Nach den Hypercars und den LMP2 dürfen natürlich auch die „seriennahen“ GT-Wagen in Le Mans nicht fehlen! Die LMGT3 geht mittlerweile schon in ihr drittes Jahr und ist nicht nur die mutmaßlich offenste Klasse im Vorfeld, sondern auch zahlenmäßig die größte Kategorie der diesjährigen Ausgabe.
Das Feld strukturiert sich an den 18 Stammteilnehmern aus der WEC (pro Hersteller mit zwei Fahrzeugen) sowie sieben Gaststartern, die sich ihren Startplatz über Gesamtergebnisse aus der European Le Mans Series, der Asian Le Mans Series, der GT World Challenge Europe und über eine Einladung aus der IMSA verdient haben. Unterschiede bei den Marken gibt es im Vergleich zum letzten Jahr nicht.
Porsche

Seit Bestehen der LMGT3-Klasse ist Manthey Racing ungeschlagen, 2024 mit dem Sieg für das Trio unter „Manthey EMA“ mit Lietz/Schuring/Shahin und 2025 unter „Manthey 1st Phorm“ mit Hardwick/Lietz/Pera. Was fällt auf? Richarda Lietz konnte auch nach dem Ende der erfolgreichen GTE-Ära mit dem unvergessenen 911 RSR weitere Klassensiege hinzufügen. Die #92 geht leicht verändert im Vergleich zum Siegertrio des letzten Jahres mit Yasser Shahin, Riccardo Pera und Richard Lietz unter „The Bend Manthey“ ins Rennen, aufgrund des Besitzes der australischen Rennstrecke von Yasser Shahin. Dieses Trio führ nach zwei dritten Plätzen auch die Weltmeisterschaft an. Das im Vergleich zur #92 schnellere Fahrzeug beim Test war jedoch die #91 mit James Cottingham, Timur Boguslawski und dem DTM-Meister Ayhancan Güven. Mit der langjährigen Erfahrung, auch schon aus der GTE-Ära und zwei sehr ausgeglichenen Fahrertrios geht Manthey auch dieses Jahr als Favorit ins Rennen. Neu im Vergleich zum letzten Jahr ist der Wegfall des Iron Dames Porsche, der eben durch die #91 mit Nennung von „Manthey DK Engineering“ ersetzt wurde.
Ferrari

Bezieht man die lange GTE-Ära mit ein, hieß das Le-Mans-Duell in der GT-Klasse häufig Porsche gegen Ferrari! So war es auch im letzten Jahr, als AF Corse auf dem zweiten Klassenrang landete. Die beiden Vista AF Corse #21 mit Francois Heriau/Simon Mann/Alessio Rovera und #54 mit Thomas Flohr/Francesco Castellacci/Davide Rigon sind als Stammteilnehmer seit dem letzten Jahr unverändert, was sonst kein anderer GT3-Hersteller vorweisen kann. Eine Konstanz, die im Langstreckensport nie zu unterschätzen sind. Die #54 konnte die schnellste Zeit im Test vorweisen.
Hinzu kommen drei Fahrzeuge als „Ergänzung“, da Ferrari von den Zusatzstartplätzen am meisten profitieren konnte. Kessel Racing konnte gar zwei Startplätze rausfahren, unter anderem durch den

Meistertitel von Dustin Blattner/Lorenzo Patrese/Dennis Marschall im Bronze Cup der GTWC des letzten Jahres, was wir hier im Blog immer wieder thematisiert haben. Dazu kommt noch ein drittes AF Corse Fahrzeug mit Richard Mille Sponsoring, gefahren von Custodio Toledo, Lilou Wadoux und Riccardo Agostini. Etwas auffällig waren die Topspeed-Werte beim Test, bei dem Ferrari mit mehreren Autos unter der üblichen 290er Schallmauer geblieben ist.
Corvette

