An diesem Wochenende werden wieder Rechtskurven gefahren, denn der Sprint Cup gastiert in Sonoma zum ersten der zwei jährlichen Rundkursrennen und bietet somit etwas Abwechslung vom Oval-Alltag. Außerdem ist auch die Nationwide Series in Road America unterwegs.

Nur zwei Mal im Jahr lässt der Sprint Cup die überhöhten Steilkurven der Ovale links liegen und baut modernste Technologie in die Wagen ein, mit deren Hilfe man auch nach rechts lenken kann. Spaß beiseite, natürlich fährt man bis auf die notwendige synchrone Abstimmung quasi mit denselben Wagen wie die restliche Saison über. Relativierend muss man dazu allerdings sagen, dass es schon eine gewisse Spezialisierung bei den Chassis gibt, was durch die unterschiedlichen Regeln auf z. B. Superspeedways auch gar nicht anders geht. In diesem Artikel werfen wir anschließend zumindest einen kurzen Blick auf die Entry-List der Nationwide Series für den Samstag. Die zweite Liga besucht 2012 außerdem neben der Road America auch Montreal sowie Watkins Glen – wo der Cup im August ebenfalls Station macht – und kommt damit derzeit sogar auf drei Road-Course-Rennen.

Genau in der angesprochenen relativen Gleichheit der Chassis über die gesamte Saison liegt auch der Reiz der Rundstrecken: Es ist eine große Herausforderung, die schweren und behäbigen Stock-Cars durch die schnellen Lastwechsel zu bugsieren, für die so ein NASCAR-Wagen eigentlich gar nicht konstruiert ist, weshalb sich selbst die erfahrenen Road-Course-Ringer meist schwer dabei tun. Besonders die Berg- und Talbahn des Sonoma Raceway im nördlichen Teil von Kalifornien ist ein hartes Stück Arbeit für Fahrer und Material – erst recht über die Renndistanz von 110 Runden (Unsere verlinkte Streckenbeschreibung gibt allen Interessierten derweil genauere Auskünfte bezüglich Layout und Geschichte.).

Seit Einführung des CoT in der Saison 2007 gibt es aus Kostengründen zudem weit weniger Differenzen zwischen den einzelnen Autos für die unterschiedlichen Streckentypen als noch in den Jahren zuvor. So könnte man einen Wagen für die Shorttracks (insbesondere Martinsville) auch zu den Rundkursen schicken, wobei natürlich einige Änderungen am Fahrwerk notwendig wären. Die großen Teams geben aber trotzdem wieder eine Menge Geld aus, um spezielle Road-Course-Wagen aufzubauen, auch wenn letztlich alle Autos jederzeit unter dieselben Templates der NASCAR-Offiziellen passen müssen. Wenn man sich alleine vor Augen führt, wie oft die Blechverkleidung für die Rennen auf Superspeedways geschliffen wird, um den aerodynamisch notwendigen Baby-Popo-Effekt zu erzielen, dann wird einem ganz schwindelig.

Man geht in Daytona und Talladega sogar so weit, die Contingency-Decals (die kleinen Sponsorenaufkleber um die vorderen Radkästen) exakt einzupassen. Dazu wird vorher die entsprechende Stelle des Wraps (die Lackierung der NASCAR-Wagen ist nahezu komplett geklebt) penibel ausgeschnitten und anschließend nach dem Einpassen der Sticker die harten Übergänge und eventuelle Zwischenräume glatt versiegelt. Nun gut, das ist eigentlich wieder ein ganz eigenes Thema, aber man ahnt schon, welchen Aufwand die Teams dann wohl auch für die Road-Courses treiben werden. Immerhin geht es in Sonoma und Watkins Glen genauso wie bei den vier Restrictor-Plate-Rennen um wertvolle Punkte.

