Dieses Mal hatte in Dover nicht Jimmie Johnson das Pech, sondern der lange führende AJ Allmendinger. Hätte ihn ein Reifenschaden nicht weit zurückgeworfen, wäre der erste Cup-Sieg möglich gewesen. Stattdessen erhielt Johnson eine späte Belohnung nach dem vergeigten Frühjahrsrennen auf dem Dover International Speedway.
In dieser Woche war Dauermeister Jimmie Johnson das Glück mal wieder hold, nachdem er in New Hampshire noch als Letzter der zwölf Chaser das Rennen beendete. Die #48 fuhr konstant in der Spitzengruppe mit und konnte vom Pech AJ Allmendingers profitieren, der lange wie der sichere Rennsieger aussah. Ein Reifenschaden kurz vor Rennhalbzeit kostete den Ford-Piloten eine ganze Runde und es gelang ihm im Anschluss nur noch, knapp in die Top10 zurückzufinden. Doch hübsch der Reihe nach, wobei das Dover-Rennen schnell zusammengefasst ist. Nur vier Cautions sorgten dafür, dass der zweite Chase-Lauf bereits nach 3 Stunden und 2 Minuten beendet war.
AJ Allmendinger holte sich schon in Runde 14 die Führung von Polesitter Jimmie Johnson und startete daraufhin seinen unwiderstehlichen Run in Front des Feldes. Der wurde vor seinem Reifenschaden nur zweimal unterbrochen: Zu einen entdeckte NASCAR in Runde 38, dass eine der Abdeckungen der Caution-Warnlampen am Fangzaun drohte, auf die Strecke zu fallen. Nach Behebung des Schadens und den ersten Boxenstopps führte Allmendinger die Meute zum Restart, gefolgt von Martin Truex Jr, der ebenfalls lange Zeit auf dem Weg zu einem Top-Resultat sein sollte. Greg Biffle, Juan Pablo Montoya und Jimmie Johnson komplettierten zu diesem Zeitpunkt die Top5.
Zum anderen löste David Reutimann recht bald darauf in Runde 50 eine zweite Gelbphase aus, weil er übersah, dass Ryan Newman auf der Innenbahn schon neben ihn gezogen war. Ein Einschlag in der Mauer war die Folge, was neben Reutimanns Auto auch sein Rennen zerstörte. Fast unverändert starteten die Top5 in Umlauf 55 erneut zum Kampf um die Spitzenposition von AJ Allmendinger, lediglich Denny Hamlin hatte sich bis dahin auf den fünften Rang vorgeschoben.
Danach kam das Dover-Rennen bis kurz vor Rennhalbzeit in einen Lauf und prägte wie soviele Meisterschaftsläufe in diesem Jahr seinen Langstreckencharakter aus. In Runde 112 unterbrachen die ersten Boxenstopps unter grüner Flagge die Rennaction und zogen sich bis Umlauf 122 hin, wobei Bobby Labonte aber etwas länger mit dem Nachtanken wartete. So kam es dazu, dass kurzzeitig nur noch weniger als zehn Fahrzeuge in der Führungsrunde unterwegs waren und eine plötzliche Caution das komplette Rennen durcheinander gewürfelt hätte. Bevor Allmendinger in Runde 127 wieder die Führung von Labonte übernahm, musste Tony Stewart noch eine Durchfahrtsstrafe über sich ergehen lassen. Das kostete den Meisterschaftskandidaten am Ende ein gutes Ergebnis, da er zwei Runden zurückfiel. Auch Clint Bowyer erwischte ein schlechtes Wochenende als er in Runde 158 mit einem übersteuernden Auto die Mauer touchierte und sich danach sofort eine Runde Rückstand einfing.
