Während in Indianapolis die Reifen im Sekundentakt platzten, lag ich am See in der Sonne. Eine offenbar gute Entscheidung, denn ein sich wiederholendes Sprintrennen über 10 Runden braucht ja auch keiner. Die Frage, die jetzt alle bewegt ist: Wer ist schuld am Debakel?

Dazu muss man die Frage klären, wie so ein Reifen eigentlich funktioniert. Im Prinzip geht es um zwei Dinge: die Lauffläche und die darunter liegenden Schichten, die den Reifen stabilisieren. Bei Goodyear ist das eine Lage aus Kevlar, die Seiten werden unter anderem mit dünnen Kupferdraht gesichert. Ist zuviel Bewegung im Reifen, ist dieser instabil und baut zum Beispiel zuviel Hitze auf. In der Folge löst sich die Lauffläche schneller auf, als es einem lieb ist, was in Indy allerdings nicht passierte, da Goodyear nicht verlernt hat, wie man einen Reifen stabil zusammenklebt.

Es ist durchaus normal, dass eine Strecke zu Beginn eines Wochenendes mehr Reifen “frißt”, als gegen Ende. Das liegt einfach daran, dass die Strecke erst Grip aufbauen muss. Dieser Grip kommt nicht einfach so, sondern letztlich von den Reifen. Der Gummi auf der Lauffläche eines Reifen wird wird dabei auf den Asphalt übertragen. Wie geht das? Hat ein Reifen eine bestimmte Temperatur, wird der Gummi weich. Man kann einen kalten Reifen über den Asphalt ziehen – da passiert wenig. Ist er aber heiß, reißt der Asphalt vor allem unter Belastung, also in Kurven, kleine Stücke aus dem Gummi, die wiederum in den Asphalt gedrückt werden. Ein wenig ist es so, als ob man versucht Käse zu reiben. Holt man einen Parmesan aus dem Tiefkühlfach und versucht ihn zu reiben, wird man sich schwer tun. Er braucht eine gewisse Temperattur, damit er sich gut reiben läßt. Wird er allerdings zu weich, werden zu große Stücke rausgerissen. Das geht mit Slicks ähnlich.

Je rauer ein Belag ist, desto mehr Gummi wird aus den Reifen gerissen. Der landet dann teilweise im Asphalt, teilweise wird das Gummi auch an die Seite des Reifens geschoben. Es bilden sich Wülste die dann stückchenweise abfliegen – und am Straßenrand die sogenannten “marbles” bilden, also diese Gummistückchen, die da rumliegen.

Der Belag in Indy ist besonders brutal. Das ist allerdings keine große Neuigkeit, wie Michelin 2005 schon mal feststellen konnte. Auch bei Goodyear weiß um die Besonderheiten der Strecke. Man hat eine besonders aggressive Form von Asphalt gelegt, damit die IndyCars hier gut unterwegs sind. Die sind viel leichter und durch das flache Banking brauchen die eben mehr Grip. Firestone (=Bridgestone) scheint damit keine Probleme zu haben. Und auch die NASCAR hatte bisher mit dem alten Wagen nie große Sorgen. Warum also dieses Mal?

Zum einen liegt der Schwerpunkt des CoT höher. Ein höherer Schwerpunkt belastet aber die Reifen auch etwas mehr, weil mehr Gewicht auf den rechten Reifen liegt. Besonders betroffen ist dabei der rechte Vorderreifen, der ja auch am Wochenende als erster Probleme machte. Die Teams bekamen das in Griff, weil den Luftdruck veränderten, was aber nur dazu führte, dass der hintere rechte Reifen explodierte. Aber das allein kann es nicht sein, denn das CoT fährt ja nicht erst seit gestern rum.

Auffallend war, dass der Asphalt absolut kein Gummi annahm und die Fahrer berichteten, dass sich nicht wie üblich “marbles” bildeten. Stattdessen schien der Gummi zu einem dünnen Staub zerrieben zu werden, der den Fahrer sogar in der Nase hing. Es legte sich keine Gummispur, stattdessen lösten sich die Reifen einfach in Luft auf.

Am höheren Schwerpunkt alleine lag es also nicht. Es gibt mittlerweile nicht wenige, die meinen, dass Goodyear Mist bei der Mischung der Lauffläche oder beim Zusammenbau des Reifens gebaut hat. Oder beides. Bekannt ist, dass Goodyear im Frühjahr, bei deutlich anderen Temperaturen mit Vickers, Earnhardt und Kurt Busch einen Test gefahren hat, bei dem sich die Reifen schon damals auflösten. Offenbar hat Goodyear die Hinweise damals nicht weiter verfolgt, zu mal man auch gerade dabei war, die Reifen nach der harschen Kritik von Tony Stewart und anderen zu verbessern. Die hatten sich ja zunächst über zu harte Reifen beschwert.

