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Indycar 2011: Der Stand der Dinge

von Vorsicht
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Am Anfang des Jahres hatten viele Experten von den Indycars eine „make or break“-Saison erwartet. Eingetreten ist beides nicht – aber am Ende gibt es für die Zukunft der Serie doch ein paar positive Anzeichen.

2010 müsse für die Indycars das Jahr sein, „in dem die Weichen für die Zukunft gestellt werden“. Das habe ich vor neun Monaten in der Saisonvorschau geschrieben. Lange Zeit war davon nichts zu bemerken – und die Zeichen, die doch an die Öffentlichkeit kamen, waren nicht gerade positiv. Sponsorverluste bei vielen Teams, in Folge Paydriver (Francesco Dracone und natürlich Milka Duno), und Entlassungen von Stars (Tony Kanaan). Keine Cockpits für junge Amerikaner; Chaos um die Regeln für 2012; Unklarheit, wo das letzte Rennen 2011 stattfinden wird, und der kreiesende Pleitegeier über Edmonton, Baltimore und zahlreichen Teams. Und dann kamen die Ereignisse der vergangenen Wochen – und plötzlich sieht alles viel besser aus.

Chevrolet und Lotus steigen 2012 als Kontruktuere ein, Graham Rahal und Charlie Kamball fahren die ganze Saison 2011 in einem Juniorteam von Ganassi. Edmonton und Baltimore scheinen gerettet. Las Vegas harrt wohl der Verkündigung als Finalort 2011 – und die Starterliste für die Saison umfasst schon jetzt um die 25 gemeldete Piloten. Oder wie @GrahamRahal es ausdrückt:

@indycar fans have so much to be upbeat about. This off season has been awesome!

Die Initialzündung kam wohl am 11. November: Da verkündete nämlich Chevrolet bei einer Pressekonferenz am Indianapolis Motorspeedway offiziell, dass man ab 2012 mit Motoren und Aerokits in der Serie präsent sein will. Nur eine Woche später dann der zweite – wenn auch etwas kleinere – Paukenschlag: Auch Lotus wird sich übernächstes Jahr in der Indycar Series betätigen. Nun mag es durchaus gute Gründe geben, der aktuellen Lotus-Expansion und Danny Bahar kritisch gegenüberzustehen – zumindest kurzfristig haben die zwei Einstiege von Marken mit klingenden Namen der müden Open Wheel-Serie aber neuen Schwung verliehen.

Denn schon glühen im Internet die ersten Spekulationen, wer mit welcher Marke unterwegs sein wird. Penske soll wohl fix mit Chevrolet kooperieren. Das wurde auch bei der Pressekonferenz am 12. November noch einmal bestätigt. Und KV bleibt wohl Anlaufpartner Nummer Eins für Lotus – sofern die politisch Verantwortlichen in Malaysia nicht bis dahin die Geduld mit Bahars Finanzakrobatik verloren haben sollten.

Etwas unklar ist dagegen noch, was Chip Ganassi machen wird. Viele Kenner der Szene sagen Ganassi nach, nur deshalb ein zweites Team gegründet zu haben, um bezüglich Motoren und Aerokits auf der sicheren Seite zu stehen. Das derartige Gründe mitschwingen, ist wohl nicht ausgeschlossen. Ausschlaggebend war es aber zumindest im Falle Graham Rahals nicht – der hatte nämlich bereits Ende der Saison 2010 einen lukrativen Sponsordeal mit der TBC Corporation abgeschlossen, und war seither auf der Suche nach dem bestmöglichen Team, in das er sich mit diesem Geld einkaufen könnte.

Und weil Penske schon drei Piloten verpflichtet hatte, war Ganassi die logische Wahl. Einziges Problem: Ganassis langjähriger Sponsorpartner Target war überhaupt nicht begeistert davon, im selben Team ein Auto zu haben, das von Service Central (einer Autowerkstattkette im Besitz von TBC) gesponsort wird. Die Lösung lag nach längeren Verhalndungen in der Gründung eines zweiten Ganassi-Teams. Und weil ein Chip Ganassi nicht kleckert sondern klotzt, gibt’s gleich noch ein zweites Auto dazu – pilotiert von Charlie Kimball. Und auch der bringt etwas Geld und eine interessante Storyline mit zum Team: Kimball leidet bereits seit einigen Jahren an Diabetes. Dass er trotzdem weiter Rennen fährt, hat die Marketing-Abteilung des Pharma-Konzerns Novo Nordisk offenbar darart inspiriert, dass man ihn 2011 unterstützen wird. Seine Leistungen bei den Indy Lights deuten zwar nicht darauf hin, dass er America’s Next Top Racer wird. Aber ein weiterer junger Amerikaner in einem guten Auto kann der Serie wohl nur gut tun.

