Auf dem 1-Meilen-Oval in Loudon, New Hampshire beginnt an diesem Wochenende die zweite Hälfte der Saison und damit verbleiben den Fahrern in Reichweite des Chase nur noch acht Rennen, um sich für die Playoffs zu qualifizieren. Gerade im Kampf um die beiden Wildcards zwischen Platz 11 und 20 wird es da in den kommenden Wochen noch sehr eng werden.

So langsam aber sicher steuert die Sprint-Cup-Saison 2012 auf ihre spannende Phase zu, wenn in den nächsten acht Rennen bzw. neun Wochen die (letzten) Tickets für den Chase gelöst werden. Neun Wochen deshalb, weil nach New Hampshire zunächst die obligatorische Sommerpause ansteht. Die oberste NASCAR-Liga gönnt sich nach Ostern nämlich ein zweites Off-Weekend, bevor man auf dem Traditionsoval von Indianapolis wieder durchstartet. Nachdem die Verkürzung der Distanz dem Rennen in Pocono so gut getan hat, befürchte ich dann fast, dass Loudon am Wochenende vermutlich der am wenigsten sehenswerte Meisterschaftslauf dieser Serie bis zu den Playoff werden könnte:

Der New Hampshire Motor Speedway ist eigentlich eher nicht für spektakuläre Rennen bekannt und bietet bei einer Meile Streckenlänge sowie einem Banking von lediglich 7° auch nicht die besten Voraussetzungen dafür. Im Grunde genommen ist der Quasi-Shorttrack ein großer Bruder von Martinsville, wobei selbst dieser oft belächelte „Parkplatz mit zwei Pylonen als Wendemarken“ noch mehr Kurvenüberhöhung bietet als die wirklich sehr flache Piste in Loudon. Aber wie man so schön sagt: „Des einen Freud ist des anderen Leid!“

Begeistert sind beim Stichwort New Hampshire eigentlich nur die Ingenieure, deren Aufgabe es ist, den Piloten ein fahrbares Auto zu übergeben. Die Streckencharakteristik sorgt dafür, dass es hier ganz besonders auf ein neutrales Handling ankommt: Hat man in den topfebenen Turns mit Untersteuern zu kämpfen, kann man nicht „früh ans Gas“ und dementsprechend kein Momentum mit auf die langen Geraden nehmen.

Auch ein übersteuernder Wagen hilft natürlich nicht dabei, das Drehmoment im Kurvenausgang frühzeitig auf den Boden zu bringen, um anschließend einen guten Top-Speed zu erreichen. So mancher Fahrer wird am Sonntag daher sicherlich 300 Runden lang seine helle Freude mit einem unfahrbaren Auto haben, welches den Gesetzen der Fahrphysik einfach standhaft zu strotzen scheint. Es gibt aber eine Marke, die in New Hampshire seit Einführung des CoT 2007 besonders gut auf der „Magic Mile“ zurechtkommt:

Fahrzeuge mit Chevrolet-Motor gewannen sagenhafte sieben der letzten zehn Rennen in Loudon, was schon ein recht eindeutiges Bild zeichnet. Im letzten Jahr blieben mit Ryan Newman (Juli) und dem späteren Meister Tony Stewart (September) sogar gleich die beiden Piloten von Stewart-Haas Racing siegreich. Die einzigen nicht Chevy-Siege entstammen den Jahren 2008 und 2009, in denen alle anderen Hersteller bei drei direkt aufeinanderfolgenden Ausgaben wenigstens jeweils einmal ein Fahrzeug in die Victory-Lane entsenden konnten.

Die drei dominanten Teams neben SHR waren ab Beginn des Betrachtungszeitraumes:
Hendrick Motorsports (2009 Mark Martin, 2010 Jimmie Johnson)
Joe Gibbs Racing (2007 Denny Hamlin (noch im Chevy), 2009 Joey Logano (Regenabbruch)
Richard Childress Racing (2007 und 2010 Clint Bowyer).

Roush-Fenway Racing (2008 Greg Biffle) und Penske Racing (2008 Kurt Busch) konnten seit 2007 je ein Mal gewinnen.

