von Raikkönen nun wirklich nicht behaupten kann. Irgendwie fehlt ihm der Biss der letzten Jahre. Er macht Fehler, kommt in der Quali nicht in Schwung, beklagt sich viel und dabei hat er doch, wie man an Massa gesehen hat, einen Wagen mit dem man durchaus die McLaren schlagen kann. Es gibt ja nicht wenige, die behaupten, dass dem Finnen seit dem Gewinn des Weltmeistertitels etwas die Motivation ausgegangen ist, was ich so nicht glaube. Aber der letzte Biss scheint irgendwie nicht da zu sein.

Timo Glock hat wohl das Grand Prix Wochenende seines Lebens hinter sich gebracht. Sein Einsatz wurde nicht nur mit einem zweiten Platz, sondern auch mit einem neuen Vertrag für 2009 belohnt. Eine Entscheidung, für die man Toyota nur loben kann. Was der Deutsche in diesem Jahr geleistet hat, war schon sehr erstaunlich. Er hat sich in ein neues Team eingearbeitet und sich nach und nach an Trulli heran gerobbt. Das er Trulli in der Quali in Ungarn so deutlich schlagen konnte wird nicht die Regel sein, aber er ist nahe am Niveau des Italieners und wird dem sicher noch viel Kopfzerbrechen machen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Glock noch etwas Konstanz fehlt. Trulli war siebenmal in den Punkten, Glock nur zweimal. Von den 35 Punkten der Konstrukteurs WM hat Trulli 22, Glock 13 geholt. Da muss also durchaus noch mehr passieren.

BMW hat das Wochenende komplett verwachst. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht, was die da manchmal machen. Marc Surer und andere Experten geben immer wieder zu bedenken, dass BMW vielleicht einen falschen Arbeitsablauf hat. Während Ferrari, McLaren und Renault ihre Fahrer wenigstens einmal mit leichtem Wagen rausschicken, fährt BMW ein striktes Arbeitsprogramm für das Rennen. Während die Top-Teams im ersten Drittel der Quali rausfahren, wartet BMW bis zu Mitte oder gar dem letzten Drittel. Kubica konnte das bisher immer einigermaßen umsetzten, Heidfeld hatte hier und da Pech. Mir wäre das Risko zu groß. Zum einen: was bringt mir eine tolle Rennpace (gerade in Ungarn), wenn ich irgendwo hinter Platz acht stecke und die Pace nicht fahren kann? Zum anderen: ist es das Risiko, keine leichten Runden zu drehen und so lange in der Quali zu warten, wirklich wert? Sollte man nicht lieber auf ein halbes Zehntel mehr Gummi auf der Strecke verzichten und lieber eine saubere Zeit fahren?

In Sachen Fahrer 2009 ist bei BMW auch noch nicht alles in trockenen Tüchern. Ob Heidfeld bestätigt wird hängt wohl vor allem davon ab, was Kubica macht. Und der scheint gerade zu überlegen, ob Renault nicht eine Option sein könnte. Kollege dogfood vermeldete im Chat am Wochenende, dass der französische Sender TF1 vermeldete, dass Renault die Option auf Piquet für 2009 bisher noch nicht gezogen habe. Das hängt vermutlich mit der Entscheidung von Alonso zusammen, dessen öffentliche Kritik an Renault immer härter wird. Wenn Alonso zu Honda gehen sollte, braucht Briatore einen neuen Spitzenfahrer und da gibt es im Moment nur Kubica auf dem Markt. Wenn Alonso bleibt, könnte er mit Kubica jemanden ins Team holen, der bei einem möglichen Wechsel des Spaniers 2010 zu Ferrari, die Lücke dann füllen kann. Wenn Kubica BMW verlassen sollte, was er wohl durchaus in Erwägung zieht, dann hat BMW ein echtes Problem, denn Top-Fahrer sind alle weg. Man müsste entweder Klien nehmen, oder es mit Sutil versuchen.

Die Formel Eins macht jetzt erst mal drei Wochen Pause. Die brauchen wohl auch alle Teams um sich zu sortieren.

