Die Daytona Speedweeks sind erst wenige Tage alt und schon steht der erste Rennsieger des neuen NASCAR-Jahres fest. Ebenso gibt es die vorderste Startreihe und auch zwei fest qualifizierte Open-Teams für das Great American Race zu verkünden. Im Hinblick auf die Duels am Donnerstag können schon erste Schlüsse gezogen werden.

Advance Auto Parts Clash

Wenn man es ganz genau nimmt, wurden die ersten Konstanten der neuen NASCAR-Saison alle an einem einzigen Tag festgelegt. „The Clash“ konnte nach einem Regenschauer im Anschluss an das ARCA-Rennen nämlich erst am Sonntag vor dem Pole-Qualifying ausgefahren werden. Für die Fahrer und Teams ist das natürlich ein wahres Albtraum-Szenario. Sie müssen mit einem Fahrzeug bei strahlendem Sonnenschein auf die Strecke gehen, das explizit für einen Einsatz unter Flutlicht aufgebaut und auch nur zu später Uhrzeit vorab getestet werden konnte.

Trotzdem blieb es vergleichsweise ruhig und vor allem Joe Gibbs Racing untermauerte im zweiten Segment bis drei Runden vor dem Ende eine eindrucksvolle Performance mit dem geschlossenen Vierergespann an der Spitze. Diese Position hatte das Team mit einer geschickten Strategie von Team Penske abgeluchst, die das Rennen in Führung begonnen hatten. Die JGR-Piloten gingen in der letzten Runde des ersten Segments geschlossen zum Nachtanken, als die Competition-Caution noch nicht ausgerufen war. Somit verlor man keine Runde und konnte unter gelber Flagge die Führung erobern – bis auf Kyle Busch, der eine Strafe wegen Speeding in der Pitlane bekam.

Brad Keselowski und Joey Logano hielten sich – im Nachhinein gesehen – aber wohl nur geschickt raus, denn drei Runden vor Schluss brach das Duo plötzlich nach vorne durch. In der letzten Runde bekam Keselowski einen Wahnsinnspush von Logano und wollte in Turn 2 an Denny Hamlin vorbeiziehen, der aber sofort die Innenbahn dichtmachte. Ein bisschen dämlich war die Aktion natürlich schon, denn Keselowski hatte klar die Nase innen. Der entstehende Rückstau auf der unteren Linie verhalf Logano, Kyle Busch und Alex Bowman zu freier Bahn und einer Chance auf den Sieg. Da Busch und Bowman jedoch direkt Seite an Seite um den zweiten Platz kämpfen wollten, konnte Logano vorne unbedrängt in die Victory-Lane entkommen. Das war nicht sehr durchdacht.

Die wichtigste Lektion aus dem Clash wird aber hoffentlich Hendrick Motorsports ziehen, die bei Jimmie Johnson gleich zwei Snap-Loose-Abflüge ohne Feindberührung in nur wenigen Runden beobachten mussten. Diese Aero-Probleme kennt man vom Team ja schon aus der letzten Saison, wo bei allen Superspeedway-Auftritten die HMS-Chevys quer durch die Bank abtrudelten. Dale Earnhardt Jr. zeigte ich in seiner ungewohnten, aber souverän gemeisterten Rolle als Kommentator direkt besorgt und wies auf das Verbesserungspotenzial in den nächsten Practices hin. Das Problem ist bekannt und man bekommt es einfach nicht gelöst. Sollte das so bleiben, dann wird am Sonntag kein Hendrick-Chevrolet in der Victory-Lane stehen.

Results Advance Auto Parts Clash

Pole-Qualifying

Im anschließenden Einzelzeitfahren ohne größere aerodynamische Verwirbelungen lief es dann jedoch deutlich besser für Hendrick Motorsports. Die #24 konnte mit einer sensationellen Runde bereits zum dritten Mal in Folge die Pole-Position für das Daytona 500 einfahren – 2015 Jeff Gordon und 2016/2017 Chase Elliott. Dahinter reihte sich Teamkollege Dale Earnhardt Jr. mit einer ebenfalls grandiosen Zeit und nur zwei Tausendstelsekunden Differenz ein. Beide Piloten können nun entspannt auf ihre Duels am Donnerstag blicken. Zum Vergleich: Den Drittplatzierten Brad Keselowski deklassierte man mit viereinhalb Hundertstel bei einem Vollgasanteil von 100% geradezu.

