Das eher maue Rennen in Kentucky ist passé und im Kalender folgt eine Strecke, die unter normalen Umständen deutlich mehr Spannung generiert. Am Wochenende steht das traditionelle Sommerrennen in Daytona auf dem Plan, welches immer rund um den „Fourth of July“ positioniert quasi direkt das nächste Patriotismus-Tam-Tam darstellt.

Zunächst möchte ich mich für die seitlich abgeschnittene Pressegrafik entschuldigen, da die NASCAR-Medienseite es im x-ten Jahr nicht hinbekommen hat, ein vernünftiges Coke-Zero-400-Logo für die schreibende Zunft bereitzustellen. Die Abbildung links ist kurioserweise der Thumbnail, denn das eigentliche Bild ist mit 221×135 Pixeln Größe kleiner und den Sinn dahinter soll mir erstmal jemand glaubwürdig erklären! Ok, damit dann zum dritten Restrictor-Plate-Rennen des Jahres nach dem Daytona 500 und Talladega-Ausgabe #1: Sprint Cup und Nationwide Series besuchen Anfang Juli jetzt zum ersten Mal in dieser Saison eine Strecke zum zweiten Mal und dabei handelt es sich um den Daytona International Speedway, auf dem das NASCAR-Jahr im Februar begonnen hatte.

Das bedeutet bei Saisonrennen #17 in der Nacht von Samstag auf Sonntag übrigens, dass Daytona quasi die erste Hälfte des Jahres beginnt und gleichzeitig auch abschließt. Wie jetzt: „in der Nacht von Samstag auf Sonntag“? Steht etwa schon wieder ein Nachtrennen an? Ganz genau so ist es, aber danach haben wir Europäer dann erstmal bis Ende August / Anfang September Ruhe, wenn Bristol, Atlanta und Richmond in einem 3-Wochen-Paket folgen. Danach geht es nur noch ein Mal im Chase bei Flutlicht zur Sache, wobei dieses Spektakel bekanntermaßen in Charlotte stattfindet.

Das Patriotismus-Fest in Daytona rund um den „Fourth of July“ – den US-amerikanischen Nationalfeiertag – ist aber meist nicht von schlechten Eltern, so dass sich das Aufbleiben lohnen sollte. Durch die enormen Ausmaße des Daytona International Speedway – mit einer Länge von 2,5 Meilen bei einem Banking von 31° – wird natürlich mit den bekannten Luftmengenbegrenzern gefahren, welche die Geschwindigkeiten aus Sicherheitsgründen im Durchschnitt auf unter 200 Meilen pro Stunde drücken sollen.

Damit ergibt sich direkt das nächste Problem, welches 2012 aber eigentlich keines mehr sein sollte oder etwa doch? Vor dem diesjährigen Daytona 500 nahmen die NASCAR-Offiziellen einen Stift zur Hand und schrieben konsequent das Regelbuch um: Mit einigen aerodynamischen Maßnahmen sowie einer Begrenzung des Kühlkreislaufs bekam man nach vielen Anläufen dann auch endlich die ungeliebten Two-Car-Drafts in den Griff, so dass es in dieser Saison erstmals seit einigen Jahren wieder Pack-Racing zu bewundern gibt.

Später funktionierte dieses Konzept zwar auch in Talladega prächtig, doch natürlich sind manche NASCAR-Fahrer nie zufrieden. Das gilt vor allem, wenn man im dichten Verkehr frühzeitig einem Big-One zum Opfer fällt und damit unverschuldet aus dem Rennen genommen wird. Tony Stewart passierte genau dies, was im Nachhinein zu einem sehr kuriosen Interview führte: Für seine sehr sarkastischen Aussagen wurde Smoke entgegen der normalen Vorgehensweise der NASCAR-Offiziellen übrigens nicht bestraft. Das Video habe ich nachfolgend verlinkt:

Man kann sich also offenbar nicht so richtig entscheiden, was man denn nun lieber hätte. Aber genau wie die Fahrer muss auch jeder Fan mit sich selbst ausmachen, was ihm am besten gefällt:

- Der Two-Car-Draft lockert das Feld zwar ein wenig auf und setzt die Big-One-Gefahr etwas runter, doch dafür ist man stark auf das Verhalten des hinteren Partners angewiesen. Schiebt der Hintermann in den Kurven in einem unachtsamen Moment das vorausfahrende Fahrzeug an der LINKEN hinteren Ecke an, führt das aufgrund der ungünstigen Luftströmung unweigerlich zu einem Dreher.

- Auf der anderen Seite steht das Pack-Racing, wo der Fahrer weniger Rücksicht auf potenzielle Partner nehmen muss und auch mal schnell im Zick-Zack zwischen den Linien wechselnd alleine nach vorne fahren kann. Natürlich benötigt man dazu das Restrictor-Plate-Talent eines Dale Earnhardt Jr oder Tony Stewart, um die minimalen Veränderungen in der Dynamik des Drafts optimal für seine Zwecke ausnutzen zu können. Dafür schlägt ein Big-One dann aber auch umso härter zu und nimmt auch mal gerne um die zehn Fahrzeuge gleichzeitig aus dem Rennen.

