So eintönig das Rennen in Richmond am Samstag war, so sehr war es auch ein Beispiel für schmutzige Tricks in der NASCAR. Kein Wunder das es in den USA seit dem nur zwei Themen gibt: 1. Hat Kyle Busch Dale Earnhardt jr. absichtlich abgeschossen und 2. Hat Danny Hamlin absichtlich den Wagen an die Mauer gestellt, damit Busch noch zu Junior aufschließen konnte?

Aber der Reihe nach – 381 Runden tat sich vorne nichts. Danny Hamlin fuhr ein einsames Rennen. Er war mit weitem Abstand der schnellste Mann im Oval und weder Junior, noch Kyle Busch, noch Mark Martin hatten irgendwas in Hand, um Hamlin den Sieg nehmen zu können. Doch 19 Runden vor Schluss geht einem Vorderreifen von Hamlin die Luft aus. Ein schon tragisches Schicksal, aber, so zynisch das klingt, Hamlin ist es ja gewohnt. Wenn einer in den letzten Jahren am meisten unter späten Ausfällen gelitten hat, dann sicher Danny Hamlin. Doch anstatt in die Box zu fahren und den Reifen wechseln zu lassen, bleibt Hamlin draussen. Derweil hat Junior das Ruder übernommen und sich vorne abgesetzt. Wenige Runden vor Schluss kann ihn auch Kyle Busch nicht mehr abfangen. Und dann platzt der Reifen von Hamlin und der stellt den Wagen an der Mauer ab. Nicht weil er beschädigt wäre, sondern weil er unbedingt die Caution brauchte, um nicht überrundet zu werden. So die offizielle Version. Inoffiziell heißt es, dass das ein abgesprochnener Move war, um Kyle Busch wieder an Junior ranzubringen. Und dann geschah das, was ich gestern schon mal im Video gepostet hatte.

Wenn man sich die Linie von Busch in den Runden zuvor anschaut, dann könnte man zum Schluss kommen, dass der Unfall beabsichtig war. Busch war viel zu weit oben aber nicht viel zu schnell. Er ist die Kurve auf einer Linie angefahren, die er in den Runden zuvor nicht gewählt hatte. Er hat nicht mal den Versuch gestartet, den Wagen runter zu zwingen, noch hat er so hart gebremst, dass man zum Beispiel Rauch hätte sehen können. Hatte er es auf die hintere linke Ecke von Junior abgesehen, oder wollte diesen nur hochdrücken? Die zweite Variante ist eine normale Renntaktik auf den Shorttracks. Reinfahren, auf gleiche Höhe kommen, den anderen hochdrücken, unten durchschlüpfen. Die erste Variante ist einfach schmutzig.

Ich muss gestehen, dass ich da etwas zerrissen bin. Ich mag Kyle Busch, weil er immer 101% abliefert, weil ab der ersten Runde alles gibt, was er hat. Er ist keiner wie Gordon oder Johnson, die im Rennen lange warten um drei Runden vor Schluss plötzlich vorne aufzutauchen. Er ist ein Rennfahrer, der nicht anders kann als volles Rohr zu fahren, ein richtig, klassischer NASCAR Pilot halt. Auf der anderen Seite mag ich Junior, der Busch nicht unähnlich ist. Jedenfalls bis zu einem bestimmten Punkt. Was die beiden unterscheidet: Junior greift nicht zu schmutzigen Tricks. Busch sieht man schon mal öfter an den hinteren Kotflügeln der Konkurrenz nagen, Fahrer wie Gordon, Junior, Johnson, Martin, Harvick, Kenseth und selbst Edwards machen das nicht. Ich glaube einfach nicht, dass der Rempler ein Zufall oder ein nicht vermeidbarer Rennunfall war. Jimmy Spencer, Kommentator bei SpeedTV, fand dann auch sehr deutliche Worte:

Kyle Busch made a major, major mistake here. This guy (Busch) needs to respect the lead (of the race). He drove in the corner too hard and he took out Dale Junior. I think he went over the line and that is my opinion. […] He (Busch) overshot the corner. He drove in maybe fifty or seventy-five feet too far. Junior gave him the room that he needed and Kyle took too much. That is for me, disrespect for your fellow competitor. He just did not respect Junior enough to back down a little bit.

