# Nach langer Ruhe auf dem Tranfermarkt hat es in dieser Woche wieder mal zwei Fahrerbestätigungen gegeben: Vitaly Petrov wird weiterhin für (Lotus) Renault an den Start gehen. Und der Belgier Jerome D’Ambrosio übernimmt bei Virgin Racing Lucas di Grassis Platz an der Seite von Timo Glock. Petrovs Verlängerung kommt nicht wirklich überraschend: Der Russe war zwar dieses Jahr noch viel zu selten konstant unterwegs, und konnte Robert Kubica kaum Paroli bieten – außerdem hat er unter Druck so einige vermeidbare Fehler und Crashes hingelegt. Allerdings: Feine Leistungen in Budapest und, mit Abstrichen, Abu Dhabi haben gezeigt, dass er im Grunde den nötigen Speed hat. Sollte der Knoten wirklich im kommenen Jahr platzen, hat Renault schon mal vorgesorgt: Formell wurde nämlich gleich ein Zweijahresvertrag verkündet. Sollte Petrov allerdings in der kommenden Saison nicht überzeugen, ist davon auszugehen, dass der Wert des Vertrages für 2012 die Papierkosten nicht deutlich übersteigen wird. (Vorsicht)
# Das liebe Geld dürfte wohl auch eine gewisse Rolle bei der zweiten Fahrerverpflichtung in dieser Woche gespielt haben: Jerome D’Ambrosio wird, wie erwähnt, den glücklosen Lucas di Grassi im Virgin ersetzen. Das ist einerseits nicht besonders erstaunlich, denn der Braslianer konnte 2010 nicht so wirklich überzeugen – und D’Ambrosio hat wohl recht üppig mit Banknoten gewunken. Am reinen Speed kann es allerdings nicht gelegen haben: Die Freitagsauftritte 2010 in Singapur, Japan, Korea und Brasilien waren zwar recht anständig – in der GP2 hat di Grassi den Belgier 2008 und 2009 allerdings recht deutlich gebügelt. (Vorsicht)
# Endlich haben auch GP2 und GP3 ihre Kalender für das kommenden Jahr bekannt gegeben. Große Überraschungen gibt es nicht – die Serien begleiten die Formel 1 bei allen Europarennen (außer Monaco, wo nur die GP2 fährt). Standalone-Termine wie früher in Portimao oder Valencia (Ricardo Tormo) gibt es diesmal nicht. Der völlig sinnfreie Termin in Abu Dhabi, zwei Monate nach dem vorletzten Saisonrennen in Monza ist aus dem Kalender geflogen. Stattdessen wird dort die GP2 Asia 2011/12 ihren Saisonaftakt feiern.
7./8. Mai: Istanbul
21./22. Mai: Barcelona
27./28. Mai: Monaco (nur GP2)
25./26. Juni: Valencia
9./10. Juli: Silverstone
23./24. Juli: Nürburgring
30./31. Juli: Budapest
27./28. August: Spa
10./11. September: Monza
(Vorsicht)
# Die Superleague Formula wollte da wohl nicht zurückstehen, und hat ebenfalls ihren Kalender für 2011 veröffentlicht. Der ist allerdings gewissermaßen A1GP-esk ausgefallen, hat viele noch leerstehende Positionen, und trägt das Adjektiv „provisorisch“ wohl nicht von ungefähr. Glaubt man den Angaben, so wird die Serie am 16. April in Monza starten, und Anfang November ihr finales Rennen auf einem noch nicht näher benannten Kurs außerhalb Europas abhalten. Insgesamt soll es wie 2010 wieder zwölf Rennen geben, davon aber nur die ersten sieben in Europa. Danach folgen zwei Läufe im September in China (Ordos und Beijing) und drei weitere „Non-European“ Rennen im Oktober und November.
Auch abgesehen davon, dass es wenige Hinweise dazu gibt, wo die drei letzten Rennen abgehalten werden: Es bleiben auch sonst einige Fragezeichen. So soll etwa am 18. und 19. Juni der Deutschland-Lauf auf dem Nürburgring stattfinden – für dieses Datum ist aber auch das WSbR-Wochenende in der Eifel vorgesehen. Kaum vorstellbar, dass die SLF dort als Rahmenserie auftreten könnte. Auch das Datum für Ordos sorgt für Stirnrunzeln: Das Rennen dort soll nämlich am 10./11. September steigen – auf dem Kalender der GT1 WM, die die Superleague vermeintlich dort unterstützen sollte, ist allerdings der 3./4. September vorgesehen. Erfreulich: Die SLF hat die Konsequenzen aus Chris Van der Drifts Unfall in Brands Hatch gezogen, und verschiebt ihre GB-Runde nach Donington.