Bis kurz vor Ende der ersten Rennhälfte sah es so aus, als ob niemand AJ Allmendinger auf dem Weg zu seinem ersten Cup-Sieg aufhalten könnte. Im Prinzip kam es ja auch so, denn nur die Haltbarkeit der Goodyear-Reifen am Richard-Petty-Motorsports-Ford machte dem Team mit der #43 einen Strich durch die Rechnung. In Runde 170 gingen die Pneus soweit in den Keller, dass Allmendinger einen vorzeitigen Boxenstopp inklusive „track bar adjustment“ einlegen musste. Das Team diagnostizierte daraufhin einen Reifenschaden am ausgewechselten Gummi und „The Dinger“ fand sich nun mit einer Runde Rückstand auf Platz 27 außerhalb der Boxenstopp-Sequenz wieder.
Die Führung gab man an Jimmie Johnson ab, der bereits seit mehreren Runden hinter Allmendinger lauerte. Das Letzte, was die Mannschaft von RPM nun gebrauchen konnte, war eine weitere Gelbphase und ausgerechnet die kam nach dieser langen Caution-freien Periode in Runde 186 von 200, weil auch bei Matt Kenseth ein Reifen schlapp machte und damit einem weiteren Chaser wertvolle Punkte kostete. Besonders tragisch wurde diese Gelbphase, weil Allmendinger in dem Moment genau einen Platz hinter dem ersten Überrundeten lag und somit den „lucky dog“ nur knapp verpasste. Der aufgrund der anderen Pit-Sequenz ausgelassene Boxenstopp brachte ihn mittels „wave around“ aber wieder zurück in die Führungsrunde.
Der Restart erfolgte in Runde 193 und wurde von Jimmie Johnson angeführt, der dabei Martin Truex Jr und Kyle Busch direkt im Schlepptau hatte. Kurz darauf war auch der Nachmittag von Truex gelaufen, der sich hinter den jeweils Führenden immer in aussichtsreicher Position für ein Top-Resultat aufgehalten hatte. In Runde 208 musste er mit einem losen Reifen die Boxengasse ansteuern, wo nach dem Reifenwechsel beim Runterlassen des Autos vom Wagenheber die Achse brach. Nach 17 langen Runden Reparaturpause konnte der Toyota mit der #56 aber noch zur Schadensbegrenzung auf die Strecke zurückkehren.
Die entscheidende und spannendere Phase des Rennens begann in Dover nach dem Ausscheiden einiger Favoriten dann wie so oft in diesem Jahr erst spät – in diesem Fall mit einer Debris-Caution 110 Runden vor Schluss. Bei den folgenden Boxenstopps konnte die Crew von Kyle Busch am schnellsten arbeiten und den Toyota mit der #18 in Führung bringen. Jimmie Johnson, Joey Logano, Carl Edwards und Jeff Burton folgten Busch beim Restart in Runde 295 dann auf den Fersen. Johnson war für den finalen Kampf in Umlauf 337 wieder bei Kyle Busch angekommen, der zwischendrin als dritter Pilot ernsthafte Ansprüche auf den Sieg angemeldet hatte. Nach dem Führungswechsel standen zum Abschluss noch einmal weitere „green flag pit stops“ an, in deren Folge Johnson ungehindert seinen ersten Chase-Erfolg in diesem Jahr einfahren konnte.
Das Dover-Herbst-Rennen war in diesem Jahr nun nicht unbedingt der Reißer, das kann aber natürlich auch nicht immer der Fall sein. Alles in allem hat es gereicht bei drei oder vier entscheidenden Zwischenfällen seine Aufmerksamkeit auf den TV zu richten, um nichts Wichtiges zu verpassen. Zur Übersicht noch die Ergebnisse der Playoff-Piloten:
– Jeff Burton fuhr ziemlich unauffällig in die Top5 und konnte sich einen zweiten Rang hinter Jimmie Johnson sichern. Damit rückte er in der Meisterschaft zwei Plätze vor und rangiert nun als Siebter 80 Punkte hinter Denny Hamlin.
– Die beiden Busch-Brüder sicherten sich ebenfalls Top-Ergebnisse und sind auch in der Punktetabelle nicht mehr als 60 Punkte von der Spitze entfernt. Kyle Busch (4.) hielt sich schadlos und avancierte sogar kurzzeitig zu einem Sieg-Favoriten, während Kurt Busch (6.) mehr zu kämpfen hatte und sogar zu schnell in der Boxengasse erwischt wurde.
