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NASCAR: Gar nicht langweilig

von DonDahlmann
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Pocono steht für endlos lange und vor allem extrem langweilige Rennen, die am Ende durch die Strategie gewonnen werden. Gestern war alles anders.

58042008Pocono ist nicht nur bei ganz weit oben auf der Liste der langweiligsten Strecken der NASCAR. Glaubt man den genervten Kommentaren diverser Fahrer, Teams und Journalisten auf Twitter, reist man nicht gerade gerne ins Nirgendwo. Dazu kam dann auch noch das miserable Wetter. Quali ausgefallen, Rennen ausgefallen. Normalerweise sind Montagsrennen sowieso eher dröge, weil alle schnell nach Hause wollen, und ein Montagsrennen in Pocono sollte selbst den wachesten Beobachter in einen Dämmerzustand setzen. Aber gestern war mal wieder alles anders und das Rennen entwickelte sich zu einem der besten der gesamten Saison.

Der Grund für das außergewöhnlich gute Rennen: Im Kampf um den Chase ist es wie jedes Jahr sehr eng und dank des Regens war die Strecke „grün“ und stellte Crews wie Fahrer vor die Herausforderung, wie man die Abstimmung im Laufe des Rennens hinbekommen würde. Erstaunlicherweise sah man zwar viel rutschende Wagen, aber kaum einer landete ungewollt in der Mauer. Einige hintere Kotflügel waren hinüber, aber das war es auch schon.

Dafür nutzte man die gesamte Breite der Strecke für Überholmanöver. Nach jedem Restart bretterte man teilweise zu dritt und zu viert in die Kurve rein, was nicht immer, aber doch erstaunlich oft gut ging. Die „double file restarts“ machen sich eindeutig bezahlt und verbessern die Show erheblich, da jeder die Chance sieht, sich einen Platz nach vorne zu mogeln.

Richtig böse erwischte es Jimmie Johnson – sein Chevy war zunächst vorne mit dabei, dann verlor er plötzlich an Leistung und fiel weit zurück. Es began eine regelrechte Orgie von Boxenstopps, bei am Motor so ziemlich alles gewechselt wurde, was man wechseln konnte. Zündkabel, Kerzen, Luftfilter und Vergaser. Damit handelte sich der Meister glatte drei Runden Rückstand, doch ihm kam der besondere Umstand zur Hilfe, dass die Strecke lang und die Rundezeiten hoch sind. Vor allem, wenn es eine Caution gibt. Die Kollegen taten ihm dem Gefallen immer dann eine Gelbphase zu verursachen, wenn es gerade ans Überunden ging. Als man den Motor endlich wieder auf Touren gebracht hatte, hangelte sich Johnson nach mit einem „Lucky Dog“ nach dem anderen wieder nach vorne. Und landete am Ende auf Platz 13.

Während er sich permanent durchs hart kämpfende Mittelfeld wühlte, ging vorne auch einiges ab. Danny Hamlin führte zwar insgesamt 91 Runden lang, aber so klar war sein Sieg keineswegs. Hier kam auch mal wieder die Strategie zum Einsatz, denn einige Fahrer nahmen zwischendrin immer mal neue zwei Reifen auf, während der Rest auf vier Goodyears setzte. Diese Entscheidungen würfelten die Top 10 immer wieder durcheinander und sorgten dafür, dass man Ende 17 verschiedene Führunde in den Listen auftauchten. Dabei wechselten sich allerdings Hamlin und Kasey Kahne sehr oft ab.

Einen richtig guten Tag erlebte auch Juan Pablo Montoya. Eine Woche zuvor hatte er schon einen schnellen Wagen in Indy, und mit dem gleichen Gefährt war er auch in Pocono angereist. Der Wagen ging wie die Hölle und Montoya ließ sich auch nicht davon beirren, dass er zweimal seine Box verpasste und zurückgeschoben werden musste. Dank einer mutigen Entscheidung tankte er 30 Runden vor Schluss am unteren Rahmen seines Benzinfensters und bekam auch noch passend dazu eine Caution. Wäre es dabei geblieben, hätte er gewonnen, aber gegen Ende kamen noch weitere Unterbrechungen, so dass Bowyer und Montoya vorne lagen.