Das hat sich wohl auch Panther Racing gedacht, als man Mitte Dezember J.R. Hildebrand als Ersatz für Dan Wheldon unter Vertrag genommen hat. Der Indy Lights-Champion von 2009 überzeugt schon eher als Kimball durch seine Leistungen im Cockpit. 2010 hat er sich zwar bei seinen beiden Auftritten in Mid Ohio und Sonoma für Dreyer & Reinbold nicht gerade mit riesigem Ruhm bekleckert – aber nur zwei Rennen sind wohl auch etwas wenig, um über einen jungen Piloten urteilen zu können. Mal sehen, was er 2011 so zustande bringt.

Einen besonderen Personal-Coup hat das noch junge Team von Gil de Ferran in den vergangenen Tagen geliefert. Am Montag wurde bestätigt, dass der bei Andretti Autosport gekündigte Tony Kanaan die Saison 2011 im brasilianischen Team bestreiten wird. Ein Sponsor wurde noch nicht verlautbart, Gerüchten zufolge soll es sich dabei aber um Hewlett-Packard (HP) handeln (auch in der Hintergrundgrafik verbirgt sich ein dezenter Hinweis). Auch hier wird es sicher interessant sein zu sehen, ob Kanaan auch außerhalb des vermeintlichen Top Teams Andretti Autosport Akzente setzen kann. Er selbst hat sich jüngst in einem Interview bescheiden gezeigt: 2011 soll demnach das Jahr werden, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen – 2012 will er wieder richtig konkurrenzfähig sein.

Das sonstige Aufgebot für 2011: Penske bleibt bei den aktuellen drei Piloten, Ganassi neben Rahal und Kimball bei Franchitti und Dixon. Andretti hat neben den zurückkehrenden Marco Andretti, Ryan Hunter-Reay und Danica Patrick noch ein Plätzchen frei. Wer dort starten will, sollte allerdings Geld mitnehmen – oder zumindest sehr preisgünstig sein. Justin Wilson bleibt bei Dreyer & Reinbold. Bei FAZZT wird neben Alex Tagliani wohl Ho-Ping Tung als erste Chinese in der IRL an den Start gehen. KV Racing bleibt bei Sato und Viso, und möchte womöglich noch zwei weitere Autos an den Start bringen. Vitor Meira tut sich ein weiteres Jahr bei AJ Foyt an. Bertrand Beguatte bleibt aller Wahrscheinlichkeit nach bei Conquest, Simona de Silvestro bei HVM. Und Ed Carpenter fährt mindestens neun der 17 Rennen für Sarah Fisher Racing. Außerdem hat Rahal Letterman Racing Unterstützung von Mike Lanigan (vormals bei Newman/Haas) bekommen, und heißt nun R(ahal)L(etterman)L(anigan)R(acing) – vielleicht geht sich auch hier wieder eine Saison in der URL aus. Newman/Haas selbst haben kürzlich in Sebring mit Oriol Seriva und James Hinchcliffe getestet – vielleicht findet auch einer der beiden genügend Geld, um zumindest gelegentlich 2011 an den Start gehen zu können.

Bekannte Namen ohne Teams sind bisher etwa Dan Wheldon (der angeblich bei Andretti landen könnte), Paul Tracy (der wohl wieder Kanada-Gaststarts hinlegen wird) und Tomas Scheckter (von dem man leider wenig hört).

Bleiben noch die Fragen zum Kalender: In Edmonton haben vor ein paar Wochen die Stadtväter einen Deal mit Promotor Octane geschlossen, und werden nun doch etwas mehr Geld für den Umbau der Strecke ausgeben, als geplant. Eine offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, es sieht aber ziemlich gut aus.

In Baltimore sucht man immer noch nach einem Titelsponsor für das Event. Und zwar schnell: Bis Ende Dezember haben die Organisatoren noch Zeit, um der Stadt einen Kredit für den Bau der Boxengasse zurückzuzahlen. Sollte das nicht geschehen droht die Stadt, die Finanzierung zu streichen – das Rennen wäre dann wohl Geschichte. Ob man das wirklich nach all den Investitionen noch machen würde, ist eine andere Frage. Zumindest eine Meldung stimmte jüngst optimistisch: In den ersten Tagen des Ticketverkaufs wurden bereits 15.000 von insgesamt geplanten 100.000 Tickets verkauft – im Wert von immerhin einer Million Dollar.

Las Vegas wurde immer noch nicht als Finale bestätigt – Indycar-CEO Randy Bernard will wohl vor einer Verkündung ganz sicher gehen, dass auch wirklich alles unter Dach und Fach ist. Die meisten Insider sprechen aber so über das Rennen, als wäre schon jetzt alles fix. Dafür würde auch ein weiteres Detail sprechen: Schon Mitte November haben Penske und Ganassi auf dem Oval Reifentests durchgeführt.

Man darf gespannt sein, was sich noch alles tut, bis es am 27. März endlich wieder los geht.

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1 Kommentare

Ferner liefen: Die Newshappen /  RacingBlog 23 Dezember, 2010 - 08:18

[…] der IRL gab es in der vergangenen Woche wieder einige Neuigkeiten, die in einer längeren Form hier nachzulesen sind. Kurz […]

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