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NASCAR: Johnson vor Titelverteidigung

von DonDahlmann
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Es war schon sehr eindrucksvoll, was Jimmie Johnson gestern in Phoenix, einer seiner Lieblingsstrecken, abgeliefert hat. Pole Position, die meisten geführten Runden im Rennen und natürlich der Sieg, den sein Team schon wie die den Gewinn der Meisterschaft feierte. Carl Edwards, einzig verbliebener Konkurrent, kam während des gesamten Rennens nicht so richtig in Schwung. Er kämpfte verbissen, fand sich aber die meiste Zeit in beinharte Zweikämpfe mit anderen Fahrern verwickelt. Aber ohne die Kämpfe im Mittelfeld fehlte Edwards der Speed, um Johnson auch nur ansatzweise gefährden zu können. Den Aufreger des Abends lieferte aber ABC ab.

Denn der Sender stieg rund 20 Minuten vor Ende des Rennens in bestimmten Gebieten der USA aus der Live-Übertragung einfach aus. Nicht, weil was wahnsinnig wichtiges passiert sei, oder eine andere Live-Show auf die Zuschauer wartete, sondern weil man eine Aufzeichnung von „Americans funniest Homevideos“ zeigte. Betroffen waren die Zuschauer an der Ostküste und die in der „Central-Time“ Zeitzone leben. Nur der Westen, also „Mountain Time“ und „Westcoast Time“ konnten sich das Rennen weiter auf ABC anschauen. Der Rest musste, wenn er es denn im Programmpaket hatte, zu ESPN 2 wechseln. Das war oberflächlich betrachtet ein ziemlich starkes Stück, wenn man bedenkt, dass die NASCAR an dern Ostküste die meisten Zuschauer hat, ABC ausdrücklich wegen es des Chase eingestiegen ist und dieser sich beim Rennen in Phoenix entscheiden konnte. Es wäre etwas so, als würde RTL Runden vor Schluss aus dem Übertragung eines Formel Eins Rennens aussteigen würde, weil man eine Folge „Veronas Welt“ zeigen möchte. Aber die Sache ist etwas komplizierter.

Schuld an der langen Übertragung war eine Unterbrechung wegen Regens und eine wegen eines Unfalls. Der Ablauf verzögerte sich um gut 30 Minuten, was so nicht geplant war. Dadurch und durch die unterschiedlichen Zeitzonen entstand für ABC das Problem, dass das Rennen in die Primetime rein lief. Und da sind die Prioritäten klar, denn das NASCAR Rennen hat vielleicht 5 Millionen Zuschauer, AFH hat 12 Millionen. Man kann ABC nicht zumuten, dass sie die gesamte Primetime inkl. der Nachrichten um eine halbe Stunde verschieben, nur wegen eines NASCAR Rennens. So was macht man allerhöchstens, wenn es um die Playoffs in der NFL geht. Die Schuld liegt da eher bei der NASCAR, die das Problem vorher hätte erkennen müssen. Statt um 13.00 Uhr zu starten, hätte man auch um 12.00 Uhr los legen können. Es wird zu dem schon seit langem gefordert, dass die NASCAR die Sonntagsrennen allgemein früher starten lässt. Nicht um 14.00, sondern um 12.00 Uhr. Den Übertragungspartner mit solchen engen Schedules ins Schwitzen zu bringen, ist auch nicht gerade gut geplant.

Aber zurück zum Rennen. Das war eher so mittel, was die Spannung an der Spitze anging, aber dafür ging es weiter hinten gut zur Sache. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft und am Ende gab es kaum einen Wagen, der ohne Kratzer davon gekommen wäre. Das war herzerfrischender Motorsport mit viel Spannung und zwischendurch habe ich mir schon mal gewünscht, dass es vorne genauso abgehen würde. Aber da zog Jimmie Johnson mehr oder weniger einsam seine Runden. Am Anfang konnte ihm noch Jamie McMurray die Führung abluchsen, aber nach ein paar kleinen Änderungen am Setup, war Johnson nicht mehr zu stoppen. Erstaunlicherweise war es Kurt Busch samt seines neuen Motors von Dodge, der einigermaßen mithalten konnte, aber eine echte Chance hatte er zu keiner Zeit im Rennen.