Der einzige Hersteller neben Ferrari und Porsche, für den Le Mans kein Neuland nach dem Ende der GTE-Ära war, ist selbstverständlich Corvette. Immerhin war es jener Hersteller, der das letzte Jahr der alten Kategorie 2023 gewinnen konnte. Die Speerspitze ist die #33, die mit Ben Keating und Nicky Catsburg zwei der damaligen Gewinner auf dem Auto hat. In Imola fuhren sie beim Saisonstart nur zwei Zehntel am Klassensieg vorbei. Das Corvette-Programm von TF Sport wird ergänzt durch die #34 unter der Nennung des „Racing Team Turkey by TF“ mit Peter Dempsey/Salih Yoluc/Charlie Eastwood, die eine gute Ergänzung im Rennverlauf bilden könne, auch wenn hier schon ein Unterschied in der Fahrerqualität erkennbar ist.

Wie auch Ferrari hat Corvette von den zusätzlichen Startplätzen profitiert. Über die im Winter ausgetragene Asian Le Mans Series konnte sich mit Prinz Jeffri Ibrahim/Afiq Ikhwan und Ben Green ein dritter TF Sport Wagen qualifizieren. Aus der IMSA kommt noch der Entry vom kanadischen Team 13 Autosport mit Orey Fidani/Lars Kern/Matthew Bell hinzu, die eine gute Rolle im Rennen spielen könnten.
Was beim Test sehr auffällig war: Die Corvette haben mit allen vier Autos die Topspeed-Tabelle angeführt. Mit 296 Km/h war die schnellste Corvette damit fünf Km/h über dem Bestwert des ersten BMW, was eine BOP-Anpassung vermuten lässt. Andernfalls würde die Corvette wohl kaum einholbar im Rennen sein.
Aston Martin

Einer der langjährigen GT-Teilnehmer ist selbstverständlich auch Aston Martin, wo es teamseitig ein paar Rochaden im Vergleich zur letzten Saison gab. Nachdem 2025 noch der Einsatz beider WEC-Stammautos durch „Heart of Racing Team“ und „Racing Spirit of Léman“ aufgeteilt wurde, ist das Heart of Racing Team mit beiden Autos über die ganze Saison betraut. Der zweite Platz in Spa hat gezeigt, dass die Mannschaft strategisch gut aufgestellt ist, auch wenn sie am Le-Mans-Testtag erstmal nur im Mittelfeld zu finden waren. Fahrerisch sind sie mit der #27 (Ian James/Zacharie Robichon/Mattia Drudi) erstklassig aufgestellt, da Ian James zu den besten Bronze-Fahrern im Feld zählt, was bekanntlich oft das Zünglein auf der Waage ist. Die #23 wird wohl mit Gray Newell/Eduardo Barrichello/Jonny Adam nicht die große Rolle spielen können.
Auch wenn sie ihren Stammplatz in der WEC verloren haben, konnte sich Racing Spirit of Léman (nicht zu verwechseln mit Le Mans!) den Startplatz für Le Mans erkämpfen und geht mit den bereits aus Le Mans bekannten Clement Mateu, Marius Fossard und Valentin Hasse-Clot ins Rennen.
BMW

Nun kommen wir zum ersten Hersteller, der erst durch die Einführung des GT3-Reglements wieder in die GT-Klasse zurückkam, auch wenn wir das kurze Gastspiel mit dem BMW M8 GTE nicht verschweigen möchten (auch wenn es BMW wohl nach dem mäßigen Erfolg selbst gerne verschweigen würde). Im Vergleich zu anderen Herstellern gab es bei WRT auffallend viele Fahrerrochaden, was indirekt auch mit der Abwanderung von Valentino Rossi in die GT World Challenge zusammenhängt. In der #32 setzt man mit Darren Leung/Sean Gelael und Augusto Farfus jedoch auf Kontinuität. Dieses Trio konnte 2024 im ersten LMGT3-Jahr den zweiten Platz einfahren. Jedoch konnte für den Klassensieg in Imola das neuzusammengestellte Schwesterfahrzeug mit Anthony McIntosh/Parker Thompson/Daniel Harper sorgen. Vor allem McIntosh hat sich mittlerweile als sehr guter Bronze Pilot etabliert, was den immer wichtiger werdenden Markt für die Gentleman-Driver verdeutlicht. Auch beim Test war die #69 der schnellere der beiden M4 Evo.
Für BMW gilt wie immer, dass sie bereits in der Qualifikation vorne sein müssen, um nicht in den Startstunden zu viel an Boden zu verlieren, da die Wettervorhersage eher für ein ruhiges Rennen ohne allzu viele Neutralisationen spricht. Auch die erwartet heißen Temperaturen könnten für das BMW-Konzept eher von Nachteil sein.
Ford

