Die zweite der Runde der Weathertech-Serie steht auf dem Programm. Mit Sebring wartet eine große Herausforderung auf alle Teilnehmer.

Sebring ist ein jedes Jahr eine Sache für sich. Die Strecke auf dem ehemaligen Flughafen in der Mitte von Florida gehört zu den härtesten Kursen im Kalender. Nicht wegen der Streckenführung, sondern eher wegen der vielen Bodenwellen, Bumps und Betonplatten, auf denen das Rennen stattfindet. Die 12 Stunden von Sebring würden ein Auto so belasten wie die 24 Stunden in Le Mans, sagte ein Audi-Techniker mal. Für die immer noch relativ neuen Prototypen ist das eine große Herausforderung.

Die DPIs konnten bei den 24 Stunden von Daytona relativ problemlos den Sieg unter sich ausmachen. Aber das war Daytona, wo die langen Geraden vor allem den Cadillac mit ihren großvolumigen V8-Motoren entgegen kommen. Sebring ist eine andere Sache. Die Geraden sind, bis auf eine Ausnahme, kürzer. Zwar haben die Cadillac immer noch einen leichten Vorteil in Sachen Drehmoment aus den engen Kurven heraus, aber der ist geringer als in den letzten Jahren, da die LMP2 auch in Sachen Motorleistung nachgelegt haben.

Auch die BoP für Sebring spricht gegen die Cadillac. Der Restrictor wurde um 1,5 mm und der Tankinhalt um sieben Liter verkleinert. Und 20 Kilo mehr Ballast gab es auch. Das ist vor allem in Sebring, wo der Verbrauch etwas höher liegt, ein großer Nachteil. Ob die Cadillac-Teams deswegen öfter an die Box müssen, werden dann aber die Caution entscheiden. Mazda und Nissan bekamen etwas mehr Ladedruck zugesprochen, was vor allem dem schon in Daytona schnellen Nissan entgegenkommen sollte. Die Mazda laborieren weiter an ihrem Motor rum, den man im Januar nicht mal mit voller Leistung fahren konnte. Dagegen scheint der Nissan-Motor „bulletproof“ zu sein, aber Nissan hat den Motor ja auch schon ein paar Jahre im Test und auf der Strecke.

Gute Chancen rechnen sich auch die LMP2-Teams aus, die mit dem Gibson-Motor unterwegs sind. Der hat sich bei seinem ersten Einsatz in Daytona durchaus als zuverlässig erwiesen, nur das Getriebe machte hier und da Ärger. Der Einsatz in Sebring dürfte dann Klarheit über die Schwachpunkte des Motors/Getriebes in Sachen Vibration bringen.

Das gilt auch für den schnellen Rebellion, der, wenn er denn hält, zu den Favoriten in Sebring gehört. In Daytona hatte man Probleme mit dem elektronischen Gaspedal, aber wenn der Rebellion unterwegs war, dann gehörte er zu den schnellsten Autos auf der Strecke. Dass das Oreca-Chassis auch 2017 „state of the art“ ist, hat man also schon mal unter Beweis gestellt.

Die anderen Favoriten sind schnell benannt: Die ESM-Nissan, die drei Cadillac und der in Daytona erstaunliche schnelle Riley-DPi dürften den Sieg unter sich ausmachen. Aber man kann davon ausgehen, dass es vorne sehr eng zugehen wird.

GTLM
Natürlich gibt es auch in der GTLM eine neue BoP. Da darf sich vor allem der unterlegene BMW M6 freuen. Man darf 10 Kilo ausladen und der Tank ist seit Daytona um sechs Liter gewachsen. Ebenso der Spritmengenbegrenzer beim Tanken (+3,5 mm). Ob das reicht, um den M6 konkurrenzfähig zu bekommen? Zumindest hilft es in Sebring, wo der Topspeed nicht ganz so wichtig ist.