NASCAR – Montreal
Ich hatte das auch erst am Renntag mitbekommen: NASCAR hatte beschlossen, die Nationwide Serie auch bei Regen fahren zu lassen. Das hat es tatsächlich noch nie gegeben. Sowohl Sprint Cup als auch die NW fahren bei Regen auf Rundkursen nicht. Eine Sache, die auch noch nie verstanden habe, denn alle anderen Rennserie in den USA fahren auf Rundkursen sehr wohl bei Regen. Die Grand Am fährt in Daytona sogar wenn es nass ist. Offenbar wollte die NASCAR das jetzt auch mal ausprobieren. Wie auf Kommando war der Regen dann da und das Ergebnis hatte schon komödiantische Züge.

– Die Regenreifen von Goodyear stammten aus dem Jahr 2001
– Man hatte zu Beginn des Rennen nur einen Satz Reifen für alle Teams. Als zwischendrin drohte mal trocken zu werden, hatte man nicht genügend Regenreifen aufgezogen, falls es wieder nass gworden wäre.
– Die Wischer für die Wagen wurden nur lose aufgesteckt und hatten keine aerodynamischen Hilfsmittel um bei hohen Geschwindigkeiten auf der Windschutzscheibe liegen zu bleiben.
– Es lief Wasser in die Wagen und vor allem an der Elektronik für die Zündung vorbei
– Wegen der Hitze im Wagem beschlug die Windschutzscheibe. Die Fahrer hatten einen Handwischer um von innen sauber machen zu können.
– Wenn Dreck auf der Scheibe und zu wenig Wasser auf der Scheibe war, verschmierte der Wischer alles.

Letzter führte dann dazu, dass Carl Edwards allen Ernstes während einer Gelblichtphase mit einem Swiffer versuchte während der Fahrt seine Frontscheibe aus dem Fahrersitz von außen (!) zu reinigen. Das Video dazu ist ein echter Lacher. Es war zeitweise schon fast Slapstick, was da abging.

Dabei hielten sich die Fahrer noch erstaunlich gut. Als das Rennen im Regen wieder freigegeben wurde, gab es kaum Dreher oder Ausrutscher. Max Papis setzte seinen Wagen mal seitlich in einen Reifenstapel, aber der war auch volles Rohr unterwegs. Auch Marcus Ambros war mal neben der Bahn, aber ansonsten passierte erstaunlicherweise nichts. Was auch daran gelegen haben könnte, dass zehn Teams ihre Fahrzeuge mit dem einsetzenden Regen einfach von der Strecke nahmen.

Es gab also tatsächlich ein Rennen und logischerweise waren es die Rundkursexperten, die vorne den Ton angaben. Allen voran Marcus Amborse, seines Zeichens ehemaliger australischer V8 Supercar Meister und somit viel Regen gewöhnt. Er war teilweise sechs Sekunden pro Runde schneller, als der beste Cup Fahrer (Carl Edwards). Hinter ihm konnte bis zu einem Ausrutscher nur Max Papis das Tempo halten. Scott Pruett und Jacques Villeneuve fielen schon schnell zurück, Ron Fellows brauchte etwas, um in Schwung zu bekommen. Die Unterschiede bei den Rundenzeiten waren teilweise eklatant. Ambrose war in manchen Runden 24 Sekunden schneller, als die NW Piloten auf den hinteren Plätzen. Der Australier hätte das Rennen auch locker gewonnen, aber dummerweise kassierte er ein Speeding Ticket in der Box und musste noch mal zur Strafe durch selbige rollen. Er hatte zu dem Zeitpunkt aber so viel Vorsprung auf den Rest der Welt, dass er als dritter wieder auf die Strecke kam. Vermutlich hätte er das Rennen trotzdem gewonnen, aber dann schüttete es aus Eimern und das Rennen wurde zu Recht abgebrochen, nach dem Villeneuve und der erstaunlich gute Joey Logano (die ganze Zeit in den Top Ten) ihre Wagen durch Auffahrunfälle unter Gelb zerstört hatten. Zu der Zeit stand das Wasser in den Kurven teilweise auch knöcheltief. Am Ende war Ron Fellows wegen einer anderen Tankstrategie auch auch wegen seiner außerordentlich guten Fahrweise der glückliche Sieger.

