Am letzten Sonntag gab es im Motorhome von Toyota ein Meeting aller Teamchefs unter der Führung von Bernie Ecclestone. Auf der Tagesordnung standen wohl zwei Punkte. Die Einführung von KERS (Energierückführung zum Motor mit Boost Button – ab 2009 beschlossen) und Max Mosley. Ecclestone überraschte die Teamchefs, in dem er eine gemeinsame Erklärung vorlegte, in dem die Teamchefs den angeschlagenen FIA Präsidenten gemeinsam zum Rückttritt “loben” wollten. Die Sache ging in Hose. Laut der britischen Times wollten Williams, Red Bull und Torro Rosso das Schreiben nicht unterzeichnen. Alle anderen Teams schon. Dabei war interessanterweise auch Ferrari, was etwas verwunderlich ist. Denn Luca die Montezemolo gilt als enger Freund von Mosley. Die Bande zwischen der FIA und der Ferrari reichen ja bekanntlich schon ein paar Jahrzehnte zurück. Zwar hat sich der Fiat Chef die Tage in der “Gazzetta dello Sport” schon mal in die Richtung geäußert, dass es nach der Veröffentlichung des Videos schwer werden würde für Moslely im Amt zu bleiben, doch direkte Rücktrittsaufforderungen wie von den anderen Teams gab es von Ferrari nie. Warum also die Kehrtwende? Das kann etwas damit zu tun haben, dass ein ehemaliger Ferrari Mann den Posten den FIA Präsidenten einnehmen soll. Die Rede ist natürlich von Jean Todt, der nach seinem (geplanten) Rücktritt als Ferrari CEO gerade etwas Zeit hat.

Todt ist in der Szene aber nicht unumstritten. Vor allem die traditionellen britischen Teams wie Williams und McLaren haben etwas gegen Todt. Frank Williams selber verbindet eine lange Freundschaft mit dem Ex-March Gründer Mosley, McLaren mag ungern ausgerechnet Todt an der Spitze der FIA sehen, nachdem die Stimmung zwischen Ron Dennis und dem Franzosen nach der letztjährigen Spionageaffäre immer noch massiv gestört ist. Todt verübelt es Dennis weiterhin, dass dieser ihm im letzten Jahr ins Gesicht gelogen hat. Während man in geheimen Gesprächen zusammensaß um die Unstimmigkeiten der letzten Jahren auszuräumen, blätterten McLaren Techniker mit Wissen von Dennis in den technischen Zeichnungen des letztjährigen Ferraris herum, die Nigel Stepney dem Team übergeben hatte. Todt wiederum hält sich in Sachen FIA-Präsidentschaft zurück. Er habe durchaus genug zu tun, ließ er mal vor ein paar Wochen verlauten. Ein Dementi klingt auch anders.

Leicht wird es aber nicht den Franzosen zu installieren. Denn die britischen Team habe den Streit mit der FISA Anfang der 80er Jahre nicht vergessen. Eine französisch dominierte FIA ist den meisten alten Hasen immer noch suspekt. Deswegen war man mit der Lösung Ecclestone/Mosley auch sehr zufrieden. Zum einen, weil ein Brite der FIA vorstand, zum anderen, weil es zwischen Ecclestone und Mosley aus alter Freundschaft heraus keine offenen Streitigkeiten gab. FIA und Ecclestone ziehen an einem Strang, was der Serie in den letzten 15 Jahren sehr gut getan hat.

Die Frage ist aber auch: Warum hat Ecclestone den Teamchefs diesen Brief überhaupt vorgelegt? Er und Mosley sind als Freunde zimelich eng und bisher haben sie alle Stürme gemeinsam gemeistert. Da kann man nur raten, was der Grund sein könnte. Die eine Spekulation ist, dass Ecclestone für seinen Freund austesten wollte, wie die Stimmung im Fahrerlager ist. Er wußte von vornherein, dass einige Teams nicht zustimmen würden, also hat er die Sache einfach mal ausprobiert. Aber der Brite gehört eigentlich zu denjenigen, die lieber im Stillen agieren. Er hätte die Stimmung auch in persönlichen Gesprächen ausloten können. Und zwar unter der Woche und nicht medienwirksam an einem Rennwochenende. Die andere Spekulation lautet, dass er und Mosley in dieser Sache unterschiedlicher Meinung sind. So sollen einige Hauptsponsoren sehr deutlich gemacht haben, dass sie keine Lust mehr dazu haben mit Mosley in Verbindung gebracht zu werden. Ecclestone soll Mosley gebeten haben, freiwillig zurückzutreten, was dieser weiterhin ablehnt. Mit der Abstimmung wollte Ecclestone Mosley ein Zeichen geben, dass es nicht mehr weiter geht.

Erstaunlich ist es schon, das Ecclestone diese “Abstimmung” inszeniert hat. Und Sinn macht sie auch kaum, zumal es nicht die Teamchefs sind, die entscheiden werden, ob Mosley zurücktreten muss. Seine Chancen die Abstimmung zu überleben, scheinen aber immer geringer zu werden.

Und sonst?
Schönen 1. Mai!

01.05.2008

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