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Formula E: Vorschau Monaco ePrix

von StefanTegethoff
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Nach dem ausgefallenen Event im Vorjahr kehrt die Formula E nach Monte Carlo zurück – und nutzt dabei erstmals die volle Grand Prix-Strecke! Es ist das einzige Event mit nur einem Rennen in dieser Saison.

Es war schon früher angekündigt, aber nun wird es auch tatsächlich stattfinden: die Formula E trägt ihren vierten Monaco ePrix auf dem traditionellen Grand Prix-Kurs aus, auf dem die Formel 1 seit 1929 fährt. Bisher „durften“ die E-Boliden nur einen abgekürzten Kurs fahren, der von Ste. Devote direkt runter zur Hafenschikane (in dem Fall als 180 Grad-Kehre) führte – in 2021 geht es erstmals hoch zum Casino, wieder runter durch die Grand Hotel Hairpin und durch den berühmten Tunnel. Es ist ein neues Highlight für die Formula E-Saison.

Zwei Modifikationen gibt es im Vergleich zur Formel 1: Ste. Devote wird weniger eng sein, die Piloten werden quasi die Formel 1-Auslaufzone innerhalb des Kerbs nehmen können (so, wie die Strecke ursprünglich mal verlief) und die Hafenschikane wird wohl als engere Doppel-Schikane gefasst. Der Grund für letzteres erklärt sich mir nicht wirklich, vielleicht will man Rundenzeiten-Vergleiche mit der F1 vermeiden, wobei klar sein sollte, dass es sich um zwei völlig verschiedene Rennserien handelt. Man wollte ja eigentlich mal (nach dem Desaster in Bern) Schikanen einsparen, nun baut man erst in Valencia eine ein und macht die in Monaco komplizierter… Die Attack Mode-Aktivierungszone wird in der Rechtskurve am Casino-Platz auf der Außenbahn eingerichtet.

Apropos Valencia: dort musste ein Großteil des Feldes disqualifiziert werden, weil vielen Piloten in der letzten Runde die verfügbare Energie ausging. Seit einigen Jahren werden bei jeder Safety Car-Phase ein paar kWh abgezogen, damit Energiesparen im weiteren Rennverlauf nötig bleibt. Die fünf Safety Car-Phasen im Regen von Valencia haben die Teams aber anscheinend so verwirrt, dass kaum jemand mit ausreichend Energie in die letzte Runde ging. Und so wurde ein Auto nach dem anderen „runtergeregelt“. Dass es aber möglich war, die Energie-Strategie richtig zu kalkulieren, zeigte Mercedes: Nyck de Vries siegte problemlos vor Nico Müller (Dragon-Penske) und dem zweiten Mercedes von Stoffel Vandoorne.

Anschließend schoben sich FIA und einige der disqualifizierten Piloten gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Aber einige Teams schafften es nicht, ihre Lektion zu lernen: Im zweiten Lauf am Sonntag – bei trockenem Wetter und mit weniger Safety Car-Phasen – wäre beinah das gleich nochmal passiert, wäre nicht Sieger Jake Dennis am Ende der vorletzten Runde auf Anweisung seines BMW Andretti-Teams so langsam durch die Schlussschikane gefahren, dass er – und alle anderen – danach direkt die letzte Runde antreten konnten.

Dass den Teams dieses Thema in Valencia solches Kopfzerbrechen bereitete, liegt auch an der Natur des Kurses: man war erstmalig auf einem permanenten Rundkurs unterwegs und dort fehlte es an harten Bremszonen, in denen Energie rückgewonnen werden kann – darauf sind die FE-Boliden mit ihrem beschränkten Energievorrat angewiesen, um ihre normale Leistung über die Renndistanz abrufen zu können. Trotzdem meine ich, die Teams hätte sich über das Wochenende (und nach den Testfahrten, von denen sie die Strecke in etwas anderer Version kennen!) darauf einstellen müssen. Mercedes gelang das und so führen sie nun verdient beide Meisterschaftstabellen an.

