15 Jahre musste Ford warten, um in Martinsville wieder ein Fahrzeug in die Victory-Lane zu schicken. Brad Keselowski setzte sich nach einem langen Zweikampf schließlich gegen Kyle Busch durch und feierte damit als erster Pilot bereits seinen zweiten Saisonsieg. Die ersten beiden Stages gewannen Martin Truex Jr. und Chase Elliott.

Analyse Martinsville April 2017

Welche Lehren können wir aus dem Rennen in Martinsville ziehen? Wenn es mal nicht auf die Aerodynamik ankommt, haben wir Zuschauer echt eine Menge Spaß! Der knapp vierstündige Riemen am vergangenen Wochenende ließ sich gut anschauen und wurde eigentlich zu keinem Zeitpunkt langweilig. Es kam nicht auf Clean- oder Dirty-Air an, sondern auf mechanischen Grip und den Willen des Fahrers bezüglich der Durchsetzung seiner Anliegen – notfalls eben mit der Stoßstange. Einen kleinen Teil zur Spannung mögen dabei auch die Stages beigetragen haben. Es gab einfach etwas, an das man sich nach jeweils 130 von insgesamt 500 Umläufen klammern konnte. Ansonsten hätten die Piloten ihre Autos vermutlich doch zu sehr bis zur Go-Time geschont und lediglich Runden geklickt.

Die erste Stage sicherte sich Martin Truex Jr., nachdem die Führungswechsel größtenteils in der Boxengasse stattgefunden haben. Polesitter Kyle Larson verschwand nach wenigen Runden schnell im Hinterfeld, da sein Fahrzeug eher auf Shortruns eingestellt war. Der die Führung erbende Brad Keselowski (Speeding) musste in der ersten Gelbphase genauso wie Teamkollege Joey Logano (Over the wall too soon) ans Ende des Feldes zurück. An beiden Wagen von Team Penske kam es beim Boxenstopp zu Regelverstößen. Nutznießer Truex wurde im Anschluss zwar von Denny Hamlin auf der Strecke überholt, konnte sich nach einer weiteren Caution ausgelöst durch einen Reifenschaden bei Jamie McMurray aber dauerhaft durchsetzen.

Segment Nummer zwei verlief vergleichsweise ruhig, was die Gelbphasen betraf. Kyle Busch übernahm noch während der Competition-Caution zum Stage-Wechsel beim Boxenstopp die Führung und kämpfte anschließend mit Chase Elliott. Bei Martin Truex Jr. kam unterdessen das Handling bei der #78 abhanden, er spielte im weiteren Rennverlauf keine Rolle mehr. Eine sehenswerte Szene ereignete sich in den letzten Runden des zweiten Segments, als Ricky Stenhouse Jr. sich vehement gegen eine Überrundung durch den führenden Busch zur Wehr setzte. Dies mündete schließlich darin, dass Stenhouse der #18 in Turn 3 der letzten Runden einen Bump verpasste und sich damit auf eigene Faust zurückrundete.

So eine Situation ist extrem außergewöhnlich in der NASCAR, normalerweise sind die Überrundeten mehr oder weniger vogelfrei im Kampf zweier Piloten um die Führung. Dass Kyle Busch da nicht der Kragen geplatzt ist, zumal er den Stage-Sieg auf diese Weise unmittelbar an Chase Elliott verlor, ist mir absolut unverständlich. Ich rechnete im weiteren Verlauf fest mit einer Vergeltungsaktion an der #17 von Ricky Stenhouse Jr., die aber erstaunlicherweise ausblieb. Wenn ich einen Startpunkt der Go-Time benennen sollte, dann wäre es wohl dieser Zeitpunkt, auch wenn bereits über die komplette Renndistanz auch im Hinterfeld hart gekämpft wurde. So kamen sich zum Beispiel Danica Patrick und (ich meine es war) AJ Allmendinger oft sehr nah.

Die dritte und letzte Stage wartete anschließend mit sage und schreiben neun Cautions auf, die zu fast 100% durch Unfälle und Rangeleien ausgelöst wurden. Im Schnitt musste von der Rennleitung alle 20 Umläufe eine Gelbphase ausgerufen werden, bis sich das Geschehen gut 60 Runden vor dem Ende wieder normalisierte. Der Rest des Rennens konnte dann unter regulären Rennbedingungen absolviert werden. Anfangs kämpften weiterhin Kyle Busch und Chase Elliott um die Führung, später gesellte sich dann der an die Spitze zurückgekehrte Brad Keselowski dazu. Die #2 war eindeutig das schnellste Auto im Feld und Keselowski setzte sich 42 Runden vor Schluss final an Busch vorbei an die Spitze. Der ersten Fahrt eines Fords in die Victory-Lane von Martinsville seit 15 Jahren stand damit nichts mehr im Wege.

