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WTCC/DTM: Analyse Portimao/Norisring

von DonDahlmann
4 Kommentare 4 minutes read

Während die WTCC zwei knackige Rennen ablieferte, herrschte am Norisring Langeweile. Dafür lieferte die WTCC die unverständlichste „Racecontol“ Entscheidung des Wochenendes.

Da habe ich mal kräftig daneben gelegen. Ich hatte die Seat unter den Top 5 gesehen, aber nicht mit einem Doppelsieg. Immerhin haben die Seat 20 Kilo mehr als die BMW aufgeladen, und die Kombination Vorderradantrieb, heisse Strecke und viel Drehmoment klangen auch nicht gerade günstig. Aber irgendwie zaubern die Seat dann wieder mehr Leistung hervor, als man denkt. Es ist aber unverständlich, wie man aus dem mehr oder weniger alten Leon noch mehr PS rausquetscht, als aus den neuen Cruze. BMW war erwartungsgemäß nicht schlecht unterwegs, aber der Zahn der Zeit nagt dann doch am 320 si.

Im ersten Lauf gab Tiago Monteiro zum Gefallen seiner Landleute den Ton an, während sich etwas weiter ihm die Meute balgte. In mehreren sehenswerten Duellen setze sich Yvan Muller vor Tarquini und Farfus, der endlich mal wieder ein besseres Rennen zu haben schien. Die Probleme der BMW waren klar sichtbar. Leistungstechnisch ist nicht mehr viel und auf der Geraden sieht man kein Land gegen die Chevy und Seat. Angeblich liegt das auch an dem veralteten Getriebe, das für die langen Geraden im letzten Gang zu lang übersetzt sein soll. Tatsache ist, dass Prilaux und Farfus dafür aber wieder auf der Bremse etwas mehr holen. Beim Rausbeschleunigen können sie den Seat aber nur hinterher winken. Das geht den Chevy zwar nicht anders, aber die haben wenigstens noch guten Topspeed. Gefährden konnten sie aber Monteiro zu keiner Zeit.

In Lauf Zeit brachte der reverse grid mal wieder eine Menge durcheinander, so dass ich zwischen Platz drei und acht zeitweise ein enorm unterhaltsames Duell entspannt. Mittendrin: Andy Prilaux und Rob Huff, die im ersten Rennen passen mussten, und von ganz hinten gestartet waren. Die Strecke in Portimao zeigte dann auch, dass sie sich glänzend für Tourenwagenrennen eignet. Ich hatte die leichte Befürchtung, dass sich das Feld schnell auseinanderziehen würde, aber dem war nicht so. Man klebte schon aneinander und sorgte für jede Menge Trubel. Huff walzte durchs Feld und dabei klopfte er bei Farfus im sehr engen Getümmel, als drei oder vier Wagen um eine Position kämpften, mal leicht an. Der Brasilianer wurde raus getragen, verlor einen, oder zwei Plätze und ordnete sich wieder ein. Also alles wie immer, zumal Farfus ja auch dafür bekannt ist, dass er gerne mal austeilt.

Ich weiß nicht ob es BMW war, aber irgendjemand scheint die Rennleitung auf die Aktion hin gewiesen zu haben. Im Rennen passierte nichts mehr, Stunden später, es war fast Mitternacht, bekam Huff dann eine 30 Sekunden Strafe. Ungewöhnlich für die WTCC, die eigentlich recht locker ist, so lange niemand ernsthaft Kernschrott abliefert. Ich erinnere mich da einige Aktionen in Monza, die nicht weniger schlimm waren und wo es keine Strafe gab. Ich hoffe, das mit dem Strafen wird jetzt nicht zur Regel. BMW erbte für Prilaux den dritten Platz. So ein Zufall.

Am Ende setzt sich Tarquini durch, der klaren Kurs auf die nächste Meisterschaft nimmt. Fragt sich, wer die Werks privaten Seat bremsen soll.

DTM – Norisring
Nein, es wird keine Häme in Richtung Ralf Schumacher geben. Weil er das, und das meine ich ernst, nicht verdient hat. Er hat ein sauberes Wochenende hingelegt, er war permanent schnell, er hatte seine Teamkollegen im Griff und er war ernsthaft erleichtert, dass es endlich mal in der Quali geklappt hat, obwohl die Bedingungen nicht gerade einfach waren. Dass er schlappe 3 Zehntel zu früh mit der Kupplung war, das ist schon anderen passiert, die Namensliste ist lang. Ehrlich gesagt – ich hätte ihm den Sieg durchaus gegönnt. Er hat sich drei Jahre lang abgemüht, er hat nicht den einfachen Weg gesucht, und hat aufgegeben, obwohl er ja vermutlich nicht wegen des Geldes in der DTM unterwegs sein muss. Ein Schumacher Sieg hätte der DTM auch deswegen gut getan, weil man zumindest sehen konnte, dass auch nicht DTM-Spezialisten für einen Sieg gut sein können.

