Ein episches Rennen, überraschend starke Toyota und ein BMW, der nichts falsch machte und dennoch verlor.
Das Rennen in Le Mans gewinnt man nicht am Samstag und Sonntag. Man gewinnt es auch nicht, wenn man sich ein Jahr lang darauf vorbereitet. Das 24h-Rennen gewinnt man über jahrelange Arbeit und Erfahrung an der Strecke und dann mit dem nötigen Glück am Rennwochenende. Die alte Weisheit offenbarte sich am Wochenende erneut. Toyota startet seit 14 Jahren beim wichtigsten Endurance-Rennen der Welt, und all die Erfahrung half den Japanern, die Konkurrenz, bestehend aus BMW und Cadillac, zu besiegen. Dabei war die Sache allerdings mehr als eng.
Toyota wusste, dass es am Wochenende eng werden würde. Auch war ihnen bewusst, dass ein Sieg nur über eine perfekte Abstimmung des TR010 kommen würde. Es war schon Anfang der Woche klar, dass das Rennen trocken und warm werden würde. Das bedeutete auch, dass das Rennen dementsprechend schnell sein würde. 390 Runden waren durchaus im Bereich des Möglichen, vielleicht sogar etwas mehr.
Die Japaner nutzten daher jede Sekunde, die man auf der Strecke hatte, um die Abstimmung zu perfektionieren. Das bedeutete aber auch, dass man auf eine Quali-Abstimmung verzichten würde. Während sich der Rest um die Schlagzeile am Freitag prügelte, blieb Toyota bei seiner Strategie und kassierte dafür P14 und P15. Toyota also unter “ferner liefen” am Sonntag?
Der geniale Plan von Toyota
Toyota hatte aber einen Plan und den führte man am Samstag perfekt aus. Das Problem der schlechten Startposition war, dass sich die Japaner mit beiden Autos durch das Mittelfeld arbeiten mussten. Und dies in der ersten Stunde des Rennens, wenn alle frisch sind und dementsprechend schnell. Der Zeitverlust, der durch die zähen Überholmanöver entsteht, ist gewaltig und kann 60 bis 90 Sekunden betragen. Zeit, die man dann im weiteren Rennverlauf wieder aufholen muss.
Natürlich kann man darauf hoffen, dass ein Safety-Car nach drei bis fünf Stunden das Feld wieder zusammenführt. Aber sicher ist das halt nicht, wie man im letzten Jahr gesehen hatte, als es nur ein Safety-Car gab.
Toyota setzte daher auf eine eher ungewöhnliche Strategie. Statt den ersten Stint zu Ende zu fahren, verkürzte man ihn auf nur 8, beziehungsweise 9 Runden. Da das Feld eng zusammenlag, bedeutete dies vor allem, dass man zwei Vorteile erlangte. Der erste Stopp war kürzer, weil man nicht so viel nachtanken musste. Die Konkurrenz fuhr 11 Runden, stand also rund 15 Sekunden länger an der Box. Zudem rutschte man durch den Stopp nach vorne und machte auf der Strecke Positionen ohne schwierige Überholmanöver gut. Das sparte nicht nur Nerven, sondern auch Zeit.
Nach einer Stunde lag die #8 auf dem ersten Platz, die #7 auf P5. Das Problem war natürlich, dass man nun Off-Squence war und beim nächsten Stopp wieder ins Mittelfeld rutschte. Toyota beseitigte das Problem durch zwei Stints über i13 Runden und schnelle Rundenzeiten in den ersten sechs Stunden. Dabei sah die #8 lange so aus, als wäre es das schnellere Auto.
Allein war Toyota an der Spitze aber nicht. Die BMW und die Cadillac legten bei Asphalttemperaturen von rund 50 Grad ein hohes Tempo ein. Dabei kristallisierte sich in den ersten Stunden schnell heraus, dass es vor allem die beiden Jota-Cadillac und der BMW mit der Startnummer #20 waren, die das Tempo vorgaben. Der zweite BMW (#15) hatte nach wenigen Stunden eine leichte Berührung mit einem LMP2, was zu einem Reifenschaden führte. Der trat aber erst in Tetre Rouge auf und man musste eine ganze Runde mit dem Plattfuß hinter sich bringen. An der Box angekommen funktionierte zudem der schnelle Wechsel der Heckpartie nicht, sodass das Auto früh eine Runde auf die Spitze verlor.