– Dazwischen schob sich Carl Edwards als unauffällig gefahrener Fünfter. Von Tabellenführer Denny Hamlin war ebenfalls wenig zu sehen, doch ein neunter Platz sicherte ihm wertvolle Punkte.
– Weitere Mitglieder dieser selten in Erscheinung getretenen Riege sind Jeff Gordon (11.) und Kevin Harvick (15.). Harvick büßte mit einem für ihn eher schlechteren Ergebnis ein paar Punkte ein und rangiert nun auf Platz fünf in der Meisterschaft mit 65 Punkten Rückstand auf Hamlin. In den „classic points“ – also ohne Chase-Rechnung – beträgt sein Vorsprung an der Spitze dagegen 208 Zähler vor Kyle Busch.
– Einen schlechten Nachmittag erwischten Matt Kenseth (18.), Greg Biffle (19.), Tony Stewart (21.) und Clint Bowyer (25.): Kenseth kann die Schuld bei seinem Reifenschaden suchen, während Teamkollege Biffle sein Auto nach einer guten Anfangsphase abstimmungstechnisch einfach nicht in den Griff bekam. Stewart musste nach seiner Durchfahrtsstrafe zwei Runden Rückstand hinnehmen, Bowyer nach dem Mauerkuss sogar deren drei. Auch er wurde zu schnell in der Boxengasse erwischt.
Jetzt noch die Nicht-Chaser im kurzen Überblick:
– Joey Logano sicherte sich hinter Jimmie Johnson und Jeff Burton einen sehr guten dritten Rang und auch Paul Menard tauchte plötzlich als Siebter in den Top10 auf. Ryan Newman wurde Achter.
– AJ Allmendinger gelang nach dem Reifenschaden eine tolle Aufholjagd, die leider bei Platz 10 endete.
– Mark Martin hatte wie so oft eine schwere Anfangsphase zu überstehen, in der nichts zusammenlief. Letztendlich konnte er sich aber von Rang 42 auf Platz 12 nach vorne arbeiten. Das darf den Routinier natürlich keineswegs zufriedenstellen, aber es ist schon eine Verbesserung im Vergleich zu den vorherigen Wochenenden.
– Jamie McMurray und Juan Pablo Montoya landeten geschlossen auf den Platzen 13 und 14, nachdem sich Montoya zuvor lange in den Top10 aufhalten konnte.
– Dale Earnhardt Jr musste nach seinem guten vierten Platz in New Hampshire wieder eine Niederlage einstecken und fing sich drei Runden Rückstand ein, die ihn auf Rang 23 zurückwarfen.
– Kasey Kahne (28.) konnte erneut nicht überzeugen und musste sich gar vier Mal überrunden lassen. Martin Truex Jr und David Reutimann beendeten das Rennen mit ihren ondulierten Autos auf den Plätzen 34 und 35.
Der sechste Saisonsieg bringt Jimmie Johnson damit auf Augenhöhe von Denny Hamlin, denn dessen Vorsprung in der Meisterschaft konnte Johnson auf 35 Punkte dezimieren. Interessant ist, außer dass Johnson und Hamlin jetzt beide dieselbe Anzahl an Siegen 2010 auf dem Konto haben, vielleicht noch folgendes Detail: Die #48 dominierte die letzten vier Rennen in Dover und mit Ausnahme von Mai 2010 konnte Johnson auch alle diese Meisterschaftsläufe für sich entscheiden. Früher in diesem Jahr war es bekanntlich Pech bei der Wahl der Boxengassengeschwindigkeit. Jimmie Johnson dürfte somit also letztlich wirklich bestätigt haben, dass die Entscheidung in der Meisterschaft nur über ihn gehen wird.
