NASCAR: Vorschau Budweiser Shootout / Daytona 500 Qualifying

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Es ist wieder soweit: Nach gut drei Monaten des Wartens beginnt die neue NASCAR-Saison traditionell mit den Speedweeks in Daytona! An diesem Wochenende steht zunächst das Budweiser Shootout in der Nacht von Samstag auf Sonntag an, gefolgt vom Pole-Qualifying für das Daytona 500 am Sonntagabend.

In diesem Jahr muss eine schriftliche Saison-Vorschau der Teams und deren Fahrer aus Zeitgründen leider entfallen. Einen Ersatz bieten wir aber dennoch in unserem Podcast an: In der gestrigen Ausgaben haben wir zunächst über Hendrick Motorsports, Stewart-Haas Racing und Joe Gibbs Racing sowie Penske Racing gesprochen und die Veränderungen (wie Fuel-Injection) gegenüber 2011 aufgezeigt. In den nächsten Wochen stehen dann weitere Vorstellungen an, zu kurz sollte also keiner der Racingblog-Leser bzw. Podcast-Hörer kommen! Wem die Dreiviertelstunde von dieser Woche zu lang zum Reinhören ist, der kann sich auch direkt im Teamchart 2012 bei Jayski.com umsehen. Diese Vorschau soll sich daher explizit mit dem ersten Teil der anstehenden Speedweeks befassen:

Auf dem Daytona International Speedway startet die NASCAR nämlich an diesem Wochenende traditionell mit dem Budweiser Shootout und dem Pole-Qualifying zum Daytona 500 in ihre neue Saison. Das Einladungsrennen wird seit 1979 unter einem ständig wechselnden Regelwerk ausgetragen und bringt dem Sieger derzeit satte 200.000 US-Dollar. Bis Ende 2008 war das Shootout ein inoffizieller Wettkampf aller letztjährigen Pole-Position-Inhaber, doch dann ging der Sponsoring-Vertrag für den Pole-Award an den Konkurrenten Coors Light über. Budweiser wollte deshalb das Rennkonzept von der Spitzenplatzierung im Qualifying lösen und so wurde das Shootout 2009 zu einem Machtkampf der sechs (plus je 1 Wildcard) bestplatzierten Wagen pro Hersteller der Vorjahres-Owner-Wertung erklärt.

Diese Qualifikationsregel ließ sich durch den mehrheitlichen Ausstieg von Dodge nur ein Jahr aufrechterhalten, so dass die Startplätze ab 2010 schon wieder nach einem neuen System vergeben werden mussten. Dieses Mal rückte der Daytona International Speedway selbst in den Vordergrund, denn neben den vergangenen Siegern des Einladungsrennens waren erstmals auch alle ehemaligen Rennsieger der beiden Daytona-Punkterennen zugelassen. Dazu gesellten sich in einem – trotz großzügiger Teilnahmebeschränkungen – relativ kleinen Starterfeld (24) auch noch alle bisherigen Cup-Champions, die Chase-Piloten der Vorsaison sowie alle Fahrer, die jemals zu Rookie-of-the-Year-Ehren in der ersten Liga gekommen sind (2010 nur der beste Vorjahres-Rookie).

In dieser Saison entschied man sich dazu, die Bedingungen etwas zu vereinfachen und das Feld wieder zu vergrößern. Ab 2012 sind beim Budweiser Shootout nun die Top25 der Fahrerwertung gesetzt und zudem noch wie bisher alle ehemaligen Gewinner des Einladungs- und der Punkterennen. Der Modus, nach dem das Event ausgetragen wird, hat sich hingegen seit der Einführung des heute gültigen Namens 2001 nicht großartig geändert. Damals dauerte das Shootout 70 Runden, seit 2009 sind es 75 Runden, wobei diese seit 2003 in zwei Segmente unterteilt sind.

