Spektakulärer Saisonabschluss im Mobility Resort Motegi: Sho Tsuboi / Kenta Yamashita holen zum dritten Mal in Folge die GT500-Meisterschaft für den au TOM’S GR Supra. Die Titelentscheidung in der GT300-Klasse blieb bis zur letzten Runde offen. Nach einer beherzigten Aufholjagd gewannen Naoya Gamou / Togo Suganami im Leon Pyramid AMG mit lediglich einem Punkt Vorsprung.
Geschichtsträchtig: Erstmals in der 31-jährigen Geschichte der japanischen SUPER GT hat ein Team dreimal in Folge die GT500-Meisterschaft gewonnen. Zwar gingen Sho Tsuboi / Kenta Yamashita (au TOM’S GR Supra) als absolute Favoriten ins Saisonfinale in Motegi. Ein Ausfall beim vorherigen Rennen in der Autopolis, der einem Kühlungsproblem geschuldet war, bedeutet allerdings, dass der einst große Vorsprung deutlich schrumpfte. Insgesamt sechs Teams hatten noch mathematische Chancen auf den Titel. Für TOM’S war die Aufgabe klar: Mindestens in zweiter Platz war nötig, um den geschichtsträchtigen dritten Titel in Folge für die Mannschaft einzufahren. Damit wollte sich das Ensemble aber nicht begnügen.
Nachdem man sich in der Qualifikation gegenüber den Titelrivalen Hiroaki Ishiura / Toshiki Oyu (KeePer Cerumo GR Supra) noch knapp geschlagen geben musste, drehte Tsuboi direkt zum Start auf. Da Ishiura, der am Sonntag sein letztes GT500-Rennen bestritt (siehe unsere Paddock Notes), seine Bridgestone-Reifen nicht direkt auf Betriebstemperatur bringen konnte, nutzte dies Tsuboi konsequent aus – und überholte ihn direkt nach nur wenigen Kurven. Auch Bertrand Baguette (TRS Impul with SDG Z) rutschte durch, wodurch der KeePer-Toyota zunächst auf die dritten Position zurückfiel. Fortan kontrollierte Titelverteidiger Tsuboi das Rennen, indem er Baguette auf Abstand hielt. Auch eine kurze FCY-Phase, als der Uni-Robo 296 Ferrari den D’station Vantage aus der GT300-Klasse torpedierte, konnte Tsuboi nicht stoppen. Direkt nach Erreichen der Mindestfahrzeit kamen in Runde 22 gleich mehrere Teams zum Boxenstopp herein. Darunter auch der KeePer Cerumo GR Supra sowie der TRS Impul with SDG Z.
Da die Abstände trotz der kontrollierten Fahrt Tsubois gering blieben, zwang man mit dem Undercut TOM’S zum handeln. So kam Tsuboi direkt einen Umlauf später herein, um seinen Toyota Supra an Teamkollege Kenta Yamashita zu übergeben. Zuvor schlüpfte die Cerumo-Truppe wieder am Impul-Nissan aufgrund eines schnelleren Boxenstopps vorbei. Auf kalten Reifen beging der ansonsten souveräne Toshiki Oyu allerdings einen seiner wenigen Fehler, als er ins Kiesbett rutschte und so wertvolle Zeit wie auch Positionen verlor.
Was nach einer souveränen Sonntagsfahrt für die TOM’S-Mannschaft nach Abwehr des Undercuts aussah, nahm bereits einen Umlauf später eine überraschende Wende. Team Kunimitsu, die ursprünglich als die größten Verfolger ins Saisonfinale gingen, mussten nach einer verkorksten Qualifikation vom siebten Startplatz ins Rennen gehen. Wohlwissend, dass man gewinnen und auf ein Ergebnis außerhalb der Podiumsränge von TOM’S hoffen musste, pokerte man. So wurden beim Wechsel von Naoki Yamamoto auf Tadasuke Makino keine Reifen am Stanley Civic Type R-GT gewechselt – eine eher seltene Strategie in der GT500-Klasse, da die Reifen nicht auf die volle Distanz konzipiert sind.