Der Kampf um die Top35 spitzt sich wieder zu, denn erneut saß Kevin Conway in der #7 von Robby Gordon Motorsports. Der Einsatz des Rookies war allerdings nach 129 Runden beendet und als angegebener Ausfallgrund erscheint ein Defekt der Benzinpumpe im Klassement. Sehr dubios, bedenkt man, dass nur drei Runden zuvor Landon Cassill im letzten „start & park“-Wagen mit der #71 das Rennen beendete. Zahlt ExtenZe jetzt Conways Einsätze oder nicht, was ist da los? Schon in Richmond war er nicht lange unterwegs. Da David Gilliland die #38 von Front Row Motorsports allerdings auf Platz 30 stellte, schrumpfte der Vorsprung der #7 nun auf 84 Zähler zusammen. Extrapoliert bedeutet das den Verlust eines garantierten Startplatzes für Robby Gordon Motorsports nach vier weiteren Rennen, falls Conway weiterhin am Steuer sitzen sollte. Da wird es noch ziemlich eng werden zwischen der #7 und der #38.
Für die #26 von Bill Jenkins sieht es derzeit schlecht aus: 166 Punkte lautet der Rückstand, nachdem Jeff Green nun zwei Mal in Folge die Qualifikation verpasst hat. Alle anderen Teams sind definitiv raus aus dem Kampf um die Top35 für 2010 und auch 2011. Dann gehen ja bekanntlich die letztjährigen Top35 der Owner-Wertung in den ersten fünf Saisonrennen garantiert an den Start, u.a. auch im so prestigeträchtigen Daytona 500.
Das dritte Chase-Rennen findet am kommenden Wochenende auf dem Kansas Speedway statt, zu normaler Sonntagabend-Zeit ab 19 Uhr. Zusätzlich ist dort auch noch die Nationwide Series unterwegs, während die Trucks pausieren.
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6 Kommentare
Kleine Korrektur der Busch-Brüder: Kurt hatte zu kämpfen, weil er beim Speeding erwischt worden ist. Immerhin hat er sich wieder auf Platz 4 vorgearbeitet, was Kyle so Platz 6 beschert hat.
Hat Kasey Kahne eigentlich überhaupt keine Lust mehr für Petty zu fahren? Seine Leistungen grenzen ja schon fast an Arbeitsverweigerung. Gibt es eigentlich eine Nachricht, für welches Team er im nächten Jahr fährt?
Kann es sein, dass auch Amerikaner des ewigen Kringelkreisens überdrüssig werden können? Mein Lieblingsfoto ist #3, dass die Tribünen in etwa so realistisch ablichtet wie der Aufmacher einer Pradwa aus den 70ern. Oder auch einfach chinesische Zustände in Dover.
Nein NoteMe sie sind nicht des Kreiserlfahrens überdrüssig sondern haben massive Geldsorgen. 20% weniger Leute im Schnitt sind einfach eine Folge der wirtschaftlichen Lage. Selbst die NFL merkts, es sind nicht mehr alle Spiele automatisch ausverkauft (Blackouts helfen dann…)
Zu Foto #3: Was bemängelst du daran? Das es keine Totale ist auf der man die gesperrten und halbleeren Tribünen sieht? Vielleicht sollte man nur dann Dinge bemängeln wenn sie eine Intention inne haben, das hier ist einfach ein Foto des Feldes bei der Einführungsrunde und selbst da erkennt man ganz oben eine Menge leere Plätze, man muss nur hingucken (wollen).
Als ich das Foto gesehen habe, musste ich an Phoenix‘ Imagetrailer denken. Auch hier erzählt der gewählte Ausschnitt eine andere Geschichte als ‚Das ganze Bild‘.
Ich weiß nicht, woher Du Deine Vermutung nimmst, das Bild wäre frei jeder Intention und genau wie hier abgebildet entstanden, die Quelle dafür würde mich jedenfalls interessieren!
Ich nehme meine Vermutung aus der gleichen Klamottenkiste wo du deine Prawda und chinesischen Verhältnisse herhast…
@ crusher75: Kahne fährt 2011 für Red Bull.
Wegen des Bildes: @noteme: Ich kann da auch beim besten Willen keine Prawda-artigen Aussschnitte erkennen. Im Gegenteil, wenn man die leeren Ränge oben links hätte nicht im Bild haben wollen, hätte der Fotograf nur weiter ran zoomen müssen, oder leicht nach rechts schwenken, wo dann die Boxen drauf gewesen wären.
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