An diesem Wochenende steht Michigan – Teil 2 auf dem Programm und damit verbleiben den Wildcard-Anwärtern nur noch vier Rennen, um sich für den Chase zu qualifizieren. In Watkins Glen hat unterdessen Jimmie Johnson die Tabellenführung von Dale Earnhardt Jr übernommen und auch deren Teamkollege Jeff Gordon musste dort einige Federn lassen.

Nach Daytona und Pocono ist der Michigan International Speedway erst die dritte Strecke, auf welcher in dieser Saison nun schon zum zweiten Mal gefahren wird. Das Rennen im Juni entschied Dale Earnhardt Jr für sich, womit er seine exakt vierjährige sieglose Serie schließlich beendete und sich zum Kreis der Meisterschaftsanwärter aufschwang. Genau an derselben Stelle ist nun für Junior natürlich ein weiterer Saisonerfolg nicht unwahrscheinlich und diesen benötigt er unbedingt, um das Momentum des Teams bis zum Chase aufrecht zu erhalten. Zusätzlich gibt es bekanntlich für jeden Sieg während der Regular-Season drei Bonuspunkte auf das 2000-Zähler-Konto der Playoffs addiert und falls Earnhardt ernsthaft mit dem Titel kokettiert, sollte er versuchen, in den verbleibenden vier Rennen bis zum Chase möglichst viele dieser Extrazähler zu ergattern.

Die Strecke nahe der Grenze zwischen den USA und Kanada ist zudem ein Oval, welches Junior liegt: Es gibt auf einer Länge von 2 Meilen bei  18° Banking quasi genauso viele mögliche unterschiedliche Linien wie Seen in der Umgebung und gerade Earnhardt liebt ja die oberste Fahrspur direkt an der Mauer entlang und die geht in Michigan natürlich wie eine Eins. Daraus ergibt sich aber direkt ein Problem, denn wenn jeder sich für das Handling seines Autos einfach nur den passenden Groove aussuchen muss, damit der Speed passt, zieht sich das Feld immer sehr schnell auseinander, weil alle am persönlichen Limit unterwegs sind. Dazu kommt der problematische Aero-Push für die Verfolger des Führenden, welcher in Form der Clean-Air über einen unschätzbaren Vorteil verfügt.

Beide Probleme werden aber derzeit angegangen: Letzterem versuchte man zunächst während der laufenden Saison mit höheren Bodenabständen der Seitenverkleidungen beizukommen, allerdings gelang es bisher nicht so recht, den Luftwiderstand ausreichend zu erhöhen. Im nächsten Jahr wird die NASCAR mit den neuen Silhouetten vermutlich/hoffentlich mehr Erfolg haben. Das CoT 2.0 speckt 2013 gegenüber seinem „Vorgänger“ deutlich ab und ist dann ca. 100 Pfund leichter. Dies soll es Goodyear ermöglichen – endlich endlich endlich – weichere Reifen an die Strecke zu bringen, die schneller verschleißen und damit durch Gripunterschiede wieder mehr Rennaction zu produzieren.

Das Thema Reifen bringt mich direkt zurück zum ersten erwähnten Problem: Vor der Juni-Ausgabe des Michigan-Rennens wurde die Strecke neu asphaltiert, was zu extrem hohen Geschwindigkeiten jenseits der 200-mph-Grenze führte. Die auserwählten Pneus von Goodyear antworteten auf die resultierenden Kräfte mit Blasenbildung, weshalb der Einheitshersteller zum Qualifying nachträglich die Variante „extra-holzig“ ankarren musste. Das Resultat im Rennen war dann wieder typisch Michigan und Junior führte auf dem Weg zum Sieg fast die Hälfte der 200 Runden. In weiteren Reifentests wurde kürzlich eine neue Gummimischung für den August festgelegt, mal abwarten, was die dann bringt.

Dem letzten Ergebnis nach zu urteilen, sollten die Wagen von Hendrick Motorsports und ihre artverwandten Kollegen bei Stewart-Haas Racing sowie die Ford-Truppe von Roush-Fenway Racing am Wochenende im Vorteil sein, denn diese drei Teams konnten im Juni die Top6 für sich beanspruchen. Im Toyota-Lager lagen alle drei Fahrzeuge von Michael Waltrip Racing vor der Konkurrenz in Form von Joe Gibbs Racing, wobei Denny Hamlin und Joey Logano in Unfälle verwickelt waren, während Clint Bowyer  und Martin Truex Jr die Top12 enterten. Für Penske Racing war dagegen kein Top10-Resultat erreichbar.

