Home LMS24 H Le Mans24h Le Mans 2021: LMP2 – Spannung bis zur Zielflagge

24h Le Mans 2021: LMP2 – Spannung bis zur Zielflagge

von DonDahlmann
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Die LMP2 war auch in diesem Jahr wieder die Klasse, in der er am engsten zuging. Am Ende ging es um 0,7 Sekunden.

Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie sich Robert Kubica, Lois Delétraz und Ye Yifei gefühlt haben müssen. Die WRT Mannschaft mit der Startnummer 41 hatte das Rennen weit über die Hälfte der Distanz dominiert und sich keine Fehler erlaubt. Und dann versagt in der letzten Runde, auf dem Weg zur Zielflagge, der Sensors des Gaspedals. Ein simpler, einfacher Sensor, der nach 23 Stunden und 58 Minuten seinen Dienst einstellte. 180 Sekunden hätte er noch halten müssen. Und was für eine Geschichte wäre es gewesen, wenn Robert Kubica, 10 Jahre nach seinem schweren Unfall, ein Klassensieg in Le Mans gelungen wäre. Aber Le Mans ist Le Mans und manchmal ist es brutal zu den Teams.

Dabei hatte die WRT-Mannschaft auch nicht gerade den besten Start ins Wochenende. Solide zwar, aber nicht in der Nähe des Tempos, den die Spitzen-Teams gingen. Es fielen vor allem der Jota #38 mit Anthony Davidson, Roberto Gonzales und Felix da Costa und der G-Drive #26 mit Roman Rusinov, Nyck DeVries und Franco Colapinto auf, die ein enormes Tempo nach dem Start gingen. Der Jota war unfassbar schnell und setzte sich in wenigen Stunden um fast eine Minute ab. Ein in der LMP2 schon fast abnormer Vorsprung an der Spitze so früh nach dem Start.

Aber beide Teams leisteten sich Fehler, die dazu führten, dass sie weit zurückfielen. Davidson versenkte das Auto im Kies, Rusinov hatte einen leichten Unfall und beschädigte den Oreca. Damit war man raus im Kampf um die Spitze. Genau diese Fehler machten die WRT nicht. Das Ex- (und vielleicht ab 2023) wieder Audi-Werksteam lieferte bei seinem ersten Auftritt in Le Mans eine fehlerfreie und grandiose Vorstellung ab. Die #41 hatte schon den zweiten Platz in der Quali und hielt sich dort auch im Rennen. Die #31 musste von P11 starten, wühlte sich aber schnell durchs Feld und lag in der zweiten Stunde auf P3 hinter dem Schwesterauto. Man hatte also jede Menge Speed und den nutze man auch.

Ab der sechsten Stunde lag der WRT #41 in Führung blieb dort auch bis zur letzten Runde. Die  #31 mit Robin Frjins, Ferdinand Habsburg und Charles Milesi gesellte sich dann ab der siebten Stunde dazu. Ab diesem Zeitpunkt dominierten beide WRT das Feld und schafften es sogar eine Runde Vorsprung auf die restliche LMP2 herauszufahren. Und das, ob wohl bei der #31 die hydraulischen Wagenheber irgendwann den Geist aufgaben. Bei jedem Stopp behalf man sich dann mit einem aufblasbaren Kissen, dass man unter das Auto schob. Muss man auch erst einmal dabei haben.

Dem Rest des Feldes ließ man zunächst keine Chance. Das hatte auch damit zu tun, dass die anderen sich immer wieder in Zweikämpfe verwickelt sahen. Darunter waren vor allem die schnellen Oreca von Panis, der zweite Jota und die United, die sich immer wieder auf der Strecke bekämpften. Das kostete natürlich Zeit, worüber sich vor allem der zweite Jota #28 mit Tom Blomqvist, Stoffel Vandoorne und Sean Galael am Ende ärgern werden. Vor allem der schön anzusehende Kampf mit dem Panis sorgte für erhebliche Zeitverluste auf der Strecke.

Denn am Ende schlug der Defekt-Teufel dann doch bei WRT zu. Die #41 erwischte es wie erwähnt in der letzten Runde aber auch die #31 schleppte weitere technische Probleme um den Kurs, die das Auto verlangsamten. Ganze fünf Sekunden nahm Blomqvist dem WRT in der letzten halbe Stunde pro Runde ab und in der letzten Runde hatte man den WRT eingeholt. Um ein Haar wäre Jota noch der Sieg gelungen, denn in der Ford-Schikane war knapp hinter dem WRT. Da aber viel Verkehr war, konnte sich das Newcomer Team mit sage und schreibe 0,7 Sekunden Vorsprung noch auf P1 retten. Das dürfte der knappste Zieleinlauf in der Klasse gewesen sein, den Le Mans jemals erlebt hat. Hätte man im Zweikampf mit Panis nicht so viel Zeit verloren, hätte Jota den WRT vorher auf der Strecke überholen können. Aus einem dominanten Doppelsieg für WRT wäre dann in der letzten Runde eine Niederlage geworden. Das Panis Auto sicherte sich durch den Ausfall der #41 dann noch einen durchaus verdienten dritten Platz in der Klasse.

Gar nicht vorne sah man die heimlichen Favoriten des Rennens, die United LMP2. Mit drei Autos angereist hatte man die Wiederholung des Sieges aus dem letzten Jahr klar vor Augen. Aber die Woche lief nicht gut für das Team von Zak Brown. Favorisiert war die #22 mit Felipe Albuquerque, Phil Hanson und Fabio Scherer, aber die hatten schon in der Quali Pech. Die schnelle Runde von Albuquerque wurde durch eine rote Flagge unterbrochen und er schaffte es nicht mehr, eine bessere Zeit zu fahren. Damit war die Hyperpole Session unerreichbar und man musste von P12 starten.

