NASCAR – Regelauslegung
Das Dale Earnhardt jr. einen verdienten Sieg eingefahren hat, das bestreitet in den USA niemand. Allerdings gibt es eine Menge Kritik über die Art und Weise, wie das passiert ist. (Nur mal ein Link als Beispiel) Die Kritik entzündet sich an dem Umstand, dass Junior, während er in den Caution Runden vor dem letzten Restart den Motor an und aus machte, mehrfach am Pacecar vorbei gondelte um nicht bremsen zu müssen. Und da sind die Regeln, wie in allen anderen Rennserien der Welt, sehr eindeutig: Dass Pacecar darf nicht überholt werden, es sei denn, man wird dazu aufgefordert. Brian Vickers mokierte sich schon direkt nach dem Rennen über die laxe Auslegung der Regeln, und tatsächlich wunderten sich auch während der Übertragung die Kommentatoren von TNT, ob der Vorgang nicht ein Nachspiel haben würde. Normalerweise bekommt man wegen so etwas direkt die schwarze Flagge und darf sich hinten anstellen.

Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass man bei Junior beide Augen zugedrückt hat. Offenbar gab es einen dezenten Hinweis der NASCAR Racecontrol in Richtung Juniors Team, dass man dem Fahrer doch bitte mal auffordern solle, das vorsätzliche Überholen zu unterlassen, was Junior daraufhin auch tat. Und über diese sehr freundliche Zusammenarbeit zwischen der NASCAR und dem Team ist man in den USA zumindest in den Teilen, die nicht zu Juniors Fanlager gehören, einigermaßen verstimmt. Die Frage lautet: Hätte man so auch bei Kyle Busch, Matt Kenseth oder Brian Vickers reagiert? Eine nicht zu beantwortende Frage, denn bisher hat sich noch niemand getraut, dass Pacecar zu überholen. Bei Hendrick stellt man sich auf den Standpunkt, dass Junior ja nie überholt hätte, sondern sich immer wieder habe zurückfallen lassen. Überholen wäre ja, wenn man permanent vor dem Pacecar fahren würden, zum Beispiel um sich irregulär eine Runde zurück zu holen. Das habe der Fahrer nicht gemacht und zu dem sei er meist auf gleicher Höhe gewesen.

Die NASCAR Rennkontrolle steckte aber auch in einem Dilemma. Die Fans drehten gerade durch, wollte man da Junior, der sich zumindest in einer Grauzone des Reglements befand, nach hinten stellen? Wollte man “Junior-Nation” komplett gegen sich aufbringen und ein Scheunentor für Verschwörungstheorien öffnen? Oder das Team verwarnen? Man hat sich für letzteres entschieden, auch sicher mit Hinblick auf steigende Quoten nach einem Junior Sieg.

Ob das richtig oder falsch war? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber es gehört eben auch zu NASCAR, dass man den Stars etwas mehr Leine gibt und die Ausnutzung von rechtlichen Grauzonen war schon immer etwas, was die Serie – mal mehr und mal weniger – ausgezeichnet hat.

F1 – Bonjour Tristesse
Im letzten Jahr feierte das “Red Bull Magazin” und vermutlich 90% des gesamten Fahrerlagers, als man zum vermeintlich letzten Mal in Magny-Cours antrat. Der Kurs ist unbeliebt, weil er kaum Überholmöglichkeiten bietet und für die Zuschauer strebenslangweilig ist, in der Umgebung möchte man nicht mal tot überm Zaun hängen. Man könnte es vermutlich, ohne dass es einem auffallen würde. Magny-Cours ist mit einem Wort: öde. Warum tritt man also noch mal an?

Weil sich Bernie Ecclestone verzockt hat. Er wollte in diesem Jahr entweder einen GP in Paris, oder einen in Disneyland veranstalten, doch einerseits zeigten sich die Pariser höchst unbeeindruckt von seinen Ideen, andereseits konnte man sich weder mit dem Disney Konzern, noch mit Versailles auf einen Vertrag, geschweige denn auf eine Streckenführung einigen. Was auch daran lag, dass Bernie wohl mal wieder zu viel Geld wollte. Die einzige Strecke, die in Frankreich noch F1 tauglich ist, liegt in Südfrankreich und heißt Paul Ricard, aber da wären wohl noch weniger Zuschauer gekommen, denn Ricard liegt ebenso in der Pampa wie Magny Cours. Da blieb 2008 also nichts anderes übrig, als noch einmal dort zu starten. Aber zum wirklich letzten Mal. Bestimmt. Wahrscheinlich. Mal sehen.

Und sonst?
Der ACO hat die “grandiose” Idee geäußert, ab 2009 eine weitere Protoypen Serie ins Leben zu rufen. In einer Art LMP3 sollen Privatfahrer ein Chassis von Oreca und einen V8 nicht genannter Herkunft erwerben, um im Rahmenprogramm der LMS ein einstündiges Rennen zu absolvieren. Das ist ja auch eher… hmmm… überflüssig? Braucht es vor einem 1000 KM Rennen, noch ein einstündiges Rahmenrennen? Man kann die Serie natürlich auch Samstags fahren lassen, aber welche TV-Station interessiert sich Samstagnachmittags, wenn überall Fußball läuft, für ein Rennen mit lauter No-Names? Besser wäre es gewesen, man hätte diese Serie in die LMS integriert. Wenn man Nachwuchsfahrer ranzüchten will, dann geht das wohl eher so.

In den Kommentaren wurde darauf hingewiesen, dass das IRL Rennen in Iowa wegen der dortigen Überschwemmungen terminlich ja nicht gerade günstig sei. Stimmt, aber die USA und auch Iowa sind groß und da, wo die IRL rumbraust, ist es mehr oder weniger trocken. Noch, jedenfalls.

Da bin ich wieder rechtzeitig zum nächsten F1 Rennen hier, und was ist… ich muss Freitag den ganzen Tag arbeiten und kann die Freien Sessions nicht live sehen. Ungerecht.

Auch super: Euro 2 zeigt morgen die Wiederholung von zwei Porsche Supercup Rennen aus dem April (!), eine Zusammenfassung des Le Mans Rennen ist weit und breit aber nicht in Sicht.

18.06.2008

Aufz. 18:45 Uhr   Indy Lights   Milwaukee   MotorsTV
Aufz. 19:40 Uhr   Belgian GT   Zolder   MotorsTV
Aufz. 20:00 Uhr   NASCAR SC   Michigan   Premiere
Aufz. 20:05 Uhr   GT Open   Vallelunga   MotorsTV