Spannende Nacht
In den folgenden Stunden und der Nacht setzte sich das Wechselspiel an der Spitze fort. Mal führte einer der beiden Cadillac, mal der Toyota, mal der BMW. Selten spreizte der Abstand auf mehr als 60 Sekunden an. Direkte Duelle auf der Strecke waren die Folge, aber auch Fernduelle, die über die Rundenzeiten ausgetragen wurden. Die Zeiten lagen so eng zusammen, dass man schon in die Sektoren schaute, um zu schauen, wer wo Zeit gewonnen hatte. Ein so enges und faszinierendes Duell zwischen vier Autos hatte man lange nicht mehr gesehen.
Dabei half auch eine erste SC-Phase gegen 23.40 Uhr, die durch einen gestrandeten GT3-Ferrari ausgelöst wurde, der sich nach der Dunlop-Kehre aufgrund einer Berührung ins Kiesbett verabschiedet hatte. Hätte man auch mit einer Slow Zone belegen können, aber die Rennleitung wollte nach einer sehr langen Grün-Phase die Strecke säubern und beorderte die Safety-Car auf die Strecke. Damit rückte das Feld natürlich wieder zusammen.
Das war vor allem gut für das Racing der vier Spitzenreiter in der Nacht, die weiter ein hohes Tempo vorlegten. Erstes Opfer der Schlacht wurde dann gegen 4 Uhr am Morgen der Jota Cadillac #38, der lange den Eindruck machte, dass es das schnellere Auto war. Ein Problem mit der Servolenkung offenbarte ein grundsätzliches Problem mit der Hydraulik und das Team musste das Auto als Ausfall melden.
Doch es blieb bei vier Autos an der Spitze, denn mittlerweile hatte sich der zweite Toyota an die Spitze gearbeitet. Zwischen 5 Uhr und 11 Uhr (zweite SC-Phase) setzte sich der Kampf um P1 weiter fort, wobei es klar wurde, dass die Toyota die etwas besseren Autos hatten. Sukzessive erweiterte sich der Abstand um ein paar Sekunden hier und dort. Die Lücken zwischen den Autos überstiegen zwar selten 20 Sekunden, aber das war an diesem Wochenende schon eine halbe Welt. Die Autos waren so eng beisammen, dass sie bei den Rundenzeiten meist nur wenige Zehntel auseinanderlagen. So war es schwer, einen Rückstand von mehr als 10 Sekunden wieder zuzufahren.
Eine entscheidende FCY
Am Ende war es auch das Glück, dass Toyota half. Zwei Stunden vor Schluss gab es eine kurze FCY. Dabei musste die #7 zu einem kurzen Notstopp an die Box, um dann eine weitere Runde später den Rest des Tanks aufzufüllen. Aber warum verlor der Cadillac, der bis Runde 326 knapp führte, bis zum letzten Stopp dann plötzlich so viel Zeit? Die 53 Sekunden sind kein einziger Fehler, sondern zwei getrennte Verluste von je rund 22-24 Sekunden: einmal durch die ungünstige Streckenposition bei der zweiten FCY (der Caddy lag ein Stück hinter dem Toyota und musste länger und FCY bis zur Box fahren), einmal durch den längeren regulären Stopp danach (Caddy wechselte die Reifen (1:04 vs 1:21 Standzeit). Dazu 7 Sekunden auf der Strecke verloren durch leicht unterlegene Pace in den Runden 328-332. Und so verlor Jota das Rennen. Einfach ein für sie ungünstiger Zeitpunkt für die FCY und weil sie die Reifen früher wechseln mussten.