Der Rest des Rennens war dann wie üblich eintönig. Mir ist es ein Rätsel, warum man nicht mal auf der Mini-Schleife am Norisring ein vernünftiges Rennen hinbekommt, wenn das doch selbst in den Rahmenrennen gelingt. Die Seats und die Sciroccos sind auch alle auf einem Niveau und trotzdem wurde guter Motorsport geboten. Warum gelingt das der DTM nicht mehr? Ist es nur die komplizierte Aerodynamik? Am Ende konnte man sehen, dass Ekström schnell an Jamie Green ran kam, aber eben auch nicht näher als die üblichen acht Zehntel. Das Überholen in der Formel Eins scheint leichter zu sein. Die Langeweile war teilweise derart groß, dass selbst Manuel Reuter zwischenzeitlich nichts mehr einfallen wollte, was er noch hätte berichten können. Das Schweigen an den Mikrofonen war schon sehr vielsagend. Immerhin: Premat hat seine Gegner in Ruhe gelassen, und die Rennleitung hat nicht vor lauter Schreck Coulthard trotz fehlender Tür aus dem Rennen genommen. [This is räcekontrol: Your door ist away, kom to ze box!]

Was mich am meisten erschreckt: In der Konfiguration fahren die noch ein weiteres Jahr.

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4 Kommentare

FanaticsRacing 5 Juli, 2010 - 19:53

Der Profiteur der Podiumsplatzierung im zweiten Rennen war übrigens Menu im Chevrolet Cruze und nicht Priaulx im BMW 320si. Schlecht für die Verschwörungstheorie. ;-)

basic-groove 5 Juli, 2010 - 20:31

#wtcc also ich bin ja mal auf franz engstler sein versuch beim nächsten rennen gespannt mit dem 2008 bmw. ob das wirklich funktionieren tut was er da vor hat. wünschen würde ich es ihm von ganzen herzen…den bisher kommt da nicht viel.

#dtm this is racecontrol – push auf die outrunde ……. genial. xD

DonDahlmann 5 Juli, 2010 - 22:09

@FanaticsRacing Ah, danke. Korrigiere ich gleich.

nona 6 Juli, 2010 - 03:12

@WTCC: Tarquini hat mal wieder beste Propagandaleistungen abgeliefert. Erst das übliche grosse Interview-Geheule über nicht funktionierende Reifen und zu sehr begrenzten Ladedruck und was nicht alles, und wahrscheinlich war auch der Rasen zu nass und die Flugkurve des Balls unberechenbar und sowieso Seat total benachteiligt, und am Ende fährt er vorne weg als hätte er Wundersprit im Tank. Zum Glück hat ihn die Interviewerin in der PK nach seinem Sieg endlich mal drauf angesprochen, wie das denn bitteschön zusammenpasst – wirklich beantwortet hat er die Frage natürlich nicht.

@DTM: Ist ja verblüffend dass man noch keine Radio Policy implementiert hat. Letztes mal kann Paffett ungehindert eine Tirade über den „fucking idiot“ raushauen, der ihn gerade berührt hat und „there’s no fucking we he’s gonna get away with it“ rabrah rabrah, dieses mal meldet Coulthard den Winkelhock-Unfall und bekommt von der Box die Antwort zurück, er solle sich nicht weiter um den „fucking wanker“ kümmern – und ausser dass Phillip Sohmer peinlich daherspitzbubt dass man das jetzt besser nicht übersetzt passiert nichts weiter. Nicht dass es mich persönlich stört, aber für eine selbstverstandene Familienunterhaltung, die ja so ungeheuer erfolgreich auch in anderen Märkten sein will, ist das schon erstaunlich. Und sinnbildlich für die Stimmung hinter den Kulissen.

Überhaupt, Winkelhock und ARD. Kurz vor Winkelhocks Unfall mit Coulthard wird breit gefeatured, wie er per Funk Reifenprobleme meldet, und nach dem Unfall hat Reuter nichts besseres zu tun als zu schimpfen und den Verbremser in die Kurve rein pauschal quasi mit „typisch Winkelhock“ abzufertigen. Keine Ahnung ob es tatsächlich an den Reifen lag, aber wenigstens hätte man es mal thematisieren können (Zeit genug gab’s ja, passierte ja sonst nichts auf der Strecke…), bevor man sich so weit aus dem Fenster lehnt und einem Fahrer mir nichts dir nichts so gegen in die Reputation semmelt. Das war schon ziemlich arm.

Aber gut, bei der DTM ist sovieles ziemlich arm, da macht das den Kohl auch nicht fett…

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