17. April: Monza
8. Mai: Portimao
5. Juni: Assen
19. Juni: Nürburgring
3. Juli: Navarra
17. Juli: Zolder
7. August: Donington
11. September: Ordos
18. September: Beijing
Oktober: „Non-European“
Oktober: „Non-European“
November: „Non-European“
(Vorsicht)
# Nachwuchsklassen tauschen Sender: Nachdem die Auto GP ins WTCC-Rahmenprogramm von Eurosport gewandert ist, hat nun die Formel 2 bekannt gegeben, dass die Rennen im kommenden Jahr live auf Motors TV zu sehen sein werden. Außerdem neu: Statt wie bisher von einer anderen Hauptserie abhängig zu sein, kann es sich die F2 nun leisten, mittels fixen Startzeiten etwas Ordnung in die Programmplanung der Fans zu bringen. Wie viele Zuseher sich im deutschsprachigen Raum darüber freuen können, ist aber fraglich – immerhin ist Motors TV seit Herbst nicht mehr im Programm von Kabel Deutschland, sondern nun noch bei einigen kleineren Anbietern (und bei der Telekom) vertreten. Immerhin: Laut Presseaussendung soll es auch einen Internetstream aller Rennen auf formulatwo.com geben. (Vorsicht)
# Auch in der IRL gab es in der vergangenen Woche wieder einige Neuigkeiten, die in einer längeren Form hier nachzulesen sind. Kurz zusammegefasst:
– Chip Ganassi hat die Gründung des schon seit einigen Wochen erwarteten zweiten Teams offiziell bekannt gegeben: Die Piloten für 2011 sind Graham Rahal und Charlie Kimball.
– Tony Kanaan wird nach seiner etwas unglücklichen Trennung von Andretti Autosport 2011 im Team von de Ferran Racing starten.
– HVM hat noch einmal bestätigt, dass Simona de Silvestro auch 2011 für das Team an den Start gehen wird. Die Schweizerin soll sogar einen mehrjährigen Vertrag unterschrieben haben. Angeblich ist auch ein neuer Sponsor an Bord – um wen es sich handelt, wird aber erst im Jänner bekannt gegeben.
– Mike Lanigan, vormals Mitbesitzer bei Conquest Racing und bei Newman/Haas/Lanigan ist bei Rahal Letterman Racing eingestiegen. Das Team heißt folgerichtig nun Rahal Letterman Lanigan Racing, oder, noch formschöner, RLLR. Ob Lanigan genügend Geld an Bord bringt, um 2011 ein Vollzeit-Auto in der IRL einzusetzen, bleibt aber abzuwarten.
(Vorsicht)
# Der ACO hat vor wenigen Tagen endlich die Regeln für die 24h von Le Mans sowie die von ihm sanktionierten Serien veröffentlicht. Als Leitgedanken für die umfangreichen Änderungen werden Sicherheit, Umweltschutz, ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis und Kostenbeschränkung genannt.
– LMP1: Zu den schon bekannten Änderungen an den technischen Spezifikationen der großen Prototypen gehören die kleineren Motoren, um die Rundenzeiten auf min. 3’30 zu erhöhen, die Haifischflosse zur Verhinderung von Überschlägen und der Einsatz von Energierückgewinnungs-Systemen. Erfreulicherweise wurden den Teams hier große Freiheiten eingeräumt, es darf jedoch nur eine Achse zusätzlich angetrieben werden und der Einsatz muss über das Gaspedal erfolgen, nicht über einen zusätzlichen Knopf. Die maximal 0,5 MJ Output zwischen zwei Bremsmanövern werden also kein taktisches Mittel sondern „fester“ Teil der Fahrzeugleistung. Wer ein Hybridsystem einsetzt, verliert noch einmal zwei Liter der eh schon verringerten (Diesel: 65l bzw. 63l statt 81l, Benziner: 75l bzw. 73l statt 90l) Tankkapazität, die Bedeutung von Kraftstoff-Effizienz wird also erhöht. Für die Zukunft wird die Festlegung einer maximalen Energiemenge a la Gruppe C angestrebt. Zwar verlieren beide Antriebsarten 15l, jedoch sind das für die Diesel 20% Verlust, für die Benziner knapp 17%, ein kleiner Schritt zur Angleichung der Antriebsarten. Die soll jedoch hauptsächlich durch den neuen Artikel 19 erfolgen, der eine den FIA GT-Regeln entlehnte Balance of Performance vorsieht: der ACO hat nun die Möglichkeit, Minimalgewicht, Lufteinlassgröße und Tankkapazität für unterschiedliche Antriebsarten und Kraftstofftypen im Laufe der Saison weiter zu regulieren. Wie ernst man es damit meint und ob Aston Martin oder Audi die bessere Lobbyarbeit leisten, wird sich im Laufe der Saison zeigen müssen, Peugeot hat sich zumindest offiziell noch für keine Seite entschieden. 2010er Fahrzeuge dürfen unter bestimmten Bedingungen antreten werden jedoch so eingestuft, dass sie auf jeden Fall hinter den Neuwagen bleiben.