Am Ende wurde es noch ein Benzin-Krimi, denn der letzte Stopp der vier Führenden passierte 42 Minuten vor dem Ende des Rennens. Das Problem: Ein Stint über 12 Runden dauert rund 41 Minuten. Irgendwo musste die fehlende Minute also herkommen, sprich: Man musste einen 13-Runden-Stint einlegen. Das betraf, bis auf den Cadillac, aber alle Führungsfahrzeuge, weswegen kein Angriff mehr erfolgen konnte. Alle wollten nur noch die Position sichern und ins Ziel bringen.
Es war eine ziemlich geniale Strategie der Japaner, vor allem in den ersten Stunden des Rennens, und Toyota hatte auch das nötige Glück dabei. Die #7 schleppte seit Stunde 6 einen defekten Antriebswellensensor mit sich rum, was schnell zu Problemen hätte führen können. Hinzu kam das Glück bei der letzten FCY. Und die #7 war nicht mal das schnellste Auto auf der Strecke, das war die #8, wie die mittleren Rundenzeiten (nur unter Grün, keine Outlaps) beweisen:
Toyota #8: 3:28.393
Toyota #7: 3:28.969
BMW #20: 3:28.802
Cadillac #12: 3:28.750
Die #8 hätte eigentlich gewinnen müssen, aber Le Mans ist eben Le Mans. Glück bei den FCY und Slow Zones gehört dazu. Toyota hat das Rennen aber nicht gewonnen, weil man Glück hatte. Man gewann, weil man das insgesamt bessere Auto hatte. Als einzige war man dazu in der Lage bei allen Streckentemperaturen konstant schnelle Zeiten zu fahren. Die BMW und Cadillac hatten zwischenzeitlich Temperaturfenster, in denen man nicht so pushen konnte, vor allem im dritten Stint. Das waren minimale Unterschiede, aber schon ein paar Zehntel, die man über einen gesamten Stint verlor, reichten in diesem Jahr aus.
BMW mit 2 Stopps weniger
Bei genauer Analyse fragt man sich aber, warum der BMW nicht gewonnen hat. Man hatte klar das zweitschnellste Auto, und während die #7 zweimal während einer FCY an die Box zum Notstopp musste und am Ende auf 32 Stopps kam, hatte der BMW nur 30 Stopps. Der Zeitverlust eines Notstopps unter FCY liegt aber nur bei rund sieben Sekunden. Dennoch hätte der BMW 14 Sekunden gespart.
Ich bin die Daten durchgegangen und habe selbst ein KI-Modell auf Rundenzeitenanalyse trainiert. Aber in beiden Fällen (meine Erfahrung vs. KI) habe ich nichts gefunden, was BMW falsch gemacht hätte. Das Auto lief problemlos. Die Stopps waren perfekt. Man machte auf der Strecke keine Fehler. Es gab keine Ausrutscher, Dreher oder Berührungen.
Auch hatte BMW in diesem Jahr keine Probleme mit dem Reifenverschleiß. Im Gegenteil. Bei den sehr hohen Asphalttemperaturen von knapp 40 bis 50 Grad tagsüber drehten die #20 sehr schnelle Runden. Als die Streckentemperaturen unter 30 Grad rutschten, war man ebenfalls sehr schnell unterwegs. Es gab nur das schmale Fenster zwischen 30 und 40 Grad, wo die KI leichte Abweichungen gefunden hat. Allerdings können diese Abweichungen auch mit der langen Pause durch das SC zusammenhängen. Ich habe die Unterbrechung zwar herausrechnen lassen, aber die Aufwärmrunden nach der Freigabe zeigen zumindest an, dass die BMW etwas Zeit benötigt haben, um die vorherigen Zeiten wieder zu erreichen.
Da aber Sonntag ein weiteres SC gegen 11 Uhr das Feld wieder zusammengeführt hatte, spielt das auch keine Rolle. Hier lag der BMW dann nur wenige Sekunden hinter dem Toyota und auch der Cadillac spielte noch eine Rolle im Kampf um den Sieg. Es war die FCY zwei Stunden vor Schluss, die das Rennen entschied.