Sicher – es war kein schönes Manöver, aber eins was immer wieder vorkommt. Wenn irgendwo hinten McMurry Bobby Labonte auf die Art und Weise los wird – kein Mensch kümmert sich darum. Aber da vorne an der Spitze ist es halt was anderes. Ich stimme Jimmy Spencer völlig zu, wenn er sagt, dass man sich da mit mehr Respekt behandeln muss. Man räumt den Leader nicht einfach mal eben so aus dem Rennen. Und schon gar nicht einen Fahrer wie Dale Earnhardt jr. Und schön überhaupt nicht in Richmond, eines der vielen Wohnzimmer von Junior in Virginia. Aber das hätte man auch nicht mit Tony Stewart, Jeff Gordon oder sonst wem aus den Top15 machen sollen. Das Kyle Busch sich nach dem Rennen nicht mal entschuldigt hat, spricht auch nicht gerade für ihn. Man erinnere sich dagegen an den zerknirschten Mark Martin, als dieser neulich beim einem NW Rennen Brad Kesolowski versehentlich abräumte.

Und die Worte von Spencer machen auch noch etwas deutlich, was man im Interview nach dem Rennen deutlich merkte: Junior ist nicht wie sein Vater, er ist eher wie Mark Martin. Junior ist ein netter Kerl, einer, der Spaß haben will beim Fahren, einer der nicht mit einer schmutzigen Fahrweise auf Platz Eins stehen will. Wenn einer schneller ist, dann ist er frustriert, aber er räumt ihn nicht ab. Sein Vater wäre nach dem Unfall, ob nun Absicht oder nicht, zu Busch hingegangen und hätte diesem deutlich seine Meinung gesagt. Earnhardt jr. ist nicht so ein Typ, der die offene Konfrontation sucht. Er gab ein trauriges Interview, während sich jemand aus seiner Crew Kyle Busch zur Brust nahm. Sein Vater war der “Intimidator”, einer vor dem jeder Respekt hatte.

Die nächsten drei Rennen sind alle in South- (Darlington) und North Carolina (Lowe’s), also dort, wo die richtigen Redneck / Die hard / NASCAR / Earnhardt Fans sitzen. Die werden im Übrigen von Junior auch eine Antwort in Sachen Kyle Busch erwarten. Noch mal so eine Nummer darf sich Junior nicht bieten lassen. Das man abgeräumt wird – shit happens. Dass man sich danach den anderen nicht noch mal zur Brust nimmt wird von den Fans nicht gern gesehen. Wie gesagt – bei einem Tony Stewart und Montoya wären die Fetzen geflogen. Das erwartet man auch und gerade von einem Dale Earnhardt jr. Und gibt es tatsächlich auch die ersten Stimmen, die Busch für sein Manöver ein wenig Kredit zollen. Bei Frontstretch, eher ein Magazin aus dem Junior-Lager, gibt es deutliche Kritik:

Junior hasn’t been able to put it all together in each race’s final segment. In the meantime, the man he replaced has been lighting up the circuit; Kyle Busch has won seven races this season within three different series, all while taking the lead in points with his Joe Gibbs Racing Toyota. If the Chase started today, both drivers would make it but Busch gets the upper hand; with 20 bonus points for his wins, the 23-year-old is running circles around the team who fired him in every which way he can.

Und die Meinung taucht erstaunlicherweise öfter auf. Bei Shawn Courchesne heißt es schon in der Überschrift: “Intimidator Spirit Lives In Kyle Busch, Not Dale Earnhardt Jr.” und auch der Motorsportexperte Richard Allen stellt sich die Frage: “Junior vs. Busch: Who’s the intimidator?”. Der Heilligenschein von Junior hat ein paar Katzer abgekommen. Und das nicht weil er abgeräumt wurde, sondern weil er nach dem Rennen nicht dementsprechend reagiert hat. Für Junior kann sich der Unfall, der wie ein Sinnbild für seine letzten zwei Jahre steht, schnell zu einem PR-Gau entwickelt.

Achja – sagte ich nicht, dass man auf die RCR Truppe ein Auge haben sollte? :)

DTM – Die Rennen
Zum DTM Rennen fällt mir nicht viel ein. Dafür war es einfach zu öde. Das die Mercedes plötzlich wieder da sind, ist eine schöne Sache, denn eine Audi-Dominanz kann sich die DTM auf Dauer nicht leisten. Dass das Rennen nicht gut war, lag aber weder an Audi noch an Mercedes, sondern am Kurs. Mugello ist keine schlechte Strecke, aber sie ist keine gute Strecke für Automobilsport. Motorradrennen sind hier meist packend, aber für Autos ist der Kurs einfach nichts. Ich verstehe auch nicht, warum die DTM da überhaupt unterwegs ist, wo es doch ein paar Kilometer weiter in Imola eine wirklich gute Strecke gibt, die zur DTM viel besser passen würde. Bis auf das erste Rennen der F3 Euro Serie waren alle Rennen am Wochenende von gepflegter Langeweile. Selbst der Porsche Cup und das will schon was heißen. Ich verstehe, dass man in Italien aus Gründen unterwegs sein möchte, aber eine wirkliche Werbung war das gestern nicht. Weder für die Serie, noch für die Marken.