– LMP2: Auch die Umwandlung der LMP2-Klasse in eine kostengünstige reine Privatiersklasse war bereits bekannt. Die Preise für Chassis (345.000 €) und Motoren (75.000 €) sowie ein zusätzliches Low Downforce-Paket für Le Mans (10.000 €) wurden festgesetzt, eine Evolution pro Jahr ist erlaubt, der Motor muss aus der Serie oder einem GT-Fahrzeug stammen. In jedem Team muss mindestens ein Gentleman-Fahrer der Bronze-Kategorie vertreten sein. Auch für die LMP2 gibt es eine der LMP1 ähnliche Balance of Performance-Regelung, 2010er Fahrzeuge dürfen zudem (mit Motor nach neuem Reglement) auch in den nächsten drei Jahren antreten, aber nicht mehr weiterentwickelt werden.
–LMGTE: Wie schon im Juni bekannt gegeben, wird die GT1 abgeschafft und durch eine auf den bisherigen GT2-Regeln basierende „GT Endurance“-Klasse ersetzt, die in eine „Pro“- und eine „Am“-Kategorie unterteilt wird. Erstere ist für Werkseinsätze mit Neuwagen und Profi-Fahrern gedacht, letzte soll Privatteams mit Jahreswagen ein eigenes Spielfeld bieten. Die größte Überraschung dabei: GT1-Fahrzeuge aus dem Jahr 2010 sind für GTE Am-Klasse 2011 homologiert, Modelle wie der alte, aber 2010 siegreiche Saleen S7R oder der neue Matech Ford GT dürften damit auch in der kommenden Saison an den Start gebracht werden.Den Balance of Performance-Artikel gibt es auch im GT-Reglement, interessant wird vor allem sein, ob und wie damit die GT1-Fahrzeuge eingestuft werden. Was technische Details angeht, ist der ACO kaum von den so erfolgreichen 2010er Regeln abgewichen, als größte Änderungen sind nun Schaltwippen erlaubt und Motoren dürfen max. 5,5l Hubraum haben. In der Hoffnung auf einen zukünftigen Einsatz des McLaren MP4-12C sind außerdem Carbon-Chassis erlaubt. (Stefan)
# Die SPEED Euroseries – das Akronym steht für „Sports Prototype Endurance Event Driving“ – wird 2011 Support-Serie der LMS für deren gesamte, fünf Rennen umfassende Saison. Zwar wird die auf der britischen SPEED-Meisterschaft basierende Serie für Produktionssportwagen nach dem Klasse CN-Reglement der FIA als neu angepriesen, jedoch gab es bereits 2009 den Versuch, sie mit zwei dreistündigen Rennen auf europäischer Ebene zu etablieren. Der Auftritt im LMS-Umfeld dürfte der Serie beim zweiten Versuch helfen. An der britischen Serie, die auch im Rahmen der 1000km von Silverstone 2010 antrat, nahmen 2010 auch bekannte Fahrer wie Alex Caffi, Warren Hughes und Alex Brundle teil. die Prototypen-Chassis werden von verschiedenen Herstellern wie Osella, Ligier oder Radical angeboten, alle Fahrzeuge werden von Honda-Motoren angetrieben. (Stefan)
# Das Race Performance-Team wird 2011 auf das neue Oreca 03-Chassis wechseln, auf Motorenseite bleibt man Judd treu. 2010 erreichte die Schweizer Mannschaft mit einem Radical SR9 in der LMP2 den sechsten Klassenrang bzw. 18. Gesamtrang in Le Mans, nachdem sie erst spät als 56. Teilnehmer eingeladen wurde. (Stefan)
# Das niederländische Team DB Motorsport wird 2011 mit zwei BMW Z4 in die GT3-Europameisterschaft einsteigen und an den 24h von Spa teilnehmen. Darüber hinaus zieht man ein Engegament in der ADAC GT Masters oder der Belcar-Serie in Erwägung. (Stefan)
# Johnny O’Connell beendet nach vielen erfolgreichen Jahren seine Le Mans/ALMS-Karriere als Corvette-Werksfahrer, er wird in die SCCA World Challenge GT wechseln, dort aber GM treu bleiben und einen Cadillac steuern. (Stefan)