Das ist ein wenig bitter für BMW, die nichts falsch gemacht hatten. Zwar wäre es allein aus taktischen Gründen für BMW besser gewesen, wenn auch das zweite Auto in der Spitzengruppe gelegen hätte, aber der reine Speed war nicht ausschlaggebend für die Niederlage gegen Toyota. Nichts falsch gemacht und doch verloren. Aber man lernt in Le Mans, dass das Glück (irgendwann) auch zu jenen kommt, die konstant dabei sind. Dazu passt es, dass Toyota vor genau 10 Jahren das Rennen tragischerweise in der letzten Runde verloren hatte. Dieses Mal kam er mit einem kaputten Antriebswellensensor durch. Es sollte ein Ansporn für BMW sein, weiter in Le Mans anzutreten.
Cadillac nah am Sieg
Genauso wie BMW hätte auch Cadillac mit ein bisschen mehr Glück das Rennen gewinnen können. Es war schon ein wenig überraschend, wie gut Jota, nominell ein Privatteam, in Le Mans aufgestellt war. Dass der über den Winter renovierte Cadillac gut ist, hatte man schon bei den Rennen in Imola und Spa gesehen. Aber so stark, vor allem über die Distanz, hatte ich sie nicht erwartet. Für Cadillac gilt ungefähr das Gleiche, was ich zu BMW geschrieben habe. Nichts falsch gemacht und dennoch das Podium verloren.
Eine Einschränkung gibt es aber doch: So richtig mochte der Cadillac die hohen Asphalttemperaturen nicht. Bis 40 Grad ging es, danach waren die Möglichkeiten des Autos beschränkt. Zeiten unter 3.27, wie bei den Toyotas, tauchten dann nicht mehr auf, weil die Reifentemperaturen dann doch zu stark stiegen. Das zeigt sich dann auch in den mittleren Rundenzeiten. Cadillac war also nicht ganz so gut wie die Toyota und der BMW.
Aber wir reden hier wirklich über Marginalien. Nur zur Erinnerung: Der Vorsprung des Toyota vor dem BMW betrug im Ziel 10 Sekunden. Das heißt umgerechnet, dass der BMW über die 24 Stunden, inklusive aller Vorkommnisse und Stopps, 0,45 Sekunden pro Stunde (!) verloren hat. Bei Cadillac sind es rund 1,2 Sekunden, auch wieder pro Stunde. Das zeigt, wie eng es vorne war.
Der Rest des Feldes
Ferrari
Die anderen Teams hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Ferrari war klar zu langsam. Hier dürfte aber eine Kombination aus mehreren Dingen vorgelegen haben. Der 499P hat außer Kleinigkeiten bisher kein großes Update erhalten, während Toyota, BMW und Cadillac über den Winter einen Evo-Joker eingesetzt hatten. Ferrari hatte also das älteste Auto bei den Spitzenteams. Die BoP scheint den Ferrari auch nicht zugeneigt gewesen sein. Hinzu kamen zum ersten Mal unsaubere Rennen. Die #50 fiel mit einem Problem an der Elektrik aus, die #51 musste einmal an der Box überprüft werden. Die #83 war insgesamt zu langsam. Immerhin reichte es am Ende noch zu P5 und P7, aber das war schwer erkämpft.
Man hörte auch leichte Klagen aus dem Ferrari-Lager über die etwas überarbeiteten Michelin. Wobei hier die Frage ist, ob das etwas in die Jahre gekommene Chassis hier die Hauptschuld trägt. Toyota, Cadillac und BMW hatten ja keine Probleme und vor allem BMW und Cadillac profitierten von dem deutlich erweiterten Arbeitsfenster der Michelin. Warum der Ferrari hier Probleme haben sollte, erschließt sich mir nicht. Nach drei Siegen in Folge, hält sich die Trübnis aber auch im Rahmen. Zumal P5 und P7 jetzt so schlecht auch nicht sind.
Alpine
Überraschend schnell waren zumindest in der ersten Stunde die Alpine. Die hatten schon in den Trainings und der Quali eine gute Leistung gezeigt. Im ersten Stint des Rennens tauchte Ferdinand von Habsburg auf P2 auf und setzte sogar dazu an, die Spitze vom BMW zu übernehmen, was dieser knapp abwehren konnte. Danach ging es allerdings für die Franzosen nicht mehr vorn. Das Problem lag beim Reifenverschleiß, weswegen man im zweiten Stint schon vom Gas gehen musste. Der dritte Stint sah noch schlechter aus.
