Sebastien Buemi setzt seine dominante Saison in der Formula E fort und holt den ersten Hattrick in der Geschichte der jungen Rennserie. In der Meisterschaft eilt er damit weit davon. Doch der Puerto Madero Street Circuit in Buenos Aires lieferte zum dritten Mal ein starkes Rennen voller sehenswerter Überholmanöver ab – ebenfalls ein schöner Hattrick und wichtig für den Jahresauftakt der Formula E.   

Jean-Eric Vergne war in der Gruppenphase der Qualifikation noch die schnellste Runde des gesamten Wochenendes gelungen – doch in der Super Pole-Quali der besten Fünf kam Lucas di Grassi am saubersten durch die Runde und sicherte sich die Pole Position. Kaum zu glauben, aber es war di Grassis erste Pole in der Formula E, obwohl er in den letzten beiden Jahren bereits in den Titelkampf involviert war. Diese drei Bonuspunkte konnte er in Buenos Aires erstmals für sich beanspruchen – wie wichtig diese sein können, wird beim Blick auf die Meisterschaftstabellen der letzten zwei Jahre deutlich: 10 Punkte betrug der Vorsprung von Nelson Piquet jr. nach der Saison 2014/15, nur zwei Punkte waren es zwischen Buemi und di Grassi nach dem absurden Finale im Vorjahr. Eine Pole hätte das Bild also drehen können – doch die einzige des Abt-Teams bislang hatte Daniel Abt in Long Beach 2015 geholt.

Hinter di Grassi gingen Vergne – der oft schnell auf eine Runde war und in den ersten zwei Formula E-Saison bereits vier Poles errang, sich aber im Rennen meist nicht gerade als ein Meister des Energiemanagements zeigte – und Sebastien Buemi ins Rennen, gefolgt von den beiden NextEV-Piloten Oliver Turvey und Piquet jr. mit einer erneut starken Quali-Performance (Plätze 1 und 2 in Hong Kong, 4 und 8 in Marrakesch). Turvey hätte noch weiter vorn stehen können, hätte er sich nicht bei der Anfahrt zu Kurve 1 verbremst. Der neue NextEV 700R-Antriebsstrang mit Twin-Motor und einem einzelnen Gang funktioniert also gut auf eine Runde. Der Vorjahres-Antriebsstrang (gleiches Grundkonzept, aber andere Ausführung), mit dem das Team im Rennen oft kaum von der Stelle kam, war in der Quali bereits nicht schlecht, ebenso konnte ja DS Virgin mit dem hecklastigen Twin-Motor-Boliden in der Quali mit vier Poles überzeugen, bevor dann über die Renndistanz die Reifen unter der Last schnell ihren Grip verloren.

Doch der NextEV-Bolide läuft mit neuentwickelten Twin-Motoren gut, wie sich auch im Rennen zeigte, auch wenn weder Turvey noch Piquet eine Hauptrolle spielen sollten. Am Start konnte Lucas di Grassi zunächst die Führung behaupten, doch schon nach drei Runden kassierte Jean-Eric Vergne ihn mit einem sauberen Ausbremsmanöver eingangs Kurve 4. Kurz darauf schnappte auch Sebastien Buemi zu und verwies di Grassi auf Rang 3. Der Schweizer haftete am Heck von Vergne, der sich zurückhalten musste, um nicht zu viel Energie aus den Batterien zu saugen – und in Runde 6 konnte Buemi ihn eingangs Kurve 1 überholen, mit einem ebenso sauberen Ausbremsmanöver wie zuvor von Vergne gegen di Grassi.

Zwei Führungswechsel in den ersten sechs Runden – das Rennen begann spannend. Doch nun war der dominante Pilot der Saison in Führung. Wer sollte ihn stoppen? Niemand, wenn nicht er selbst, scheint derzeit dazu in der Lage, und auch die eigenen Fehler scheint Buemi in dieser Saison minimieren zu können. Ein Rutscher beim etwas übereifrigen Anfahren von Kurve 7 in der zweiten Rennhälfte war der einzige Moment, in dem der Sieg für Sekundenbruchteile nicht hundertprozentig sicher zu sein schien. Die Leistung von Sebastien Buemi in diesem Jahr ist nahezu makellos und so konnte er verdient das dritte Saisonrennen gewinnen und damit den ersten Sieg-Hattrick in der noch jungen Geschichte der Formula E einfahren.

