Nach dem Ende der Speedweeks in Daytona hat die neue NASCAR-Saison nun endgültig begonnen und dabei gibt es gleich eine Neuerung: 2011 geht es nach dem Daytona 500 zwar auch weit in Richtung Westen, dieses Mal allerdings nach Phoenix anstatt nach Fontana.

Nach einer Änderung des Rennkalenders für 2011 erfolgt die Rückkehr auf den Phoenix International Raceway schneller als in den vergangenen Jahren, zumal auf dem 1-Meilen-Oval ja gerade erst beim zweitletzten Chase-Rennen gefahren wurde. Im November 2010 siegte dort Carl Edwards, der damit Jimmie Johnsons langjährige Dominanz in Form von drei Herbst-Siegen in Folge brechen konnte. Gleichzeitig war es auch eine Vorentscheidung in der Meisterschaft, da Denny Hamlin erneut wichtige Punkte auf Johnson verlor. Edwards‘ Erfolg war der erste nicht-Chevrolet-Sieg seit 2003, doch eigentlich ist es nur eine Ford-Renaissance, denn der Hersteller mit dem blauen Oval war damals in Phoenix ähnlich bestimmend wie Chevy heute.

In diesem Jahr ist das erste Phoenix-Rennen der Saison kein Nachtrennen mehr, da Ryan Newman für den Gewinn der 2010er Ausgabe knapp vier Stunden benötigte. Diese Renndauer war das Ergebnis der einheitlichen Startzeiten, was für eine Vorverlegung des Rennbeginns um ca. 1,5 Stunden sorgte. Da das Nachtrennen damit nicht mehr in der Dunkelheit geendet hätte, verlängerte NASCAR die Distanz von 500 auf 600km. 2011 besinnt man sich wieder auf die bisher übliche Länge und trägt das Frühjahrs-Rennen als Folge dessen erstmals am Tage aus. Phoenix ist nach dem bump drafting und den two-car trains auf dem Superspeedway von Daytona wieder ein normales Rennen, bei dem nun wohl auch eine aktuelle Kräfteverteilung unter konventionellen Bedingungen für die neue Saison zu erkennen sein wird.

Die korrekte Einschätzung dieser Kräfteverteilung dürfte sich zum Anfang der Saison noch recht schwierig gestalten, zumal während der Winterpause natürlich alle Teams massiv an der Verbesserung ihrer Leistung gearbeitet haben. Da das letzte Phoenix-Rennen gerade mal drei Meisterschaftsläufe zurückliegt, verlinke ich an dieser Stelle deshalb auf meine letzte Vorschau für die Chase-Ausgabe des Rennens, da bloßes Abschreiben in letzter Zeit keinen sonderlich guten Ruf genießt. Dazu kommt hier noch die Ergebnisliste des besagten Playoff-Events, damit man sich einen Überblick zu den jüngsten Entwicklungen verschaffen kann. Kurz gesagt: Auch bei diesem Rennen habe ich die Chevrolet-Teams, allen voran Hendrick Motorsports, ganz vorne auf meiner Liste. Zusätzlich muss man sehen, wie gut Roush-Fenway Racing seinen Schwung über die Winterpause retten konnte. Das Daytona 500 war ja eine positive Rückmeldung diesbezüglich.

45 Teams haben für das zweite Saisonrennen gemeldet, darunter auch der Daytona-Sieger Trevor Bayne mit den Wood Brothers. Bayne (oder auch Jack Roush) hat im Übrigen eine Entscheidung bezüglich der Punktevergabe getroffen und wird seine Zähler in dieser Saison in der Nationwide Series holen. Sein Cup-Kalender wurde in Folge seiner Fahrt in die victory lane aber bereits auf 18 Rennen aufgestockt, weitere Einsätze könnten folgen.

Bei Brian Keselowski ist ein Phoenix-Start übrigens nach wie vor ungewiss, da das beschädigte Daytona-Chassis das einzige im Besitz des Teams ist und derzeit noch wiederhergerichtet wird. Die Verschuldung des älteren Keselowski-Bruders, der mit seinem eigenen Geld wohl etwas mehr Vertrauen in sein Talent hatte als ratenswert war, konnte mittlerweile aber ausgeglichen werden. Laut eigener Aussage sei er nach dem satten Daytona-Paycheck über 273.663 US-Dollar nun wieder „back to zero“. Momentan geht man bei K-Automotive Motorsports eher von einem Auftritt beim vierten Saisonrennen in Bristol aus.

