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Formel E-Report zwischen New York und London

Chaos in Brooklyn hat das Führungstrio neu durchgewürfelt

von StefanTegethoff
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Das vorletzte Event der Saison steht an und wir haben weiterhin einen Dreikampf an der Spitze, wenn auch nach dem New York ePrix mit leichtem Vorteil für Stoffel Vandoorne.

Der Belgier erwischte nach Punkten das beste Wochenende des gesamten Feldes, auch wenn andere Piloten die Siege einfuhren. Dabei ging es vor allem am Samstag turbulent zu, denn ein heftiger Regenschauer sorgte für ein vorzeitiges Rennende. Und auch Vandoorne hatte Glück, dass sich die Rennleitung nach dem Werfen der Roten Flagge acht Minuten vor Schluss entschied, das Rennen nicht noch einmal zu starten, denn auch er stand – zusammen mit mehreren anderen Piloten – in der knapp bemessenen Auslaufzone von Turn 6.

Für die Ansammlung von Autos dort war eine Pfütze verantwortlich, die sich kurz vor dem Ende der Gegengeraden innerhalb kürzester Zeit gebildet hatte. Bei dem Kurs in Brooklyn handelt es sich nicht um einen Straßenkurs, sondern um das „Werksgelände“ eines Kreuzfahrtterminals – und anscheinend ist die Entwässerung an dieser Stelle nicht gerade optimal. Nun könnte man sagen, da muss sich für nächstes Jahr etwas ändern – doch das erübrigt sich voraussichtlich, weil das Terminal für seinen eigentlichen Zweck um- und ausgebaut werden soll. Im Kalender-Entwurf für 2023 (dazu gleich mehr) fehlt der New York ePrix.

Jedenfalls ging das ganze Drama im Rennen so schnell, dass die Rennleitung erst reagieren konnte, als schon vier Autos an der Stelle abgeflogen waren: der führende Nick Cassidy, der Zweitplatzierte Lucas di Grassi, Stoffel Vandoorne von P4 aus und der hinter ihm liegende Edoardo Mortara, zu dem Zeitpunkt noch Tabellenführer. Nur Robin Frijns auf Platz 3 konnte anscheinend das Aquaplaning vermeiden und übernahm scheinbar die Führung. Doch bei Rennabbruch wird auch in der Formel E eine Runde zurückgerechnet und so siegte Cassidy im Envision-Audi vor di Grassi und Frijns.

Für den zweiten Lauf am Sonntag war es trocken, und trotzdem entwickelte sich ein ereignisreiches Rennen. Wieder sorgte die gleiche Streckenpassage für Action, denn: wo sich Pfützen bilden, da gibt es anscheinend Senken und Kuppen im Asphalt. Gleich mehrere Überholversuche oder auch gelungene Manöver endeten beinahe in der Wand: erst schaffte es Evans gegen de Vries im Kampf um P4 gerade so, das Auto abzufangen, wenige Minuten später erging es de Vries ebenso, obwohl man meinen könnte, aus dem Missgeschick von Evans gelernt haben zu können. Zur Strafe überholte ihn eben jener Mitch Evans.

Auch im zweiten Rennen kam es am Ende noch einmal zu einer chaotischen Situation, als Vergne und di Grassi um den letzten Punkt kämpften, stand di Grassi plötzlich in Turn 7 quer auf der Strecke und blockierte diese für einige Momente für die nachfolgenden Autos. Die Situation löste sich aber ohne Einschreiten der Rennleitung auf, sodass der von Pole gestartete Antonio Felix da Costa das Rennen kurz darauf als Sieger beenden konnte. Knapp hinter ihm fuhr Stoffel Vandoorne über die Linie, der von P5 gestartet war, gefolgt von Mitch Evans, der sich mit diesem dritten Platz auch noch im Meisterschaftskampf halten konnte, nachdem er am Samstag punktelos geblieben war.