So verloren die Alpine dann langsam an Boden und rutschten in der Wertung zurück. Wirklich wehren konnte man sich dagegen nicht. Man profitierte dann stark von den beiden SC-Phasen, weil sie das Auto wieder an die Spitze führten. Ohne diese SCs hätte man am Ende eine oder zwei Runden zurückgelegen. Es war insgesamt kein schlechter Abschied für die Alpine aus Le Mans. Man platzierte die #35 am Ende zwischen den beiden Ferrari auf P6.
Aston Martin
P8 ging an die #007 von Aston. Das britisch-amerikanische Team zeigte mit Valkyrie eine zwar ansprechende, aber auch leicht enttäuschende Leistung im Rennen. Zwar hatte man am Testtag das schnellste Auto, aber dass die Zeit von 3:26.293 Minuten nicht wirklich aussagekräftig war, sollte auch klar sein. Tatsächlich war Aston aber schon nahe der Möglichkeiten unterwegs. Im Rennen lag die Bestzeit des #007 bei 3:26.611 Minuten.
Das war aber nicht das ausschlaggebende Problem. Wie beim Alpine lag das mehr in den Durchschnittszeiten der Stints begründet, die beim Aston insgesamt schlechter waren, als bei den Franzosen. Ob hier eine minimal bessere BoP geholfen hätte, wage ich zu bezweifeln. Positiv ist aber zu vermerken, dass sich die Aston gegenüber dem letzten Jahr massiv verbessert haben und dass beide Autos ins Ziel kamen. Bei der #009 gab es gegen Ende zwar einen Aufhängungsschaden, aber den konnte man sogar noch beheben. Wenn das Team das Auto weiter so verbessert, wird man sie in dieser WEC-Saison noch weiter vorne sehen. Insgesamt wird man zufrieden sein.
Peugeot
Die Peugeot gingen mal wieder unter. Was jetzt keine Überraschung war, aber der Abstand zur Spitze war schon deprimierend hoch. Nach der Qualifikation am Mittwoch belegte man die hinteren Plätze und die Franzosen waren stocksauer. So sehr, dass es keine Antworten an die Medien gab. Man kann sich denken, auf wen Peugeot so sauer war. Einen großen Teil der mangelnden Leistung schiebt man vor allem auf die BoP.
Die mag eine gehörige Rolle spielen, zumal die Peugeot in Spa ja noch auf der Pole standen und im Rennen insgesamt eine gute Figur machten. Aber Le Mans ist halt nicht Spa. Das mittlerweile zweimal angepasste Chassis der Franzosen war für ein ganz anderes aerodynamisches Konzept ausgelegt und diese DNA steckt auch weiter im Auto. Die Probleme auf den langen Geraden, die vor allem durch eine mangelnde aerodynamische Effizienz ausgelöst werden, lassen sich nicht wegdiskutieren.
Die Franzosen wollen 2027 mit einem neuen Auto an den Start gehen, was immerhin die gute Nachricht beinhaltet, dass man nicht aufgeben will. Ob und inwieweit die BoP die Franzosen behindert, ist schwer zu sagen. Um das Verhältnis zwischen dem Team und vor allem dem ACO ranken sich diverse Gerüchte, deren Wahrheitsgehalt fragwürdig ist. Sicher, begünstigt durch die BoP waren die Peugeot nicht, aber warum sollten sie das auch?
Genesis
Bleiben die Genesis, die hier zwar hinter den Peugeot und Aston auftauchen, vom potenziellen Leistungsniveau aber vor ihnen liegen müssen. Für den ersten Auftritt war das schon recht beeindruckend, was Genesis geleistet hat. Eine saubere Quali und im Rennen lag man in den ersten Stunden zweiweise um P5 rum und hatte sich in den Top 10 etabliert.
