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NASCAR: Vorschau Indianapolis 2011

von KristianStooss
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Die einwöchige Pause ist vorüber und die NASCAR bricht nun mit einem Paukenschlag den enggesteckten „Rest“ des noch langen Jahres an: Das Brickyard 400, ein wahrer Klassiker und wohl der zweitwichtigste Meisterschaftslauf der Saison nach dem Daytona 500, leitet eine Marathon-Phase von 17 Rennen am Stück ein. Die Erholung ist vorbei, wir sind mitten im Endspurt auf den Chase und bei den Teams hat sich auch etwas getan!

Irgendwie ist so eine Unterbrechung im NASCAR-Kalender ja schon gefühlt ziemlich besonders, denn seit diesem Jahr gibt es nur noch drei kurze Pausen während der kompletten Saison. Das Off-Weekend um Bristol herum kurz vor Beginn des Chase gibt es seit 2011 nicht mehr. Diese Situation hat natürlich Vor- und Nachteile: Auf der einen Seite bietet man den Fans natürlich eine Menge Racing-Action am Stück, auf der anderen kann das große Angebot aber auch zu einer Übersättigung und damit dem Rückgang der TV-Quoten führen. Bei 36 Rennen pro Jahr, die jeweils ca. drei Stunden dauern, bietet der Sprint Cup momentan immerhin fast genau 4x so viel reine Rennzeit wie die Formel 1 an.

Da wollen die knappen freien Wochenenden natürlich gut genutzt werden, auch wenn viele NASCAR-Fahrer ihre Zeit schon gar nicht mehr anders zu verplanen wissen. Allen voran ist natürlich Kyle Busch immer regelmäßig in schnellen Autos zu finden und sei es nur bei lokalen Late-Model-Rennen. Seine bevorstehende Gerichtsverhandlung wegen Speeding auf offener Straße rechne ich hier mal nicht mit ein. Am vergangenen Wochenende waren zudem u.a. noch Carl Edwards (Sieg im Nationwide Rennen von Nashville) und Kasey Kahne nicht von der Rennstrecke fernzuhalten. Bei Kahne wurde es sogar ziemlich aufregend, denn er hatte einen nicht ungefährlichen Überschlag bei den Sprint-Cars zu überstehen. Dabei verabschiedete sich sein Wagen über den Fangzaun in die Walachei, was durchaus auch schlimmer hätte enden können. Kahne war allerdings in der Lage, sein Fahrzeug aus eigener Kraft zu verlassen.

Schön zu sehen, dass somit auch vielen Fahrern trotz 36 Punkterennen plus 2 Preisgeld-Events immer noch ziemlich langweilig ist, wenn sie nicht in einem Rennauto sitzen können. Ich für meinen Teil war ganz froh, mal eine Woche verschnaufen zu können, denn für mich bedeuten zehn Monate NASCAR im Jahr immerhin einen Output von mehr als 70 Artikeln pro Saison. Bleibt mir also nur, allen Fans viel Spaß beim Endspurt zu wünschen!

EIN Endspurt ist auch schon voll im Gange, nämlich derjenige auf die zwölf Plätze in den Playoffs, von denen zwei Teilnahmeberechtigungen seit diesem Jahr bekanntlich für die Fahrer mit den meisten Rennsiegen reserviert sind. Da könnte es an diesem Wochenende eine Veränderung in der Macht geben, denn immerhin ist der Sprint Cup auf dem legendären Indianapolis Motor Speedway unterwegs. Seit 1994 wildert die NASCAR im Revier der IndyCars und bis dato sind dort Jeff Gordon (4 Siege), Jimmie Johnson (3) und Tony Stewart (2) am erfolgreichsten geblieben. Diese drei Piloten holten sich zwischen 2004 und 2010 alles, was es am Brickyard für die Stockcars zu gewinnen gab.

Im letzten Jahr gewann Jamie McMurray nach dem Daytona 500 auch das (nach vielen Beobachtern) zweitwichtigste Rennen der NASCAR-Saison. Letztendlich musste McMurray aber trotz dreier Rennsiege alle Playoff-Hoffnungen begraben, da er im Durchschnitt nicht konstant genug unterwegs war. Für die Offiziellen war diese Situation vermutlich der Tropfen, welcher das Regeländerungs-Fass zum Überlaufen gebracht hatte, nachdem sich in den Jahren zuvor auch Kyle Busch und Matt Kenseth trotz einiger Rennsiege nicht für den Chase qualifizieren konnten.