Überrascht haben in der ersten Ausgabe Marcos Ambrose und Juan Pablo Montoya: Ambrose holte sich die Pole-Position und lag immerhin insgesamt 15 Runden in Führung, wobei am Ende leider nur Platz 9 heraussprang. Wenn der Australier nach seinem Sieg in Watkins Glen also ein Wörtchen um die Wildcards mitreden will, dann sollte Michigan das optimale Pflaster sein, um einen weiteren Saisonerfolg zu holen. Montoya hielt sich im Juni auf dem 2-Meilen-Oval einmal schadlos und landete auf einem soliden achten Rang.

Thema Wildcards: Watkins Glen hat die ganze Reiberei um die letzten Chase-Plätze nicht gerade übersichtlicher gemacht und da sich mit Marcos Ambrose nun ein weiterer Kandidat eingebracht hat, profitiert lediglich Kasey Kahne als einziger Pilot mit zwei Saisonsiegen von den immer schmaler werdenden Möglichkeiten der direkten Konkurrenz. Kyle Busch musste seine eigentlich sichergeglaubte Fahrt in die Victory-Lane während der turbulenten letzten Runde auf dem Road-Course abschreiben, was ihm natürlich eher geschadet als geholfen hat.

Auch Jeff Gordon verlor durch seinen Dreher im finalen Umlauf wichtige Punkte in der Meisterschaft und musste dort neben Busch auch Ryan Newman den Vortritt lassen, wobei letzterer Pilot momentan die zweite Wildcard besetzt. Unterdessen wird die Zeit für Carl Edwards richtig knapp, denn um noch eine realistische Chance zu erhalten, muss er zwei der nächsten vier Rennen – und damit satte 50% – gewinnen. Paul Menard, Marcos Ambrose sowie Joey Logano rechnen die meisten Beobachter wohl eher noch Außenseiterchancen ein. Die genauen Platzierungen und Abstände jenseits der Top10 können der weiter unten verlinkten Punktetabelle entnommen werden.

Ganz vorne in der Meisterschaft ist es unglaublich eng geworden, da Jimmie Johnson die Führung von Dale Earnhardt Jr (-17) übernommen hat, welcher sich jetzt nur noch auf Platz 4 befindet. Direkt hinter Johnson – und zwar mit jeweils einem Punkt Abstand aufeinander DIREKT dahinter – rangiert das Roush-Fenway-Duo bestehend aus Greg Biffle (-1) und Matt Kenseth (-2). Ab Brad Keselowski (-44) auf Rang 5 dürfte wohl kein Fahrer auf wöchentlicher Basis bis an die Spitze vorstoßen, um Johnson dort abzulösen.

Weiter hinten auf Platz 10 steht jetzt Denny Hamlin, der nach seinem Motorschaden in Watkins Glen etwas in Verlegenheit geraten könnte, da er die Differenz zu Rang 11 auf 40 Zähler einschmelzen ließ. Das ist zwar kein Weltuntergang, weil er sich nun schon 2-3 weitere DNFs in vier Rennen einfangen müsste, um noch aus den Top10 zu fallen. Sollte Hamlin aber wirklich eine Wildcard benötigen, dann hat er derzeit immerhin zwei Saisonsiege auf seinem Konto, womit es sich eventuell überleben lässt. Es bleibt spannend…

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm vom Wochenende.

Nicht vergessen: Die Nationwide Series fährt am Samstagabend um 20 Uhr in Montreal, wo man bisher eigentlich immer spannende Rennen generieren konnte! Die Entry-List ist dabei wie immer auf Rundkursen sehr prominent besetzt, so werden neben den Regulars Elliott Sadler (#2 Richard Childress Racing), Austin Dillon (#3 Richard Childress Racing), Ricky Stenhouse Jr (#6 Roush-Fenway Racing), Danica Patrick (#7 JR Motorsports), Sam Hornish Jr (#12 Penske Racing) und Justin Allgaier (#31 Turner Motorsports) auch Gaststarter wie Ron Fellows (#5 JR Motorsports), Jacques Villeneuve (#22 Penske Racing), Alex Tagliani (#30 Turner Motorsports), Brendan Gaughan (#33 Richard Childress Racing), Kyle Busch (#54 Kyle Busch Motorsports) sowie Patrick Carpentier (#99 RAB Racing) vertreten sein.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 17.08.
18:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
20:00 Uhr, Trucks Series Final Practice, SPEED
22:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED

Samstag, 18.08.
14:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
15:30 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED
17:00 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
18:00 Uhr, Truck Series Rennen (VFW 200), SPEED
20:00 Uhr, Nationwide Series Rennen (NAPA Auto Parts 200), ESPN / RaceBuddy

Sonntag, 19.08.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Pure Michigan 400), ESPN / RaceBuddy

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