Jimmie Johnson gewann nach einem schwachen Start in das neue Jahr im siebten Anlauf endlich sein erstes Saisonrennen. Dabei profitierte er vor allem vom Pech bei Ryan Blaney, der die beiden ersten Stages dominierte. In einer Zwickmühle gefangen musste er die Führung aufgeben und konnte im Hinterfeld nicht mehr mithalten.

Auf dem Papier sieht das Rennen in Texas im Nachhinein echt gut aus: Es gab eine schöne Story um einen namhaften Rookie, der für ein Traditionsteam (beinahe) an alte Erfolge anknüpfen konnte. Es folgte die absehbare und tragische Wendung, in welcher der Held sich in einer ausweglosen Lage befindlich und ohne Chance auf einen echten Kampf ergeben musste. Neue Protagonisten traten an seine Stelle und der Charakter des Rennens kippte von einem Strategieelement zum nächsten: erst Reifen, dann kurz Benzin und schließlich wieder die Reifen. Die Entscheidung fiel zwar schon 16 Runden vor dem Ende, dennoch sollte es mit einer Margin of Victory von 0,340 Sekunden noch einmal knapp werden.

Nehmen wir jetzt die rosa-rote Brille wieder ab: Wir sehen einen Dominator, der wegen der hochgelobten neuen Stages am Ende überhaupt nichts mit dem Kampf um den Sieg zu tun hatte und dann noch nicht mal etwas dafür konnte. Die fehlenden Cautions sorgten dafür, dass in der zweiten Rennhälfte bei der typischen 1,5-Meilen-Perlenkette rein gar keine Spannung aufkommen wollte. Die Rekonfiguration von Turn 1 und 2 kam extrem lächerlich daher. Wer vorher mit zwei Fahrspuren mehr wirbt und dann trotz künstlich aufgebrachtem Gummi nicht mal die halbe Streckenbreite zur Nutzung anbieten kann, der bestätigt im besten Fall das Vorurteil der texanischen Großspurigkeit. Als es dann nach einigen netten Strategiespielen um die einzige und letzte Gelbphase im dritten Segment endlich spannend zu werden drohte, war das Rennen plötzlich vorbei.

Ihr seht, man kann das Rennen aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven sehen und letztendlich muss jeder Fan selbst wissen, wie es ihm gefallen hat. Ich persönlich tendiere zur zweiten Variante, war aber froh, dass zum Schluss wenigstens ein paar Strategieelemente zum Tragen kamen. Wer allerdings in den beiden entscheidenden Momenten zwinkerte, der hat eigentlich das komplette Rennen verpasst. Daher möchte ich die wichtigen Situationen in den folgenden Absätzen noch einmal möglichst neutral und wertfrei zusammenfassen:

Nachdem Ryan Blaney das gesamte Feld in Grund und Boden gefahren hatte, kam er in die undankbare Situation, sieben Runden vor dem Ende der zweiten Stage eine unmögliche Entscheidung treffen zu müssen. Eine Debris-Caution brachte die Chance auf neue Reifen oder Track-Position und mögliche Meisterschaftspunkte. Die #21 der Wood Brothers ist gemeinsam mit den sieben führenden Piloten auf der Strecke geblieben und musste folglich in der Segment-Gelbphase den leeren Tank auffüllen und fiel dabei aus den Top-20 heraus. Wäre die #21 dagegen reingekommen, hätte sich die Konkurrenz dazu entschieden, draußen zu bleiben.

Ryan Blaney hätte sich auch in diesem Szenario weit hinten im Feld wiedergefunden und wäre sogar komplett ohne Stage-Punkte ausgegangen. Ob er nach den Boxenstopps der Kontrahenten wieder nach vorne gespült worden wäre, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Letztendlich gab es für Blaney praktisch keine Chance, unbeschadet aus dieser Nummer herauszukommen. Im Verkehr lag sein Ford dann so schlecht, dass weder an eine Aufholjagd, geschweige denn an einen Rennsieg zu denken war. Das Ruder übernahmen stattdessen Kevin Harvick, Brad Keselowski, Joey Logano, Martin Truex Jr. und schließlich Jimmie Johnson.

Martin Truex Jr. konnte mit einem Undercut zwar kurzzeitig die Führung übernehmen, musste aber mangels weiterer Gelbphase nach nicht einmal 50 Runden wieder zurückstecken. Dann schlug die Stunde von Joey Logano, der jedes Spritfenster unter grüner Flagge derart ausreizte, dass er mit einem Tankstopp weniger als die Konkurrenz auskam. Während der finalen Caution in Runde 301 von 334 konnte er folglich als einziger Pilot auf der Strecke bleiben. Seine nachlassenden Reifen wurden Logano jedoch nach der Hälfte des Schlussspurts zum Verhängnis und Jimmie Johnson übernahm stattdessen die Führung. Doch auch Johnson musste noch bis zur letzten Runde zittern, da von hinten Kyle Larson mit Riesenschritten aufholte. Der #42 gelang es aber nicht mehr, noch einen Versuch anzusetzen.

Hinter Jimmie Johnson und Kyle Larson kamen Joey Logano, Kevin Harvick und Dale Earnhardt Jr. innerhalb der Top-5 ins Ziel. Die Top-10 komplettierten Brad Keselowski, Jamie McMurray, Martin Truex Jr., Chase Elliott und Kurt Busch. Für Ryan Blaney reichte es nur zu Platz 12 hinter Clint Bowyer. Für Johnson war es der erste Sieg des Jahres im siebten Anlauf und auch das erste Top-5-Resultat der noch jungen Saison. Sein bestes Ergebnis zuvor steht mit Rang 9 in Phoenix in den Büchern. Alle Jimmie-Johnson-Fans werden jetzt erleichtert aufatmen, dass ihr Fahrer nun fest in den Playoffs dabei ist und eine Chance auf den historischen achten Titel erhalten wird. Das wievielte Rennen hat die #48 nun in Texas gewonnen? Ich habe aufgehört zu zählen.

Race-Results
Driver-Standings
Owner-Standings

Am Osterwochenende macht die NASCAR die erste von insgesamt drei Pausen im vollgepackten Kalender. Monster Energy Cup und XFINITY Series melden sich daher erst in zwei Wochen aus Bristol zurück. Wir begleiten das Rennen natürlich wie gewohnt mit einer Vorschau und einer Analyse. Ich wünsche euch an dieser Stelle schon einmal frohe Ostern und ein schönes langes Wochenende.