Nach den spektakulären Jahren mit dem radikalen Ford GT, hat sich mittlerweile auch das Kundenprogramm mit Proton Competition und dem Ford Mustang GT3 etabliert. Auch wenn sie WEC-Saison bisher eher harzig gelaufen ist, zeigen sie seit dem letzten Jahr immer wieder, dass sie mit den etablierten Herstellern auf Augenhöhe sein können. Und welche Strecke wäre wohl besser geeignet als Le Mans für den Mustang? Was jedoch das Ford-Programm von Proton mit jenem von Haupt Racing in anderen Serien gemeinsam hat, sind die permanenten Fahrerrochaden, was möglicherweise ein Grund für die schwachen WEC-Ergebnisse ist. Weitgehend gewohntes Personal findet sich in der #77 mit Eric Powell/Ben Tuck/Sebastian Priaulx wieder, während in der #88 mit Stefano Gattuso/Gianmarco Levorato und Logan Sargeant sogar ein früherer F1-Pilot sein GT3-Debüt in der neuen Konstellation gibt.
Kaum ein Hersteller ist wohl so schwer einzuschätzen wie die beiden Mustang. Beim Test befanden sich beide Autos lediglich um die 20. Position wieder, weshalb von Anpassungen auszugehen ist, da auch die Topspeed-Werte nicht dem eigentlichen Niveau des Autos entsprochen haben. Für Ford wird es das letzte Jahr sein, bevor sie zusätzlich in die Hypercar-Klasse einsteigen.
McLaren

Das ebenfalls vorerst letzte Jahr als exklusiver GT-Hersteller wird McLaren bestreiten. Die Vorbereitung für das LMDh Programm brachte den wohl größten Einschnitt aller GT3-Marken mit sich, nämlich den Wechsel des kompletten Einsatzteams von United Autosports hin zu Garage59, die den Lesern der GTWC-Artikel und des GT3-Reports natürlich ein Begriff sind.
Trotz der anderen BOP, die in der WEC mit Drehzahlsensoren gemessen wird, hat Garage59 den Wechsel erstaunlich gut hinbekommen, was beim Saisonstart in Imola fast für einen Klassensieg gereicht hätte, wenn nicht der Defektteufel zugeschlagen hätte. In Spa hat es dann allerdings für den Sieg gereicht.
Die Auftritte bei den 24 Stunden Rennen in Spa haben in den letzten Jahren immer wieder das wachsende Potenzial des McLaren andeuten lassen. Die #10 gehört als Sieger des WEC-Rennens in Spa fahrerisch mit Antares Au/Thomas Fleming/Marvin Kirchhöfer definitiv zu den Siegfavoriten. Antares Au kennt man sonst eher von den Einsätzen mit Rutronik in der GT World Challenge, die extra wegen ihm den Porsche behalten haben, was nebenbei für die starke Finanzkraft des Hongkong-Chinesen spricht! Die #58 fährt mit Alexander West ein ebenfalls etablierter Gentleman-Driver mit McLaren-Routinier Benjamin Goethe und Finn Gehrsitz, der aus dem Lexus gewechselt ist.
Man kann durchaus diskutieren, ob McLaren zumindest fahrerisch auf einer Stufe mit den Favoriten von Porsche und Ferrari ist.
Mercedes

