Hier treten aufstrebende Youngster, erfahrene Top-Profis und ehrgeizige Gentleman Drivers mit gleichem Material gegeneinander an: Die LMP2-Klasse ist gleichzeitig stabile Basis und Nachwuchsleiter für den Prototypen-Motorsport und das altehrwürdige 24 Stunden-Rennen an der Sarthe. LMP steht für Le Mans Prototype – für all jene Fans, die erst in der Hypercar-Ära dazu gekommen sind und sich über die Abkürzung wundern. Die Vorgänger der Hypercars waren die High-Tech-Fahrzeuge der LMP1-Klasse. Bereits seit den 1990er Jahren gab es darunter eine zweite (frühere mal „kleine“ bzw. leichtere) Prototypen-Kategorie, seit 2004 heißt diese „LMP2“. 2017 wurde das aktuelle Reglement mit dem Fokus auf Stabilität und Bezahlbarkeit eingeführt.
Auf der technischen Seite gibt es auch für 2026 nichts Neues zu vermelden: Alle Teams setzen auf das Chassis von Oreca, das sich schon vor Jahren als das beste der vier verfügbaren Modelle herausgestellt hat. Wer keinen Oreca 07 fährt, hat in Le Mans keine Chance, darum tut das auch keiner. Der 4,2l-V8-Motor von Gibson ist ohnehin Standard, ebenso wie die Goodyear-Reifen. Wir haben also de facto eine Einheits-Klasse, dafür aber keine Balance of Performance, das ist zur Abwechslung doch auch mal schön: Keine Diskussionen darüber, wer ein paar Kilo zuladen muss oder bei Top-Speed ein paar PS mehr abrufen darf. In der LMP2 kommt es auf die Menschen an – die hinterm Steuer, die am Kommandostand und die in der Box und im Fahrerlager, die alles am Laufen halten.
Erst 2028 – nach über zehn Jahren des aktuellen Reglements – wird es neue Autos in der LMP2 geben. Das Modell LMP2 hat sich – trotz der Fokussierung auf ein Chassis – bewährt und wird mittelfristig Teil des Starterfeldes beim Saisonhighlight in Le Mans bleiben, auch wenn die Klasse aufgrund der vielen Hypercar-Interessenten keinen Platz mehr in der World Endurance Championship hat. Dafür hat sie mit der European Le Mans Series (und der Asian Le Mans Series) ihre eigenen Spielfelder, wo sie die Top-Kategorie ist, und auch in der IMSA Sportscar Series sind neben den GTP/LMDh-Prototypen immer LMP2s am Start gewesen. (Ein Besuch eines ELMS-Events lohnt sich übrigens auch: der Preis inklusive Pit- und Grid-Walk ist sehr überschaubar und neben der Strecke geht es deutlich entspannter zu als bei der WEC. Wer also keine Lust auf den großen Andrang bei der WM hat, kann z.B. in Spa im Spätsommer ein schönes Motorsport-Wochenende verbringen.)
Die Zusammensetzung der Fahrer-Trios
Nochmal zu den Menschen hinterm Steuer: Anders als bei den Hypercars gibt es in der LMP2-Klasse Vorgaben dazu, Fahrer welcher Einstufungen sich ein Auto teilen dürfen. Bekanntlich kategorisiert die FIA die Fahrer*innen nach Erfahrung und Erfolgen als Platin, Gold, Silber oder Bronze ein. Maximal ein Platin-Pilot darf in der LMP2 auf einem Auto gemeldet sein. Mindestens ein Silber-Pilot muss Teil der Besatzung sein. Silber-Piloten können sowohl junge aufstrebende Profis sein als auch erfahrenere Semiprofis. Weil die noch nicht so erfahrenen Gentleman Drivers, die oft die Einsätze wesentlich mitfinanzieren, aber auch eine Chance auf Pokale haben möchten, wurde vor einigen Jahren die Pro-Am-Subkategorie innerhalb der LMP2 eingeführt. Hier muss mindestens ein Bronze-Pilot am Steuer sitzen. Die Autos sind aber die gleichen.