Die Neuerungen im Punktesystem bringen nun also auch Piloten auf den Playoff-Plan, welche auf einzelnen Rundstrecken oder Ovalen stets die Nase vorn behalten. So sollte z.B. Juan Pablo Montoya schon seit zwei Jahren ganz sicher das Brickyard 400 gewinnen, wurde aber einmal wegen einer Durchfahrtsstrafe und ein anderes Mal wegen einer schlechten Boxenstopp-Strategie aus der Entscheidung genommen. Weil Letzteres in den vergangenen Monaten zu häufig vorkam, wurden während der einwöchigen Pause nun teamintern endlich Konsequenzen gezogen, um mit frischem Mut nach der Zäsur in den Rest des Jahres zu starten. Dazu gleich mehr…

Seit 2003 (Kevin Harvick) ist der Indianapolis Motor Speedway auf NASCAR-Seite fest in Chevrolet-Hand und ich glaube auch nicht, dass sich daran am Wochenende groß etwas ändern wird. Schaut man auf das Ergebnis des diesjährigen Pocono-Rennens, dann erwartet einen die ungefähre Stärkeverteilung für den Sonntag: Jeff Gordon gewann besagten Meisterschaftslauf vor Kurt Busch und dessen Bruder Kyle Busch. Dahinter positionierten sich fünf weitere Chevys in den Top10, ansonsten schafften es nur ein weiterer Toyota sowie überhaupt nur ein Ford unter die besten Zehn!

Pocono ist deswegen so gut mit Indianapolis zu vergleichen, weil beide Strecken ähnliche Charakteristika aufweisen und ein Turn des Triovals ist ja quasi sogar vom Brickyard geklaut, nämlich der Tunnel-Turn, also Turn 2. Indy und Pocono sind beide verhältnismäßig flach, verfügen über sehr lange Geraden und sind beide 2,5 Meilen lang, wobei auf die Nutzung von Restrictor-Plates wegen der verhältnismäßig geringen Kurvengeschwindigkeit verzichtet wird. Auf beiden Speedways kommt es darauf an, möglichst viel Schwung mit aus den Turns auf die Straightaways zu nehmen und zudem ist der Motor hier gefordert. Er muss zum einen lange im hohen Bereich drehen können, ohne nach 100 Runden den Geist aufzugeben und zum anderen über ein gutes Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich verfügen, damit man auf den Geraden nicht vom Hintermann geschnupft wird.

Beide Eigenschaften liegen den Motoren von Hendrick Motorsports und Penske Racing, wobei ich die Penske-Motorenabteilung im Bereich Drehmoment sogar noch vor der Meistermannschaft von Rick Hendrick sehe, das hat Kurt Busch in Pocono schon des Öfteren beweisen können. Dahinter reihen sich die Chevrolets vom Konkurrenten Earnhardt-Childress Racing Technologies und die Toyotas von Joe Gibbs Racing ein. Die Fords von Roush-Yates zeigen dagegen eher auf den 1,5-Meilern, was sie können, denn dort ist gleichmäßiges und konstantes Fahren wichtiger als bloße Stärke. Die Unterschiede zwischen den Geschwindigkeiten auf Geraden und in Kurven sind auf stark-überhöhten Intermediate-Ovalen kleiner als auf dem Brickyard, wo deshalb auch Shorttrack-nahe Bremsen eingesetzt werden müssen. Roush-Fenway Racing sehe ich daher in Indianapolis nicht in der Victory Lane, mit Glück kriegen sie zwei Fahrer in die Top10.

Wichtig wäre ein Sieg vor allem für Tony Stewart, Juan Pablo Montoya, Dale Earnhardt Jr und mit Abstrichen auf der Machbarkeitsskala auch Clint Bowyer. Das sind die Fahrer, welche am Wochenende eine gute Chance haben, sich für die Wildcards zu qualifizieren. Für jeden anderen Fahrer in den Top10 bedeutet ein Erfolg vor allem wichtige Bonuspunkte im Chase. Überraschen könnte auch Brad Keselowski im Penske-Dodge, der sich zwar knapp außerhalb der Top20 befindet, mit einem zweiten Saisonsieg aber ein ernsthafter Kandidat für die Wildcard-Plätze werden würde. Zusätzlich wird Carl Edwards seine Meisterschaftsführung am Sonntag vermutlich wieder verlieren, Jimmie Johnson oder Kurt Busch sind da die wahrscheinlichen Nachfolger, denn nur sieben bzw. elf Punkte trennen die Kontrahenten von der Spitze der Tabelle.

Die Pause war übrigens nicht ganz so ereignislos wie zunächst vermutet, denn insgesamt drei Crew-Chief-Wechsel gab es während des Off-Weekends zu verzeichnen:

– Nachdem Greg Biffles Crew-Chief Greg Erwin bei Roush-Fenway Racing seinen Hut nehmen musste, kam er keine sieben Tage später beim Partner-Rennstall von Richard Petty Motorsports unter und ersetzt dort Mike Shiplett an der legendären #43 (AJ Allmendinger).

– Weiter ging es wie oben angekündigt bei Earnhardt-Ganassi Racing wo Brian Pattie nach mehreren schlechten taktischen Entscheidungen in den vergangenen Rennen gehen musste. Er wurde teamintern gegen Jim Pohlman ausgetauscht, der zumindest schon Erfahrung als Car-Chief gesammelt hat. Hier wird man abwarten müssen, was die Zeit bringt. Pattie wurde übrigens nicht entlassen, sondern arbeitet zunächst seinen Nachfolger ein.