Diese Zähler würden sich so einige Piloten gerne abholen und gerade für die Rundstrecken-Spezialisten öffnet sich an dieser Stelle eine Tür, denn seit 2011 kommt man mit ausreichend Rennsiegen ja auch per Wildcard in den Chase. Für Juan Pablo Montoya und Jeff Gordon stellt diese Möglichkeit unterdessen wohl auch den letzten Strohhalm für eine Playoff-Qualifikation dar. Gordon konnte in Sonoma schon fünf Mal die Victory-Lane besuchen, wobei ihm in dieser Statistik niemand das Wasser reichen kann. Direkt dahinter rangieren nämlich Tony Stewart (+5 Siege in Watkins Glen), Rusty Wallace, Ricky Rudd sowie Ernie Irvan mit „lediglich“ zwei Erfolgen! Montoya gewann 2007 auf dieser Strecke im Debütjahr bekanntlich sein erstes von bisher zwei Sprint-Cup-Rennen.

In den letzten drei Jahren behielten in Sonoma dagegen Fahrer die Oberhand, die man auf den Road-Courses für gewöhnlich nicht so weit vorne sieht. Wer hätte schon gedacht, dass Kasey Kahne (2009), Jimmie Johnson (2010) oder auch Kurt Busch (2011) mal rechts herum schnell unterwegs sein können? 2008 konnte übrigens Kyle Busch gleich beide Rundkurse des Jahres erobern. Wenn sein Motor denn jetzt endlich mal eine komplette Renndistanz übersteht, ist er ein guter Kandidat für den Sieg am Sonntag.

Johnson schnappte sich 2010 die Trophäe von einem sehr unglücklichen Marcos Ambrose, der beim Benzinsparen in der Bergauf-Passage direkt nach Start und Ziel den Motor nicht wieder anlassen konnte und dadurch wertvolle Track-Position verlor. Immerhin konnte Ambrose im letzten Jahr dann Watkins Glen für sich entscheiden, doch trotzdem wird er mit Sonoma noch eine Rechnung offen haben. Ungewöhnlich war daran, dass der Australier den ersten Sieg auf diesem Streckentyp seit 2002 für eine sonst eher Road-Course-schwache Ford-Mannschaft einfahren konnte. Ansonsten wird mit Ford am Wochenende wohl eher nicht zu rechnen sein.

An einen Siegertipp möchte ich mich dieses Mal lieber nicht wagen, nachdem ich den Vorjahressieger im Vorjahresartikel von vornherein de facto ausgeschlossen hatte. Lieber nenne ich mit Kevin Harvick noch einen Fahrer für die Positiv-Liste, denn der Kalifornier ist ein fähiger Rundstrecken-Pilot und zumindest in Watkins Glen schon ein Mal in die Victory-Lane gefahren.

Ein kurzer Blick noch auf die Road-Course-Ringer und Teilzeitfahrer: Mit dabei sind 2012 neben Boris Said (#32 FAS Lane Racing) auch Brian Vickers (#55 Michael Waltrip Racing), Brian Simo (#30 Inception Motorsports / „Ex“ TRG Motorsports), Tomy Drissi (#10 Tommy Baldwin Racing) und David Mayhew (#98 Phil Parsons Racing). Simo und Mayhew sehe ich dabei eher als typische Start-&-Parker, denn ihre Autos sind für das Wochenende bisher nicht finanziert. Ob Said Chancen haben wird, hängt von der Qualität des Materials ab, welches Frank Stoddard ihm mit der Hilfe von Roush-Fenway Racing zur Verfügung stellen kann. Kurios ist, dass Said in Sonoma in einem Ford mit Werbung für Hendrickcars.com unterwegs sein wird. Der zugehörige Hintergrund ist, dass er gemeinsam mit Rick Hendrick ein Autohaus in Kalifornien besitzt.

Doch nicht nur im Sprint Cup, sondern auch in der Nationwide Series grassiert an diesem Wochenende das Road-Course-Fieber. Die zweite NASCAR-Liga fährt allerdings nicht in Sonoma, sondern am anderen Ende der Welt USA auf der legendären Road America in Elkhart Lake, Wisconsin. Zwar tritt mit Kurt Busch (#54 Kyle Busch Motorsports) nur ein einziger Doppelstarter die lange Reise hin und her, kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten an, doch das Feld wartet trotzdem mit einigen prominenten Fahrern auf.