Segment 1 läuft über 25 Umläufe (bis 2009 nur 20 Umläufe) und lässt sich als Vorgeschmack auf das längere Finale sehen. Es gibt den Teams genügend Zeit auf der Strecke, um das Setup des Wagens in den Griff zu bekommen, bevor es in Segment 2 über 50 Runden um die Wurst bzw. Siegprämie geht. Die beiden Abschnitte werden durch eine zehnminütige Pause unterbrochen, in welcher die Mannschaften in der Boxengasse oder wahlweise auch der Garage alle Arbeiten am Fahrzeug vornehmen dürfen, zu denen sie auch während eines normalen Pitstops im Rennen befugt sind. Größere Änderungen wie z. B. der Wechsel von Federn, Stoßdämpfern oder Heckpartien sind verboten.

Das Budweiser Shootout ist normalerweise ein ziemliches Spektakel, da der Umfang des Preisgeldes im Verfolgerfeld des Siegers recht schnell abfällt: „Win or bust!“, wie die Amerikaner sagen. In den letzten Jahren ist es dagegen etwas ruhiger geworden, da man für die gesamten Speedweeks nur noch mit zwei Wagen pro Fahrer kalkuliert. Das beste Auto einer Mannschaft wird dabei für gewöhnlich erst zum Great-American-Race aus dem Hauler gerollt, um ja nichts zu riskieren. Also sollte man die B-Variante, welche nach dem Shootout auch noch durch die Pole-Qualifikation sowie eines der Gatorade-Duels muss, tunlichst beim Einladungsrennen in einem Stück wieder in der Garage abstellen! Ansonsten ist halt das Überstreifen der Samthandschuhe für die restlichen Speedweeks im eigentlichen Einsatzauto angesagt…

Was wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 2 Uhr (Jawohl, es geht direkt mit einem der so geliebten Nachtrennen los!) aber auf jeden Fall sehen werden, ist ein interessanter Ausblick auf den Bump-Draft-Modus für das große Daytona 500. Die NASCAR hat bei den Pre-Season-Tests ja schon gewaltig mit dem Kühlsystem der Autos herumgespielt, um die Cockpit-Instrumente früher zum Aufleuchten zu bringen. Denn wenn der Motor schneller überhitzt, müssen die Fahrer eines Two-Car-Drafts öfter die Positionen tauschen, da die neuere Form des Restrictor-Plate-Racings von vielen Fans, Fahrern und Offiziellen nicht gerne gesehen ist. Das leidige Thema sollte nach den Daytona-Testfahrten im Januar eigentlich der Vergangenheit angehören, doch so ganz erfolgreich war man dabei nicht.

Die Tangos wollten sich einfach nicht auflösen lassen, und dass obwohl man den Lufteinlass für den Kühler quasi direkt an die Kontaktstelle für das Bump-Drafting versetzt hatte. Unter Umständen bekommt der Motor also bei einer Hinterherfahrt nun gar keinen kühlenden Wind mehr. Zusätzlich wurde auch das Fassungsvermögen des Kühlkreislaufs verringert und ein Druckventil vorgeschrieben, welches schon bei weniger Dampf eine kochende Fontäne in den Himmel schießen lässt. Zahlen führe ich hier aus Übersichtsgründen bewusst nicht auf, da die Offiziellen doch sehr viel im Kleinen herumexperimentiert haben. Auch eine Vergrößerung der Löcher im Restrictor-Plate brachte keine Besserung, höchstens insofern, als dass sich die Verbindung der beiden Wagen schwerer herstellen ließ.

Was NASCAR also letztendlich erreicht hat, ist eine Verkürzung der maximalen Durchführungsdauer eines Two-Car-Drafts pro eindeutiger Reihenfolge in der Formation der beiden Wagen. Konnte man früher mehr als zehn Runden gemeinsam fahren, so ist diese Zeitspanne mittlerweile auf unter zehn Umläufe gesunken. Trotzdem sind die Tandems nach wie vor schneller, um bis zu fünf Meilen pro Stunde nämlich. Der einzige Nachteil ist der Zeitverlust beim internen Positionswechsel und solange NASCAR den nicht mindestens jede zweite Runde erforderlich macht – wie es früher einmal war – sehe ich da keine Änderungen. Das testweise Fahren im großen Paket hat sich im Januar jedenfalls nicht bewährt. Vielleicht sollten die Offiziellen da noch etwas kreativer und rigoroser werden.

