Der Sprint Cup fährt an diesem Wochenende nach einem etwas merkwürdigen Zeitplan. Die Quali war schon gestern, heute gibt es noch die Trainingseinheiten und in der Nacht von Samstag auf Sonntag findet das Rennen statt. Der Grund für die Zeiten: die NASCAR ist in Phoenix/Arizona unterwegs, da beträgt der Zeitunterschied gute neun Stunden nach Deutschland und man fährt ein Abendrennen. Daher muss bei der Startzeit einen Kompromiss eingehen und startet eben etwas später.

Der Kurs selber ist ein merkwürdiges Ein-Meilen-Oval mit unterschiedlichen Bankings. Turn 1 und 2 haben elf Grad, Turn 3 und 4 nur neun Grad. Dazu kommt, dass alle Turns unterschiedliche Radien haben, die Gegengerade einen ziemlichen Knick hat und es jede Menge Bodenwellen gibt. Anders ausgedrückt – hätte der Kurs wenigstens eine Rechtskurve, er würde glatt als Rundstrecke durch gehen. Was die Abstimmung für die Cup Wagen nicht leicht macht. Einerseits muss man sehen, dass man in den engen Kurven gut unterwegs ist, aber dass bedeutet dann, dass man in den schnelleren ersten Kurven meist Untersteuern hat, was wiederum schlecht ist, wenn man auf die recht lange Gegengerade viel Schwung mit nehmen möchte. Wie man es also macht – man macht es falsch und die absolut perfekte Abstimmung wird es kaum geben.

Bleibt die Frage, wer am Ende vorne sein wird. Das ist auf Kursen wie Phoenix immer eine Glücksache. Meist sind es die Shorttrack Spezialisten, die hier gut unterwegs sind. Jimmie Johnson, Jeff Gordon, Jeff Burton und Mark Martin sind so Kandidaten. Aber auch Kyle Bush und Tony Stewart. Nachdem die RCR Truppe aber so stark war, sollte man vor allem die im Auge haben. Junior hat hier zweimal gewonnen und bei seiner sehr guten Form in diesem Jahr ist auch er einer, den man nicht aus den Augen lassen sollte. Trackposition ist in Phoenix zwar wichtig, aber weil der Kurs etwas breiter ist und höhere Geschwindigkeiten zuläßt, kann man sich durchaus nach vorne arbeiten. Rund 40% der Sieger kamen aber aus den Top Ten.

In der Quali zeigten sich endlich mal wieder die Dodge. Ryan Newman holte sich die Pole, Elliot Sadler den zweiten Platz. Mit Kasey Kahne landete dann auch noch der dritte Dodge in den Top 5. Auch Dario Franchitti konnte sich nach der Enttäuschung der letzten Woche wieder im Feld platzieren, was zeigt, wie gut die Dodge hier funktionieren. Ob man allerdings in der Lage ist, das Ergbnis auch im Rennen zu produzieren, muss man sehen. Da würde ich doch eher RCR und Hendrick auf dem Schirm haben.

DTM – Vorschau
Aus Zeitgründen habe ich leider die DTM etwas vernachlässigt. Was ein wenig unfair ist, denn man muss der DTM zugute halten, dass letztes Jahr eine wirklich gute Saison gezeigt hat. Mir ist die DTM wegen der fehlenden Privatteams zwar immer noch etwas zu artifiziell, aber dennoch ist die Serie gut geworden. Was auch daran liegt, dass man im Gegensatz zu anderen Serien wirklich sehr schnell mit Regeländerungen kommt, wenn es nötig ist. Dazu kommen die Stars, das einheitliche Reglement und Rennen, die den Namen auch verdienen (Huhu, WTCC).

Vermutlich wird es aber auch in diesem Jahr so sein, dass wohl Ende nur die Fahrer einen Chance haben, die in den 2008er Wagen sitzen. Sieht ja irgendwie blöd aus, wenn am Ende der “alte” Wagen gewinnt, damit kann man schlecht werben. Bei Mercedes sind das:

– Bruno Spengler
– Paul di Resta
– Jamie Green
– Bernd Schneider

Audi setzt folgende Fahrer in die neuen Wagen:

– Mattias Ekström
– Martin Tomczyk
– Tom Kristensen
– Timo Scheider

Ausser Kathrine Legge und Christijan Albers sitzt der Rest in 07er Wagen. Die restliche Fahrerliste ist aber wirklich nicht schlecht. Gary Paffett hat den Sprung in einen 08er Wagen nicht geschafft. Zum einen, weil Bernd Schneider noch eine Saison fährt, und man Jamie Green eine echte Chancen geben möchte. Ralf Schumacher wird man vermutlich nicht sehr oft vorne sehen. Er hat wenig Tourenwagenerfahrung und ich weiß nicht, ob man das im Mercedes Lager so hält, wie bei Audi, wo die Abstimmungen ausgestauscht werden. Man sollte nicht zuviel von Schumacher erwarten. Das gilt auch für Maro Engel, der einen Platz bei Mercedes ergattern konnte. Bei Audi hat man sich mit Oliver Jarvis einen Mann geholt, der durchaus für Überraschungen sorgen konnte. Jarvis hat eine bunte Karriere hinter sich. Nach einigen Formel Serie in England, war in Japan unterwegs, wo er auch mal in der Super GT eingesetzt wurde. Im letzten Jahr fuhr recht erfolgreich in der A1 GP. Alexandre Premat, Christijan Albers, Mike Rockenfeller und Markus Winkelhock sind alte Bekannte, aber zu Kathrine Legge vielleicht noch ein paar Worte. Die Dame kennt man eher aus der ChampCar Serie, wo sie allerdings etwas unter Wert geschlagen wurde. Immerhin war sie 2005 mal dritte in der Formel Atlantic Serie. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Tourenwagenerfahrung hat sie allerdings überhaupt keine, deswegen würde es mich wundern, wenn sie man in den Top 5 landen sollte.

Beim Kalender hat sich wenig getan. Mit dem Rundkurs in Le Mans ist ein weiteres Rennen dazu gekommen, was die Saison etwas aufwertet. Trotzdem sind die Pausen zwischen den Rennen für meinen Geschmack etwas lang, aber man muss da auch Rücksicht auf die Verpflichtungen der Fahrer in den anderen Serien nehmen.

F3 Euro – Vorschau
Nachdem Durchmarsch von Romain Grosjan im letzten Jahr, wäre es schön, wenn es mal wieder etwas spannendere Rennen geben würde. Die Chance dafür ist durchaus gegeben. Mit Nico Hülkenberg gibt es zwar einen Fahrer, dem der Titel schon jetzt zugeschrieben wird, aber so sicher wäre ich mir da nicht. Denn da gibt es durchaus noch ein paar andere Kandidaten:

– James Jakes
Der 21jährige Brite ist wie Hülkenberg in seiner zweiten F3 Euro Saison. Im leztten Jahr wurde immerhin fünfter der Meisterschaft und konnte ein Rennen (Magny Cours) gewinnen. Er hat also die Erfahrung und bei ART auch den Wagen, den er braucht.

– Christian Vietoris
Es gibt durchaus Stimmen, die sagen der Deutsche sei schneller als Hülkenberg, aber so richtig glaube ich das noch nicht. Er wird ein Lehrjahr in der F3 haben, könnte aber in den Top 5 mitmischen,

– Sam Bird
Noch ein Brite, der aus der britischen F3 Serie rüber gekommen ist. Ich hab Bird schon wirklich gute Rennen fahren gesehen, auch wenn er letztes Jahr etwas Pech hatte. Der könnte Hülkenberg das Leben schwer machen.

– Franck Mailleux
Guter Mann, nur ist das Signature-Plus Team zu den Volkswagen-Motoren gewechselt. Ich kann nicht einschätzen, wo VW dieses Jahr steht.

Außerseiter:
Mika Mäki, Maxi Götz, Rodolfo Gonzales.

Und sonst?
Und dann war da noch das A1 Rennen am Wochenende in Shanghai, bei dem sich die Meisterschaften schon zu Gunsten der Schweiz entscheiden kann. Shanghai ist halt auch einer dieser Tielke Strecken, die auch der A1 nicht besonders gut tun, auch wenn man mit diesen Wagen wenigstens noch überholen kann. Aber wirklich Spaß machen die Rennen da nicht. Das Finale in Brand Hatch dürfte eher was sein.

Dazu gibt es noch die restlichen Rahmenrennen der DTM (Formel BMW, Seat Leon, Porsche Cup), die alle bei Premiere laufen. Wochenendprogramm gibt es oben rechts!