Außerdem hat sich noch etwas in der Owner-Wertung für die ersten fünf Saisonrennen getan: Weil Rusty Wallace Racing seine #77 mit Sohn Steve nicht an den Start bringt, rückt die #37 von Front Row Motorsports mit Tony Raines am Steuer nach. Das champion’s provisional geht unterdessen an Bill Elliott in der #09 von Phoenix Racing, weil kein aktuellerer ehemaliger Champion für ein start & park-Team antritt.

Die Qualifikation ist in diesem Jahr erst am Samstag. Der Phoenix International Raceway geht damit denselben Weg wie viele andere Strecken in dieser Saison, um die Ticketbesitzer nicht zu benachteiligen, welche u.a. wegen ihrer Arbeit erst am Samstag zur Strecke kommen können. Damit wird einerseits das Qualifying aufgewertet, andererseits gibt es am Samstag allerdings keine Cup-Practice-Sessions mehr. Der gesamte Trainingsbetrieb findet somit am Freitag statt. Für die Teams ergibt sich daher quasi eine eingeschränkte Impound-Situation ähnlich wie in der Nationwide Series. Man darf zwar auch noch nach der Qualifikation an den Wagen arbeiten, es gibt dann aber bis zum eigentlichen Rennen keinen Fahrbetrieb mehr. Für die go-or-go homer bedeutet das unterdessen mehr Streckenzeit und bessere Vorbereitungsmöglichkeiten auf das für sie so wichtige Einzelzeitfahren. Für die Teams innerhalb der Top35 dürfte sich dagegen kaum etwas verändern.

Als neue Besonderheit werden an diesem Wochenende erstmals die neuen Regeln der NASCAR in Bezug auf die Qualifikation angewandt. Die umgekehrte Reihenfolge der letzten Practice-Session bestimmt dann die Startreihenfolge im Einzelzeitfahren. Damit möchte man die Entscheidung über die Pole-Position möglichst ins Finale der Qualifikation verlegen. Ein Problem könnten an dieser Stelle die tageszeitbedingt wechselnden Streckenverhältnisse darstellen:

Morgens und abends ist die Strecke natürlich wegen der geringeren Sonneneinstrahlung kühler und bietet daher mehr Grip als um die Mittagszeit. Auf Ovalen mit einem früheren Start des Qualifyings möchte man daher gerne möglichst früh auf die Strecke gehen, bevor der Asphalt zu heiß wird. Deshalb könnte es in Zukunft in einem solchen Fall dazu kommen, dass sich die schnellsten Teams im Freien Training sehr zurückhalten werden, damit sie am Ende der Zeitenliste befindlich einen frühen Startplatz für das Einzelzeitfahren zugeteilt bekommen. Auf Strecken mit einem Qualifying am Abend, so wie in Phoenix an diesem Wochenende, bleibt die Taktik dagegen unverändert.

Dazu kommt nach aktueller Vorhersage eventuell Regen, zumindest aber wird die Temperatur von den Freien Trainings bis zum Rennen um mindestens 10°C abstürzen. Sollte das Qualifying also ausfallen, wird die Startaufstellung analog der Zeitenliste der letzten gefahrenen Practice-Session sein. Fallen alle Trainingssitzungen dem Wettergott zum Opfer, kommt die altbekannte Owner-Wertung zum Einsatz. Noch nicht geklärt ist übrigens der Fall, wie verfahren wird, wenn mehrere Teams aufgrund des neuen Punktesystems noch keine aktuellen Owner-Punkte besitzen. An diesem Wochenende beträfe das die für Daytona nicht qualifizierten Teams #13, #60, #66 und #64, welche hinter #09, #32, #36, #87, #92 und #46 die zwei verbleibenden Startplätze mittels eines tie-breakers unter sich ausmachen müssten. Ich vermute, dass hier die letztjährige Owner-Wertung zum Einsatz kommen wird.

Die Media-Seite der NASCAR hat die aktuellen Meisterschaftsstände noch nicht als Grafik aufbereitet. Ich weiß nicht, ob dieser Service auch in Zukunft angeboten wird, deshalb hier vorerst die Links zu den aktuellen Ständen in Fahrer- und Owner-Wertung.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 25.02.
17:00 Uhr, Truck Series Final Practice, SPEED
19:00 Uhr, Nationwide Series Practice, SPEED
20:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
22:00 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED
23:00 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED
00:00 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
02:00 Uhr, Truck Series Rennen (Lucas Oil 150), SPEED

Samstag, 26.02.
20:00 Uhr, Nationwide Series Qualifying, SPEED
21:30 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED
23:30 Uhr, Nationwide Series Rennen (Bashas’ Supermarkets 200), ESPN2

Sonntag, 27.02.
21:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Subway Fresh Fit 500), FOX

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