Es war nicht viel los in Sachen Nachwuchs-Formeln im April, da die kriegsbedingte Absage der F1-Events in Bahrain und Jeddah auch die Formel 2 (beide Läufe) und die Formel 3 (nur Bahrain) betraf. Nach dem Saisonauftakt in Melbourne bahnte sich eine laaange Pause bis zum in den Juni verlegten Monaco Grand Prix an. Doch die FIA und Liberty Media hatten Mitleid mit den Formel 2-Fans und haben zwei neue Events hinzugefügt: Miami und Montreal. Haha, nein, natürlich nicht aus Mitleid mit den Fans, sondern mit den Teams, denn die bekommen ihr Geld von den jungen Piloten (bzw. deren Familien und Sponsoren) für eine bestimmte Anzahl an Rennen. Und die wäre mit der Absage nicht mehr erreicht worden. Also musste Ersatz her und die moderne Formel 2 wird erstmalig in Nordamerika antreten. Nun bin ich kein Fan des Kurses in Miami, der an diesem Wochenende auf dem Plan steht, aber die Rennen in Montreal am Pfingst-Wochenende werden sicher sehenswert.
Formula 2
Der Saisonauftakt in Melbourne ist nun schon wieder etwas her, Zeit für einen kurzen Reminder, was dort so los war.
Im Sprintrennen zeigte Rückkehrer Joshua Dürksen eine starke Performance: Er startete im Reverse Grid auf Platz 2, verlor zunächst einen Platz, kämpfte sich aber bereits in Runde 2 an die Spitze des Feldes vor und gab die Führung bis ins Ziel nicht mehr her. Auch stark zeigte sich lange Tasanapol Inthraphuvasak, er baute jedoch gegen Ende ab. Beim Versuch, das Podium zu verteidigen, drängte er noch Rafael Camara auf die dreckige Spur, der dadurch viele Plätze verlor und nur Elfter wurde. Für Inthraphuvasak blieb trotzdem nur Platz 4 hinter Noel Leon und Alex Dunne.
Dürksen und Dunne waren auch im Hauptrennen Protagonisten, aber auf ungünstige Art. Der Paraguayer legte einen Frühstart hin, bremste dann zwar nochmal ab, wurde aber natürlich trotzdem bestraft, damit war sein Renen gelaufen. Vorne kämpften die Rodin-Team Alex Dunne und Martinius Stenshorne hart um die Führung. Zunächst lief das sauber ab, doch dann zog Dunne auf der Start/Ziel-Geraden zweimal nach rechts rüber, während Stenshorne dort noch ein Stück weit neben ihm war – das Ergebnis: Beide landeten im Kies, und die Gemüter scheinen im Team bereits zu kochen. Es wurde der Funkspruch von Dunne eingespielt: „He is never finishing in front of me ever again.“ Das kann noch lustig werden, der Ire war ja schon in den letzten Jahren für eine harte Fahrweise und eine kurze Zündschnur bekannt. Für den Crash bekam er nachträglich eine 10 Sekunden-Strafe, die sich in Miami als Rückversetzung um fünf Startplätze darstellen wird. Ich hoffe, die Rennleitung greift da bei Bedarf wirklich durch, denn solches Verhalten muss auf der Nachwuchs-Leiter unterbunden werden, sonst zieht man sich neue Max Verstappens heran, die ohne Rücksicht auf Verluste blocken (Spa 2016) oder ihr Auto als Waffe benutzen (Barcelona 2025).
Nach diesem Crash war der Weg frei für Red Bull-Junior Nikola Tsolov. Zwar übernahm der Sportwagen-erfahrene Nicolas Varrone durch einen gut getimeten Boxenstopp hinter dem Safety Car kurz die Führung, doch a) war er in der Boxengasse zu schnell gewesen, was prompt bestraft wurde und b) konnte er beim Restart Nikola Tsolov nicht lang hinter sich halten. Der Red Bull Junior übernahm die Führung und behielt sie bis zur Zielflagge. Es waren fast alle Piloten auf der Standard-Strategie (weiche Reifen zuerst) unterwegs, sodass auch taktisch nicht mehr viel passierte. Der Bulgare macht einen sehr abgeklärten Eindruck, auf der Strecke und auch im Interview danach, auch wenn er bart- und frisurtechnisch wild wirkt.