Von hinten nahte aber mal wieder Danny Hamlin, dessen Reifen etwas frischer waren, als die von Bowyer und Montoya. Er flog förmlich an beiden vorbei und hielt den Abstand bis zum Schluss konstant bei 1.5 Sekunden. Montoya knackte noch Bowyer, ließ es dann aber ruhig angehen, da er die Punkte nach Hause bringen wollte. Der Chase scheint für ihn jetzt schon fast sicher. Gelingt ihm in Watkins Glen ein ähnliches Ergebnis, dürfte er durch sein.

Für andere lief es nicht so gut. Bei Hendrick lief nicht viel zusammen. Jeff Gordon und Mark Martin mühten sich ab, kamen aber „nur“ auf Platz acht (Gordon) und sieben nach Hause. Johnson hatte die erwähnten Probleme, bei Junior sah es ebenfalls lange nach einem Top 10 Platz aus, aber dann drückte ihn Ryan Newman versehentlich in die Mauer und der Wagen lief nicht mehr.

Bei RCR feierte man den dritten Platz von Bowyer als gutes Zeichen, auch wenn der Rest der Truppe weiterhin vorne nichts zu melden hat. Erstaunlich ist das schon. Während Montoya mit den RCR/Earnhardt Motoren seit Wochen vorne zu sehen ist, kommt RCR mit den gleichen Antrieben nicht vom Fleck. Da sieht man auch, wie wichtig die Arbeit am Chassis geworden ist.

Roush hat weiterhin ein Problem mit der Motorenleistung, so wie es scheint. Jedenfalls liest man hier und da, dass die Yates-Maschinen etwas an Boden verloren haben. Schwer zu sagen, aber auffällig ist es schon, dass man nur noch selten Fords vorne sieht. Edwards ist zwar im Chase, sieht seine Chancen aber selber als sehr gering ein.

Gerüchte ranken sich um Red Bull. Brian Vickers hat sich nach monatelangen, erfolglosen Vertragsverhandlungen selbst als „free agent“ auf dem Markt positioniert. Offenbar gibt es einen Vertrag – nur wird der nicht von Red Bull unterschrieben. Das nährt die Gerüchte, dass bei Red Bull eventuell die Lichter ausgehen könnten. Was erstaunlich wäre, steht man doch davor Vickers in den Chase zu bekommen. 104 Punkte fehlen zwar, aber machbar ist das schon. Andere Gerüchte besagen, dass man bei Red Bull zu Chevy wechseln will und im nächsten Jahr dort Brad Keselowski von Hendrick geparkt werden soll. Was aber immer noch nicht erklärt, warum man Vickers nicht weiter verpflichtet, denn mit Scott Speed hat man ja einen, den man los werden könnte.

Der Chase selber sieht jetzt so aus:

1 Tony Stewart 3188
2 Jimmie Johnson 2991 -197
3 Jeff Gordon 2989 -199
4 Kurt Busch 2751 -437
5 Denny Hamlin 2713 -475
6 Carl Edwards 2665 -523
7 Kasey Kahne 2642 -546
8 Juan Pablo Montoya 2631 -557
9 Ryan Newman 2627 -561
10 Mark Martin 2622 -566
11 Matt Kenseth 2564 -624
12 Greg Biffle 2563 -625
13 Kyle Busch 2462 -726
14 Brian Vickers 2459 -729
15 Clint Bowyer 2448 -740
16 David Reutimann 2442 -746

Der Abstand zwischen Platz 6 und 12 ist nicht sehr groß, allerdings sind es auf Platz 13 dann wieder 100 Punkte mehr. Ich bin mir ziemlich sicher, dass bis Platz 10 alle drin sind, dahinter könnte es aber noch eng werden.

Und sonst?
Nix. Erstaunlicherweise.

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