Gerade bei den Pro-Am-Besatzungen sind meist der Speed, die Konstant und die Zuverlässigkeit des Bronze-Piloten ausschlaggebend dafür, ob das Auto eine Chance auf eine gute Platzierung hat, denn hier sind die Unterschiede deutlich größer als zwischen den Top-Piloten an der Spitze. Was ein schwacher Bronze-Pilot an Zeit verliert, kann ein Gold-Fahrer in der Regel nicht gegenüber anderen Gold-Fahrern wieder gut machen. Gerne versuchen die Teams darum auch, einen guten Teil der Mindestfahrzeit ihrer schwächsten Piloten in langen Safety Car-Phasen unterzubringen, wenn es sich einrichten lässt. Das fahrerische Niveau an der Spitze des LMP2-Feldes ist aber immer sehr stark gewesen, denn hier versuchen sich auch viele Pilot*innen für Hypercar-Cockpits zu empfehlen.
Die einzelnen Teams und Fahrer
19 Teams stehen dieses Jahr am Start, mehr als in der gehypten Top-Klasse. Wie jedes Jahr möchte ich euch alle diese Teams und ihre je drei Fahrer kurz vorstellen, damit ihr euch ein Bild machen könnt, wie stark sie einzuschätzen sind, und wen ihr vielleicht anfeuern möchtet. Wir beginnen mit den Teams, die zwei Autos einsetzen, schauen dann auf die Pro-Am-Entries und dann auf die restlichen Ein-Wagen-Teams mit Profi-Besatzungen.
Klassensieger der LMP2 war im Vorjahr in Le Mans Inter Europol Competition, zum zweiten Mal nach 2023. Das Team um die polnische Großbäckerei-Familie Smiechkowski hat sich seit seinem Einstieg in die ACO-Welt 2016 (erst LMP3, ab 2019 dann LMP2) zu einem der Top-Teams der Klasse gemausert. Auch bei der Ausgabe 2026 sind sie wieder mit zwei Autos am Start, die beide zur Pro-Klasse gehören. In der #43 wird Jakub „Kuba“ Smiechkowski wieder von Tom Dillmann und Nick Yelloly unterstützt, das Sieger-Trio des Vorjahres ist also unverändert und damit wieder zu den Favoriten zu zählen. Die #343 wird von Porsche-Formel-E-Pilot Nico Müller, dem indischstämmigen US-Amerikaner Bijoy Garg (LMP2-Klassensieger in Le Mans 2024 mit United Autosports) und dem Franzosen Reshad de Gerus pilotiert, der mit 22 Jahren bereits vier LM24-Teilnahmen auf dem Konto hat und sich in den letzten Jahren auch sehr stark präsentiert hat. Auch dieses Auto muss man also auf dem Schirm haben.
Der Name United Autosports fiel bereits: Das britisch-amerikanische Team von Zak Brown und Richard Dean gehört seit 2017 zum LMP2-Establishment und konnte zweimal den Klassiker an der Sarthe gewinnen: 2020 und 2024. Das Top-Auto ist die #22 mit dem Ex-Peugeot-Hypercar-Fahrer Mikkel Jensen, dem Schweizer Gregoire Saucy, der 2021 aus dem nichts die europäische Formula Regional-Meisterschaft gewonnen hat und nun in Le Mans nach zwei GT3-DNFs erstmals in der LMP2 antritt, sowie dem jungen Schweden Rasmus Lindh, der über die IndyCar-Nachwuchsleiter gekommen und in der IMSA-Serie bei United Autosports gelandet ist (Daytona 24-Klassensieg 2025). Dieses Trio hat sicherlich auch einiges an Talent, ist aber in der Form frisch zusammengestellt und damit schwer einzuschätzen. Das zweite UA-Auto mit der #222 ist als Pro-Am-Starter gemeldet, da mit dem brasilianischen Finanzmanager Daniel Schneider ein Bronze-Pilot hinterm Steuer sitzt. Wie schon bei seinem Debüt im Vorjahr wird er von den beiden erfahrenen britischen Profis Ben Hanley und Oliver Jarvis unterstützt. Schneider hat aber (noch) nicht die Qualität, um ein Top-Resultat einzufahren, auch in der Pro-Am-Kategorie sehe ich stärkere Trios.