Auf technischer Seite fiel auf, dass es wirklich wichtig war, den Wagen so tief wie möglich auf die Strecke zu drücken. Damit sollten Verwirbelungen unter dem Auto ausgeschlossen werden, um im Wind möglichst wenig Geschwindigkeit zu verlieren. Wer jedoch zu weit ging, der setzte auf und bremste sich dabei logischerweise selbst aus. Joey Logano war dafür ein gutes Beispiel, denn er versuchte noch, der #22 mit einem kräftigen Burnout beim Losfahren ordentlich Reifendruck zu verpassen. Am Ende kam er aber nicht auf die richtige Höhe und zog eine Funkenschleppe hinter sich her, in der er eine Zehntel auf die Führenden verlor.

Eine weitere Entscheidung bereits vor der Austragung der Duels stellt die Qualifikation der beiden Open-Teams #75 – Brendan Gaughan (Beard Motorsports) und #7 – Elliott Sadler (Tommy Baldwin Racing) dar. Diese Mannschaften lieferten im Einzelzeitfahren die beiden schnellsten Zeiten aller nicht fest qualifizierten Teams ab und sind damit im Great American Race dabei. Besonders bei der #75 eine beeindruckende Leistung, denn dieses Team kam ohne nennenswerte Erfahrung nach Daytona und brachte den Chevrolet mit, den Michael McDowell für Leavine Family Racing im letzten Jahr auf Platz 15 fahren konnte. In den Practices vor dem Pole-Qualifying legte Gaughan zudem nur zwei(!) Runden zurück, um Abstimmungsarbeit zu leisten.

Results Pole Qualifying

Can-Am Duels

Die endgültige Startaufstellung wird dann in den Can-Am Duels in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ermittelt. Die Teilnehmer jedes Duels ergeben sich aus dem Ergebnis des Pole-Qualfyings: ungerade Positionen starten im ersten Duel und gerade Platzierungen im zweiten Duel. Die sechs Open-Teams wurden gleichmäßig auf beiden Rennen verteilt. Der Zieleinlauf des ersten Duels bestimmt die inneren Startplätze im Daytona 500 und der des zweiten Duels die äußeren. Sehr simple Symmetrie also an dieser Stelle. Etwas schwerer wird es da schon bei den Open-Teams beim Rennen um die letzten beiden Strohhalme:

Das beste Open-Team pro Duel qualifiziert sich ebenfalls für das Great American Race. Sollten sich Brendan Gaughan und/oder Elliott Sadler hier noch einmal ins Daytona 500 fahren, rücken die schnellsten Teams aus dem Pole-Qualifying nach. Während aber #55 – Reed Sorenson (Premium Motorsports) und #96 – DJ Kennington (Gaunt Brothers Racing) auf Schützenhilfe hoffen können, müssen #83 – Corey LaJoie (BK Racing) und #51 – Timmy Hill (Rick Ware Racing) auf jeden Fall aus eigener Kraft ins Daytona 500 fahren. Teilweise wird es da im Hinterfeld ganz schön spannend und nach dem Ende des ersten Duels ergibt sich für die Teilnehmer des zweiten Duels eine neue Ausgangslage.

Line-Up Can-Am Duel #1
Line-Up Can-Am Duel #2

Zeitplan & TV-Programm:

Donnerstag, 23.02.
18:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS1
20:00 Uhr, Truck Series Practice, FS1
22:00 Uhr, Truck Series Final Practice, FS1
01:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Rennen (Can-Am Duel #1), FS1
ca. 03:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Rennen (Can-Am Duel #2), FS1

Freitag, 24.02.
18:00 Uhr, XFINITY Series Practice, FS1
19:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS1
20:00 Uhr, XFINITY Series Final Practice, FS1
21:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Practice, FS1
22:30 Uhr, Truck Series Qualifying, FS1
01:30 Uhr, Truck Series Rennen (NextEra Energy Resources 250), FS1

Samstag, 25.02.
16:30 Uhr, XFINITY Series Qualifying, FS1
18:30 Uhr, Monster Energy Cup Series Final Practice, FS1
21:30 Uhr, XFINITY Series Rennen (Powershares QQQ 300), FS1

Sonntag, 26.02.
20:00 Uhr, Monster Energy Cup Series Rennen (Daytona 500), FOX