Nicht wirklich mit Ruhm hat sich ESPN bekleckert. Nachdem man gefühlte 127mal darauf hingewiesen hatte, dass in Montreal Geschichte geschrieben wurde, versemmelte man den Rest völlig. Rusty Wallace war völlig überfordert, die Regie klebte bei den Top 5 und das 10 Teams ihre Wagen zwischendrin abstellten wurden mit keinem Wort erwähnt. In dem Maße, in dem die Teams teilweise mit dem Regen überfordert waren(die wussten noch nicht mal, ob die Schlagschrauber bei Regen funktionieren), war ESPN übefordert, das Rennen vernünftig zu kommentieren.

Trotzdem – bestes Rennen des Wochenendes, weil es den größten Spaßfaktor hatte und Ambrose bewies, was er drauf hat.

NASCAR – Pocono
Ich mach es kurz – ein wie erwartet langweiliges Rennen, das nur deswegen am Ende spannend wurde, weil die vorderen Teams auf unterschiedlichen Strategien unterwegs waren. Es hatte zwei Regenunterbrechungen gegeben, die aber kurz blieben und dazu führten, dass man unterschiedliche Tankstrategien entwickelte. Am besten hatte dann am Ende das Team von Carl Edwards gerechnet, der das Rennen ungefährdet gewinnen konnte. Allerdings eben auch durch das Glück, dass Kasey Kahne und vor allem der sehr gut aufgelegte Mark Martin noch mal an die Box mussten. Von JGR war nur Tony Stewart gut unterwegs, der zweiter wurde. Kyle Busch hatte ein Wochenende zum vergessen. Er fuhr meist um Platz 20 rum und bei seinem letzten Boxenstopp fünf Runden vor Schluss, bekam er den Motor nicht mehr in Gang. Damit möchte ich Pocono aber wirklich abhaken und bis zum nächsten Juni vergessen.

– Angeblich soll Truex jr. bei RCR angedocken und den vierten Wagen übernehmen.

Und sonst?
– In der GP2 hatte Pantano ein Wochenende zum Vergessen. Senna ist bis auf sieben Punkte ran.

– Am Freitag gehen die olympischen Spiele in Peking los. Dementsprechend dünn ist das Motorsportangebot in Europa. Am kommenden Wochenende passiert nur in den USA was (IRL Kentucky, ALMS Road Atlanta, NASCAR NW & SC Watkins Glen), in 14 Tagen fährt nur die ELMS (Nürburgring), BTCC (Knockhill) und die NASCAR in Michigan. Normalerweise würde man ja sagen, dass doch gerade wegen der Zeitverschiebung nach Peking (+6 im Moment) die Nachmittagsrennen kein Problem sind, aber da die meisten großen Sponsoren sind auch irgendwie in Peking unterwegs, macht es keinen Sinn, Rennen zu fahren.

04.08.2008

Aufz. 18:30 Uhr GP2 Ungarn 2 Premiere
Aufz. 19:15 Uhr NASCAR SC Pocono Premiere
Aufz. 20:15 Uhr F1 Ungarn Premiere
Aufz. 22:45 Uhr GP2 Ungarn 1 Premiere
Aufz. 23:35 Uhr GT Open Valencia MotorsTV

05.08.2008

Aufz. 11:20 Uhr Silverstone Classics Diverse MotorsTV
Aufz. 12:00 Uhr NASCAR SC Pocono Premiere
Aufz. 13:00 Uhr GP2 Ungarn 1&2 Premiere
Aufz. 15:00 Uhr Formel BMW Ungarn 1&2 Premiere
Aufz. 18:00 Uhr F1 Ungarn Premiere
Aufz. 19:10 Uhr V8 Supercars Winton MotorsTV
Aufz. 20:00 Uhr GP2 Ungarn 1&2 Premiere
Aufz. 22:45 Uhr Indy Lights Mid-Ohio MotorsTV