Die Top-5 hinter Brad Keselowski komplettierten Kyle Busch, Chase Elliott, Joey Logano und Austin Dillon. Ein Top-10-Resultat konnten AJ Allmendinger, Clint Bowyer, Ryan Newman, Matt Kenseth und Ricky Stenhouse Jr. einfahren. Das gute Ergebnis von Allmendinger führten die Kommentatoren von FOX auf die Rundkurserfahrung des Kaliforniers zurück, er käme angeblich besser auf der Bremse zurecht als der Rest des Feldes. Ob ich das so unterschreiben möchte, weiß ich nicht – ein Oval ist halt letztendlich doch ein Oval. Ein weiteres schönes Resultat holte sich Allmendingers Teamkollege Chris Buescher auf Rang 11 ab, für JTG Daugherty Racing sicherlich eine nette Sache. In der Meisterschaft führt unterdessen weiterhin Kyle Larson vor Chase Elliott und Martin Truex Jr.

Race-Results
Driver-Standings
Owner-Standings

Vorschau Texas April 2017

Am nächsten Wochenende geht es auf den frisch asphaltierten Texas Motor Speedway, dessen Layout eine kleine, aber feine Anpassung erhielt. In Turn 1 und 2 hobelte man kurzerhand das Banking auf 20 Grad runter, während die Kurven 3 und 4 bezüglich ihrer Kurvenüberhöhung unangetastet blieben. Naja, so ganz stimmt das nicht, denn eigentlich haben die Arbeiter eine Menge an Asphalt mehr aufgetragen, um das Banking zu reduzieren. Klingt paradox? Ist aber so, weil gleichzeitig auch der Apron schmaler gestaltet wurde. Die Rennstrecke ist in Turn 1 und 2 also auch deutlich breiter geworden. In Kentucky hat eine ähnliche Rekonfiguration recht gut funktioniert. Die Autos wurden enorm unruhig, weil man sie nicht gleichzeitig auf beide Kurvenarten perfekt abstimmen konnte. Das neue Aero-Paket trägt hoffentlich ebenfalls zu einem besseren Racing bei, als man es sonst so von den 1,5-Meilen-Cookie-Cuttern kennt.

Eine Vorhersage des Siegers gestaltet sich durch die neue Charakteristik der Strecke natürlich schwierig. Wenn seit Ende 2012 mal nicht Jimmie Johnson (5 Erfolge) in der Victory-Lane stand, waren es Kyle Busch (2013, 2016) oder Joey Logano (2014). Aber so wie es aktuell um Hendrick Motorsports steht, vermute ich tatsächlich einen Ford oder Toyota in der Victory-Lane. Hier fällt mir speziell Brad Keselowski ein, der auf der Schwesterstrecke in Atlanta seinen ersten Saisonsieg feierte. Zudem bringt er nach seinem Erfolg am letzten Wochenende auch eine Menge Momentum mit. Auf der anderen Seite ist ein Sieg von Joe Gibbs Racing und besonders Busch gefühlt wirklich überfällig. Auf der Entry-List gibt es zu Martinsville zwei Änderungen, wobei alle 40 Fahrzeuge sicher qualifiziert sind: Derrike Cope ist wieder in der #55 von Premium Motorsports am Start und Tommy Baldwin Racing bringt ein Fahrzeug mit der #7 und JJ Yeley am Steuer nach Texas.

Entry-List

Zeitplan & TV-Programm:

Freitag, 07.04.
18:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS1
20:30 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
23:00 Uhr, XFINITY Series Final Practice, FS1
00:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Qualifying, FS1

Samstag, 08.04.
15:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS1
16:30 Uhr, XFINITY Series Qualifying, FS1
18:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Final Practice, FS2
19:30 Uhr, XFINITY Series Rennen (My Bariatric Solutions 300), FOX

Sonntag, 09.04.
19:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Rennen (O’Reilly Auto Parts 500), FOX