Zwei Autos bringt auch das deutsche Team Proton Competition von Christian Ried an den Start, nachdem der Hypercar-Einsatz als Porsche-Kundenteam durch den WEC-Ausstieg von Porsche im Winter beendet wurde. In der #9 sitzt – bei seiner vierten Le Mans-Teilnahme – der 21-jährige Jonas Ried, Sohn des Teamchefs, der im Vorjahr das Klassen-Podium nur knapp verpasste. An seiner Seite sind mit dem Briten Harry King (Meister der Porsche Carrera-Cups GB und Benelux) und dem Japaner Kakunoshin Ohta (Erfolge in Super Formula / Super GT) zwei Le Mans-Neulinge. Hier sollten die Erwartungen nicht zu hoch angesetzt werden, aber vielleicht kann dieses Trio für eine Überraschung sorgen. In der #44 (Pro-Am) sitzt die langjährige Proton-Verbündete und Bauunternehmer Horst Felbermayr Jr., der viele Jahre GT-Porsches gefahren ist, aber 2026 erstmalig in der LMP2 antritt. Mit dabei ist sein Sohn Horst-Felix Felbermayr für sein Le Mans-Debüt sowie der Mallorquiner Lorenzo Fluxa, der bei seinen ersten beiden Auftritten in Le Mans bereits gut unterwegs war. Hier geht es aber viel ums Lernen, große Sprünge erwarte ich von dem Trio nicht.
Algarve Pro Racing setzt die #25 unter eigenem Namen als Pro-Am-Entry ein: Michael Jensen (nicht zu verwechseln mit Mikkel Jensen) ist Unternehmensberater und Bronze-Pilot, der zum dritten Mal an der Sarthe am Start ist. Mit dem Ex-Formel E-Piloten Jake Hughes und dem jungen Italiener Enzo Trulli (Sohn von Jarno) hat er zwei LMP2- und Le Mans-Neulinge als Teamkollegen, sodass man sich hier fragen darf, wer von wem lernen muss. Mit dem #4-Oreca von Crowdstrike by APR wird ein weiteres Fahrzeug durch das portugiesische Team betreut. Hier ist mit dem Crowdstike-CEO George Kurtz ein inzwischen recht erfahrener LMP2-Racer am Start, der 2023 beim Le Mans-Debüt auch direkt den Pro-Am-Sieg holen konnte. Er wird unterstützt vom Briten Alex Quinn und dem deutschen Shooting Star Laurin Heinrich, der inzwischen das Porsche-Hypercar in der IMSA-Serie pilotieren darf. Auch wenn es Heinrichs erster LM24-Einsatz ist, sehe ich bei diesem Trio Potenzial für den Pro-Am-Sieg und vielleicht auch auf ein gutes LMP2-Gesamtresultat.
Das zweite mit US-Geld und unter US-Flagge antretende Team neben Crowdstrike by APR ist AO by TF, die anstelle des GT-Publikumslieblings „Rexy“ und des letztjährigen LMP2-Orecas namens „Spike“ diesmal den Pegasus „Rockie“ an den Start bringen. Es ist natürlich das gleiche Auto wie der Drache Spike, aber aufgrund eines neuen Sponsor-Deals mit Mobil 1 hat man sich ein neues Fabeltier-Design überlegt. Hier ist wieder Software-Unternehmer P.J. Hyett als Bronze-Pilot am Start, der nach Platz 2 im Jahr 2024 letztes Jahr die Pro-Am-Klasse gewinnen konnte. Dane Cameron ist aus dem Vorjahres-Siegertrio wieder mit am Start, aber nicht mehr der starke Louis Deletraz, der zu den Hypercars aufgestiegen ist. Seinen Platz übernimmt der Australier James Allen, der auch schon zwei Pro-Am-Klassensiege auf dem Konto hat. Mit Spike muss man also auf jeden Fall auch rechnen.
