Als Gewinner der Competition hier auf dem Racingblog und weil der bedauernswerte Don Dahlmann krankheitsbedingt verhindert war, an der Reise teilzunehmen,  nun mein Reisebericht, den ich gesplittet habe in Anreise/Abreise auf meinem eigenem Blog und dem, was die Leser des Racingblog wahrscheinlich mehr interessiert, dem “Day of Performance”, hier bei Don.
Nachdem wir den ersten Tag (über die Anreise können Sie hier lesen) zur freien Verfügung hatten, war es Sonntag soweit. Der Tag startete früh, wobei das frühe Frühstück mir eine schöne Gelegenheit bot, mit Chris Tan ausgiebig zu sprechen. Auch das bei uns umstrittene E10 war ein Thema, das bei mir nach wie vor nicht in den Tank kommt. Aber zumindest wird meine betagte Kiste (ein Honda Prelude Bj. 1997) auch zukünftig nicht auf seine “Vitaminkuren” in Form von Shell V-Power verzichten. Eins muss man den Leuten von Shell lassen: sie sind so überzeugt von ihren Produkten, dass sie ohne Weiteres andere ebenfalls überzeugen können. Sofern sie das nicht ohnehin schon waren.

Nach der Busfahrt zum Yas Marina Circuit wurden wir in vier Gruppen aufgeteilt, weil vier Events geplant waren und das in kleinen Gruppen einfach mehr Sinn machte. Also im Rotationsverfahren.

Die erste Station war eine kleine spielerische Demonstration zur Herstellung von Qualitätskraftstoff unter der Leitung von Chef-Chemiker John Lambert. Ausgerüstet mit Kochmütze und Schürze und der Aufgabenstellung, einen Cocktail zu mixen aus den bereitgestellten Zutaten, erklärte Lambert derweil, dass auch die Herstellung eines Kraftstoffes, der aus 200 Einzelteilen besteht, ist, wie einen guten Cocktail zu mixen. Die richtigen Zutaten in der richtigen Menge – et voilà. To actively clean and protect.

Sicherheitshinweis (bei Shell wird übrigens auf Sicherheit sehr großen Wert gelegt!): beim Shaken den Deckel festhalten. Da ich mit Sicherheitshinweisen gerne mal etwas nachlässig bin, verteilte ich den Prototypen meines Entertainmentkraftstoffs großzügig in der Fahrzeughalle, beim zweiten Versuch schaffte ich aber bis zum Schirmchen. Übrigens, wie meistens in Abu Dhabi, ein sehr sonniger Tag, der warm zu werden versprach.

Die nächste Station: Drag Car Racing. Schon der Anblick des Geräts war eindrucksvoll: unter der schlanken Haube nach Auskunft des Fahrers Rod Fuller 1200 PS, bei einem Three Seater quasi 400 PS pro Mann.

Selbstverständlich wurden wir mit passender Kleidung ausgestattet. Rennanzug, Maske, Helm. Verschnallt wie Weihnachtspakete, die Arme noch separat festgeschnallt, “American bondage”, wie es Rod nannte. Der übrigens gerade vor wenigen Wochen einen neuen Rekord aufgestellt hatte. “You don´t look nervous”, sagte er zu mir. Bei der Vorstellung, dass mich gleich 4 G in die Sitze drücken würden, war das eine schauspielerische Meisterleistung. Aber sehen Sie selbst:

Wenn ich dieses unbeschreibliche Gefühl beschreiben müsste, würde ich sagen, das ist, als wenn sich Ihre kompletten 7 Liter Körperblut innerhalb von 2 Sekunden in Milliarden Einzelpartikel teilen und genauso schnell sich wieder zusammensetzen und Sie spüren jedes einzelne. Wahnsinn. Mit Beschleunigung von nachgemessenen 5,02 sek. auf 220 km/h auf gerader Strecke kann ich aber sehr gut leben, ich nutze gerne mal die Gelegenheit, auszuprobieren, was die Corvette C4 Bj. 1989 mit 286 PS auf einer gut ausgebauten Autobahn kann. Aber dieser Drag Car- unfassbar. Das ging den anderen Networkern genauso, zumindest liessen die Gesichter auf Kategorie “Mal was ganz anderes!” schliessen.

An Geschwindigkeit gewohnt, stand als nächstes der Transfer zur Racing School auf dem Programm. In einem SST Two Seater mit 1.250 ccm, unterlegt mit einer Suzuki Hayabusa Maschine, brachte mich Philipp auf die Rennstrecke. “Are you easily scared?” – “Try me.”

Laut Philips Aussage hat er aber “nur” ca. 70-80% seiner “normalen” Leistung auf die Rennstrecke gebracht.Ich hatte vollstes Vertrauen zu ihm, wo ich ja ansonsten eher ein Beifahrerschisser bin und lieber selbst Gas gebe, aber Philip hat die Professionalität geradezu ausgestrahlt. Keine Sekunde auch nur ein bisschen ein mulmiges Gefühl.