Dafür scheint sich in der F3 Euro Serie eine sehr gute Saison zu entwickeln. Nico Hülkenberg konnte nach seinem katastrophalen Wochenende in Hockenheim endlich punkten, aber er wird mit Sorge festgestellt haben, dass mit Mika Mäki ein Rookie in die Serie gekommen ist, der ihm das Leben sehr schwer machen wird. Dazu kommt mit Edoardo Mortara einer, der geschickt Punkte sammelt und nun zusammen mit Mäki auf Platz Eins der Meisterschaft liegt. Mäki ist mir 2006 schon mal in der Formel BMW augefallen, wo er zwar gegen Christian Vietoris keine Chance hatte, aber immerhin auf Platz zwei kam. Und im letzten Jahr gewann er die zwar nicht besonders stark besetzte, aber hart umkämpfte italienische Formel Renault Meisterschaft. Der weiß also wie es geht. Mortara hat einen ähnlichen Background, allerdings hat er den VW Motor im Heck seines Dallara. Bei dem weiß man noch nicht so richtig, wie der sich im Laufe des Jahres schlagen wird.

Das wird kein leichtes Jahr für Hülkenberg.

Achja – Kann man Ralf Heincke und Mark Basseng nicht einfach alle Rahmenrennen kommentieren lassen? “Rennexperte” Sven Heidfeld (ich weiß gar nicht wo ich so viele Anführungsstriche herholen soll) brillierte in Mugello mit der Aussage, der Kurs sei der Nordschleife nicht unähnlich, weil es mal hoch und runter gehen würde. Toll. Wenn bei Premiere ein Fußball Moderator auf die Idee kommen würde zu sagen “Das Stadion von Cottbus ist dem Bernabéu Stadion in Madrid nicht unähnlich, weil da auch viele Leute reingehen”, wäre die Hölle los. Beim Motorsport ist es Premiere egal.

A1 GP – Saisonabschluss
Das letzte Rennen der laufenden Saison wird zwar nicht in die Geschichte als “extrem spannend” eingehen, aber wie üblich lieferte die Serie guten und unterhaltsamen Sport. Was zu einem großen Teil an Ben Edwards und John Watson lag. Die beiden kommentieren zwar immer hübsch aus britischer Sicht, aber das wenigstens gut. Die beiden Schnarchnasen bei Permiere schaffen es ja leider immer wieder, auch das spannendeste Rennen völlig tot zu reden.
Aber die A1 hatte eine wirklich gute Saison. Keine grandiose, aber eine, die sich sehen lassen konnte, und zeigte, wie gut der Sport ist, den man dort bietet. Den Veranstaltern ist es weiterhin gelungen, das Feld einigermaßen zusammen zu halten und man sieht an der steigenden Qualität der Fahrer, dass man sich auf einem gutem Weg befindet. Dazu kommen die guten Zuschauerzahlen. Bei fast allen Rennen, sieht man mal von Malaysia ab, waren die Ränge gut gefüllt und die Fans gingen gut mit. Das Konzept die Teams nach Ländern zu sortieren ist für die Fans vielleicht gar nicht so schlecht. Man spricht nicht nur die hartnäckigen Motorsport Fans an, sondern auch jene, die vielleicht nur ab und an mal ein Rennen sehen wollen und sich für die Fahrernamen nicht so interessieren. Dazu kommt, dass die Serie mittlerweile durchaus als Talentsieb gilt. Wer hier gut ist, der wird auch vielleicht in der GP2 was reißen können. Mittlerweile sollen sich sogar ehemalige F1 Piloten um Fahrerplätze in der A1 bemühen.

Die Serie selber scheint sich nach den sehr hohen Anfangsverlusten (2006 steckte man sage und schreibe 200 Millionen rein) gefangen zu haben. Es gibt zwar keine offiziellen Zahlen, aber man kann nach der Ferrari Deal davon ausgehen, dass man für die nächsten Jahre auf einem soliden Fundament steht. Dafür spricht auch, dass mit Korea ein weiteres Team in die Serie einsteigt. So wie es sich entwickelt, wird die A1 für manche Landesprojekte zu einer Art “Ehrensache”, und man will unbedingt gut abschneiden. Davon zeugt auch die Tendenz, dass die Teams nicht mehr nur mit unbekannten Fahrern operieren, sondern richtig gute Namen einkaufen, um vorne dabei zu sein. Ich freu mich jedenfalls schon auf die neue Saison.