Warum Goodyear nicht reagiert hat, wird man sicher noch klären, aber auffallend ist schon, wie sehr die NASCAR und Goodyear um einen Schulterschluss bemüht sind. Man versucht die Kritik klein zu halten, was angesichts des Rennens ein Witz ist. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ist es Goodyear nicht gelungen einen vernünftigen Reifen herzustellen. Das ist dann schon lächerlich.

Das man das Rennen gestartet hat, ist eine richtige Entscheidung gewesen, auch wenn es nur 10 Runden Häppchen gab. Man darf aber nicht vergessen, dass die Zuschauer nicht einfach zu einem Rennen kommen. Meist ist so ein Wochenende mit einem richtigen Urlaub verbunden, den man mit den wenigen Urlaubstagen, die man in den USA überhaupt hat, aufstockt. Eine Absage wäre also nicht in Frage gekommen. Auf der anderen Seite war das natürlich kein Rennen und die Aussage von Robin Pemberton, NASCAR’s VP of competition, finde ich auch etwas – naja…

“If they’re good fans,they know that occassionally something like this will go on and not all — you’d like to think that all of our races have something for somebody, right? Not everybody’s driver wins. Not everybody’s pit crew has the best stops. And not every race is a barn burner. But the fact of the matter is we’ve got 43 teams that are competing at the same time. It’s OK. If you’re a good fan, you don’t get what you want, its OK to be disappointed.”

Das ist eine, wie ich finde, ziemlich arrogante Haltung gegenüber den Fans, die viel Geld gelassen haben, um ein richtiges Rennen zu sehen, und keine dtreistündige Pit Crew Competition. Überhaupt ist es auch erstaunlich, wie sanft die Medien mit dem Thema umgegangen sind. Auf ESPN hörte man wenig Kritik, auch bei SpeedTV hielten sich Spencer & Co weitesgehend zurück. Nur Darrell Waltrip wurde in der Sendung “Windtunnel” etwas deutlicher.

Es ist mir auch unverständlich, wieso man beim CoT die Reifenprobleme nicht in den Griff bekommt. Man hat den Wagen über Jahre gestestet, Goodyear hat Zugang zu allen Daten und trotzdem versagt man derartig kläglich. Goodyear macht in diesem Jahr keinen guten Job und Kritik von Stewart aus dem Frühjahr sollte man durchaus noch mal aufwäremen. Denn im Grunde meinte Stewart, dass Goodyear zu wenig Geld in die Forschung steckt und nach ihrem Rückzug aus den meisten Serien weltweit, einfach nicht mehr in der Lage ist, vernünftige Arbeit zu leisten.

DTM – Regen macht den Fahrer froh
Es gibt so ein paar Weisheiten im Sport. “Der Ball ist rund”, ist so eine klassische. Seit dem Nürburgring könnte man vielleicht eine neue hinzufügen: “Wenn es Trocken ist, nehme ich Slicks, wenn die Strasse nass ist, nehme ich Regenreifen.” Die Entscheidung von Audi bei trockener Strecke mit Regenreifen an den Start zu gehen, weil es eventuell ja mal regnen könnte, war dann dementsprechend merkwürdig. “Oversmart” könnte man sagen, wenn man versucht recht einfache Dinge im Leben zu verkomplizieren. Klar – hinterher ist es man immer klüger. Es hätte ja auch regnen können. Aber in der Eifel ist es eben immer etwas anders. Da kann es neben der Strecke regnen und der Rest bleibt trocken. Eigentlich ist Audi ja am Ring nicht so unerfahren, also kann ich mir den Fehler nicht erklären. Und dann auch auch alle Audis auf Regenreifen zu setzten, anstatt zumindest die weiter hinten stehenden Wagen auf Slicks zu belassen – ich verstehe das nicht, da man zudem ja in den vorderen Reihen gut aufgestellt war. Also eine sehr, sehr merkwürdige Entscheidung.

Das Rennen selber war gar nicht so schlecht, was natürlich auch dem Umstand geschuldet war, dass die Audis von ganze hinten angestochen kamen. Dazu der leichte Regen, der dann am Ende stärker wurde und das Rennen noch mal richtig durcheinander wirbelte. Mit Bernd Schneider hat dann auch einer gewonnen, dem man einen Sieg nicht nur zugetraut, sondern auch gewünscht hat. Wie er auf Slicks am den Wagen am Ende auf der Strecke gehalten hat – Respekt – das war schon eine Demonstration von Erfahrung und Fahrgefühl. Das hat auch die Fahrerwertung zusammengeschoben. Timo Scheider hat jetzt 44 Punkte, Jamie Green aber 40. Ekström hat 38 und di Resta hat 37 Punkte auf dem Konto. Bei noch vier zu fahrenden Rennen wird es also mächtig spannend.