Carl Edwards mühte sich derweil im vorderen Mittelfeld. Er brauchte Ewigkeiten um in die Top 10 zu gelangen, nur um dann wegen eines Staus in der Boxengasse, wieder zurück zu fallen. Er hatte an diesem Wochenende einfach nicht das Material um Johnson gefährden zu können und dass er am Ende auf Platz vier kam, war schon fast ein kleines Wunder. Aber das bedeutet auch, dass die Meisterschaft so gut wie weg ist. Johnson führt nun mit 141 Punkten. Die Rechnung ist denkbar einfach:

Für einen Sieg bekommt man 185 Punkte. Eine Führungsrunde gibt 5 Bonuspunkte, hat man am Ende die meisten Führungsrunden kommen 5 weitere hinzu. Bei der NASCAR gibt es aber schon Punkte, wenn man antritt. Startet Johnson am kommenden Wochenende, also ist er auf der Strecke, wenn die grüne Flagge fällt, wird er schon mal mindestens 43. und bekommt so 34 Zähler hinzu. Macht 175 Punkte, die Edwards noch aufholen müsste. Da er maximal 195 Punkte holen kann, muss Johnson nur 36. oder besser werden, um seinen dritten Titel zu holen. Sollte also kein Problem sein. Doch bei seinem Teamkollegen Jeff Gordon ging gestern der Motor hoch und das erst in Runde 266 (von 313). Da bis zu dem Zeitpunkt nur zwei weitere Fahrer ausgefallen waren, landete Gordon nur auf Platz 41. Möglich ist also noch alles, doch Edwards kann nur noch gewinnen, wenn Johnson früh komplett ausfällt. Und er müsste, wie erwähnt, erst einmal gewinnen.

Gestern tauchte im Chat auch die Frage auf, wie es eigentlich in der Meisterschaft aussehen würde, wenn das klassische Punktsystem noch gelten würde. Die Antwort: es wäre spannender in Sachen Meisterschaft. Denn nach dem alten System würde Johnson nur mit 56 Punkten vor Edwards führen. Hier würde dann gelten, dass Edwards seine 195 Punkte einsammeln müsste, während Johnson dann mindestens auf Platz 10 einlaufen müsste. Das wäre in diesem Jahr sicher etwas dramatischer geworden. Kyle Busch hätte aber auch nach diesem System keine Chance mehr auf den Titel.

Kann man sich jetzt drüber streiten, ob der Chase Sinn macht. In Sachen Meisterschaft sieht es vielleicht so aus, als ob man ohne gerade mal besser dran wäre, aber es gab auch schon viele Jahre, in denen die Rennen ab Oktober praktisch bedeutungslos waren. Dazu kommt, dass die Idee, den Siegern des Jahres für den Chase 10 Bonuspunkte zu geben, dazu geführt hat, dass man auch während der Saison mehr leisten muss. Nur mitschwimmen reicht nicht mehr aus, was den Rennen während der Saison sichtlich gut tut.

Nächste Woche folgt also das Grand Final der NASCAR in Miami. Johnson ist noch nicht komplett durch, aber nach seinem eindrucksvollen Sieg in Phoenix wird ihm kaum einer mehr die dritte Meisterschaft in Folge absprechen können.

Und sonst?
Hier mal die Vorschau, was in diesem Jahr noch so an Motorsport kommt. Ist gar nicht mal so wenig. Die Winterpause ist auch dank A1 und GP2 Asia erstaunlich kurz. Das letzte „echte“ Rennwochenende ist am 07.12, das erste in 2009 schon am 24./25.01 mit der A1 in Neuseeland und den 24 H von Daytona. NASCAR geht am 07.02 mit dem Budweiser Shootout wieder los.