Der Gamble ging zunächst auf: Dank einer kurzen Stoppzeit von lediglich 25 Sekunden übernahm Makino die Führung mit rund elf Sekunden. Nach lediglich vier Runden hatte Yamashita, der den Vorteil seiner frischeren Bridgestone-Slicks komplett ausnutzte, aber bereits den Vorsprung wieder geschlossen – und ging problemlos am Honda Civic Type R-GT vorbei. Kurz darauf wurde Makino auch von Kazuki Hiramine im TRS Impul with SDG Z überholt ehe auch Katsumasa Chiyo (Motul Autech Z) am Honda-Star, der wenige Stunden zuvor zwei Demorunden im neuen Honda Prelude-GT drehen durfte, der ab der kommenden Saison den Civic Type R-GT ersetzen wird, vorbei.
An der Spitze gelang es Hiramine den Abstand auf Yamashita zu verkürzen. Kure Zeit darauf entbrannte ein intensiver Zweikampf, der bis zum Fallen der Zielflagge andauern sollte. Dies ermöglichte auch Chiyo den Abstand zu verringern, wodurch der Zweikampf um den Rennsieg schnell zum Dreikampf mutierte. au TOM’S-Teamchef Daisuke Ito erklärte im Interview nach dem Rennen, dass man sich bei der Reifenwahl für den zweiten Stint etwas verzockte. „Wir hatten auf eine andere Reifenmischung gesetzt, die nicht ganz so gut wie der Startreifen ging.“ Yamashita behielt allerdings seine Coolness und wehrte alle Angriffsversuche von Hiramine gekonnt ab – und überquerte die Ziellinie mit lediglich 0.264 Sekunden Vorsprung.
Damit krönte sich Tsuboi zum ersten Fahrer in der GT500-Klasse, der dreimal in Folge die Meisterschaft gewinnen konnte. Das gleiche Kunststück gelang in der GT300-Klasse bislang erst einem anderen Fahrer, als Tetsuya Yamano in den Jahren 2004, 2005 und 2006 dreimal in Folge gewann. Einziger Unterschied: Yamano tat dies mit jeweils drei unterschiedlichen Teams sowie drei verschiedenen Reifenherstellern. Ein Rekord, den vorerst kein Fahrer mehr schlagen wird, da die SUPER GT ab 2027 pro Klasse nur noch einen einzigen Reifenzulieferer zulassen wird.
Für Tsuboi war es außerdem der vierte GT500-Titel seit 2021. Damit teilt er sich nun den SUPER-GT-Olymp mit Ronnie Quintarelli, den zuvor einzigen Vierfach-Champ, der vergangene Saison seine erfolgreiche SUPER-GT-Karriere beendete. Teamkollege Yamashita krönte sich zum dritten Mal zum GT500-Meister, womit er mit den Legenden des japanischen Motorsports wie Yuji Tachikawa, Satoshi Motoyama sowie Juichi Wakisaka gleichzog. Auf die Frage in der Pressekonferenz nach dem Rennen, welche ihrer Titelgewinne für sie am emotionalsten sei, antworten beide Fahrer gleich: Der aktuelle. „Auf uns herrschte ein unglaublicher Druck. Bereits Anfang des Jahres haben uns viele als die großen Favoriten gesehen. Und auch während der Saison meinten viele, dass wir nur gewinnen können. Hätten wir also verloren, wären wir Verlierer gewesen. Das wollte ich verhindern“, so Yamashita.
Die Freude über den Silberrang durfte bei Impul leider nicht lange anhalten. Kurz nach dem Rennen wurde der blaue Nissan aufgrund einer zu starken Abnutzung des Skid Blocks disqualifiziert. Dadurch rückten Katsumasa Chiyo / Mitsunori Takaboshi auf den zweiten Platz vor. Der finale Podiumsplatz ging an Naoki Yamamoto / Tadasuke Makino, nachdem letzterer trotz seiner gebrauchten Reifen mit allen Mitteln einen angriffslustigen Sacha Fenestraz (Denso Kobelco SARD GR Supra) abwehrte. Letzterer musste zusammen mit seinem Teamkollegen Yuhi Sekiguchi nach einer verkorksten Qualifikation vom zwölften Platz ins Rennen gehen. Dahinter entbrannte ein harter Kampf um den sechsten Platz, als sich ein gewaltiger Zug von fünf Autos hinter dem KeePer Cerumo GR Supra bildete.