Erfreut hat uns mal wieder die ARD. Die Radrennfahrer in Frankreich hatten wohl etwas gebummelt und kamen sehr spät an. Kann passieren. Kann die ARD auch nichts für. Aber – wofür hat die ARD eigentlich drei Digitalprogramme, die sinnlos Wiederholungen runtersenden? Hätte man nicht wenigstens die Übertragung da rüber schieben können?

WTCC & BTCC – Normale Kost
Fünf solide Rennen lieferten die Tourenwagenserien in England ab. Die BTCC war in Oulton Park unterwegs, wo man rechte gute Rennen ablieferte, die alle, zumindest im Mittelfeld, sehr eng waren. Vorne war es in allen drei Rennen aber sehr ruhig. Die WTCC war in Brands Hatch unterwegs, und zumindest der zweite Lauf hatte ordentlich Pfeffer. In allen Fällen durchaus schöne Unterhaltung, wenn auch nichts besonderes. Dafür spitzt sich die Meisterschaft zwischen Tarquini und Yvan Muller richtig zu. Die beiden liegen nur noch einen Punkt auseinander. Bester Nicht-Seat ist Andy Priaulx, der aber schon 16 Punkte Rückstand hat. Das wird wohl etwas schwer werden.

NASCAR – News

– Es gibt durchaus ernstzunehmende Gerüchte, dass sich zwischen Ganassi und Michael Waltrip Racing ein Merger abzeichnet. Bei Ganassi hängt der Haussegen ja sowieso schief, weil man nicht voran kommt, MWR laufen die Sponsoren weg. Er hat bis auf sein eigenes Fahrzeug (NAPA), keinen Wagen mit Hauptsponsor für das Jahr 2009. Und so langsam wird es eng, denn die Budgets müssen bis Ende September fest gezurrt sein. Wenn die beiden zusammen gehen sollten, ist die Frage, mit welcher Marke man antreten wird. Mit Dodge ist Ganassi unglücklich, aber MWR triebt einem trotz Toyota-Motoren keine Glückstränen in die Augen. Derweil hat Montoya noch mal eine Warnung Richtung Ganassi geschossen. Wenn er gehen wolle, so der Kolumbianer, dann würde ihn Chip Ganassi sicher lassen. Die Frage ist halt – wohin?

– Mit Sicherheit nicht zu Joe Gibbs. Zum einen bastelt man wohl gerade daran, Joey Logano in den Cup zu bugsieren. Die Frage ist halt, ob Logano ohne Erfahrung aus der Nationwide überhaupt in den Cup sollte. Nicht wenige sind der Meinung, dass man Logano zu schnell verheizen würde, wenn ihn direkt in den Cup steckt. Zum anderen hat Jeo Gibbs klar gemacht, dass man 2009 kein viertes Team einsetzen wird. Nicht weil man das vielleicht nicht wollen würde, sondern weil man einfach nicht genügend Zeit hat, das Team auf vernünftige Beine zu stellen.

– NASCAR hat bekannt gegeben, dass man 2009 nicht mehr mit der Nationwide Serie in Mexiko antreten wird. Das hatte sich schon abgezeichnet, nachdem die Teams das Rennen wegen der hohen Transportkosten eh nicht so gut leiden konnten. Ob für Mexico ein anderer Strassenkurs ins Programm genommen wird, ist unklar.

Und sonst?
Die beiden F3 Rennen am Ring waren ok und ein Desaster für Mortara, der schon wieder nicht punkten konnte. Stattdessen ist ihm Hülkenberg mit einem perfekten Wochenende auf den Pelz gerückt und liegt nur noch einen Punkt hinter Mortara. Glück für den Deutschen – im zweiten Rennen fiel auf Mäki aus, der deswegen ebenfalls hinter Hülkenberg liegt.

29.07.2008

Aufz. 14:50 Uhr Silverstone Classic Road Sport MotorsTV
Aufz. 18:00 Uhr NASCAR SC Indy Premiere
Aufz. 19:00 Uhr Polo Cup Nürburgring Premiere
Aufz. 19:35 Uhr Seat Cup Nürburgring 2 Premiere
Aufz. 20:10 Uhr Porsche Cup Nürburgring Premiere
Aufz. 21:00 Uhr NASCAR SC Indy Premiere
Aufz. 21:00 Uhr British F3 Brands Hatch MotorsTV
Aufz. 21:50 Uhr British GT Brands Hatch MotorsTV