BTCC – Donington
Die Rennen der BTCC waren mal wieder wirklich gut, wenn auch nicht ganz so dramatisch, wie man es sonst gewohnt ist. Dabei gab sich sogar das Wetter mit leichtem Nieselregen alle erdenkliche Mühe, dem eher eintönigen Kurs etwas mehr Pfeffer zu geben. Wie in der WTCC machen den Veranstaltern die Seats etwas Sorgen. Selbst auf den kurzen Geraden in Donington waren die kaum zu bezwinge und so siegten die Seat gleich zweimal. In der Serie ist man allerdings in Sachen Platzierungsgewichte etwas strenger, also werden die Seat beim nächsten Rennen schon mehr Probleme haben. Allerdings kommen mit Snetterton und Thruxton in diesem Jahr noch zwei Kurse, auf denen es eigentlich nur geradeaus geht. Da sind Seat Siege schon vorprogrammiert. Etwas Sorgen kann man um die BMW haben, die teilweise immerhin auch von BMW England mitunterstützt werden. Aber irgendwie kamen die Donington wie auch schon Rockingham nicht so richtig nach vorne. Die Meisterschaft dürfte sich aber dennoch spannend entwickeln, denn mit Jason Plato im Seat, Fabrizio Giovanardi im Vauxhall und Gordon Shedden im Honda sind schon mal drei Fahrer vorne, von denen man weiß, dass sie es brennen lassen. Das wird noch sehr heiter.

Die Serie zeigte am Wochenende auch mal wieder, was sie im Gegensatz zur DTM besser macht: die Rahmenrennen. Außer dem wirklich schwach besetzten Porsche Cup (gerade mal 11 Starter) ist sie mit der kleinen Formel Renault, dem Clio Cup und der höchst amüsanten Ginetta Cup wirklich gut ausstaffiert. So hochklassig das Programm bei der DTM mit der F3 Euro Serie, dem Seat- und dem Porsche Cup ist – es fehlt doch etwas für Fans. Und vor allem – es fehlen die kleinen Serien, die die DTM nach “unten” mit den anderen Rennserien verbindet. Es gibt im Rahmen der ADAC Masters da durchaus gute Serien, die man in das Programm der DTM einbinden könnte. Aber die DTM ist dann eben wieder zu sehr eine Herstellerserie, die mit Breitenmotorsport nur wenig zu tun hat. Ich persönlich finde da Rangehensweise der BTCC deutlich besser.

Und sonst?
Bei Super Aguri gehts Licht aus. Honda hat der FIA wohl mitgeteilt, dass man dem Team keine Motoren mehr zur Verfügung stellen wird und auch den Geldhahn zu dreht. Man glaubt nicht, dass die Weigl Gruppe auch nur ansatzweise in der Lage sein soll, das gesamte Team zu stemmen und die Verbindlichkeiten zu übernehmen. Bei den Deutschen hält man sich bedeckt, sagt aber, dass man ein ganzes Bündel von Investoren mitbringt. Richtig überzeugend klingt das für mich nicht und auch bei Honda glaubt man nicht daran. Die Zukunft des Teams soll sich am Dienstag entscheiden. Es wäre aber wohl aber eine Überraschung, wenn das japanische Team tatsächlich an den Start gehen könnte. Oder sagen wir mal so – wenn sie Freitag auf die Strecke gehen, dann haben sie eine dauerhafte Lösung gefunden.

Vorschau aufs kommende Wochenende: F1 und GP2 in Istambul, LMS in Spa, NASCAR in Darlington.

05.05.2008

Aufz. 13:00 Uhr   F3 Euro   Mugello   Premiere
Aufz. 14:30 Uhr   Porsche Cup   Mugello   Premiere
Aufz. 15:00 Uhr   NASCAR NW   Richmond   NASN
LIVE 18:00 Uhr Indy 500 Training www.indy500.com bis 23.00 Uhr
Aufz. 19:15 Uhr   NASCAR SC   Richmond   Premiere
Aufz. 20:45 Uhr   A1 GP   Brands Hatch   Premiere
Aufz. 22:15 Uhr   F3 Euro   Mugello   Premiere

06.05.2008

Aufz. 11:50 Uhr   NASCAR SC   Richmond   Premiere
Aufz. 12:45 Uhr   A1 GP   Brands Hatch   Premiere
LIVE 18:00 Uhr Indy 500 Training www.indy500.com bis 00.00 Uhr
Aufz. 00:00 Uhr IRL Kansas Premiere