Auf der Entry-List für Road-America stehen unter anderem Jacques Villeneuve (#22 Penske Racing), Max Papis (#33 Richard Childress Racing), Ron Fellows (#5 Hendrick Motorsports), Sam Hornish Jr. (#12 Penske Racing) sowie Nelson Piquet Jr. (#30 Turner Motorsports). Natürlich sind auch die regulären Nationwide-Asse vom Schlage eines Ricky Stenhouse Jr. (#6 Roush-Fenway Racing) oder Elliott Sadler (#2 Richard Childress Racing) mit von der Partie. Vergessen darf man auch nicht, dass Danica Patrick (#7 JR Motorsports) am Samstag um 21 Uhr nach Montreal 2011 ihr zweites Rundkursrennen in der NASCAR bestreiten wird.

Dieses Fahrerfeld garantiert natürlich für einige Action und gerade in der Nationwide Series geht es auf den Road-Courses meist äußerst spektakulär zu. Wenn Jacques Villeneuve dann wieder beim vorletzten Restart die nach ihm benannte Brechstange auspackt, wird sich ein Max Papis auf jeden Fall herzlich freuen. Ich gehe unterdessen wieder von mindestens zwei Versuchen einer Green-White-Checkered-Verlängerung aus, falls sich die Autos und Kiesbetten wenige Runden vor Schluss erneut als magnetisch erweisen.

Die Übertragungssituation ist mit Ausnahme der beiden Rennen eher bescheiden, weil SPEED sich mal wieder der äußerst beliebten -NICHT- Barrett-Jackson-Autoversteigerung widmet. Die zwei Mal sechs Stunden Live-Berichterstattung zu diesem “Event” bedeutet dann im Umkehrschluss, dass Final Practice sowie Qualifying des Sprint Cups in Europa zur herzhaften Zeit von 5 Uhr morgens zu sehen sein werden. Das erste Freie Training am Samstag wird überhaupt nicht übertragen…

Am Sonntag dürfen alle deutschen Fans dann aber wieder aufatmen, weil Motorvision TV aus Sonoma ein weiteres Sprint-Cup-Rennen in dieser Saison LIVE überträgt. Dabei kommt es zu gleich zwei Premieren, denn zum einen wird es erstmals in diesem Jahr eine zweite Tonoption mit dem amerikanischen Originalkommentar geben und zum anderen nimmt anstatt Lenz Leberkern in dieser Woche der mir aus alten CART-Zeiten auf Eurosport bekannte Stefan Heinrich neben Pete Fink Platz.

Wem das alles immer noch nicht genug Aufregung ist, dem empfehle ich wie jedes Jahr den RaceBuddy auf NASCAR.com. Schon 2011 hatte ich viel Vergnügen dabei, mir das Rennen aus der Fahrerperspektive von Juan Pablo Montoya inklusive Boxenfunk anzuschauen. Da das Rennen ja auch im TV läuft, drängt sich dieses Sahnebonbon mit einem Fahrer der Wahl (wohl wieder vier Onboard-Kameras) natürlich geradezu auf.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und der TV-Zeitplan für das Wochenende.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 22.06.
19:00 Uhr, Nationwide Series Practice, nicht im TV
21:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
22:30 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED
00:40 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED (im TV um 05:00 Uhr)

Samstag, 23.06.
16:15 Uhr, Nationwide Series Qualifying, ESPN2
18:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, nicht im TV
19:45 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED (im TV um 05:00 Uhr)
21:00 Uhr, Nationwide Series Rennen (Sargento 200), ESPN / RaceBuddy

Sonntag, 24.06.
21:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Toyota/Save Mart 350), TNT / Motorvision TV / RaceBuddy

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