16.11. Macau (MO) WTCC
16.11. Homestead-Miami Speedway NASCAR
23.11. San Luis (RA) FIA GT
23.11. Launceston (AUS) V8 Supercars
23.11. Sepang (MAL), A1 GP
23.11. Jerez, (ES) Superleague Formula
04.12. Dubai, Speedcarseries
05.12. Dubai, GP2 Asia
07.12. Oran Park Raceway, Sydney V8
14.12 Wembley Stadium (GB), Race of Champions

10.11.2008

Aufz. 12:00 Uhr IRL St. Petersburg Premiere
Aufz. 14:00 Uhr F3 ATS Cup Saison 2008 Premiere
Aufz. 19:15 Uhr NASCAR Phoenix Premiere
Aufz. 20:15 Uhr A1 GP Chengdu Premiere
Aufz. 21:25 Uhr V8 Supercars Bahrain MotorsTV
Aufz. 21:45 Uhr F3 ATS Cup Saison 2008 Premiere
Aufz. 22:15 Uhr NASCAR Phoenix Premiere
Aufz. 23:35 Uhr LMS Saison 2008 MotorsTV

 

11.11.2008

Aufz. 11:50 Uhr IRL Japan Premiere
Aufz. 13:05 Uhr Porsche Supercup Saison 2008 MotorsTV
Aufz. 13:50 Uhr A1 GP Chengdu Premiere
Aufz. 14:00 Uhr V8 Supercars Bahrain MotorsTV
Aufz. 15:20 Uhr NASCAR Phoenix Premiere
Aufz. 20:00 Uhr F3 ATS Cup Saison 2008 Premiere
Aufz. 20:30 Uhr A1 GP Chengdu Premiere

 

12.11.2008

Aufz. 12:00 Uhr IRL Kansas Premiere
Aufz. 14:00 Uhr NASCAR Phoenix Premiere
Aufz. 16:35 Uhr LMS Saison 2008 MotorsTV
Aufz. 16:55 Uhr NASCAR Phoenix Premiere

 

13.11.2008

Aufz. 10:00 Uhr V8 Supercars Bahrain MotorsTV
Aufz. 11:50 Uhr IRL Indy 500 Premiere
Aufz. 13:05 Uhr International GT Barcelona MotorsTV
Aufz. 14:35 Uhr F3 ATS Cup Saison 2008 Premiere
Aufz. 15:45 Uhr Porsche Supercup Saison 2008 MotorsTV
Aufz. 22:00 Uhr NASCAR Phoenix Premiere

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3 Kommentare

xeniC 10 November, 2008 - 18:40

Jimmie einfach grandiose Vorstellung. Seit drei Jahren sowas von beeindruckend wenn es um den heißen Brei geht! Eins A!

Prometheus 11 November, 2008 - 03:55

Man kriegt mit Americas Funniest Homevideos mehr als doppelt so viele Zuschauer wie mit dem vorletzten Rennen der zweitbeliebtesten Sportart des Landes? Ich kapier die Amerikaner und ihre TV-Vorlieben nicht und wenn ich sowas sehe, will ich das auch ehrlich gesagt gar nicht kapieren…

underbreaker 11 November, 2008 - 17:50

Das mit den Startzeiten ist aber nur die halbe Wahrheit. Die späte Startzeit ist eine Reaktion auf den Wunsch der TV-Anstalten, die sich durch die spteren startzeiten bessere Quoten versprechen. Ziel ist es, die Rennen für die Westküste zu TV-freundlicheren Zeiten starten zu lassen. Startet man wie früher z.B. um 12 Uhr Mittags ET, ist es in LA erst um 9. Und das war den TV-Anstalten (federführend hier NBC mit dem TV-Deal 2001 bis 2006 zu früh.

Hier beißt sich also die Katze in den Schwanz, ABC wird hier Opfer der eigenen Philosophie. Ein gutes Beispiel ist auch Daytona 2003 gewesen, das durch Regen unterbrochen und letztendlich nur knapp über Halbzeit gebracht wurde. Auch hier war FOX federführend in der Entscheidung, dass Rennen nicht in der Dunkelheit fortzuführen (obwohl das Wetter es zugelassen hätte), um eine stark gepuschte Episode der Simpsons in der Prime Time zeigen zu können. Und ich meine, dass 2003 das erste oder 2. Jahr war, wo man Daytona nach 15.00 Uhr Ortszeit gestartet hat, auf Wunsch der TV-Anstalten.

Die Geister, die ich rief…

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