Edoardo Mortara erlebte nach seinem Sieg zuvor in Marrakesch im Big Apple ein schwarzes Wochenende: nach der Quali für das erste Rennen wurde er um fünf Plätze nach hinten strafversetzt, die er zu Beginn des Regen-Abbruchs wieder gewonnen hatte; doch wegen zu schnellen Fahrens unter Full Course Yellow bekam er wieder eine Strafe aufgebrummt und wurde Neunter. In der zweiten Quali konnte er wegen technischer Probleme überhaupt keine Runde drehen, sodass er von hinten starten musste. Den einen Punkt für den zehnten Platz, den er erreichte, muss man da schon als Erfolg feiern. Und so steht es nun vier Läufe vor Ende der Saison wie folgt:

  1. Stoffel Vandoorne (Mercedes) – 155 Punkte
  2. Edoardo Mortara (Venturi-Mercedes) – 144 Punkte
  3. Mitch Evans (Jaguar) – 139 Punkte
  4. Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) – 128 Punkte
  5. Robin Frijns (Envision-Audi) – 104 Punkte

Vorschau: London ePrix

Nun geht es für einen Doubleheader nach London. Wie im Vorjahr wird in und um das ExCeL-Messegelände gefahren, mit Start/Ziel und Boxengasse in einer Halle. Aus der geht es dann über eine Rampe heraus, durch den Anlieferungsbereich, und nach einem Bogen über den Parkplatz geht es über eine andere Rampe wieder rein in die Halle. Malerisch geht anders. Wechselnde Bodenbeläge sorgen für eine zusätzliche Herausforderung.

Die Rennen auf dieser Strecke haben bei ihrem Debüt im Vorjahr den Vogel abgeschossen, was schlechte Driving Standards angeht. Immerhin  wurde die unsäglich enge Doppel-Haarnadel hinter der Halle entschärft und durch eine Doppel-Schikane im Bus Stop-Style ersetzt. Außerdem bleibt das Event für die kuriose Aktion von Audi und Lucas di Grassi in Erinnerung, als er während einer Safety Car-Phase für einen „Fake-Stopp“ in die Box kam, sieben Konkurrenten überholte und in Führung liegend wieder aus der Boxengasse heraus kam. Die Rennleitung löste das Problem, indem sie feststellten, dass er beim Stopp nie wirklich zum Stehen kam und dieser daher irregulär war.

So blieb der Serie ein kleiner Skandal erspart und die die Rennen wurden von Jake Dennis im BMW-Andretti und Alex Lynn im Mahindra gewonnen – beide Fahrer und Teams würde ich dieses Jahr nicht für die vordersten Plätze auf dem Wettschein haben. Aber es war Nyck de Vries, der mit zwei starken Rennen und zwei zweiten Plätzen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu seinem WM-Titel machte. Ihn und seinen Mercedes-Teamkollegen Vandoorne sollte man also auf jeden Fall auf der Rechnung haben.

Die Rennen starten am Samstag und am Sonntag jeweils um 16 Uhr deutscher Zeit. Pro7 (ab 15:30 Uhr) und Eurosport 2 (ab 15:50 Uhr mit Quali-Aufzeichnung ab 15 Uhr) übertragen live.

Ein Blick auf den Kalender für 2023

Ein kurzer Blick noch auf den provisorischen Kalender für 2023, der nach einem FIA-Meeting veröffentlicht wurde: London ist für die kommende Saison als Final-Doubleheader vorgesehen. Zwölf weitere Events sollen vorangehen, davon sind drei noch „TBA“. Auf 18 Rennen möchte man so insgesamt kommen, das sind zwei mehr als in der laufenden Saison. Bekanntlich muss man einige Events und insbesondere die TBAs immer mit Vorsicht genießen.

(c) INDYCAR/LAT USA

Die Saison soll im Januar in Mexico City starten, erst danach geht es nach Saudi-Arabien, wo zuletzt mehrfach der Saisonauftakt stattfand. Dann soll der erste ePrix in Indien, genauer: in Hyderabad ausgetragen werden. Nach zwei TBAs folgt dann ein weiteres neues Events, man möchte wohl in Sao Paulo auf einem Straßenkurs fahren – dieser könnte dem IndyCar-Kurs durch und um das staubig-rutschige Sambodrom (links ein Bild aus 2012) ähneln, Details sind noch unklar. Danach geht es nach Berlin und Monaco auf wohlbekannte Kurse, bevor mit Seoul (dem Finalort der aktuellen Saison) und Jakarta zwei Events zum jeweils zweiten Mal anstehen. Nach einem weiteren TBA endet die Saison dann mit Doubleheadern in Rom und London.

Nicht auf dem Plan stehen Kapstadt, für das es bereits einen Streckenentwurf gibt, und Vancouver, das wegen Covid zunächst verschoben und dann leider komplett abgesagt werden musste. In diesem Jahr sprang Marrakesch dafür ein, und ich halte es nicht für unmöglich, dass der Kurs in Marokko auch 2023 wieder als „Joker“ einen Platz im Kalender findet.

(Bilder, soweit nicht anders angegeben: Formula E Media)

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