– Zu guter Letzt darf sich auch Jeff Burton über einen neuen Crew-Chief freuen, denn Richard Childress hatte nach der Hälfte der super-schlechten Saison wohl endgültig die Nase voll vom langjährigen Veteran Todd Berrier. Von Platz 25 geht Burton nun gemeinsam mit Luke Lambert auf die Jagd nach dem ersten Top10-Ergebnis des Jahres. Lambert ist ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, erst 28 Jahre alt und hat erfolgreich Maschinenbau studiert. Er ist seit 2005 bei RCR und seit 2008 Ingenieur an der #31. Auch hier muss erst abgewartet werden, ob es eine gute Entscheidung war. Bei den bisherigen Leistungen kann man aber absolut nichts mehr verlieren, was Lambert natürlich helfen dürfte.

Außerdem geht Kenny Francis nach dem Ende der Übergangssaison bei Red Bull gemeinsam mit Kasey Kahne zu Hendrick Motorsports. Kahne hatte ja schon vor einem Jahr einen Vertrag unterschrieben, um Mark Martin in der #5 zu ersetzen, während die Personalie Francis allerdings bisher unklar geblieben war. Der derzeitige Crew-Chief von Martin, Lance McGrew, wird dafür im nächsten Jahr in die Testabteilung versetzt und kümmert sich dort unter anderem um die Entwicklung der neuen CoT-Silhouetten, welche ab 2013 auf die Strecke gehen werden.

Noch etwas aus der Rubrik „Neueinsteiger und Rückkehrer“: Während Travis Pastrana am Wochenende sein erstes NASCAR-Rennen in der Nationwide Series fahren wird, gelang es Scott Speed, sich zunächst drei Cup-Rennen in der #37 von Max Q Motorsports zu sichern. Das Fahrzeug wird unter dem Dach von Front Row Motorsports vorbereitet. Dahinter steckt seit dem Daytona 500 Ex-Fahrer Larry Gunselman, welcher 2010 als Besitzer der #64 auf den Plan trat und in diesem Jahr die Owner-Punkte der #37 von FRM abkaufte. Mittlerweile ist das Team aber aus den Top35 herausgefallen, was bedeutet, dass Speed sich über den Speed ins Rennen fahren muss. Bei 13 Anwärtern auf acht Startplätze kann das aber auch gewaltig schiefgehen. Falls weitere Sponsoren gefunden werden können, hat Scott Speed sogar eine Chance, die Saison in der #37 zu Ende zu fahren.

Zum Abschluss wie gewohnt noch die Links zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie ein Zeitplan für das Wochenende:

Der Sprint Cup ist an diesem Wochenende zurück bei ESPN/ABC, die auch gleich den kompletten Fahrbetrieb am Samstag von SPEED übernommen haben. Das bleibt sicherlich nicht für den Rest der Saison so, doch bis zum Ende des Jahres muss man sich nun wieder öfter darauf einstellen, dass ein Qualifying mal auf ESPN2 zu sehen ist. Nationwide Series und die Trucks sind zwar ebenfalls in der „Race Capital of the World“ unterwegs, allerdings auf dem Lucas Oil Raceway. Dieser 0,68 Meilen lange Shorttrack mit 12° Banking und zwei 180°-Kurven ist früher als Indianapolis Raceway Park (IRP) bzw. zwischen 2007 und 2010 als O’Reilly Raceway Park (ORP) bekannt gewesen. Seit diesem Jahr hat die Strecke einen neuen Namenssponsor. Für die Nationwide Series ist es vermutlich der letzte Auftritt auf dem Oval, denn ab 2012 ist man gemeinsam mit dem Sprint Cup im bekanntesten Nudeltopf der Welt unterwegs.

Zusammengefasst gilt wegen der Aufteilung der TV-Sender: Freitag ab 19 Uhr SPEED einschalten, am Samstag ab 16 Uhr ESPN2. Am Freitag erhält der Cup übrigens eine zusätzliche Trainingseinheit auf dem Brickyard.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 29.07.
16:00 Uhr, Truck Series Practice, nicht im TV
17:45 Uhr, Truck Series Final Practice, nicht im TV
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
21:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
22:30 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED
01:30 Uhr, Truck Series Rennen (AAA Insurance 200), SPEED

Samstag, 30.07.
16:00 Uhr, Nationwide Series Practice, nicht im TV
16:00 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, ESPN2
17:30 Uhr, Nationwide Series Final Practice, ESPN2
20:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, ESPN2
22:30 Uhr, Nationwide Series Qualifying, ESPN2
01:30 Uhr, Nationwide Series Rennen (30th Annual Kroger 200), ESPN

Sonntag, 31.07.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Brickyard 400), ESPN

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