Nach dem Talladega-Rennen gab es dann auch nur eine einzige Änderung und zwar am Maximaldruck des Kühlwasserkreislaufs: Dieser wurde gegenüber dem Daytona 500 (25 psi) und Talladega im Frühjahr (28 psi) zum jetzigen Sommerrennen in Daytona (32 psi) noch einmal kräftig angehoben. Den Teams stehen jetzt 15-20 °F zusätzlich zur Verfügung, bevor der Motor sich in die ewigen Jagdgründe verabschiedet, womit die NASCAR-Offiziellen ironischerweise tatsächlich auf eines von Tony Stewarts Hauptanliegen eingingen: War das Aggregat nämlich zu dicht in die Nähe der magischen Überhitzungsgrenze gelangt, war es oft nicht mehr möglich, die Temperatur mitten im Pack schnell und ausreichend zu senken.

Auf einen Siegertipp lasse ich mich bei Superspeedways selten ein, deshalb vielleicht nur so viel dazu: In fünf der letzten sieben Daytona-Rennen (2009 bis Anfang 2012) stand ein Ford in der Victory-Lane, wobei diese Quote beim Daytona 500 größer war und 75% entspricht, während die Sommerausgaben lediglich auf 33% kommen. Seit Einführung des CoT konnten aber schon alle vier Hersteller mindestens ein Rennen auf diesem Superspeedway gewinnen. Es kommt also wie immer auf das entscheidende Glück im richtigen Moment an, doch ein überdurchschnittliches Talent kann natürlich durchaus dabei helfen, ein Restrictor-Plate-Rennen zu gewinnen.

Damit sind wir auch schon fast am Ende der Vorschau angelangt, was uns zur TV-Situation am Wochenende bringt: TNT wird bereits das fünfte ihrer Gott sei Dank nur sechs Saisonrennen übertragen und dabei kommt in Daytona traditionell die sogenannte „Wide Open Coverage“ zum Einsatz. Auf den ersten Blick klingt es zwar toll, wenn TNT ankündigt, keine Werbeblöcke zu senden, gerade weil der Sender ja sonst spätestens alle fünf Minuten die Geldgeber zu Wort kommen lässt. Doch der Schein trügt, denn irgendwie muss das Kleingeld für die Übertragung ja trotzdem aufgetrieben werden. So zeigt man stattdessen eben auf einem Drittel des Fernsehbildes Werbebanner und das sieht dann aus, als hätte man seinen Ad-Blocker nicht korrekt installiert.

Weil das Coke Zero 400 ein Nachtrennen von Samstag auf Sonntag ist, fanden traditionell alle Freien Trainings bereits am Donnerstag statt. Aus diesen Zeiten lässt sich jedoch nicht viel herauslesen, da die Wagen mit Ausnahme der nicht-Top-35-Kandidaten ohnehin fast permanent im Draft unterwegs sind. Dort sind die Geschwindigkeiten natürlich höher als im Einzelzeitfahren und schwanken auch deutlich stärker, weshalb sie kein Maß für den eigentlichen Speed sind. Im Practice kommt es meist nur auf die Abstimmung des Handlings an, damit die Autos ruhiger liegen und die Fahrer im Umkehrschluss weniger am Lenkrad korrigieren müssen, um nicht so viel an Momentum zu verlieren.

Am Freitag verpasst man vermutlich auch nicht viel, da die Qualifying-Sessions auf den so langen und weiten Superspeedway nicht gerade für ihre Spannung bekannt sind. Bei lediglich 44 gemeldeten Teams muss im Sprint Cup auch nur eine Mannschaft frühzeitig die Koffer packen und da scheint im Moment Robert Richardson Jr im familieneigenen Toyota mit der #23 ein ziemlich wahrscheinlicher Kandidat zu sein. Ihm fehlten in beiden Freien Trainings schon etwas mehr als eine halbe Sekunde auf die jeweils nächsten Go-or-Go-Homer in Person von Stephen Leicht (#33 – RCR / Joe Falk) bzw. JJ Yeley (#49 – Jay Robinson). Dazu kamen wohl noch Motorenprobleme…

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und der TV-Zeitplan für das Wochenende, dessen verbleibender Rest ja auch eher kläglich wirkt.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 29.06.
20:00 Uhr, Nationwide Series Qualifying, ESPN2
22:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED
01:00 Uhr, Nationwide Series Rennen (Subway Jalapeno 250), ESPN / RaceBuddy

Samstag, 30.06.
01:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Coke Zero 400), TNT / RaceBuddy

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