Als Zweiter kam Rookie Rafael Camara ins Ziel. Zwar hatte er diesen Platz zwischenzeitlich an den stark fahrenden Dino Beganovic abgeben müssen, doch der rollte leider zur Rennmitte mit technischem Defekt aus. In der Fahrerwertung liegen Tsolov und Camara nun zunächst mal vorn, obwohl sie nur im Hauptrennen gepunktet haben, da aber eben richtig. Stenshorne und Beganovic haben trotz guter Ausgangsposition einen Nuller geschrieben, Dunne hat immerhin die sechs Zähler aus dem Sprint auf dem Konto.
Stand:
- Nikola Tsolov (Campos, Red Bull Junior Team) – 25 Punkte
- Rafael Camara (Hitech, Ferrari Driver Academy) – 18 Punkte
- Laurens van Hoepen (Trident) – 18 Punkte
- Ritomo Miyata (Hitech, TGR Driver Challenge Program) – 14 Punkte
- Tasanapol Inthraphuvasak (ART) – 13 Punkte
Nächstes Event: Miami (01.-03.05.)
Formula 3
Auch bei der Formel 3 gab es einen Crash unter Teamkollegen: Das Sprintrennen musste nach neun Runden abgebrochen werden, weil die beiden Prema-Piloten James Wharton und Louis Sharp in Turn 5 beim Kampf um den siebten Platz kollidierten und hart in die Bande einschlugen. Beide waren okay, aber aufgrund der notwendigen Streckenreparatur konnte das Rennen nicht neu gestartet werden. Es gab daher nur fünf Punkte für den Sieger Bruno del Pino, vier für Enzo Deligny und drei für Brando Badoer, die ihre guten Startpositionen im Reverse Grid der Top 12 bis dahin noch hatten verteidigen können.
Die beiden verunfallten Prema-Piloten konnten im Hauptrennen nicht starten, was schade war, da es für Wharton das Heimrennen ist und auch Sharp als Neuseeländer quasi „um die Ecke“ groß geworden ist. Campos-Pilot Theophile Nael hatte sich die Pole gesichert, rollte aber am Start zu früh an, was später bestraft wurde, als er aber bereits zurückgefallen war. Dadurch übernahm der von P2 gestartete Ugo Ugochukwu die Führung und fuhr diese ungefährdet nach Hause. Vielleicht ist das nach dem Ausstieg aus dem Red Bull-Junior-Team ein Neustart für seine Karriere. Der vielversprechende Rookie Freddie Slater, den Audi in sein Nachwuchsprogramm geholt hat, war war zwischenzeitlich in Kämpfe verstrickt, hat sich aber dann solide behauptet. Er überholte Nael mit DRS-Hilfe und wurde Zweiter.
Die beiden Italiener Brando Badoer und Nicola Lacorte fingen gut an, haben aber dann nachgelassen, bei Badoer kam ein Dreher hinzu. Lacorte wurde im Kampf um Platz 3 von Noah Stromsted geblockt und trug dabei eine Beschädigung davon. Stromsted bekam dafür eine 10 Sekunden-Strafe. Insgesamt wurde eine ganze Reihe an Zeitstrafen ausgesprochen, die mangels Boxenstopp am Ende aufgeschlagen wurden. Da das Rennen hinter dem Safety Car endete, waren die Auswirkungen erheblich. So konnten schließlich Tito Kato und Bruno del Pino die Plätze 3 und 4 überraschend für sich beanspruchen. Bei Del Pino bin ich gespannt, ob er sich tatsächlich als Titelanwärter etablieren kann, oder ob er in Melbourne nur zweimal großes Glück hatte.
Für die Formel 3- Piloten geht es tatsächlich erst in Monaco weiter. Das Bahrain-Event verfällt – Stand jetzt – ersatzlos.
Stand:
- Ugo Ugochukwu (Campos) – 25 Punkte
- Bruno del Pino (Van Amersfoort) – 18 Punkte
- Freddie Slater (Trident, Audi Driver Development Programme) – 18 Punkte
- Taito Kato (ART, Honda Formula Dream Project) – 16 Punkte
- Enzo Deligny (Van Amersfoort) – 12 Punkte
Nächstes Event: Monaco (05.-07.06.)
