Ein glücklicher Martin Truex Jr. konnte in Las Vegas am Ende den Schraubenschlüssel des Hauptsponsors in Empfang nehmen. Er profitierte von einem Reifenschaden bei Brad Keselowski nur zwei Runden vor Schluss. Die Story des Wochenendes lieferten allerdings Kyle Busch und Joey Logano mit einer handfesten Prügelei nach dem Rennen.

Analyse Las Vegas 2017

„Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!“ Mit diesem Satz kann man das Rennen in Las Vegas wohl am besten beschreiben. Ähnlich wie in Atlanta vor einer Woche blieb nämlich auch in der Wüste von Nevada die Einführung der Stages nahezu unbemerkt. Joey Logano und Jimmie Johnson waren die einzigen Piloten, die dieses Mal wenigstens etwas versuchten. Sie blieben in den Gelbphasen jeweils kurz vor dem Ende der ersten beiden Segmente auf der Strecke. Ohne frische Reifen fielen sie jedoch schnell der drängenden Konkurrenz zum Opfer. Beide Male war es Martin Truex Jr., der noch beim Restart die Führung zurückerobern konnte und schließlich die Stages gewann.

Man konnte jedoch förmlich darauf warten, dass Martin Truex Jr. die Führung versiebte, weil wieder irgendetwas bei der #78 schief lief. Gut 20 Runden vor der karierten Flagge holte sich dann Brad Keselowski die Führung und sah schon wie der sichere Sieger aus. Zwei Umläufe vor dem Ende musste die #2 allerdings mit einem platten Reifen massiv Geschwindigkeit rausnehmen. Truex zog gemeinsam mit Kyle Larson, Chase Elliott und Joey Logano am Unglückswurm Keselowski vorbei, der immerhin noch ein Top-5-Resultat retten konnte. Dahinter platzierten sich Denny Hamlin, Ryan Blaney, Jamie McMurray, Matt Kenseth und Clint Bowyer innerhalb der Top-10. Jimmie Johnson wurde nach seinem misslungenen Reifen-Experiment noch Elfter. Kevin Harvick schied ebenso wie Corey LaJoie früh nach einem Unfall aus, und Danica Patrick erlitt in Runde 253 von 267 einen heftigen Motorschaden, der die halbe Tribüne einnebelte.

Während sich die halbe Welt noch für Martin Truex Jr. freute, dem das Pech ausnahmsweise mal in die Karten spielte, wiederholte FOX eine Szene zwischen Kyle Busch und Joey Logano in der letzten Runde. Logano tauchte etwas optimistisch in Turn 3 ein, um im Zweikampf mit Busch den zurückfallenden Teamkollegen Brad Keselowski innen zu überholen. Dabei nahm die #22 so viel Geschwindigkeit mit in die Kurve, dass es sie nach außen trieb, wo sie die #18 umdrehte. Nach dem Rennen war Busch sofort zur Stelle und verpasste Logano ohne große Worte direkt einen Faustschlag ins Gesicht. Hätte sich Busch zuvor die Wiederholung im TV angesehen, hätte er gewusst, dass es ein Rennunfall gewesen war. Logano konnte man keine Absicht unterstellen, auch wenn sein Manöver wohl kaum Aussicht auf Erfolg hatte.

Aber so fährt Joey Logano eben und dafür riskierte er zuletzt viel Ärger mit den Kollegen. Kyle Busch nahm es dieses Mal im wahrsten Sinne des Wortes selbst in die Hand und versuchte sich an einer direkten Bestrafung des Gegners, der ihm sein Finish ruinierte. Die Boxencrew der #22 trennte beide Piloten schnell voneinander und befasste sich intensiv mit Busch, der seinerseits einen kleinen Cut an der Stirn davontrug. Die NASCAR gab bereits bekannt, dass man keine weiteren Schritte unternehmen wird. In diesem Fall wird die Rennleitung sich zurückgehalten haben, weil der Vorfall nicht auf der Strecke ausgetragen wurde und somit keine Gefährdung Unschuldiger gegeben war. Man verwies explizit darauf, dass solche Aktionen wie von Matt Kenseth in Martinsville nicht gehen.