In das zweite Jahr nach Le-Mans-Comeback startet nun Mercedes, die man für gewöhnlich zu den Siegfavoriten in einem GT3-Feld zählen muss. Doch wer die WEC-Einsätze verfolgt, wird schon gemerkt haben, dass dies nicht für die WEC-Einsätze zählt. Ohnehin stand das Projekt durch die finanzielle Schieflage von Iron Lynx nach der letzten Saison auf der Kippe und konnte nur durch finanzstarke Privatiers aufgefangen werden. Dass sich die Unterstützung aus Affalterbach eher in Grenzen hält, zeigt die Tatsache, dass mit Maxime Martin nur ein Werksfahrer in der #61 neben Martin Berry und Rui Andrade eingesetzt wird, während die #79 mit Johann Zelger/Matteo Cressoni/Lin Hodenius ein reines Privatiers-Fahrzeug ist.
Weil es über die GT-Klasse der ALMS zwei Gastplätze gibt, konnte wie schon letztes Jahr ein dritter AMG mit einem Sponsor aus Katar eingesetzt werden. Hier finden sich neben Abdulla Al-Khelaifi, mit Julian Hanses und Giuliano Alesi die wohl zwei interessantesten Namen der Mercedes-Einsätze wieder. Für mich wäre es nicht mal überraschend, wenn dieses Fahrzeug sogar gegenüber den Stammteilnehmern die Oberhand haben könnte. Mit einem Topergebnis ist unter den Mercedes jedoch auch dieses Jahr nicht zu rechnen.
Lexus

Ähnliche Vorzeichen gibt es auch bei Lexus, die nun ins letzte Jahr mit dem betagten RCF gehen, bevor das Auto durch den brandneuen Toyota GT3 ersetzt werden soll. Für Akkodis ASP ist es bereits das dritte Jahr des Einsatzes, der u.a. letztes Jahr in Sao Paolo für einen überraschenden Klassensieg in der WEC geführt hat, nachdem das französische Team 2022 die 24 Stunden von Spa mit Mercedes gewann und mit einem Titel in der GT World Challenge 2023 die Partnerschaft mit Mercedes beendete. Für den letzten Auftritt konnten die Lexus sogar etwas Gewicht im Vergleich zu den letzten Jahren absprechen.
Wie schon angesprochen, hat der umtriebige Fahrermarkt innerhalb der Bronze-Fahrer auch hier Einfluss gehabt, indem Tom van Rompuy von Corvette zu Lexus gewechselt ist und er sich nun mit Hadrien David und dem aus der IMSA bekannten Vasser-Sullivan Piloten Jack Hawksworth die #78 teilt. Finn Gehrsitz ist wie schon erwähnt zu McLaren gewechselt. Das gewohnte Trio findet sich in der #87 mit Petru Umbrarescu/Clemens Schmid/Jose Maria Lopez wieder. Platzierungen rund um den zehnten Platz haben mit beiden Autos beim Test ein gewisses Überraschungspotenzial angedeutet.
und dem aus der IMSA bekannten Vasser-Sullivan Piloten Jack Hawksworth die #78 teilt. Finn Gehrsitz ist wie schon erwähnt zu McLaren gewechselt. Das gewohnte Trio findet sich in der #87 mit Petru Umbrarescu/Clemens Schmid/Jose Maria Lopez wieder. Platzierungen rund um den zehnten Platz haben mit beiden Autos beim Test ein gewisses Überraschungspotenzial angedeutet.Die Zeiten vom Test sprechen eine deutliche Sprache: Das gesamte Feld mit 25 Autos befindet sich im Bereich 3:56 bis 3:58 in rund 1,5 Sekunden. Eine späte Safety-Car-Phase am Sonntag, lässt selbst einen Überraschungssieg nicht ausschließen. Bei einem Rennen mit wenigen (oder sogar ganz ohne) Safety-Car-Phasen, würde mich jedoch ein Sieg außerhalb der drei favorisierten Hersteller Porsche/Ferrari/McLaren überraschen.
Bilder/Credit: DPPI/WEC