Formula Regional European Championship
Am vergangenen Wochenende hat im Rahmen der DTM auch die FREC ihre Saison 2026 eingeläutet. Alpine ist nicht mehr Motorenlieferant und Titelsponsor, daher hat sich das gewohnte Kürzel FRECA leider erledigt. Der Red Bull-Ring ist immer gut für aufregende Rennen, aber auch für viele Zwischenfälle und Safety Car-Phasen, und so war es auch diesmal. Gerade beim Saisonauftakt sind die jungen Piloten ja manchmal übermütig und eingerostet zugleich. Das neue Tatuus T236-Chassis wurde damit gleich einer ordentlichen Belastungsprobe unterzogen. Die Motoren kommen nun von Toyota, Getriebe und Steuerung von SADEV bzw. Magneti Marelli. Irgendwo hakte es da noch, denn bei jedem der drei Rennen blieben Autos am Start stehen, was zumindest in Rennen 3 auch zu einem Folgeunfall führte.
Der Kalender der Serie wurde von zehn auf acht Events reduziert. Als Ausgleich werden bei vier Events drei statt der üblichen zwei Rennen gefahren. So gab es auch in Spielberg ein zusätzliches Rennen, das mit umgedrehten Top 12 des ersten Qualifyings gestartet wurde. Ich fand es bei der FREC(A) eigentlich immer ganz erfrischen, dass es diese Gimmicks nicht gibt, aber zumindest bei vier Events haben wir dieses Jahr die Reverse Grids.
Die Pole für die Rennen 1 und 3 holte sich Prema-Pilot und Williams-Junior Kean Nakamura-Berta, der für mich nach seinem Meisterschaften in der italienischen F4, der Euro 4 und der FR Middle East auch hier der Titelfavorit ist. Er ist vielleicht kein Überflieger wie Bearman oder Antonelli, hat sich aber sehr gut verkauft in den letzten zwölf Monaten. Gewinnen konnte Nakamura-Berta in Spielberg aber nur das erste Rennen. Im zweiten Lauf arbeitete er sich von Startplatz 12 auf Rang 6 im Ziel vor, in Rennen 3 verlor er nach einigen Runden die Führung, wurde dann in Scharmützel verwickelt und musste schließlich mit beschädigtem Heckflügel das Rennen aufgeben.
Ein Nutznießer war der Niederländer Reno Francot, der auf P2 gestartet war und das letzte Rennen des Wochenendes für sich entscheiden konnte. Er bestritt im letzten Jahr die spanische Formel 4 voll und schnupperte auch hier und da in andere Serien. Als echten Contender hatte ich ihn bisher nicht auf dem Schirm, aber sein FREC-Debüt lief super und er fährt in drei Wochen als Meisterschaftsführender zum Heimrennen nach Zandvoort.
Das Reverse Grid-Rennen gewann Rashid Al Dhaheri, der einer der stärksten Prospects aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist, die ich bisher gesehen habe. Er hat zwar noch keine Titel gewonnen, wurde aber 2025 ins Mercedes Junior Team aufgenommen. Einen guten Eindruck insbesondere im dritten Lauf hinterließ auch Alex Ninovic mit dem neu in die Serie eingestiegenen Rodin-Team (Nachfolgeorganisation des früheren Carlin-Teams). Ninovic kommt als Champion der britischen GB3-Serie in die FREC. Nachdem andere GB3-Meister in den letzten Jahren eher direkt in die Formel 3 gewechselt sind, geht er den etwas vorsichtigeren Weg.
Stand:
- Reno Francot (CL Motorsport) – 43 Punkte
- Rashid Al Dhaheri (R-ace GP, Mercedes Junior Team) – 38 Punkte
- Kean Nakamura-Berta (Prema, Williams Driver Academy) – 34 Punkte
- Sebastian Wheldon (MP Motorsport, Andretti Global Driver Development Programme) – 30 Punkte
- Alex Ninovic (Rodin) – 19 Punkte
Nächstes Event: Zandvoort (22.-24.05.)
(Beitragsbild: Ferrari Media)
