Die WEC probiert in diesem Jahr etwas Neues aus. Die Balance of Performance wird jetzt automatisch von einem Computer erstellt.

Die Balance of Performance ist etwas, über das sich jeder ärgern kann. Denn sie stimmt, aus Sicht der Hersteller, natürlich nie und benachteiligt den eigenen Wagen ganz fürchterlich. Den Stress mit der BoP hat man gerne in der VLN, der GT Masters oder Blancpain. Nur in der IMSA scheint man das irgendwie immer wieder einigermaßen hinzubekommen (auch wenn BMW da anderer Meinung ist). In der WEC probiert man in diesem Jahr für die GTE-Pro (und nur für die) dann mal etwas Neues. Die BoP wird nicht mehr von einer Kommission, sondern von einem Computer errechnet.

Dafür haben sich die FIA und der ACO mit den Herstellern zusammengesetzt und einige Dinge festlegt.

– Die Grunddaten stammen aus dem letzten Jahr und dem Homologationsfahrten der FIA im letzten Herbst. Zusätzlich werden die Motoren auf dem Prüfstand und Daten aus einem eigenen Windtunnel mit einbezogen. Dazu hat man die Daten der Saison 2016 und 2015 mit einbezogen.
– Verändert werden können das Gewicht bis maximal +/- 20 Kilo und die Leistung +/- 10kw oder 13,5 PS.
– Die erste Anpassung findet für das Rennen am Nürburgring statt. Das Rennen in Spa und Le Mans werden noch per „Hand“ eingestuft.
– Für die neuen Daten fließen nur jene des schnellsten Wagens eines Modells in die Kalkulation ein.
– Die Messung umfasst nicht nur die Rundenzeiten, sondern auch die Sektoren und die Höchstgeschwindigkeit.
– Man misst 60% der Gesamtdistanz, um auch den Reifenverschleiß mit zu berechnen.

Dass Le Mans noch per Hand ausgewertet wird, hat einen einfachen Grund. Man möchte vermeiden, dass ein Hersteller vor Le Mans mauert, um dann plötzlich auftrumpfen zu können. Man könnte auch böse sagen, dass sich der ACO die BoP für Le Mans aus politischen Gründen vorbehält. Siehe die BoP für die Ford im letzten Jahr.

Ist eine automatische BoP besser? Auf den ersten Blick ja, denn man eliminiert den Faktor Mensch. Auf der anderen Seite muss man aber bedenken, dass irgendjemand den Algorithmus für die BoP ja programmiert und einstellt. Da bleibt dann zu hoffen, dass die Hersteller alle Zugriff auf den Quellcode haben, sodass ein Veranstalter eben nicht aus politischen Gründen tricksen kann.

Erstaunlich ist allerdings, dass man die Einstell-Parameter nur auf das Gewicht und die Leistung bezieht. Eine BoP kennt da normalweise mehr Möglichkeiten, angefangen vom Gurney, über die Fahrzeughöhe, Höhe des Flügels, Tankgröße und so weiter. Das wird in der IMSA auch bei fast jedem Rennen immer wieder angewendet. Will man effektiv eingreifen, reichen 10 PS mehr oder weniger einfach nicht. Was dann wieder den Verdacht aufkommen lässt, dass das Ganze ein wenig PR ist, mehr nicht. Dafür spricht auch, dass die Kerndaten aus anderen Quellen stammen.

Auf der anderen Seite muss man dem System auch eine Chance geben. Wenn man über die Saison genug Daten sammelt, müsste sich das System auch dementsprechend verbessern. Nach einem Jahr hat man auch gelernt, wie sich die Fahrzeuge auf unterschiedlichen Strecken und bei welchem Wetter wie verhalten. Wenn man der Auto-BoP (klingt wie ein Transformer) genug Daten gibt und mehr Einstellparameter, sollte am Ende ein ausgeglichenes Feld herauskommen, so zumindest die Idee.

Bleibt die Frage, warum man die neue BoP nur in der Pro, nicht in der Am-Kategorie anbietet. Die Antwort ist einfach: Die Amateure fahren auf einem zu unterschiedlichen Niveau, während die Profis ja ziemlich gleichwertig sind.

Bilder: WEC / Photo©AdrenalMedia.com