Während das auf P11 gestartete WRT Team sich aber nach vorne arbeiten konnte, blieb der United lange im Verkehr stecken. Auch bei den anderen United sah man nicht das gewohnte Tempo. Zwar zeigte sich die #23 mit Wayne Boyd, Alex Lynn und Paul di Resta auf P3, aber das auch nur kurz. Bitter wurde es dann, als das Auto nach einem kurzen Regenschauer im Dunlop-S quer über das Kiesbett flog uns ausgerechnet das Schwesterauto #32 abschoss. Für diese Mannschaft war das Rennen dann vorbei, die #23 konnte nach länglichen Reparaturen weiterfahren.

Der Regenschauer wurde auch dem Damenteam im Richard Mille #1 zum Verhängnis. Wie im letzten Jahr ließen es Beistke Visser, Tatiana Calderon und Sophia Flörsch nach dem Start eher ruhig angehen, arbeiteten sich aber stetig nach vorne. Zum Zeitpunkt des Regenschauers am späteren Abend lag man auf P12, was schon nicht schlecht war. Dann flog der G-Drive #26 beim Überholen wegen Aquaplaning ab und nahm dabei den Richard Mille P2 mit. Da saß Sophia Flörsch am Steuer, die aber machtlos war. Ihr Auto kam zum stehen und rollte dann aber wieder zurück auf die Strecke, wo der Eurasia Liger viel zu schnell in der Unfallstelle (es wurde Doppelt Gelb) geschwenkt) fuhr und dann das Auto von Flörsch torpedierte. Die versuchte noch an die Box zu kommen, bekam das Auto aber nicht mehr gestartet. Zudem war nach dem doppelten Unfall das Medical Light an und sie hätte so oder so aussteigen müssen. Sie war aber völlig ok nach dem Unfall.

War es vorne in der P2 aufgrund der Dominanz der erstaunlichen WRT-Mannschaft eher nicht so abwechslungsreich, war es in der Pro/Am-Klasse hektisch. Der ACO hatte diese Klasse in diesem neu eingeführt, um Amateuren eine bessere Chance zu geben. Dafür gab es auch eine eigene Siegerehrung, also einen echten Klassensieg in Le Mans. Daher gab es einige ambitionierte Teams, darunter Dragonspeed mit Juan Pablo Montoya, Hendrick Hedman und Ben Haley. Dazu kam das Racing Nederland Auto mit Frits van Eerd, Job van Uitert und Guido van der Garde. Ebenso stark besetzt war das RealRacing Team mit Loic Ducal, Norman Nato und Esteban Garcia. Auch stark waren beide High Class Autos, vor allem die #49 mit der Familie Magnussen und Anders Fjordbach. Aber die hatten die ganze Woche Pech mit dem Motor, der immer wieder Sorgen machte und auch das Ersatzaggregat machte Zicken im Rennen.

Am Ende kristallierten sich die drei erstgenannten Teams als Kandidaten für den Sieg raus. Und alle drei leisteten sich diverse Fehler im Rennen, was die Sache verkomplizierte. Vor allem das Racing Team Nederland fand sich mehrfach im Kies wieder und verlor so sehr viel Zeit. Die Ausflüge gingen fast alle aufs Konto des Teambesitzers, aber auch van der Garde leistete sich einen Highspeed Dreher der Marke „Code Brown“. Bei RealRacing habe ich im TV keine Fehler gesehen, allerdings war Gracia nicht auf dem Niveau der anderen Fahrer. Da war Dragonspeed insgesamt etwas besser aufgestellt.

Aber richtig absetzen konnte sich die Mannschaft zunächst auch nicht. Erst am Morgen und gegen Mittag gelang es Montoya das Auto auch nach dem Boxenstopps in Führung zu halten. Groß war der Vorsprung allerdings nicht und das Rennen entschied sich erst in der letzten Stunde. Aufgrund der gewählten Boxensequenz kam Dragonspeed rund 35 Minuten vor Schluss an die Box. Und da musste man unbedingt Hedman noch mal ans Steuer lassen, weil diesem sage und schreibe 51 Sekunden auf seine Mindestfahrzeit fehlten. RealRacing hatte dagegen Duval am Steuer, der dann auch ordentlich Gas gab und den Vorsprung von Hedman auf 10 Sekunden eindampfte. Dummerweise musste man aber noch mal für einen Splash an die Box, was man 10 Minuten vor Schluss erledigte. Da wäre man besser auch früher gekommen, hätte kürzer gestoppt und dann versucht die knapp 80 Sekunden Rückstand noch einzuholen. Was auch eher schwierig gewesen wäre.

Montoya konnte damit einen weiteren Sieg in einem wichtigen Rennen zu seiner Sammlung hinzufügen. Da finden sich jetzt ein Klassensieg in Le Mans, drei Gesamtsiege bei den 24h von Daytona, zwei Indy 500 Siege, ein CART Titel, Formel 3000 Titel, ein Sieg in der F1 in Monaco, ein IMSA Titel, drei NASCAR Siege im Cup und einer in der Nationwide Serie. Mehr kann man in einem Rennfahrerleben kaum gewinnen und man kann schon jetzt sagen, dass Montoya eine echte Legende ist.

Bilder: ACO

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