Am Wochenende könnte ich mir aber vorstellen, dass Michael Waltrip Racing kräftig durchstartet. Das aufstrebende Team war zuletzt auf den Shorttracks extrem gut unterwegs und konnte mit Clint Bowyer in Sonoma auch bereits einen Saisonsieg einfahren. Zudem sitzt am Sonntag Brian Vickers in der #55, der zumindest in Bristol sowie Sonoma – und damit immerhin bei zwei seiner bisher erst drei Saisonrennen – in den Top5 ins Ziel kam. Auf den Shorttracks hat Vickers sich zwar nicht immer viele Freunde gemacht, aber man sollte auf jeden Fall mit ihm rechnen.

In der Meisterschaft spielt Letzterer aufgrund seines Teilzeitjahres natürlich keine Rolle, doch andere Piloten machen die Lage in der Fahrerwertung derzeit massiv spannend, was folgende Auflistung recht gut verdeutlicht:

11. #99 Carl Edwards: -31 Punkte auf Platz 10, 0 Siege
12. #18 Kyle Busch: -56, 1
13. #27 Paul Menard: -65, 0
14. #20 Joey Logano: -69, 1
15. #39 Ryan Newman: -70, 1
16. #5 Kasey Kahne: -72, 1
17. #24 Jeff Gordon: -87, 0

Diese sieben Fahrer liegen zwar einigermaßen abgeschlagen außerhalb der regulären Chase-Platzierungen, können sich aber über die Wildcards für die Playoffs qualifizieren. Die beiden Piloten mit den meisten Saisonsiegen zwischen Platz 11 und 20 bekommen quasi jeweils ein Extra-Ticket für den Chase. Vier von sieben Fahrern haben auf diesen „billigen“ Plätzen schon eine Fahrt in die Victory-Lane zu Buche stehen und können mit einem weiteren Erfolg viel Boden gutmachen.

In diesem Abschnitt der Tabelle ist es daher weit interessanter als in den Top10 selber, wo man sich jetzt schon zwei oder drei DNFs leisten muss, um in den verbleibenden acht Rennen bis zu den Playoffs noch seine Teilnahme zu versemmeln. Es liegen also spannende neun Wochen vor uns und für den Sonntag bleibt nur noch zu hoffen, dass New Hampshire der Steilvorlage aus Pocono folgt und ein ebenfalls vergleichsweise gutes Rennen abliefert.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm vom Wochenende.

Während Sprint Cup und Nationwide Series in New Hampshire unterwegs sind, statten die Trucks dem Shorttrack in Iowa einen Besuch ab, wo vor ein paar Wochen ja bereits die IndyCars zu Gast waren. Das Truck-Rennen findet jedoch in der Nacht von Samstag auf Sonntag statt und wird in Europa vermutlich nur diejenigen Zuschauer vor die Bildschirme locken, bei denen das Nationwide-Rennen zur angenehmeren Uhrzeit noch nicht ausgereicht hat, um das NASCAR-Fieber ausreichend zu lindern. Der Sprint Cup hingegen bleibt jetzt glücklicherweise bis Ende August vorerst von Nachtrennen verschont.

Dieser Sonntag bedeutet übrigens den Abschied von TNT für dieses Jahr, denn ab dem Brickyard übernehmen ESPN und dessen Muttersender ABC bis zum Saisonende die Berichterstattung. Dass sich dadurch die Qualität der TV-Übertragungen erhöht, darf aber getrost bezweifelt werden. ESPN ist nämlich trotz besserer Kommentatoren dafür bekannt, gerne mal das Geschehen außerhalb der Top10 über ein gesamtes Rennen hinweg komplett auszublenden. Bei diesem Sender hat man schon Glück, wenn nicht auch noch eine spannende Aufholjagd vom Ende des Feldes einfach so ignoriert wird.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 13.07.
13:00 Uhr, Truck Series Practice, SPEED
17:00 Uhr, Nationwide Series Practice, nicht im TV
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
19:30 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED
21:30 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED

Samstag, 14.07.
15:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
16:00 Uhr, Nationwide Series Qualifying, ESPN2
17:00 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
19:30 Uhr, Truck Series Final Practice, nicht im TV
20:30 Uhr, Nationwide Series Rennen (F.W. Webb 200), ESPN / RaceBuddy
00:00 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED (TV um 00:30 Uhr)
02:30 Uhr, Truck Series Rennen (American Ethanol 200), SPEED

Sonntag, 15.07.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (LENOX Industrial Tools 301), TNT / RaceBuddy

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