Eine kleine Überraschung ist, dass auch Porsche eine bessere BoP bekam. Eigentlich lief der neue RSR ja schon in Daytona nicht schlecht und Sebring sollte dem 911er auch gut passen, auch wenn der Motor ja jetzt nicht hinter der Achse sitzt, sondern mitten drauf. Porsche bekommt drei Liter mehr in den Tank und darf schneller tanken (+5,5 mm). Klingt nicht nach viel, kann aber auf die Distanz eine Menge ausmachen.

Ansonsten blieb die BoP so wie sie war, Ford, Ferrari und die Corvette hat man nicht angefasst. Das ist vor allem im Fall der Corvette etwas überraschend, die sich in Daytona schwer getan haben. Es fehlt in diesem Jahr an Topspeed und auch beim Abtrieb scheinen Ford, Ferrari und Porsche besser aufgestellt zu sein. Für die Corvette sprechen aber ihre Haltbarkeit und das Handling.

Wie gut Ford in Sebring sein wird, ist schwer zu sagen. Es ist nicht wirklich eine Strecke, die einem Auto mit so einem langen Radstand liegt. Den GT um die vielen engen Ecken zu wuchten, ist eine Sache, dass die Aerodynamik in den langsamen Passagen nicht zum Tragen kommt, dann schon eine andere. Daher sollten die Favoriten in Sebring Ferrari und Porsche heißen. Aber wie immer ist es in der Klasse einfach zu eng, da kann viel passieren.

GTD
Da hat sich in Sachen BoP nur wenig getan – nur der AMG wurde bestraft. Gleich 20 Kilo muss der GT in Sebring zuladen und damit ist der AMG nach dem Ferrari das schwerste Auto im Feld (1340 kg). Zum Vergleich: Der Aston Martin wiegt 1290 kg, der R8 1320 kg. Warum die IMSA meint, den AMG so zu bestrafen, ist nicht zu erklären. Zwar lief das Auto in Daytona gut, war aber nicht dominant. Die Testzeiten waren auch nicht auffällig. Aber vielleicht hat die IMSA da was in den Daten entdeckt.

Bis auf Kleinigkeiten hat man die Klasse aber in Ruhe gelassen, was eine gute Sache ist. Eventuell ist noch überraschend, dass man dem Lexus, der in Daytona deutlich weit weg von der Pace war, keinen BoP-Bonus gegeben hat. Allerdings hieß es in Daytona auch, dass das Team noch Probleme hatte, den Wagen zu verstehen, obwohl man ja Einsatzfahrer aus der VLN hatte, die den Wagen schon kennen.

Wie üblich dürfte die Klasse in Sebring zu den spannendsten gehören. Die Siegchance verteilen sich durch das gesamte Feld, obwohl es natürlich schon zwei, drei Favoriten gibt. Zum einen die Ferrari-Mannschaft um Christa Nielsen, zum anderen den Land Motorsport Audi R8 mit de Philippi, Mies und Jules Gounon. Porsche ist in Sebring immer für einen Sieg gut, vor allem wenn es regnet. Aber der einzige nennenswert gut besetzte Porsche ist der Park Place-Porsche, auf dem Jörg Bergmeister und McMurry sitzen. Als dritten Fahrer hat man Patrick Lindsey.

Eine Überraschung könnten die Acura NSX landen. Die waren in Daytona schon erstaunlich schnell und zuverlässig, die Strecke in Sebring sollte dem NSX liegen. Da sollte man auf die Mannschaft Segal/Negri/Dyer ein Auge haben.

Los geht es in Sebring am Samstag, Start ist gegen 15:30 Uhr.

Update 16.03.2017:
Am Donnerstagmorgen amerikanischer Zeit hat die IMSA ein weiteres Bulletin veröffentlicht. Die Cadillac haben im Bereich der Refueling Restrictor +1,5 mm erhalten. Bei den Nissan-Prototypen beträgt die Änderung +1 mm. Neben den beiden DPIs wurde auch beim GTE-Ferrari eine Anpassung diesbezüglich vorgenommen. Beim 488 GTE steht ebenfalls +1 mm zu Buche.

 

 

 

 

Bilder: IMSA