Bevor wir aber überhaupt zum Daytona 500 kommen, müssen zunächst die Teilnehmer in einem recht komplexen Qualifikationsmodus ermittelt werden. Der erste Schritt einer langen Reihe erfolgt dabei am Sonntagabend ab 19 Uhr beim sogenannten Pole-Qualifying und dabei geht es wie der Name schon sagt, eigentlich nur um die Pole-Position (auf beiden Seiten). Nach der Session stehen nämlich die beiden erstplatzierten Piloten auf eben diesen Startplätzen fest im größten Rennen des Jahres. Alle anderen Resultate aus dem Qualifying bestimmen dann nur noch die Startreihenfolge der beiden Gatorade-Duels, in welchen die genaue Ordnung im Grid für das Daytona 500 ermittelt wird; mit einer Ausnahme:

Es ist sehr wichtig, die drei (möglicherweise vier, falls kein Champions-Provisional in Anspruch genommen wird) bestplatzierten und noch nicht fest qualifizierten Teams zu beobachten. Diese sind aus rechnerischen Gründen dann bereits nach dem Pole-Qualifying für das Daytona 500 startberechtigt. Sie können sich in ihrem Gatorade-Duel aber noch ein weiteres Mal ins große Rennen fahren und somit eventuellen Nachrückern einen großen Gefallen tun. Dazu komme ich aber in der nächsten Woche rechtzeitig vor den Duels am Donnerstag noch zu sprechen. Um die möglichen Szenarien etwas abzukürzen, gibt es deshalb vorerst nur so viel. Wer wirklich die volle Dröhnung auf einen Schlag haben möchte, der kann sich gerne meinen letztjährigen Artikel diesbezüglich anschauen, den ich hier verlinkt habe.

Na gut, eine Sache noch, nicht das sich einige Leser umsonst Sorgen um ihren Favoriten machen müssen: Wer in der vergangenen Saison innerhalb der Top35 der Owner-Points gelandet ist oder sich beim diesjährigen Geschacher nachträglich solche ausreichenden Punkte ergattert hat, der ist in jedem Fall beim Daytona 500 dabei. Die relativ frische Entry-List dazu bietet Jayski.com an, diese habe ich ebenfalls verlinkt. Alle fest qualifizierten Fahrer sind NICHT rot markiert. Dazu gibt es natürlich auch die Entry-List für das Budweiser Shootout sowie einen Zeitplan bis zum nächsten Artikel:

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 17.02.
23:00 Uhr, Sprint Cup Series Budweiser Shootout Practice, SPEED
00:30 Uhr, Sprint Cup Series Budweiser Shootout Final Practice, SPEED

Samstag, 18.02.
17:00 Uhr, Sprint Cup Series Daytona 500 Practice, SPEED
20:00 Uhr, Sprint Cup Series Daytona 500 Practice, SPEED
22:30 Uhr, ARCA Series Rennen (Lucas Oil Slick Mist 200), SPEED
02:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Budweiser Shootout), FOX

Sonntag, 19.02.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Daytona 500 Pole-Qualifying, FOX

Montag, 20.02. & Dienstag, 21.02.
— FREI —

Mittwoch, 22.02.
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Daytona 500 Practice, SPEED
20:30 Uhr, Sprint Cup Series Daytona 500 Practice, SPEED

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2 Kommentare zu “NASCAR: Vorschau Budweiser Shootout / Daytona 500 Qualifying

  1. Reinhard54
    17 Februar, 2012 at 18:13

    Wenn KristianStoss “schreibt”, beginnt das “neue Jahr”!
    Danke für die Vorschau, sie war – wie immer – “vollumfanglich” und macht einen “heiß” auf die neue Saison.
    Ich wünsche allen NASCAR-Fans und den anderen “Benzin-Köpfen” eine spannende Motorsport-Saison ohne traurige Ereignisse.
    Bis neulich, wir lesen uns im Chat.
    Reinhard54

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