Oyu gelang es zunächst diesen in Schach zu halten. In der 52. Runde schlüpften aber Giuliano Alesi (Deloitte TOM’S GR Supra) sowie der #8 ARTA Mugen Civic-Type R (Tomoki Nojiri / Nobuharu Matsushita) an ihm vorbei. Für eine Schrecksekunde sorgte außerdem eine Kollision zwischen dem Eneos X Prime GR Supra (Kazuya Oshima / Nirei Fukuzumi), die ebenfalls mit Titelchancen ins Rennen gingen, nach Scheitern der Q1-Hürde in der Qualifikation aber lediglich vom 13. Platz starteten, sowie dem #16 ARTA Mugen Civic Type R-GT (Ren Sato / Hiroki Otsu). Aufgrund der vielen Teile auf der Strecke musste für kurze Zeit zum zweiten Mal FCY aktiviert werden. Oshima erhielt für den Crash nach dem Rennen eine 40-sekündige Zeitstrafe.
Am Ende jubelten abermals Tsuboi und Yamashita. „Warum muss das Saisonfinale immer so dramatisch sein?“ lamentierte Yamashita in der Pressekonrenz nach dem Rennen lachend, darauf hinweisend, dass er bei seinem ersten Titelgewinn 2019 an gleicher Stelle ebenfalls stark kämpfen musste – die SUPER-GT-Variante von Alex Zanaradis legendären „The Pass“ inklusive. Mit Freudentränen wurden bei der „Grand Final“-Zeremonie nach dem Rennen sowohl Tsugio Matsuda wie auch Takuya Izawa nach 26 bzw. 19 erfolgreichen Jahren in Rente verabschiedet. Beide bestritten vergangenen Sonntag ihr letztes Karriererennen – und feierten dies entsprechend auf der großen Bühne vor den tausenden von Fans mit ihren Familien.
GT300-Thriller: Team Mach gewinnt erstmals nach 22 Jahren. K2 R&D Leon Racing holt zweiten Titel nach 2018
Auch in der GT300-Klasse wurde Geschichte geschrieben. Nach 22 Jahren voller Anstrengungen, herzbrechenden Enttäuschungen und mehr gewann Team Mach erstmals in der SUPER GT – und das mit dem betagten Toyota MC86 Mother Chassis. Yusuke Shiotsu / Iori Kimura (Machsyaken Air Buster MC86 Mach Go) gingen vom zweiten Platz ins Rennen. In der Qualifikation war kein Kraut gegen den Speed Subaru BRZ R&D von Takuto Iguchi / Hiroaki Ishiura gewachsen, die ganze 1.071 Sekunden auf die Konkurrenz aufdrückten. Und auch nach dem Start sah es für lange Zeit so aus, als würde die Crew des blauen Boxer den legendären wenn auch betagten EJ20-Motor, der in Motegi seine letzte Ausfahrt erlebte, mit einem finalen Sieg ins Museum schicken können.
So setzte sich Iguchi in den ersten Runden gleich mehrere Sekunden von Shiotsu ab. Dieser musste kurzzeitig gar die Podiumsränge an Seita Nonaka im GreenBrave GR Supra GT, der mit mathematischen Chancen auf den Titel in den Saisonabschluss ging, sowie Kohei Hirate (Realize Nissan Mechanic Challenge GT-R) abgeben. Letzteren hätte zu diesem Zeitpunkt gar ein vierter Platz ausgereicht, um sich als ersten Solo-Champion seit André Couto 2015 zu krönen, da die Tabellenführer Naoya Gamou / Togo Suganami (Leon Pyramid AMG) nach einer schwachen Qualifikation lediglich Startplatz 14 eroberten. Team Mach probierte deshalb eine andere Strategie, und verzichtete beim Boxenstopp in Runde 19 auf einen Reifenwechsel. Der immense Zeitgewinn spülte Iori Kimura, der das Steuer des Toyota im Speed-Racer-Look übernahm, in Führung nachdem alle Teams ihre Pflichtboxenstopps erfüllten.
Tatsächlich verlor der Subaru BRZ R&D Sport beim Service einige wertvolle Positionen. Hideki Yamauchi gelang es zwar diese wieder zurückzuerobern. Ihn fehlte allerdings die Pace, um den Abstand gegenüber Kimura start zu verringern. So fuhr der ehemalige Honda-Schützling nahezu ungefährdet seinem wie auch dem von seinem Teamkollegen persönlich zweiten Karriereerfolg entgegen.