Ungemach könnte aber trotzdem für Kyle Busch drohen, denn Sponsor Mars verwies nach dieser Aktion reflexartig auf die verletzten Familienwerte des Konzerns. Ein Revanchefoul gegen Ron Hornaday in der Truck Series kostete Busch 2011 abseits der NASCAR-Sperre für das restliche Wochenende schon einmal für zwei Rennen den Hauptsponsor. Gerade in der heutigen Zeit, in der selbst bei Dale Earnhardt Jr. noch immer nicht die volle Saison an Geldgeber verkauft werden konnte, sollte man sich lieber etwas bedeckt halten, wenn man auch morgen noch Rennen fahren möchte.

Race-Results
Driver-Standings
Owner-Standings

Vorschau Phoenix März 2017

Dieser Vorfall konnte recht gut von der mangelnden Spannung trotz der Einführung der Stages ablenken. Doch wenn am nächsten Wochenende die Motoren erneut gestartet werden, wird diese hässliche Fratze möglicherweise wieder sichtbar werden. Im besten Fall bietet der Phoenix International Raceway mit seiner ungewöhnlichen Charakteristik selbst ein wenig Abhilfe. Die Turns haben mit 10 bis 11 bzw. 8 bis 9 Grad ein voneinander abweichendes, variables Banking und dazu kommt der unterschiedliche Kurvenradius. Dadurch musste auf der Gegengeraden ein Knick eingebaut werden, der sogenannte Dog-Leg. Dieser ist seinerseits mit 10 bis 11 Grad überhöht und oft Schauplatz spektakulärer Abkürzungsversuche, die nicht selten schiefgehen.

Wenn die Kommentatoren am Wochenende auf die Strecke zu sprechen kommen, werden sie mit Sicherheit die geplanten Umbaumaßnahmen im Detail erwähnen. Bis Ende 2018 soll die Start-Ziel-Linie vor den Dog-Leg verlegt werden und die Boxengasse einen engeren Radius erhalten. Die Haupttribüne verlegt man konsequenterweise ebenso um die jetzigen Turns 1 und 2. Bis dahin ist allerdings noch etwas Zeit und geht es nach Kevin Harvick, dann gewinnt er am Wochenende sein siebtes Phoenix-Rennen seit den letzten Anpassungen an der Strecke im Jahr 2011. Das wäre dann gleichzeitig sein vierter Sieg in der Frühjahrsausgabe in Folge. Wenn man die momentane Stärke der Fords so anschaut, spricht eigentlich nichts dagegen, auch wenn das 1-Meilen-Oval eigentlich eher Chevrolet-Territorium ist. Joey Logano gewann im Übrigen das letztjährige Chase-Rennen – in einem Ford.

Auf der Entry-List gibt es keine Änderungen zum Rennen in Las Vegas, daher sehe ich hier keinen Kommentarbedarf. Diese 39 Fahrzeuge sind am Sonntag alle fest dabei:

Entry-List

Zeitplan & TV-Programm:

Ich hatte in der letzten Woche komplett übersehen, dass in den USA ja bereits auf Sommerzeit umgestellt wurde. Falls jemand deswegen den Start in Las Vegas verpasst hat, tut mir das leid. Die aktuell nur fünfstündige Zeitdifferenz zur amerikanischen Ostküste begleitet uns noch bis zum nächsten Wochenende. In der Nacht vor dem Rennen in Fontana stellen dann wir die Uhren wieder um eine Stunde nach vorne.

Freitag, 17.03.
18:00 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
19:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS1
21:00 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
23:00 Uhr, XFINITY Series Final Practice, FS1
00:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Qualifying, FS1

Samstag, 18.03.
17:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS2
18:00 Uhr, XFINITY Series Qualifying, FS2
19:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Final Practice, FS2
21:00 Uhr, XFINITY Series Rennen (DC Solar 200), FOX

Sonntag, 19.03.
20:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Rennen (Camping World 500), FOX