Auf dem Auto des luxemburgischen Teams DKR Engineering wird auch ein Logo prangen, das wir aus der IMSA-Serie kennen, nämlich das von John Faranos „Tower“-Unternehmensgruppe (Gerüstbau und Events, für die man praktischerweise temporäre Tribünen braucht). Der Kanadier Farano war 2019 schon einmal an der Sarthe, ist aber auch in den letzten Jahren IMSA gefahren, also durchaus schon ein erfahrener Bronze-Pilot in diesem Pro-Am-Auto. Mit Renger van der Zande hat er einen schnellen und Le Mans-erfahrenen Platin-Fahrer an seiner Seite. Für den 23-jährigen Mexikaner Sebastián Álvarez ist es erst der zweite Le Mans-Auftritt; er hat die Saison 2025 in den USA mit Farano bestritten, aber mit gemischten Resultaten.
Auch zum zweiten Mal in Le Mans, aber zum ersten Mal in der LMP2-Klasse, ist der US-amerikanische Chirurg und Uni-Professor Fred Poordad. Viel besser kennen wir aber seinen Co-Piloten und Teamchef Romain Dumas, der bei seiner 24. Le Mans-Teilnahme mit seiner eigenen Equipe RD Limited an den Start geht. Das Team gibt es schon lange, aber das große 24h-Rennen gehen sie erstmalig an. Als dritter Pilot ist Tristan Vautier am Start, der lange in der GT3-Welt am Start war, bevor er zu den Le Mans-Prototypen gewechselt ist. Auch wenn es Dumas zu wünschen wäre, rechne ich hier nicht mit einem Top-Ergebnis, auch nicht im Pro-Am-Feld. Auch das Team muss sich sicherlich erst einmal akklimatisieren, trotz aller praktischen Erfahrung seines Chefs.
Sehr stark innerhalb der Pro-Am-Kategorie, aber auch im gesamten LMP2-Feld, schätze ich dagegen AF Corse ein, die diese Subklasse bereits 2024 gewinnen konnten und auch 2025 vorn mit dabei waren. Kern der Truppe ist der französische Öl- und Gas-Unternehmer Francois Perrodo, für den das anstehende Rennen bereits die 14. Le Mans-Teilnahme in Folge darstellt. Der Brite Ben Barnicoat war 2024 beim Pro-Am-Sieg dabei, der Franzose Matthieu Vaxiviere letztes Jahr bei Platz 4. Hier ist also ein gut eingespieltes Team mit viel Erfahrung, das vielleicht um das LMP2-Gesamtpodium mitkämpfen kann, wenn sie gut durchkommen und ein paar Pro-Teams stolpern.
Als letztes Pro-Am-Team fehlt noch TDS Racing, wieder mal mit dem Schweizer Profi Mathias Beche, der auch schon zum Inventar bei dem Team und in Le Mans gehört. Er darf diesmal den deutsch-kanadischen Shopify-CEO Tobias Lütke unter seine Fittiche nehmen, der in Le Mans debütiert, aber auch sonst noch nicht wahnsinnig viel Erfahrung im Motorsport hat. 2024 hat er in den USA mit LMP3-Rennen angefangen, ist 2025 in die LMP2 der IMSA-Serie eingestiegen und hat in Daytona mit einem starken Team direkt den vierten Klassenrang geholt, außerdem ein Podium beim Petit Le Mans. Talent und Lernfähigkeit scheinen also da zu sein, trotzdem ist Le Mans nochmal ein anderes Kaliber. Mit Porsche-Werksfahrer Kevin Estre haben Beche und Lütke aber noch einen superstarken dritten Mann dabei. Wenn Lütke sich gut eingewöhnt, ist hier vielleicht ein gutes Pro-Am-Resultat möglich.