Dass es am Samstag nochmal besonders kritisch war, lag an der späten Gelbphase, die den Teams kaum noch eine Möglichkeit ließ, sich auf das für die letzten Runden reduzierte Energiebudget einzustellen. Und darauf hat die FIA nun noch reagiert: künftig wird es keine Reduktion mehr nach der 40 Minuten-Marke geben. Somit wird diese Verwirrung bei späten Safety Car-Phasen vermieden. Ich denke, das ist eine angemessene  Maßnahme, die das Problem lösen sollte und den Grundgedanken beibehält, dass die Fahrer unter Grün mit ihrer Energie stets haushalten sollen.

Neben dem Problem der fehlenden Rekuperationsmöglichkeiten zeigte die Formula E aber auch eine positive Seite: bei trockenem Wetter am Sonntag konnte sie durchaus ein unterhaltsames Rennen mit einigen schönen Duellen bieten, auch Seite an Seite durch die Kurven ging es. Den Autos fehlt die aerodynamische Empfindlichkeit anderer Formelserien. Auch unterschiedlich aggresives Fahren (bzw. Energie-Sparen) durch mehr oder weniger Lift-and-Coast half hierbei. Trotzdem ist der Curcuito Ricardo Tormo nicht ganz die richtige Strecke für diese Rennserie – wenn man hier und da mal auf Rundkurse gehen will, sollten es etwas kompaktere, kurvigere, weniger weitläufige Strecke sein, eben genau die Mickey Mouse-Kurve, auf denen man die Formel 1 nicht sehen will.

Auch die Streckenlänge ist ein Faktor: je länger, desto mehr Energie muss für eine eventuelle „Extra-Runde“ zurückgehalten werden, also für den Fall, dass der Führende mehr Runden schafft, als die Teams prognostiziert haben. Das wird auch an diesem Wochenende eine Herausforderung darstellen, denn der volle Grand Prix-Kurs in Monaco ist deutlich länger als das bisherige ePrix-Layout – wenn auch nicht übermäßig lang für eine FE-Strecke.

Vor zwei Wochen fand in Monaco der Historic Grand Prix statt, in ein paar Wochen der „echte“ Grand Prix und nun – Achtung: am Samstag! – der ePrix. Nyck de Vries kommt als Meisterschaftsführender mit 57 Punkten dorthin, gefolgt von seinem Teamgefährten Stoffel Vandoorne mit 48 Zählern – obwohl beide im zweiten Valencia-Lauf punktelos blieben.  Es folgen Sam Bird und Robin Frijns mit je 43 Zählern, Bird gehörte zu den im ersten Lauf disqualifizierten Piloten und blieb in Valencia komplett punktelos.

Mercedes führt logischerweise die Teamwertung an: Das Team liegt mit 105 Punkten ein Stück vor Jaguar (82) und weit vor dem Rest (Virgin und Techeetah haben 58 bzw. 57 Punkte). Wie schon vor Valencia gemutmaßt, scheinen sich diese beiden Teams als die stärksten der Saison herauszukristallisieren.  Der einzige sieglose Pilot aus diesen zwei Teams ist Mitch Evans, vielleicht kann er das ja in Monaco ändern. Zu den Top-Favoriten muss man aber wohl wieder de Vries und Bird zählen – die haben auch in den Nachwuchs-Serien GP2 und Formula Renault 3.5 beide schon zweimal in Monaco ganz oben auf dem Podest gestanden! Vandoorne gelang das einmal im GP2 Feature Race, Evans fehlt ein Erfolg in Monaco noch, er wurde 2014 dort Zweiter in der GP2.

Der Monaco ePrix startet am Samstag um 16 Uhr, Sat1 und Eurosport 2 übertragt live, jeweils mit 30 Minuten Vorberichten. Eurosport 2 zeigt zudem ab 15 Uhr Auszüge der Qualifikation, die in Monaco auch bei der Formula E sicherlich spannend und sehenswert ist – wenn auch vielleicht (oder hoffentlich) nicht so allentscheidend wie bei der Formel 1.

(Bilder: Formula E Media)

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