Dies ermöglichte den TV-Kameras alle Aufmerksamkeit dem Thriller zu widmen, der sich um den Titelkampf entwickelte. Während zu einem gewissen Zeitpunkt das Pendel noch in Richtung Hirate als neuen Meister schwang – er wäre erst der vierter Fahrer gewesen, der sowohl in der GT500 wie auch GT300 den Titel geholt hätte – schwang dem Rennen in der Pressekonferenz erklärte, entschloss man sich in letzter Sekunde, lediglich win die Vorderreifen zu wechseln. So konnten sich Gamou und Suganami auf den sechsten Platz vorkämpfen – genügend, um den Titel zu gewinnen. Joao Paulo de Oliveira, der den Kondo Racing-Nissan von seinem Teamkollegen Hirate übernahm, stand nun also in Zugzwang. Der zweifache GT300-Meister, der zwei Rennen dieses Jahr verpasste und deshalb nicht mehr selbst Meister hätte werden können, ließ nichts anbrennen und demonstrierte erneut, weshalb er einer der besten GT-Fahrer ist.
In einem Herzschlagfinale robbte er sich an Hiroki Yoshida im GreenBrave GR Supra GT sowie den seven x seven Porsche GT3R von Harry King heran. Die Aufgabe war klar: Er musste beide überholen, um nicht nur den Titel für seinen Teamkollegen zu sichern, sondern auch die Teammeisterschaft für Kondo Racing (die Punkte für die Teamwertung werden etwas anders als für die Fahrerwertung berechnet). Alle drei Fahrzeuge schlossen auf den Subaru BRZ R&D Sport auf, der allerdings den Silberrang bis zum Ende verteidigen konnte. In der vorletzten Runde quetschten sich sowohl King wie auch Oliveira an Hiroki Yoshida im GreenBrave-Toyota vorbei. Oliveira benötigte somit nur noch einen Platz.
Der Brasilianer probierte es in der finalen Runde – doch King behielt die Nase knapp vorn. „Ich wusste gar nicht, dass ich beide Autos überholen musste, um den Titel zu gewinnen. Das Team hat mir nichts gesagt“, erklärte uns Oliveira nach dem Rennen. Gut gelaunt war er trotzdem: „Das war super Racing. Deshalb liebe ich es, in Japan zu fahren.“ Dabei verriet er auch, dass er zwar noch unentschlossen sei, wie sein 2026 aussehen werde, da er heuer auch in der brasilianischen Stock Car Series am Start ist. „Mein Herz sagt mir aber, dass ich weiterhin Japan priorisieren sollte. Es ist einfach meine zweite Heimat.“
So ging der Fahrertitel mit lediglich einem Pünktchen Vorsprung an das Leon Pyramid AMG-Duo. Für Gamou wie auch das Team war es der zweite Titel nach 2018; für Suganami der erste in seiner GT300-Karriere. Entsprechend glücklich zeigte man sich, insbesondere nach dem Herzensbrecher letztes Jahr, als man als Tabellenführer ins Finale ging, die Meisterschaft aber an JLOC verlor. Für die Crew war es gar ein doppelter Erfolg, da man auch die Teamwertung gewann. Zwar war man am Ende punktgleich mit Kondo Racing. Aufgrund des Triumphs beim Saisonstart in Okayama ging auch dieser Titel an K2 R&D Leon Racing. Lachend erklärte Teamchef Kurosawa nach dem Rennen: „Als wir 2018 den Titel gewannen, war es Gamous Geburtstag. Heute ist Suganamis Geburtstag. Wir sollten immer das Finale an unseren Geburtstagen haben.“
Rikuto Kobayashi / Zak O’Sullivan (CarGuy Ferrari 296 GT3) verpassten den GT300-Titel im ersten Jahr für CarGuy MKS Racing um lediglich 2,5 Punkte mit Platz sieben im Rennen. Da beide Fahrer erst 20 Jahre alt sind, wären sie die jüngsten Titelträger in der Geschichte der Klasse gewesen. Große Favoriten auf den Teamtitel war auch Goodsmile Racing with TeamUkyo. Ein achter Platz im Saisonfinale reichte für Nobuteru Taniguchi / Tatsuya Kataoka (Goodsmile Hatsune Miku AMG ) aber nicht aus.
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