Wäre auch sehr ärgerlich, wenn einem Touristen etwas zustoßen würde. Sicherheitshinweis. Aber für einen normalen Autofahrer sind die bis zu 280 km/h und vor allem die zügigen Kurven auch durchaus ausreichend, um einen Eindruck zu vermitteln. Hätte gerne noch ein Ticket gelöst, aber der straffe Plan sah bereits die Abfahrt zur Kart-Bahn vor.

Ich habe das ja noch nie gemacht und -wieder in die passenden Rennanzüge gehüllt und mit Helm an (mittlerweile war es dann schon Mittag und es ist nicht schattig auf dem Yas Marina Circuit um diese Zeit, wenn man einen schwarzen Anzug und einen Helm trägt, das nur nebenbei)- war sehr überrascht, wie giftig, aber auch unglaublich schwergängig die kleinen Dinger sind. Von Servolenkung verwöhnt, war das ein besonderes Erlebnis. Meine Rundenzeiten lagen zwar deutlich unter denen der anderen, aber es hat riesigen Spass gemacht. Sogar noch am Dienstag danach, signalisierte mir meine Schultermuskulatur. Aber sehen Sie selbst:

Das anschliessende Mittagessen auf dem Gelände war ein ansprechendes Buffet, vor allem Getränke gingen dank der Außentemperatur recht gut. Die Q & A-Session bestritt dann Shell´s Chief Scientist Mobility, Dr. Wolfgang Warnecke. Hochinteressant, wenn jemand so leidenschaftlich von seiner Arbeit spricht und es vor allem inhaltlich auch Laien wie mir so erklären kann, dass ich es verstehe. Ein kleiner Eindruck in der Intro hier:

Die letzte Station des Tages war dann die Ferrari World Abu Dhabi. Auf dem 250.000 qm großen Gelände des Erlebnisparks gab es nicht nur Autos zu sehen, sondern auch sehr viel aus den Rubriken “Thrill, Kids, Family” zum Selbermachen. Fahrsimulatoren, Rennsimulatoren, Fahrgeschäfte, Restaurants, Ausstellungen…
Großen Spaß hat mir der Scuderia Challenge- Simulator gemacht, der nicht nur ein Rennen simulierte, sondern auch dabei in Bewegung war und so ausgestattet, dass die neun Personen auf den anderen Plätzen ein Rennen gegeneinander fuhren, das die Zuschauer aussen verfolgen konnten.

Nach wenigen Sekunden habe ich vergessen -ich war Alain Prost- dass das nur ein Simulator war und dieses Rennen sehr ernst genommen. Euphorisiert von einem 5. Platz war sogar für mich Gelegenheit, gleich noch eine Runde dranzuhängen. Dieses “Fahrgeschäft” war ebenso wie die krasseste Achterbahn der Welt für 20-30 Minuten exklusiv für unsere Gruppe reserviert.

Tja, die Achterbahn. Formula Rossa. Der Wagen schiesst also mit etwa ebensoviel G wie der Drag Car aus dem Gebäude heraus, um dann steil hochzufahren und dann… Achterbahn eben.

Während einer Intro durch den Park Manager Andy Keeling erwähnte dieser, dass man sich eine Fahrt allerdings dann überlegen sollte, wenn man Herz- oder sonstige Probleme am Start hat. Da ich nicht riskieren wollte, dass mir mein rechtscoronarer Stent durch die Schädeldecke schiesst, habe ich dann schweren Herzens darauf verzichtet. Frage mich allerdings jetzt, ob das die richtige Entscheidung war, denn die 4 G beim Drag Car waren ja auch kein Problem. Nun ja, Kopfsache. Wenn man erstmal Zweifel hat, dann lässt man es lieber. So habe ich dann die Network-Kollegen beobachtet, vor allem, wie sie dann wieder zurückkamen. Der eine oder andere doch sehr beeindruckt, ein paar wollen es auch bei diesem einmaligen Versuch belassen, ein paar wären gerne nochmal gefahren oder sind es auch.

Leider vergeht die Zeit immer dann am schnellsten, wenn man sich großartig amüsiert, der Bus wartete schon für den Transfer zum Hotel, eine Million-Dollar-Dusche nach diesem Tag und dann… zum Rest des Reiseberichts bitte hier weiterlesen ab der gestrichelten Linie.

P.S.: Die wunderbaren Videos verdanken Sie selbstverständlich nicht mir, sondern dem unermüdlichen Zwei-Mann-Team mit Videokamera und Fotokamera, das den kompletten Ausflug begleitet hat. Die Fotos sind aber von mir ;)

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