Das Rennen der Marke fiel dann nach rund acht Stunden in sich zusammen. Das enorm hohe Tempo sorgte vor allem für Probleme im dritten Stint und beide Autos fielen langsam aber sicher zurück und man kämpfte mit den Aston Martin. Am Morgen musste man dann beim ersten Auftritt Lehrgeld bezahlen. Die #17 fiel mit einem Aufhängungsschaden aus, die #19 stand für einige Runden an der Box und wurde als Letzter in der Klasse gewertet. Aber immerhin hat man ein Auto ins Ziel bekommen. Für ein komplett neues Team ist das immerhin ein Anfang.
Fazit
Es war ein gigantisches Rennen. Wann haben wir zuletzt drei Marken gesehen, die echte Chancen auf den Sieg hatten? Wann vier Autos, die um das Podium kämpfen, und am Ende innerhalb von 30 Sekunden langen? Das 24-Stunden-Rennen entwickelt sich zu einer Hatz, einem Rennen, in dem es keine Pause mehr gibt und jeder Ausrutscher beim Reifenwechsel die Entscheidung bringen kann. Es ist auch wieder ein Rennen, in dem die Zuverlässigkeit über allem steht, so wie es in einem 24-Stunden-Rennen sein soll. Ein kleiner Schaden, ein geplatzter Reifen, ein paar verlorene Sekunden an der Box – schon ist man fast raus aus dem Kampf um den Sieg.
Ein Wort noch generell. Es gab zwei SC-Phasen. Eine um 23.40 Uhr, eine gegen 10.40 Uhr. Beide nach Unfällen. Die erste löste wie beschrieben der Vista AF Corse Ferrari aus, der nach einer Berührung mit einem LMP2 im Kies strandete. Die zweite betraf den Manthey Porsche #91. DTM-Champion Ayhancan Güven brach die Lenksäule am Ausgang der ersten Schikane und er landete ohne Chance auf Korrektur in den Reifenstapeln.
Es war tatsächlich der einzige Unfall im Rennen, und der entstand nur aufgrund eines technischen Defekts. Und das in einem Rennen, das enorm schnell war und in dem an und auf der Strecke ungewöhnlich heiß war. Das sagt vor allem etwas über den sehr hohen fahrerischen Standard aus, den die Organisatoren mittlerweile durchsetzen. Auch die Amateurfahrer sind mittlerweile eher Semi-Pros, was nicht nur dem Rennen, sondern vor allem der Sicherheit gut tut.
Le Mans 2026 war eine regelrechte Schlacht. 2027 wird das nicht anders sein. Im Gegenteil. Ferrari wird nachlegen, BMW wird sich verbessern und Jota-Cadillac ebenfalls. Genesis wird besser dastehen und vielleicht hat Peugeot dann auch mal ein vernünftiges Auto. Hinzu kommen McLaren und Ford als neue Starter. Von McLaren erwarte ich im ersten Jahr nicht viel, aber bei Ford, die auch traditionell eng mit Le Mans verbunden sind, erwarte ich mehr. Man kann sich jetzt schon freuen. Aber sicher ist schon jetzt: 2027 gewinnt das Team, das auch das nötige Glück mitbringt.
Liste der Ausfälle:
#13 Corvette GT3 (Schaden nach Kollision)
#61 Mercedes GT3 (Hintere Aufhängung)
#54 Ferrari GT3 (Kollision)
#79 Mercedes GT3 (Motor)
#38 Cadillac Hypercar (Servolenkung, Hydraulik)
#17 Genesis Hypercar (Aufhängung)
#77 Ford Mustang GT3 (Getriebe)
#91 Porsche GT3 (Unfall, Lenkungsbruch)
#50 Ferrari Hypercar (Elektrik)
#30 Duqueine LMP2 (Aufhängung)
#27 Aston Martin GT3 (Bremse vorn rechts)
#69 BMW GT3 (Getriebe)
#15 BMW Hypercar (Diverses)





















































