TDS Racing steckt daneben auch als Einsatzteam hinter Forestier Racing by Panis. Ex-F1- und LMP1-Pilot Olivier Panis sucht sich immer wieder neue Partner, um ein Team an den Start zu bringen. Diesmal hat er sich mit dem Logistik-Unternehmer Yves Forestier zusammen getan, dessen giftgrüne Autos ELMS-Fans aus der LMP3-Klasse kennen. Geblieben sind aber die beiden jungen Piloten Esteban Masson (der sich am Testtag im Toyota-Hypercar beweisen durfte, siehe Foto) und Oliver Gray, die im Vorjahr den LMP2-Titel in der ELMS geholt, aber in Le Mans den Klassensieg knapp verpasst haben. Neu hinzu kommt der 27-jährige Franzose Louis Rousset, der schon seit vielen Jahren von Yves Forestier unterstützt wird und nun mit dessen Unterstützung sein Le Mans-Debüt bestreiten darf. Den ELMS-Saisonauftakt in Barcelona hat dieses Trio gewonnen, aber ob Rousset schon die Reife für das LM24 hat, das muss er erst noch beweisen.
Fehlen noch die Pro-Teams, die nur ein Auto einsetzen. Hier beginnen wir mit IDEC Sport, dem Team der Lafargue-Familie, die ihr Geld mit Immobilien gemacht hat. Deren Mitglied Paul wird – wie in jedem Jahr seit 2017 – selbst am Steuer sitzen, zum dritten Mal in Folge mit dem inzwischen ebenfalls erfahrenen Niederländer Job van Uitert. Ganz frisch dabei ist aber der 19-jährige Valerio Rinicella, der letztes Jahr aus der Formel-Leiter in die Sportwagen-Prototypen herübergewechselt ist. In der Asian Le Mans Series konnte er direkt den Titel holen, aber mit Algarve Pro Racing. IDEC war in den letzten Jahren aber auch oft stark dabei – wenn der Rookie das Auto auf der Stecke hält, ist das Team nicht zu unterschätzen.
Auch bereits seit 2019 durchgehend dabei ist das französische Team Duqueine Racing, Neben dem Rennbetrieb bauen die Franzosen auch selbst eines der LMP3-Chassis, da ihr Background im Bereich der Zulieferung von Kohlefaser-Teilen für die Luftfahrt liegt. Duqueine bringt ein sehr interessantes Trio an den Start, zu dem auch die einzige Frau in der diesjährigen LMP2 gehört: Doriane Pin, die amtierende Meisterin der F1 Academy, die sich mit ihren 22 Jahren auch bereits in anderen Serien als Multitalent bewiesen hat. Beim Le Mans-Debüt mit Prema 2023 fiel ihr LMP2-Oreca allerdings aus, als Daniil Kvyat im Regen das Auto verlor. Mit Porsche-Werksfahrer Julien Andlauer und dem Niederländer Verschoor, der sich auf einen möglichen Hypercar-Einsatz mit McLaren vorbereitet, hat sie starke Teamkollegen. Verschoor ist allerdings ein Le Mans-Rookie und hat hoffentlich weniger Pech als in der Formel 2, wo er in seinem fünften Jahr Meisterschafts-Dritter wurde.