Doch trotz Buemis Dominanz war das Rennen keinesfalls langweilig. Hinter ihm wurde energisch um das Podium gekämpft. Lucas di Grassi fiel zunächst zurück, sogar hinter Oliver Turvey bis auf Rang 5, konnte sich jedoch in der zweiten Rennhälfte wieder auf Rang 3 vorarbeiten und holte somit wichtige Punkte, um den Rückstand auf Buemi in der Meisterschaft nicht zu groß werden zu lassen. Der Unsafe Release gegenüber Nelson Piquet jr., der beim Fahrzeugwechsel um die Kurve in der Boxengasse gerauscht kam, als der Abt-Mechaniker gerade das Zeichen zum Losfahren gab, wurde zu di Grassis Glück diesmal nur mit Verwarnung und Geldstrafe geahndet – konsistente Regelauslegung sieht anders aus, hier scheint die FE der F1 nachfolgen zu wollen… Di Grassis Teamkollege Daniel Abt fuhr nach schwacher Quali ein starkes Rennen und konnte sich von Startplatz 16 auf Rang 7 vorkämpfen. Er trug damit wesentlich zu den spektakulären Gruppen-Fights im Mittelfeld in der zweiten Rennhälfte bei, kam aber sauber durch diese hindurch.

Nicolas Prost wurde zum dritten Mal in dieser Saison Vierter – sein Stammplatz. Einen starken zweiten Rang holte sich Jean-Eric Vergne, der diesmal mit der Energie gut haushalten konnte. Er konnte am Ende sogar ein wenig auf Buemi aufholen, doch der verwaltete zu diesem Zeitpunkt wohl schon seinen Vorsprung, der im Maximum 5 bis 6 Sekunden betrug, am Ende noch knapp 3 Sekunden. Unter den NextEV-Piloten zeigte sich Oliver Turvey in der ersten Rennhälfte stärker als Piquet jr., der sich nach hinten verteidigen musste, während der Brite Anschluss nach vorn hielt. Doch der verlor zunächst beim Fahrzeugwechsel drei Plätze und hatte dann Temperatur-Probleme mit dem zweiten Auto, sodass am Ende nur Platz 9 blieb – Piquet konnte sich mit einem konstanteren Rennen Rang 5 sichern.

Leider nicht in den Kampf um das Podium eingreifen konnte Felix Rosenqvist: Gestartet von Platz 8 hielt er sich in der ersten Rennhälfte im Bereich der Plätze 6 und 7, sparte dabei jedoch – wie sein Teamkollege Nick Heidfeld – Energie, um den Fahrzeugwechsel eine Runde später vornehmen zu können. Dies gelang nur knapp und mit einer langsamen In-Lap, die die Strategie ohnehin schon zunichte machte, doch dann wollte das zweite Auto nicht starten und alle Konkurrenten zogen vorbei. Als der Wagen schließlich doch noch ansprang, blieb dem Schweden nichts mehr übrig, außer die schnellste Rennrunde zu fahren und sich einen Punkt zu sichern. Auch für Heidfeld rentierte sich die Strategie nicht; er konnte sich zwar zwischenzeitlich auf Rang 11 vorkämpfen, wurde jedoch wegen Unterschreiten der Mindestzeitvorgabe beim Boxenstopp um 0,4 Sekunden bestraft und landete am Ende auf Rang 15.

75 Punkte hat Sebastien Buemi nun nach drei Rennsiegen auf seinem Konto, Lucas di Grassi auf Rang 2 ist mit 46 Zählern schon ein perfektes Rennwochenende (Sieg, Pole und schnellste Runde ergeben maximal 29 Punkte) zurück. Drei vierte Plätze addieren sich für den zweiten Renault-Mann Nicolas Prost zu Gesamtrang 3, zehn Zähler hinter di Grassi, Vergne, Rosenqvist, Bird und Heidfeld sind mit 22 bis 17 Punkten auf dem Konto schon deutlich abgeschlagen. Folgerichtig sieht es auch in der Teamwertung gut aus für Renault e.dams, 111:60 lautet der Stand gegen den ärgsten Rivalen Abt Schaeffler Audi Sport; Mahindra Racing bleibt mit nur einem am Wochenende geholten Punkt (Rosenqvists schnellste Rennrunde) zwar auf Rang 3, fällt aber hinter den beiden Führenden, die gut gepunktet haben, deutlich zurück.

Alles beim Alten also? Buemi mit Raketenstart in die Saison, di Grassi als ärgster Verfolger, Renault vs. Audi, wie im Vorjahr, nur deutlicher? Der nächste Lauf wird das Bild weiter verdeutlichen, am 1. April wird auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexico-City gefahren – wie im Vorjahr auf einer um einige Schikanen und einen Haken durchs Stadion ergänzten Variante des dortigen Oval-Kurses. 2016 siegte dort Jerome d’Ambrosio – nachdem Lucas di Grassi, der als Erster durchs Ziel gefahren war, disqualifiziert wurde, da eines seiner Autos zu leicht war.

(Bilder: Formula E Media)