Auf seinen Durchbruch wartet noch das Team Vector Sport aus Silverstone, das 2026 zum fünften Mal dabei ist. Der Silber-gerankte Ire Ryan Cullen ist der Stammfahrer des Teams. Ihn unterstützt der junge Russe Vladsislav Lomko, der unter der Flagge von Grenada antritt; er hat 2024 schon mit Inter Europol auf dem LMP2-Podium gestanden. Außerdem dabei ist Pietro Fittipaldi, der zwar ein Platin-Ranking hat und ein schneller Qualifyer ist, aber nach seinem schweren Unfall bei der WEC in Spa 2018 bisher keine großen Erfolge mehr feiern konnte. Er ist als Journeyman fast jedes Jahr bei einem anderen Team zu finden – ein Podium wäre ihm zu wünschen, aber so richtig sehe ich es bei diesem Trio auch nicht.
Ein weiteres britisches Team ist Nielsen Racing. Hier versucht Jack Doohan nun, seine Karriere neu zu beleben, nachdem er 2025 nach nur wenigen Rennen aus dem Alpine-F1-Cockpit geflogen ist, um Platz für den mit mehr Geld ausgestatteten Franco Colapinto zu machen. Außerdem ermöglicht das Team dem 19-jährigen Briten Edward Pearson sein Le Mans-Debüt, nachdem er 2025 die EuroFormula Open mit Ihnen bestritten und zwei Rennsiege geholt hat. Den beiden Rookies zur Seite steht der Le Mans-erfahrene IT-Unternehmer David Heinemeier-Hansson bei seiner inzwischen dreizehnten Teilnahme. Ein Klassensieg in der LMP2 fehlt ihm noch, das gelang ihm nur 2014 im GTE-Aston Martin. Es ist ein sehr interessantes Trio, das ich gern weit vorne sehen würde, aber mit zwei Rookies wäre ein Top 5-Resultat schon eine größere Überraschung.
Bleibt als letztes noch das Schweizer Team CLX Motorsport, vormals bekannt als Cool Racing. Das L im Namen steht für den Co-Gründer und ehemaligen Peugeot- und Toyota-Piloten Nicolas Lapierre, der aber seit 2025 nicht mehr selbst fährt. Er ist mutig und vertraut seinen Oreca 07 gleich drei Teenagern an, ohne einen erfahrenen Piloten als Mentor (außer sich selbst). Adrien Closmenil aus Frankreich und Theodor Jensen aus Dänemark holten letztes Jahr den LMP3-Titel in der European Le Mans Series. Der Mexikaner Ian Aguilera war 2024 Vizemeister der Ligier European Series, 2024-25 Vizemeister der LMP3-Klasse in der Asian Le Mans Series und holte letztes Jahr auch Podien in der ELMS-LMP3 hinter seinen beiden jetzigen Teamkollegen. Auf dieses Nachwuchs-Trio aus der Prototypen-Nachwuchsleiter bin ich sehr gespannt. Wie sie sich gegen Konkurrenten mit einem oder zwei Dutzend Le Mans-Teilnahmen oder ehemalige F2- und F1-Piloten sowie Hypercar-Werksfahrer schlagen, darauf werde ich (auch im Live-Ticker hier im Racingblog) ein Auge haben.
Ausblick
Ich verfolge die LMP2 seit Jahren mit großem Interesse, auch wenn sie neben den Hersteller-orientierten Klassen Hypercar und LMGT3 gerne etwas untergeht. Gerade, seit es wieder so viele Autos und Marken in der Top-Klasse gibt, kommt die LMP2 in den TV-Übertragungen gerne etwas zu kurz. Es lohnt sich aber, die Klasse über den Zeitenmonitor im Blick zu haben, denn in dem großen Feld mit einheitlicher Technik spielen sich oft spannende Geschichten ab und gerade zum Ende hin ist es in den letzten Jahren auch oft eng und / oder dramatisch geworden. Von Aufholjagden nach Problem in der Anfangsphase über technische Hakler in der letzten Stunde bis hin zu Duellen von Top-Piloten auf höchstem Niveau um die Podiumsplätze wird in der LMP2-Klasse immer wieder spannender Motorsport geboten. Also: Hinschauen lohnt sich!













